BEIM ERSTEN ADVENT kam unser Herr zu der jüdischen Nation, die ein Haus von Dienern in Bundesbeziehung mit Gott war. Diesen sollte das erste Privileg gewährt werden, Söhne Gottes zu werden, und ihr Segen würde in dem Maße sein, wie sie dem Licht, das zu ihnen kommen würde, treu wären. Bevor sie jedoch Söhne Gottes werden konnten, war es notwendig, dass Jesus ihr Erlöser werden sollte, dass Er Sühne für die Schuld leisten und so den Weg ebnen sollte. Dazu war Er gekommen, aber Er hatte es noch nicht getan. Wer die göttlichen Absichten und Anordnungen verstehen und in Übereinstimmung mit ihnen handeln würde, sollte befreit werden, sollte von der Verurteilung befreit werden, die auf ihnen als Juden lastete, von den Folgen der Schwächen ihres Fleisches, und sollte in völlige Übereinstimmung mit Gott gebracht werden.
Wir können sehen, dass dieses große Privileg noch mehr bedeutete als all dies. Es bedeutete etwas noch Höheres – sogar die Mit-Erbschaft mit dem Messias. Aber all diese Dinge waren noch ein verborgenes Geheimnis. Sie waren bis zu dieser Zeit nur unserem Herrn selbst bekannt; sie wurden Ihm deutlich gemacht, weil Er vom Heiligen Geist gezeugt worden war. Es gab viele Dinge, die schwer zu verstehen waren. Jesus sprach in Gleichnissen, in dunklen Reden, mit dem einzigen Ziel, den Weg des Lebens zu ebnen, der damals ein „schmaler Weg“ war. Und so lesen wir in der Heiligen Schrift, dass einige über die Worte des Meisters sagten: „Diese Rede ist hart; wer kann sie hören?“ [Joh. 6:60]. Wer konnte es glauben?
Die besonders harte Rede, auf die Bezug genommen wurde, besagte, dass sein „Fleisch wahrhaftig Speise war und sein Blut wahrhaftig Trank“ [Joh. 6:55], und dass sie durch das Essen und Trinken davon ewiges Leben erlangen könnten. Und so lesen wir, dass viele Ihn danach verließen und den Gedanken aufgaben, Seine Jünger zu sein, so verblendet waren sie von ihren eigenen Interessen. Anstatt geduldig zu folgen, sagten sie: „Das ist alles Torheit! Wir verstehen es nicht!“.
Jesus hatte diese Bedingungen vorhergesehen, als er diese Worte zu ihnen sprach. Er wollte sie wachsam machen. Es war, als würde Er sagen: „Ihr habt erklärt, dass ‚noch nie ein Mensch so gesprochen hat wie dieser Mann!‘ Ihr habt bereits Worte gehört, die sich sehr von den Worten der Schriftgelehrten und Pharisäer unterscheiden. Macht jetzt weiter; haltet noch ein wenig durch. Wenn ihr das tut, werdet ihr die Zusammenhänge zur rechten Zeit verstehen. Übt euch in Treue – übt euch in Geduld. Ihr habt begonnen, Interesse an diesen Dingen zu haben, und wenn ihr vollständig zu Meinen Jüngern werdet, wird euch die Erkenntnis der Wahrheit zuteilwerden. Und diese Wahrheit wird euch frei machen; sie wird euch alle Segnungen und Privilegien geben, die den Kindern Gottes zuteilwerden. Die wenigen, die den Rat des Meisters beherzigten, waren sehr gesegnet!
DIE SEGNUNGEN BEGANNEN ZU PFINGSTEN
Diese Worte Jesu waren nicht speziell an die zwölf Apostel gerichtet, sondern an die Juden im Allgemeinen, die wohlwollend angesprochen wurden. Nikodemus könnte einer von ihnen gewesen sein; er neigte dazu, über die geistlichen Dinge zu stolpern; er konnte nicht verstehen, wie man wiedergeboren werden konnte. Der Heilige Geist war noch nicht gegeben, lesen wir, „weil Jesus noch nicht verherrlicht worden war“. Der heilige Paulus sagt uns: „Der natürliche Mensch aber nimmt nicht an, was des Geistes Gottes ist, denn es ist ihm eine Torheit, und er kann es nicht erkennen weil es geistlich beurteilt wird“ (1. Kor. 2:14).
