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„ALS VERFÜHRER UND WAHRHAFTIGE“
„Indem wir in keiner Sache irgendeinen Anstoß geben, damit der Dienst nicht verlästert werde, … durch Ehre und Unehre, durch böses Gerücht und gutes Gerücht, als Verführer und Wahrhaftige“ - 2. Kor. 6:3,8.

Wie unterschiedlich sind die Erfahrungen eines aktiven Christen – Erfahrungen von Ehre und Unehre, von guten und schlechten Gerüchten, von Leiden um der Gerechtigkeit willen, von Verleumdungen als Betrüger usw.! Manche haben vielleicht mehr Aufmerksamkeit in der Öffentlichkeit als andere und ziehen daher mehr Aufmerksamkeit auf sich. Manche haben vielleicht ein größeres Betätigungsfeld und mehr Möglichkeiten als andere. Aber jeder treue Jünger Christi wird mehr oder weniger von diesen Erfahrungen machen, die in unserem Text und in seinem Kontext aufgezählt werden. Manche werden gut von uns sprechen und andere schlecht. Während des gesamten Evangelium-Zeitalters war es immer wahr, dass „alle, die gottselig leben wollen in Christus Jesus, verfolgt werden“ (2. Tim. 3:12). Dies gilt insbesondere für diese letzten Tage.

Unter den Brüdern Christi sollten alle Heiligen des Herrn Ehre haben. Zwar sollte niemand nach Ehre vor den Brüdern streben, dennoch sollte jeder, der den großen Schritt der vollständigen Weihung an Gott getan hat, große Wertschätzung erfahren – ganz gleich, wie unedel die Person nach dem Fleisch auch sein mag. Die Tatsache, dass Gott einen Menschen durch Seinen Heiligen Geist gezeugt hat, sollte uns dazu bringen, diejenigen zu respektieren, die der Herr auf diese Weise geehrt hat. Jeder Heilige, wie gering er auch sein mag, wird von unserem Herrn Jesus sehr geliebt; und deshalb sollten alle Kinder Gottes darauf achten, wie sie selbst den Geringsten Seiner Kleinen – ihre Brüder und Schwestern – behandeln.

„Als Verführer und Wahrhaftige“. Bei vielen Gelegenheiten wurde der große Apostel Paulus entehrt, zu anderen Zeiten wurde er geehrt. Man ließ sowohl böse als auch gute Berichte über ihn verbreiten. Er wurde von vielen, die sich als das Volk Gottes bezeichneten, als Betrüger angesehen. Doch die ganze Zeit über war er dem Herrn und Seinem Volk treu. Er galt als abtrünniger Jude, weil er nicht den Gehorsam gegenüber dem Gesetzesbund als einzige Hoffnung auf ewiges Leben lehrte. Er lehrte etwas weitaus Höheres – die Erlösung durch den Glauben an das Verdienst des Opfers Christi; und diese Doktrin ließ das Gesetz als minderwertig erscheinen. Deshalb warfen ihm seine jüdischen Mitbürger vor, dem Gesetz ihrer Väter untreu zu sein. Für einen Juden war dies eine große Unehre.

Infolgedessen wurden überall unter den ungläubigen Juden sehr böse Berichte über den heiligen Paulus verbreitet. Er wurde als einer der größten Betrüger gebrandmarkt, die es je gab. Alle wurden vor ihm gewarnt: „Hütet euch vor diesem Mann Paulus; er kommt! Wer diesen Kerl tötet, erweist Gott einen Dienst und verherrlicht seinen Namen!“. „Warum?“, mögen sich manche fragen. “Weil er die Menschen täuscht, indem er ihnen sagt, dass Jesus von Nazareth der Messias ist – indem er ihnen sagt, dass sie durch diesen Mann Jesus lebendig werden, wenn sie dem Gesetz absterben – indem er ihnen sagt, dass das Gesetz, das wir seit sechzehnhundert Jahren haben, nichts wert ist! Er versucht, die Menschen diesem Nazarener nachlaufen zu lassen!“.

