Gemäß der göttlichen Anordnung wurden die Hohenpriester der Nation Israel, die die gesamte Priesterschaft repräsentierten, durch eine Salbung mit einer besonderen Art von kostbarem Parfüm, dem heiligen Salböl, in ihr Amt eingeführt. Dieses Öl wurde nach einem speziellen Rezept hergestellt, und das Volk durfte es unter Androhung der Todesstrafe nicht verwenden. Nachdem Israel ein Königreich geworden war, wurden auch die Könige mit diesem heiligen Salböl gesalbt.
Diese beiden Ämter des Priesters und des Königs wurden später als vorbildlich für einen vereinten Dienst dargestellt, der sein Gegenbild in Einem finden würde, der ein Priester auf Seinem Thron sein sollte – ein königlicher Priester, ein priesterlicher König. Die Heilige Schrift gibt uns ein Vorbild für dieses vereinte Amt in der Person Melchisedeks, von dem geschrieben steht, dass er König von Salem und Priester des Allerhöchsten Gottes war (Gen. 14:18-20; Hebr. 7:1-17). Durch diesen Vergleich von Schriftstelle mit Schriftstelle lernen wir, dass der Messias, der das große Werk vollbringen soll, die Welt zu segnen, derjenige sein wird, der die Ämter des Königs und des Priesters in sich vereint.
Wenn wir uns das Vorbild genauer ansehen, stellen wir fest, dass das heilige Salböl nur bei der Amtseinführung des Hohenpriesters auf dessen Haupt gegossen wurde. Das reichlich auf sein Haupt gegossene Öl lief bis zu den Säumen seiner priesterlichen Amtskleider nieder. Wie wir später sehen werden, war auch dieser Umstand vorbildlich.
Wenn wir den Blick vom Vorbild auf das Gegenbild richten, erkennen wir, dass die Heilige Schrift lehrt, dass auf Erden ein großes messianisches Königreich errichtet werden soll, das Satan binden, alle bösen Einflüsse zurückhalten und der gesamten Menschheit die volle Gelegenheit zur Versöhnung mit Gott geben wird. Wir verstehen auch, dass in Verbindung mit diesem Königreich ein großes priesterliches Werk vollbracht werden wird. Dies wird auch Teil des großen Werkes des Messias sein, das sich somit als zweifach erweist: Als König wird Er die Menschheit mit eisernem Stab zu ihrem Segen regieren, und als Priester wird Er sie unterweisen, aufrichten, ihre Krankheiten heilen und die Toten auferwecken.
„CHRISTUS IN EUCH, DIE HOFFNUNG DER HERRLICHKEIT“
Die Nation Israel verstand sehr gut, dass ihr Messias der verheißene Same Abrahams sein sollte, der alle Familien der Erde segnen sollte; aber erst zur Zeit des Ersten Advents unseres Herrn war es an der Zeit zu verstehen, dass dieser Same aus mehr als einer Person bestehen sollte. Der Apostel Paulus lenkt unsere Aufmerksamkeit auf diese Tatsache und erklärt, dass dies das Geheimnis war, das in früheren religiösen Ordnungen verborgen war – dass der Messias nicht eine Einzelperson, sondern eine Schar unter einer obersten Leitung sein sollte (Eph. 3:2-7; Kol. 1:25-27). Darüber hinaus soll dieser Messias nicht nur aus vielen bestehen, sondern aus vielen Nationen gesammelt werden.
Nur wenige können dieses Geheiminis verstehen; viele begreifen es noch nicht; tatsächlich ist es nur für eine besondere Klasse bestimmt, für die es auch gedacht ist. Die Heilige Schrift zeigt uns, dass das Evangelium-Zeitalter für die Auswahl dieses großen gegenbildlichen Königs vorgesehen ist, der größer ist als Salomo; dieser große gegenbildliche königliche Priester, der von Melchisedek repräsentiert wird. Der Ruf dieses Zeitalters ergeht an diejenigen, die Glieder dieser Schar, des gegenbildlichen Priesters und Königs, werden sollen.