Aber einige sahen genug in Jesus, um sich zu Ihm hingezogen zu fühlen. Diese sagten aufrichtig: Seine Worte sind wahr, und Seine Kritik an unserer Nation ist wahr. Wir sehen nicht, wie Er diese Prophezeiungen erfüllen will; aber Er sagt uns: Haltet durch, und ihr werdet es später verstehen. Und einige hielten durch – „mehr als fünfhundert Brüder“. Wie Jesus versprochen hatte, wurde diesen das Privileg zuteil, wahre Jünger zu werden.
Als Pfingsten kam, nahm der himmlische Vater alle auf, die an Jesu Wort festgehalten hatten, und sie wurden durch den Heiligen Geist in die Familie des Herrn hinein gezeugt. Dann begannen sie, geistliche Dinge zu sehen – sie wurden erleuchtet. Das ganze Licht kam nicht auf einmal, aber sie machten im Laufe der Tage und Jahre Fortschritte. Sie waren in der Tat die wahren Jünger Christi – solche Nachfolger Jesu, wie der Vater sie anerkannte. Sie wurden nicht nur von der Verurteilung des Gesetzesbundes befreit, sondern auch von Sünde und Tod. Sie erhielten einen neuen Willen, einen neuen Sinn, und der Heilige Geist zeigte ihnen „die Tiefen Gottes“.
In Seinem Gebet zum Vater sagte unser Herr: „Heilige sie durch die Wahrheit; dein Wort ist Wahrheit“. Mit dem Wort Wahrheit bezog sich Jesus hier auf die Offenbarung des göttlichen Plans des Vaters durch den Heiligen Geist; und der heiligende Einfluss würde durch die Erkenntnis dieser Wahrheit kommen, die in ein ehrliches Herz aufgenommen wird. Diese Heiligung oder Absonderung begann genau genommen mit dem Segen zu Pfingsten und wirkt bis heute fort. Und diese Heiligung schreitet voran, solange der Einzelne der Wahrheit erlaubt, den ihr zugedachten Einfluss auf sein Leben auszuüben. Wir sehen einen Unterschied zwischen unserem Text und dem gerade zitierten. Im letzteren Fall ist es das Wort Jehovas und im ersteren das Wort Jesu. Jesus sagt: Wenn ihr in meinem Wort bleibt, werdet ihr den himmlischen Vater immer besser kennenlernen und Seinen Willen, Seinen Weg, Seine Methode kennen; so werdet ihr Sein Wort kennen. Alles dient dazu, Seinen Willen – den Willen des Vaters – zu erfüllen, und wenn man den Willen des Vaters erkennt und ausführt, folgt der Heiligungsprozess. Jesus sagt zu allen: „Ich bin der Weg, und die Wahrheit, und das Leben“ [Joh. 14:6]. Ich bin der Einzige, durch den ihr zum Vater kommen und Seine Söhne werden könnt; und wenn ihr in mir bleibt, werdet ihr die große Vervollkommnung erlangen.
DER KANAL ALL UNSERER SEGNUNGEN
Wir erkennen also, dass Christus die Fülle ist, die Gott uns in jeder Hinsicht zur Verfügung gestellt hat. „Er ist uns geworden Weisheit von Gott und Gerechtigkeit und Heiligkeit [od. Heiligung] und Erlösung“ (1. Kor. 1:30). Indem wir von Seinem Opfer zugunsten von uns erfahren, empfangen wir zunächst die notwendige Weisheit, Unterweisung und Führung, durch die wir durch Seine Verdienste zum Vater gelangen können. Und Er ist unsere Weisheit auf dem ganzen Weg. Der himmlische Vater hatte vor der Grundlegung der Welt einen herrlichen Plan; dieser wurde in Eden, kurz nach dem Sündenfall, angedeutet. Zur rechten Zeit gab er durch Henoch und Abraham und noch später durch Mose und die Propheten eine weitere Andeutung dieses Plans. Aber wie die Welt davon profitieren sollte, war alles verborgen, alles geheim gehalten.