Dann wurde auch Paulus beschuldigt, Nachfolger um sich scharen zu wollen. Dabei war er Gott in jeder Hinsicht treu. Er war dem Volk Israel, dem Gesetz und den Propheten treu. Er war Gott und dem Herrn Jesus Christus treu. Er war in keiner Weise ein Betrüger; er wurde lediglich von denen, die vom Gott dieser Welt geblendet waren, als Betrüger bezeichnet. Er erschien seinen verblendeten jüdischen Brüdern und denen, die falschen Göttern dienten, „wie ein Betrüger“.

ZUGESTÄNDNISSE ZUM WOHL ANDERER

Der Apostel war ernsthaft darum bemüht, „in keiner Sache irgendeinen Anstoß zu geben, damit der Dienst nicht verlästert werde“. Das Wort „Dienst“ [engl.: ministry] wird heute häufig in Bezug auf den Klerus als Ganzes verwendet. Die Minister oder Prediger der Kirchen werden als der „Dienst“ bezeichnet, wie der presbyterianische Dienst, der methodistische Dienst usw. Wir glauben jedoch, dass Paulus einen umfassenderen Gedanken hatte, nämlich den, das wahre Evangelium Christi zu verkünden oder dem Herrn auf irgendeine Weise zu dienen. Er verwendete das Wort im Sinne von Dienen. Ein Minister ist ein Diener. Alle, die dem Herrn dienen, ob öffentlich oder privat, sind Diener und sollten sich bemühen, ein so wahrhaftiges, so ehrenhaftes Leben zu führen, dass andere, auch wenn sie als Betrüger bezeichnet werden, dennoch ihren vorbildlichen Lebenswandel zur Kenntnis nehmen. Jeder sollte versuchen, so unauffällig zu leben, dass die Welt es als gutes, angemessenes Leben bezeichnet. Lebt über jeden Vorwurf erhaben. Gebt keinen Anlass zur Beanstandung. Das ist der Gedanke des Apostels, dass wir niemandem einen Grund geben sollten, an uns Anstoß zu nehmen.

Für einen Juden wäre es ein Vergehen, Schweinefleisch zu essen. Er würde mit Verachtung gestraft und als nicht richtig religiös angesehen werden. Heutzutage wird der Verzehr von Schweinefleisch von vielen nicht verurteilt. Aber die Nichtbeachtung des Sonntags als Sabbat würde als Verstoß gegen ein göttliches Gebot angesehen werden. Wir mögen, was unser eigenes Gewissen betrifft, bestimmte Dinge tun; doch der Dienst, der Dienst an der Wahrheit, könnte dafür verantwortlich gemacht werden. Viele sind sehr gewissenhaft, was die Einhaltung des Sonntags als Sabbat betrifft. Wie der Apostel fordert, sollten wir als Kinder Gottes in unserem Verhalten so umsichtig sein, dass wir, wo immer möglich, bis an die äußerste Grenze der Treue gehen. Die persönlichen Gewissensbisse eines Menschen dürfen nicht auf die leichte Schulter genommen werden.

In einigen Teilen der Welt ist es üblich, die Schuhe auszuziehen, bevor man das Haus betritt. Wenn wir uns an einem solchen Ort befinden, sollten wir uns an die allgemeine Sitte anpassen. Wir sollten immer bereit sein, uns den Sitten der Menschen in unserer Umgebung anzupassen, wenn wir dies tun können, ohne unser Gewissen zu verletzen, wenn wir durch die Anpassung an ihre Sitten und Gebräuche Ärgernis vermeiden oder unseren Einfluss zum Guten vermehren können. Dies nicht zu tun, wäre ein Mangel an Liebe und Rücksichtnahme und somit in gewisser Weise eine Verletzung der Sache des Herrn.