BEDINGUNGEN FÜR DIE MITGLIEDSCHAFT
Alle, die Glieder dieser Klasse des Königreichs werden wollen, müssen auf unseren Herrn Jesus als Denjenigen schauen, durch den ihnen die Gunst Gottes zuteilwerden soll. „Und es ist in keinem anderen das Heil, denn auch kein anderer Name ist unter dem Himmel, der unter den Menschen gegeben ist, in dem wir errettet werden müssen“ [Apg. 4:12]. Seit dem Tod und der Auferstehung Christi wurde ein neuer Weg zum Leben eröffnet. Christus wird das Haupt der Kirche sein, die Sein Leib ist; und die gesamte Kirche wird den großen gegenbildlichen Propheten, Priester und König vervollständigen – den lang erwarteten Samen Abrahams – Gal. 3:8, 16, 29.
Deshalb sollen alle, die sich Gott in Weihung angeboten haben, das Kreuz auf sich nehmen und dem Meister nachfolgen; sie sollen so leben, wie Er gelebt hat, und in Seine Fußstapfen treten. Wir können zwar nicht nach dem Fleisch vollkommen sein, und Gott kann nichts Unvollkommenes gutheißen, doch unsere Vollkommenheit soll in der Absicht, im Willen bestehen; und so sollen wir uns durch den Erlöser vor Ihm bewähren.
Wenn wir auf das Vorbild der Salbung des jüdischen Hohenpriesters zu der Zeit seiner Amtseinführung zurückschauen und es mit dem Gegenbild vergleichen, erkennen wir, dass der große gegenbildliche Priester am Jordan gesalbt wurde. Dort empfing unser Herr Jesus, das Haupt der Schar Christi, den Heiligen Geist ohne Maß. Zu Pfingsten begann das gegenbildliche Salböl auf die Kirche herabzufließen. Wie beim Vorbild das Öl, das auf das Haupt des Hohenpriesters gegossen wurde, bis zu den Rocksäumen seines Gewandes hinabfloss, so ist der Heilige Geist vom Haupt der Kirche bis zu den letzten Gliedern des gesalbten Leibes Christi herabgekommen – Ps. 133:1-3.
DIE GANZE CHRISTLICHE SCHAR GESALBT
Wir empfangen diese Salbung vom Vater durch unseren Herrn Jesus Christus. Alles ist vom Vater und alles ist durch den Sohn (1. Kor. 8:6). Der Vater hat den Heiligen Geist dem Sohn verliehen und Ihn bevollmächtigt, ihn Seinem Leib zu verleihen. Diese Verleihung des Heiligen Geistes sollte eine Salbung für den ganzen Leib sein; denn der Vater erkannte den Leib, als Er das Haupt erkannte. Als Christus Seine Verdienste zur Deckung der Fehler der Kirche zuschrieb, machte Er uns für den Vater annehmbar; und diese Annahme wurde äußerlich durch die Feuerzungen usw. manifestiert, die zu Pfingsten auf die Apostel herabkamen. Diese äußere Manifestation war jedoch nicht das Wichtigste; denn die Apostel hätten den Heiligen Geist auch ohne eine besondere Manifestation göttlicher Macht empfangen können.
Die Feuerzungen, die zu Pfingsten herabkamen, und die Taube, die sich bei der Taufe unseres Herrn auf Ihn niederließ, wurden nicht mehr gesehen. Sowohl die Taube als auch die leuchtenden Flammen waren nur äußere Zeichen, die die Betrachter davon überzeugen sollten, dass der verheißene Segen und die verheißene Kraft gekommen waren.
