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DER AUFERSTANDENE CHRISTUS
– Mk. 16:1-8; Mt. 28:11-15.
„Was sucht ihr den Lebendigen unter den Toten? Er ist nicht hier, sondern ist auferstanden“ - Lk. 24:5, 6.

Die Auferstehung der Toten ist eine erstaunliche Vorstellung. Ihre Verwirklichung wird die größte Manifestation göttlicher Macht sein, die jemals Engeln und Menschen zuteilwurde. Das Erwachen der Tochter des Jairus, des Sohnes der Witwe von Nain und des Lazarus, des Freundes Jesu, wird nirgendwo als Auferstehung von den Toten bezeichnet. Es handelte sich lediglich um ein Erwachen, wobei das letzte davon das wunderbarste war, da Lazarus bereits seit vier Tagen tot war und die Verwesung bereits eingesetzt hatte.

Die in der Bibel verheißene Auferstehung der Toten bedeutet, dass die Persönlichkeit und das Bewusstsein von Milliarden von Menschen, die gestorben sind und nach dem göttlichen Urteil „Sterbend wirst du sterben“ zu Staub geworden sind, wiederhergestellt werden. „Denn Staub bist du, und zum Staub wirst du zurückkehren!“. Es könnte keine Auferstehung geben – kein Entkommen vor diesem göttlichen Urteil – außer auf die Weise, die Gott vorgesehen hat, nämlich dass Jesus den Platz des ursprünglichen Sünders, Adam, einnahm. Ihn vom Todesurteil freizukaufen bedeutete, alle freizukaufen, die in ihm gestorben sind. So lesen wir, dass Christus gestorben ist, „der Gerechte für die Ungerechten, damit er uns zu Gott führe“ (1. Petr. 3:18).

Es sind irrige Vorstellungen im Umlauf, dass nur der Körper auferstehen werde – dass Gott aus allen vier Winden jedes Staubkorn, das einst einen Teil eines menschlichen Körpers ausgemacht habe, einsammeln und aus denselben Materieteilchen, aus denen dieser einst bestanden habe, die Menschheit neu erschaffen werde. Die Absurdität dieser Behauptung wird uns umso deutlicher, wenn wir bedenken, dass die Leichen der Toten mehr oder weniger verwest sind und somit in andere Tiere und andere Menschen übergegangen sind. Dies wird durch die Geschichte vom Apfelbaum gut veranschaulicht, dessen Wurzeln einen Sarg durchdrangen und die Form der Leiche annahmen. Die Äpfel wurden von verschiedenen Menschen gegessen, einige davon von Schweinen, die wiederum in verschiedene Teile des Landes verschifft wurden.

Diese Anekdote veranschaulicht sehr gut die Unvernünftigkeit des weit verbreiteten Missverständnisses der biblischen Lehren. Das Problem besteht darin, dass wir aus den Augen verloren haben, dass die Bibel erklärt, dass es die Seele ist, die stirbt. „Die Seele, die sündigt, die soll sterben“ (Hes. 18:4, 20). Die Wissenschaft sagt uns, dass unser Körper alle sieben Jahre verändert und erneuert wird. Der Körper, in dem Adam sündigte, starb daher – ebenso wie viele andere Körper – während der neunhundertdreißig Jahre seines Lebens. Aber seine Seele, seine Persönlichkeit, sein Selbst starb nur einmal, im Alter von neunhundertdreißig Jahren. Es ist die Seele, die stirbt, die erlöst wurde und die auferstehen wird. „Du säst nicht den Leib, der werden soll“ [1. Kor. 15:37].

UNSER HERR IST NICHT MEHR MENSCH

Christus, als der Logos mit dem Vater, war eine lebendige Seele oder ein Wesen auf einer hohen geistigen Ebene. Um der Menschen willen erniedrigte Er sich selbst und wurde ein Knecht – „nahm Knechtsgestalt an indem er in Gleichheit der Menschen geworden ist“ – eine menschliche Seele. Als menschliche Seele oder Mensch starb er – „er hat seine Seele in den Tod ausgeschüttet“. Er machte „seine Seele zum Schuldopfer für die Sünde“. „Von der Mühsal seiner Seele wird er Frucht sehen und sich sättigen“ – Jes. 53:10-12.