Erst als Jesus kam, wurde der Weg des Lebens eröffnet und offenkundig gemacht. „Er [Christus] hat Leben und Unverweslichkeit ans Licht gebracht durch das Evangelium“ [1. Tim. 1:10]. Das Wesen des Evangeliums wurde vor Jesu Kommen nie verkündet, geschweige denn erkannt. Der Apostel Paulus sagt, dass diese Errettung „den Anfang ihrer Verkündigung durch den Herrn empfangen hat und uns von denen bestätigt worden ist, die es gehört haben“ (Hebr. 2:3). Unser Herr begann, darüber zu sprechen; aber das Geheimnis des Evangeliums, sein Mysterium, wurde erst nach Pfingsten vollständig offenbart. Erst nachdem Jesus vom Heiligen Geist gezeugt worden war, begann Er selbst, es deutlich zu verstehen – erst dann begann Er, uns den Weg des Lebens und der Unsterblichkeit vor Augen zu führen. Und selbst dann waren Seine Worte in Gleichnissen gehalten, und erst als Seine Nachfolger vom Heiligen Geist gezeugt wurden, konnten sie in die „Tiefen Gottes“ eintreten.
JESUS, UNSERE GERECHTIGKEIT
Jesus ist nicht nur unsere Weisheit, sondern wird auch zu unserer Gerechtigkeit. Er deckt unsere Sünden zu. Er rechnet uns Seine eigene Gerechtigkeit zu, das Verdienst Seines eigenen Opfers. Und diese Zurechnung bringt uns in den Zustand völliger Gerechtigkeit – nicht tatsächlich, sondern in zugerechneter Weise, die Gott in der von Ihm angeordneten Weise gerne anerkennt.
Unser Herr wird nicht zur Gerechtigkeit aller – nicht einmal derer, die Seinen Worten Beachtung schenken – sondern nur derer, die sich dem Willen des Vaters vollständig unterwerfen. Und dafür gibt es einen guten Grund; denn nur diejenigen, die sich anbieten, während dieses Evangelium-Zeitalters Glieder Seines Leibes zu werden, nur die durch den Geist Gezeugten, würden von einer Rechtfertigung durch den Glauben profitieren. Andere würden dadurch jetzt zum Tode verurteilt. Im nächsten Zeitalter werden andere zu Ihm kommen. Aber nur diejenigen, die jetzt zu Ihm kommen, um in Seinen Fußstapfen zu wandeln, haben eine Rechtfertigung durch den Glauben.
JESUS UNSERE HEILIGUNG
Der Schritt der Weihung seitens derer, die zu Jüngern Jesu werden, wird in der Heiligen Schrift Heiligung [od. Heiligkeit] genannt. Aber es ist nicht dieselbe Heiligung, die durch Ihn zu uns kommt. Gott sagt: „Heiligt euch, und ich werde euch heiligen“ – das heißt: Sondert euch ab, und dann werde ich euch absondern; ich werde euch an diesen Ort bringen, an den ihr kommen möchtet. Für uns alle, die wir durch Ihn zum Vater kommen, wird Jesus also nicht nur zu unserer Rechtfertigung, sondern durch Ihn haben wir auch die Heiligung – die vollständige Absonderung. Wir sind in Ihm annehmbar und Seine Gnade und Fürsprache befähigen uns, die vollständige und endgültige Heiligung zu erlangen.
Gott sondert uns ab, indem Er uns durch den Heiligen Geist zu einer neuen Natur zeugt und uns zu zukünftigen Gliedern der königlichen Priesterschaft macht – zu zukünftigen Gliedern des Leibes des Gesalbten. Dies wird in der Heiligen Schrift als Anzahlung oder „Unterpfand“ [Eph. 1:14] auf unser Erbe bezeichnet, das wir in vollem Umfang erfahren werden, wenn wir von der menschlichen zur geistigen Natur verwandelt werden – „verwandelt in einem Nu, in einem Augenblick“ [1. Kor. 15:52]. Aber dieses „Unterpfand unseres Erbes“ wird uns mit der Absicht gegeben, dass wir im bereits in uns begonnenen Prozess der Heiligung bis zu seiner Vollendung wachsen. Dies erreichen wir durch Christus.
JESUS, UNSERE ERLÖSUNG
Diejenigen, die zufriedenstellende Fortschritte machen, werden in der Auferstehung vollständig von der Sünde, von allen Unvollkommenheiten des Fleisches und vom Fleisch selbst befreit – vollständige Befreiung durch die Kraft der Ersten Auferstehung. Christus wird so zu unserer Erlösung. Wir werden dann die Vollkommenheit der Söhne Gottes auf der göttlichen Ebene erreichen.