Als Kornelius, der erste Heide, der sich bekehrte, in die Schar der Gesalbten aufgenommen wurde, war dies ein weiterer Beweis dafür, dass der Heilige Geist den Nachfolgern Jesu gegeben worden war. So kann es viele Beweise für jede Tatsache geben. Selbst jetzt könnte Gott einen Beweis dafür geben, dass Er den Heiligen Geist geschenkt hat; aber damit würde Er lediglich die Tatsache anzeigen – der Heilige Geist war bereits da. Die Salbung, die die Kirche zu Pfingsten erhielt, war die göttliche Sanktion, die göttliche Anerkennung derer, die sich der Aufgabe geweiht hatten, in die Fußstapfen unseres Herrn zu treten. Gott gab damit einen äußeren Beweis dafür, dass es eine Kirche geben sollte.
Seit Pfingsten ist derselbe Ruf des Evangeliums in die ganze Welt hinausgegangen – an so viele, wie der Herr, unser Gott, ruft (Apg. 2:39). Diejenigen, die die Bedingungen dieses Rufs annehmen, kommen in die gesalbte Schar. Wenn wir in Christus kommen, kommen wir in diese Salbung. Wir kommen nicht in den Leib Jesu, sondern in diesen symbolischen Leib des Gesalbten – des wahren Christus. Wir treten in diesen Zustand ein, in dem wir „Erben Gottes und Miterben Christi“ Jesus, unseres Herrn, sind. Während des gesamten Evangelium-Zeitalters hat diese Salbung in der Kirche Bestand. „Die Salbung, die ihr empfangen habt, bleibt in euch“; sie besteht in euch fort. Diejenigen, die nie in diese Salbung kommen, werden nie zur Kirche gehören.
SALBUNG UND GEISTZEUGUNG
Wie wir wissen können, dass wir gezeugt wurden, ist ein weiterer Aspekt dieser Angelegenheit. Zu Pfingsten, als die Kirche gegründet wurde, gab es äußere Zeichen, durch die diese Salbung demonstriert wurde – Gaben des Geistes, Gaben der Zungenrede usw. Dies waren lediglich äußere Gaben, wie uns der Apostel sagt, und sie bedeuteten vielleicht nicht mehr als das Schallen von Zimbeln oder das Tönen von Kupfer (1. Kor. 13:1-3). Es könnte sein, dass diejenigen, die diese Gaben besaßen, lediglich auf äußerliche, formale Weise eine Beziehung zu Gott eingegangen waren und in geistlichen Dingen keine wirklichen Fortschritte gemacht hatten.
Gottes Anordnung scheint zu sein, dass, nachdem wir in diese gesalbte Schar eingetreten sind und uns daher von Anfang an als die gesalbte Klasse betrachten und von ihr sprechen können, nach und nach eine Manifestation eintreten wird, die zeigt, dass wir wirklich in diese Klasse eingetreten sind. Dieser Beweis wird nicht dadurch erbracht, dass wir in Zungen sprechen usw., sondern durch das Erscheinen der Früchte und Gnaden des Heiligen Geistes – Sanftmut, Geduld, Milde, Langmut, brüderliche Güte, Liebe. Die Manifestation dieser Früchte scheint zu bedeuten, dass wir mehr und mehr vom Geist Christi angetrieben werden.
Aber auch hier müssen wir zwischen der natürlichen Gesinnung und der durch Wachstum in der Gnade erworbenen Gesinnung unterscheiden. Zum Beispiel gibt es Menschen, die sehr viel Geduld haben – zu viel, um genau zu sein; sie sind träge. Ihre Geduld ist daher keine Frucht des Geistes. Um zwischen natürlichen Eigenschaften und erworbenen Gnaden zu unterscheiden, müssen wir die natürliche Gesinnung einer Person mit ihrem Wachstum in der Gnade und in den Früchten des Geistes vergleichen.
Die Salbung des Geistes ist nicht ganz dasselbe wie die Geistzeugung. Die Salbung bezieht sich lediglich auf die Anerkennung als Glied einer Klasse, die zu einer besonderen Arbeit im messianischen Königreich berufen ist. Wenn wir durch Christus mit Gott verbunden werden, werden wir zu Gliedern der gesalbten Schar. Aber während die Salbung die gesamte Kirche kollektiv repräsentiert, ist die Geistzeugung eine individuelle Angelegenheit. Auf verschiedene Weise erklärt uns die Heilige Schrift, dass wir durch das Wort der Wahrheit vom Heiligen Geist gezeugt werden.