Es war die menschliche Seele Jesu, die starb, aber Er wurde als Seele einer höheren Ordnung von den Toten auferweckt. Zu dieser Zeit stieg Er, wie Er es vorhergesagt hatte, „dahin auf, wo Er zuvor war“ [Joh. 6:62], das heißt in die geistige Welt. Er wurde „getötet nach dem Fleisch, aber lebendig gemacht nach dem Geist“ (1. Petr. 3:18). Er nahm die fleischliche Natur nur zu dem großen Zweck an, den Erlösungslohn für die Menschen zu bezahlen; und nachdem Er diesen Lösegeldpreis durch Seinen Tod bezahlt hatte, erhob Ihn der Vater zur Herrlichkeit, Ehre und göttlichen Natur – „weit über die Engel, Fürstentümer und Mächte und jeden Namen, der genannt wird“ (Phil. 2:9). Derjenige, der so in Seiner Auferstehung aufgefahren ist, war derselbe, der zuvor vom Himmel in die irdische Existenz herabgestiegen war, wie der heilige Paulus sagt.

Da Jesus in Seiner Auferstehung so anders war, können wir aus dieser Perspektive besser verstehen, warum Er sich nach Seiner Auferstehung so anders verhielt als zuvor. Nach Seiner Auferstehung erschien Er und verschwand wieder, wie wir lesen. Er zeigte sich Seinen Jüngern für einige Augenblicke und verschwand dann wieder aus ihrer Sicht. Nie zuvor hatte Er etwas Derartiges getan. Nach Seiner Auferstehung erschien Er in verschiedenen Körpern, verschiedenen Gestalten, verschiedenen Kleidern. Maria erschien Er als Gärtner. Den beiden, die nach Emmaus gingen, erschien Er als Fremder. Er erschien nicht nur als eine andere Person, sondern auch in anderen Kleidern, denn Seine Kleider waren unter den Soldaten verteilt worden.

Wie offensichtlich wurde Er im Fleisch getötet, aber im Geist wiederbelebt! Es war der Geist Jesus, der sich zeigte und verschiedene menschliche Gestalten und Gewänder annahm, je nachdem, was der Anlass erforderte. Dieses Geistwesen konnte in die Versammlungen der Jünger kommen, als die Türen aus Furcht vor den Juden verschlossen und verriegelt waren, und tat dies auch. Er schuf oder materialisierte einen Körper und Kleidung in ihrer Gegenwart; und nach wenigen Augenblicken verschwand Er aus ihren Augen, löste den Körper und die Kleidung auf, während Er, das Geistwesen, unsichtbar blieb. So war Er vierzig Tage lang mit den Jüngern, bevor Er auffuhr; doch sie sahen Ihn nicht, außer jeweils für wenige Minuten bei sieben verschiedenen Gelegenheiten.

Diese vierzig Tage waren sehr notwendig, um den jüdischen Jüngern und allen Nachfolgern des Herrn seitdem zwei wichtige Lektionen zu lehren:

(1) Dass Er nicht mehr tot war, sondern lebt;

(2) Dass Er nicht mehr ein Mensch war, sondern ein Geist. „Der Herr aber ist der Geist“ – 2. Kor. 3:17.

BEDEUTUNG DER AUFERSTEHUNG UNSERES HERRN

Dass unser Herr nicht mehr Fleisch war, sondern ein Geistwesen mit himmlischer Herrlichkeit, wird durch die Erzählung des heiligen Paulus über seine eigenen Erfahrungen eindeutig belegt. Er erklärt, dass es notwendig war, dass die zwölf Apostel bezeugen konnten, dass Jesus von den Toten auferstanden war. Es hätte keine Botschaft der Hoffnung auf göttliche Gnade durch einen toten Erlöser geben können. Wenn Christus nicht auferstanden wäre, wer hätte dann jemals das messianische Reich errichten können? Wer hätte der Kirche jemals einen Anteil an der ersten Auferstehung geben und sie an Seiner himmlischen Herrlichkeit teilhaben lassen können? Wenn Christus nicht auferstanden wäre, wer hätte dann die schlafenden Milliarden aus ihren Gräbern rufen und sie durch die Stimme, die durch Jesus Christus Frieden verkündet, zu den Möglichkeiten des ewigen Lebens durch Gehorsam gegenüber dem Reich Gottes erwecken können?