In all diesen Dingen ist Christus das Zentrum; durch Ihn allein können wir diese Segnungen erlangen. Der Vater gibt sie zwar, aber sie werden durch Seinen Sohn gegeben, der der Repräsentant des Vaters ist. Jesus empfing den Geist des Vaters und hat ihn auf uns ausgegossen. Dies wird durch das Vorbild der Salbung des Hohenpriesters veranschaulicht. Das heilige Salböl wurde auf sein Haupt gegossen und lief an seinem Leib nieder. So werden wir durch unser Haupt als Glieder des großen Hohenpriesters gesalbt.
„Er, der den Herrn Jesus auferweckt hat, wird auch uns mit Jesus auferwecken“ [2. Kor. 4:14]; das heißt, Jesus wird der aktive Vertreter sein. Aber es gibt bestimmte Merkmale des göttlichen Plans, die Jesus in Seinem eigenen Namen erfüllen wird; zum Beispiel den Segen und die Erhebung der Welt. Der Vater ist zwar der Urheber des gesamten Plans, doch dieser Segen kommt der Welt ausschließlich durch das Opfer des Sohnes zugute. Christus wird das Werk im Millennium-Zeitalter vollbringen und die Menschheit dann dem Vater übergeben.
Aber Sein Werk für die Kirche ist unterschiedlich: „Der Gott und Vater unseres Herrn Jesus Christus hat uns gezeugt nach seiner großen Barmherzigkeit“ (1. Petr. 1:3). Nicht der Sohn hat uns gezeugt, sondern wir haben diese göttliche Gunst durch den Sohn erhalten. Der Preis oder die Kosten für diese besondere göttliche Gunst ist das Opfer unseres Lebens. Das Besondere, das die Kirche unmittelbar vom Sohn erhält, ist die Rechtfertigung. Diese Rechtfertigung ist jedoch vom Vater, und es handelt sich nicht um eine tatsächliche Rechtfertigung, sondern um eine zugeschriebene Rechtfertigung. Es ist eine besondere Anordnung des Vaters für uns, damit wir jetzt, vor der Welt, in Seine Gunst kommen – die Erstlinge für Gott und das Lamm.
Unser Gott ist wunderbar, und Sein großer Plan der Zeitalter ist unbeschreiblich großartig! Unsere Herzen freuen sich, dass unsere Augen gesalbt wurden, um diese herrlichen Dinge zu sehen, die den vielen während dieses Evangelium-Zeitalters verborgen waren, in dem Wissen, dass alle blinden Augen noch geöffnet und alle tauben Ohren noch zum Hören gebracht werden!
„SIE WERDEN DIE OHREN VON DER WAHRHEIT ABKEHREN“
Die Predigten unseres Herrn hatten immer zwei gegensätzliche Auswirkungen auf die unterschiedlichen Menschenmengen, die ihm zuhörten. Sie zogen die eine Klasse an und stießen die andere ab. Diejenigen, die voller Stolz und Selbstgefälligkeit waren und die Dunkelheit dem Licht vorzogen, weil ihre Taten böse waren und weil sie erkannten, dass sie, wenn sie das Licht der Wahrheit zuließen, notwendigerweise ihren Charakter daran anpassen mussten, wurden alle von den Lehren Christi abgestoßen. Und wenn der Herr Sein Werk mit den heute angewandten Methoden durchgeführt hätte, indem Er sich auf den guten Willen und die Spenden der Menschen verlassen hätte, wäre diese Unterstützung oft sehr dürftig oder zumindest sehr schwankend gewesen.
Bei manchen Gelegenheiten nahm eine Menschenmenge Sein Zeugnis an, verließ Ihn später aber und schloss sich Ihm nicht mehr an, als Er weiterhin die Lehren der göttlichen Wahrheit verkündete (Lk. 4:14-29). Manchmal hingen die Menschenmengen an Seinen Lippen und wunderten sich über die gnadenvollen Worte, die aus Seinem Mund kamen; aber immer wieder verließen sie Ihn, bis nur noch eine Handvoll übrigblieb (Joh. 6:60-69).