GEHEILIGT DURCH DAS WORT DER WAHRHEIT
Mit anderen Worten: Niemand kann den Heiligen Geist empfangen, wenn er nicht die Wahrheit empfangen hat. Zur Veranschaulichung: Kornelius war ein guter Mensch, der viel betete und großzügig Almosen gab; all dies gab ihm jedoch nicht den Heiligen Geist. Aber als die Zeit gekommen war – das Ende der siebzig Wochen der Gunst für die Juden – wurde Kornelius zu jemandem geführt, der ihm sagen würde, was er tun sollte. Er wurde von einem heiligen Engel angewiesen, nach dem heiligen Petrus zu schicken, damit dieser in sein Haus komme und ihm Worte sage (Apg. 10:22). Worte waren notwendig.
Um Glieder der Kirche Christi zu werden, müssen wir mit Verstand handeln – es ist nicht so etwas wie eine Art Hokuspokus. Wir können daher wissen, dass kein Heide, wie edel er auch von Natur aus sein mag, zur Klasse der Kirche gehören kann; und dasselbe gilt für Menschen, die als zivilisiert gelten. Wer zur Schar der Gesalbten gehören will, muss wissen, dass er das Vorrecht hat, durch Christus in eine Beziehung zu Gott zu treten. Wenn jemand diese Information nicht hat, kann er unmöglich zur Klasse der Kirche gehören.
Es ist das Wort Gottes, die Botschaft des Evangeliums, die Menschen in eine Beziehung zu Gott bringt. Wer also den Heiligen Geist empfangen will, muss zuerst die Wahrheit erkennen; und dann wird diese Wahrheit auf ihn einwirken. Zuerst muss er für die Gerechtigkeit eintreten; als Nächstes muss er Christus als seinen Erlöser annehmen. Nachdem er Christus als seinen Erlöser angenommen hat, muss er dann voranschreiten und sich selbst weihen, um in den Fußstapfen unseres Herrn Jesus zu wandeln. Wenn er lediglich verstehen würde, dass dies der Wille Gottes ist, glauben wir, dass er vom Herrn empfangen und vom Heiligen Geist gezeugt werden würde. Dann wäre es Gottes Wille, dass er mehr Unterweisung erhält, weil er bis dahin die richtigen Schritte unternommen hat.
DER ZWECK DER SALBUNG
Wie viel davon automatisch geschieht, können wir nicht mit Sicherheit wissen. So wie der fähige Mensch weitgehend nach automatischen Richtlinien handelt, so würde der große Schöpfer zweifellos über solche Richtlinien verfügen, nach denen er handeln kann; und ein Schritt würde zu einem Ergebnis führen, ein weiterer Schritt zu einem anderen Ergebnis usw. Wir nehmen an, dass Gott ein großes Prinzip hat, das automatisch funktioniert und nach dem alle, die Er unter Christus annehmen würde, individuell bestimmte Segnungen erhalten würden. Sobald der Einzelne die erforderlichen Schritte unternimmt, würde er den göttlichen Segen und die göttliche Führung in seinen Angelegenheiten erfahren.
Alle Gesalbten haben den Sinn des großen Hauptes der Kirche. Wir müssen also versuchen, sowohl individuell als auch gemeinsam in Christus zu bleiben; denn so wie wir in die Klasse der Gesalbten gekommen sind, ist es auch möglich, dass wir diese Klasse wieder verlassen. Um in Christus zu bleiben, müssen wir als Neue Schöpfung in der Gnade, in der Erkenntnis und in der Liebe wachsen; denn als Neue Schöpfung werden wir, wenn wir bis zum Ende unseres Weges treu sind, in der Ersten Auferstehung vervollkommnet und mit unserem Herrn und König auf dem Thron sitzen – Offb. 3:21.