Der Apostel ruft uns all dies eindringlich in Erinnerung und sagt: „Wenn aber Christus nicht auferweckt ist, so ist euer Glaube eitel, … Also sind auch die, die in Christus entschlafen sind, verloren gegangen“ (1. Kor. 15:16-18). Daraus sehen wir, dass der heilige Paulus keineswegs die Ansicht derer teilte, die unbiblisch behaupteten, Jesus sei, obwohl tot, wirklich lebendig gewesen, und dass die Auferstehung der Toten eine reine Formalität sei, die für die Verwirklichung des Plans Gottes völlig unnötig sei. Die göttliche Lehre besagt, dass die Toten nichts wissen und dass die Auferstehung der Toten eine absolute Notwendigkeit für jedes zukünftige Leben, jede Hoffnung und jeden Segen ist.

Die Tatsache, dass Christus von den Toten auferstanden ist, ist ein Beweis für Gottes Macht, die Toten auferstehen zu lassen. Darüber hinaus ist es eine Garantie dafür, dass Jesus das Werk vollbracht hat, für das Er in die Welt gekommen ist. Es beweist uns, dass Er das göttliche Gesetz vollkommen eingehalten haben muss, sonst wäre Er einer Auferstehung von den Toten nicht würdig gewesen. Es beweist außerdem den Wert Seines Todes – seine Wirksamkeit als Ausgleich für die Sünde des Vaters Adam und damit als Lösegeld für die Sünden der Welt.

ERSCHEINUNGEN NACH DER AUFERSTEHUNG

Der heilige Paulus berichtet, dass er Jesus nach dessen Auferstehung gesehen habe. Er erzählt uns, dass unser Herr ihm wie ein helles Licht erschienen sei, das heller strahlte als die Sonne am Mittag. Er berichtet uns, welche Auswirkungen dies auf seinen Charakter und sein Augenlicht hatte – dass ein einziger Blick auf den glorreichen Jesus sein Augenlicht zerstörte, das ihm später durch göttliche Gnade teilweise wiederhergestellt wurde. Dies war die achte Erscheinung Jesu vor Seinen Jüngern. In sieben Fällen erschien Er ihnen in fleischlicher Gestalt, in einem Fall erschien Er ihnen in Herrlichkeit, heller als die Sonne. Er war jedes Mal derselbe, aber die Erscheinungsformen waren unterschiedlich.

Die Erscheinungen im Fleisch während der vierzig Tage entsprechen genau den Erscheinungen, die Jesus lange zuvor gezeigt hatte, darunter auch die vor Abraham. Er aß und sprach mit Abraham, aber Abraham wusste nicht, dass er mit dem Herrn sprach, und hielt Ihn nur für einen Menschen, weil Er in menschlicher Gestalt und gewöhnlicher Kleidung erschien. Er verschwand aus Abrahams Augen, wie Er auch aus den Augen der Apostel und aus den Augen Sauls verschwand. Er war ein Geistwesen, als Er Abraham erschien, und Er war ein Geistwesen nach Seiner Auferstehung, als Er Seinen Aposteln erschien. In der Zwischenzeit wurde Er Fleisch, um zu leiden, der Gerechte für die Ungerechten.

Nachdem das Leiden vollbracht war, gab es keinen Grund mehr, warum unser Herr im Fleisch bleiben sollte. Der Herr der Herrlichkeit im Himmel ist nicht Fleisch, kein Mensch. Wäre Er es, wäre Er „ein wenig unter die Engel erniedrigt“ [Ps. 8:6]. Aber der Apostel versichert uns, dass Er in Seiner Auferstehung weit über die Engel erhoben worden ist (Phil. 2:9-11; Hebr. 1:3, 4).

Für Jesus war es ebenso leicht, in einer Gestalt zu erscheinen wie in einer anderen, in einer Art von Kleidung wie in einer anderen. Er erschien in verschiedenen Gestalten, um die doppelte Lehre zu verdeutlichen, dass Er nicht tot war und dass Er nicht mehr ein Mensch war. Besonders bemerkenswert ist Sein zweites Erscheinen mit den Wundmalen, um den heiligen Thomas zu überzeugen. Er war bereit, jeden notwendigen Beweis zu liefern, denn wenn Seine Jünger nicht wirklich an Seine Auferstehung glaubten, konnten sie weder die vor ihnen liegende Aufgabe erfüllen noch den Heiligen Geist zu Pfingsten empfangen. Der Heilige Geist wurde nur denen gegeben, die an Jesus glaubten – die die Tatsache Seines Todes als Opfer für die Sünden akzeptierten und Ihm als dem Erlöser vertrauten, durch den der göttliche Segen kommen würde, der sie aus dem Heiligen Geist zeugen und sie als Kinder Gottes in die Gemeinschaft mit Gott zurückbringen würde.

WEITERE BEWEISE AUS DER HEILIGEN SCHRIFT

Wenn weitere Beweise dafür erforderlich sind, dass Jesus kein fleischliches Wesen mehr ist – dass Er kein Mensch mehr ist – so finden sich diese in der Zusicherung des Apostels, dass Fleisch und Blut das Reich Gottes nicht erben können und dass daher jedes Glied der Kirche verwandelt werden muss, bevor es in das Reich Christi eintreten und daran teilhaben kann. Die Verwandlung erfolgt vom irdischen Zustand oder der irdischen Verfassung oder Seele zum geistigen Zustand oder zur geistigen Seele oder zum geistigen Wesen. Der Apostel erklärt, dass wir alle verwandelt werden müssen, damit wir wie unser Herr sein können. Wenn unser fleischlicher Leib einem geistigen Leib weichen muss, damit wir wie unser Herr sein können, dann ist es offensichtlich, dass Er ein geistiger Leib, ein geistiges Wesen, eine geistige Seele ist. Dies stimmt auch mit dem heiligen Paulus überein, der über die Auferstehung der Kirche sagt: „Es wird gesät in Unehre, es wird auferweckt in Herrlichkeit; es wird gesät in Schwachheit, es wird auferweckt in Kraft; es wird gesät ein natürlicher Leib, es wird auferweckt ein geistiger Leib. Wenn es einen natürlichen Leib gibt, so gibt es auch einen geistigen“ [1. Kor. 15:43, 44].

Etwas ganz anderes wird uns jedoch vom selben Apostel in Philipper 3:21 vor Augen geführt, wo er erklärt, dass der Herr Jesus „unseren Leib der Niedrigkeit umgestalten wird zur Gleichförmigkeit mit seinem Leib der Herrlichkeit“. Dieser Gedanke bezieht sich auf die Kirche als Ganzes und nicht auf die einzelnen Glieder der Kirche. Der Apostel spricht von unserem „Leib der Niedrigkeit“ im Singular. Der Gedanke ist, dass Jesus, das Haupt der Kirche, vor Seinem Tod und Seiner Auferstehung Demütigungen erfahren hat. Das Haupt der Kirche wurde vor mehr als achtzehn Jahrhunderten erhöht und verherrlicht. Seitdem sind alle, die sich Seiner Sache verschrieben haben, mit einem Leib oder einer Gemeinschaft identifiziert worden, die von den Menschen verachtet wird, einem gedemütigten Leib, von dem der heilige Paulus sagt: „Als Auskehricht der Welt sind wir geworden, ein Auswurf aller bis jetzt“ [1. Kor. 4:13]. Aber bei der Wiederkunft Christi wird die Demütigung der Kirche, Seines Leibes, aufhören, denn der Herr wird Seinen Leib in der ersten Auferstehung herrlich verwandeln. Danach wird es keine verspottete Kirche oder Gemeinschaft mehr sein, sondern eine verherrlichte.