Welche Bestürzung würde in den verschiedenen Kirchen von heute folgen, wenn die angeblichen Prediger des Evangeliums dem Beispiel des Meisters folgen und auf ähnliche Weise den ganzen Ratschluss Gottes verkünden würden. Wie schnell würden sie sich unbeliebt machen und beschuldigt werden, die Kirche zu spalten. Die großen Gemeinden, die jetzt die Tempel der modernen Zeit, die dem Dienst Gottes und den Lehren Christi gewidmet sind, überfüllen, würden das nicht ertragen! Sie gehen dorthin, um sich mit gefälligen und eloquenten Reden von angesehenen Herren unterhalten zu lassen, die vermutlich ihren Geschmack und ihre Vorstellungen kennen und ihnen zu Gefallen predigen werden. Sie sind durchaus bereit, ihr Geld für das zu bezahlen, was sie wollen, aber sie wollen nicht die Wahrheit.
Diejenigen, die dem Herrn nur eine kurze Zeit lang folgten und ihn dann verließen, hörten natürlich auf, Seine Jünger zu sein, und wurden nicht länger als solche anerkannt; noch maßten sie sich länger an, Seine Jünger zu sein. Ein Jünger ist ein Schüler, ein Lernender; und wenn jemand aufhört, ein Lernender und Schüler Christi, des großen Lehrers, zu sein, ist er nicht länger ein Jünger Christi. Dies wurde sehr deutlich, als der Herr gegenwärtig war und Sein Name unter den Menschen verachtet wurde; aber später, als Er nicht mehr gegenwärtig war und Seine Doktrinen skrupellos mit menschlichen Philosophien vermischt wurden, so dass sie ihren Vorwurf verloren und wirkungslos wurden, da begannen die Menschen zu behaupten, Seine Jünger zu sein – lange nachdem sie Seine Lehren völlig abgelehnt hatten.
DIE BELOHNUNG WAHRER JÜNGERSCHAFT
Mit dem Ausdruck des Herrn – wahrhaft meine Jünger – wird eine Unterscheidung zwischen echten und lediglich nominellen Jüngern getroffen. Und da wir weiterhin Seine wahren, aufrichtigen Jünger sein wollen, sollten wir uns die ausdrückliche Bedingung vor Augen halten: „Wenn ihr in meinem Wort bleibt, so seid ihr wahrhaft meine Jünger“. Die Heuchelei einer lediglich nominellen Jüngerschaft ist dem Herrn ein Gräuel.
Es ist ein Segen, den ersten Schritt im christlichen Leben zu tun – den Glauben an und die Annahme von Christus als unseren Erlöser und Herrn; aber der Lohn für diesen Schritt hängt ganz davon ab, ob wir in Seinem Wort verbleiben, in dem Verhalten wahrer Jünger. Es ist nicht so schwer, dies zu tun, doch die Gesinnung des menschlichen Stolzes ist es, sich von der Einfachheit der göttlichen Wahrheit abzuwenden und nach neuen eigenen Theorien und Philosophien zu suchen oder sich den Theorien und Philosophien anderer Menschen zuzuwenden, die nach dem Maßstab dieser Welt als weise und groß angesehen werden wollen.
Die Belohnung für eine beständige Jüngerschaft ist: „Ihr werdet die Wahrheit erkennen“ – nicht, dass wir „allezeit lernen und niemals zur Erkenntnis der Wahrheit kommen können“ (2 Tim. 3:7). Hier liegt der Fehler, den viele begehen: Indem sie nicht im Wort des Herrn bleiben, vertiefen sie sich in verschiedene menschliche Philosophien, die das Wort des Herrn ignorieren oder verdrehen und gegensätzliche Theorien aufstellen. Es gibt keine Verheißung für diejenigen, die in diesen nach der Wahrheit suchen, dass sie sie jemals finden werden. Und das werden sie auch nie.
Göttliche Wahrheit kann nicht anders als nur in den von Gott bestimmten Kanälen gefunden werden. Diese Kanäle sind der Herr, die Apostel und die Propheten. In dem Wort des Herrn zu bleiben bedeutet, in den Doktrinen, die in ihren inspirierten Schriften enthalten sind, zu bleiben, sie zu studieren, über sie nachzusinnen, ihnen unbedingt zu vertrauen und treu unseren Charakter danach zu bilden. Aber die Idee ist durchaus vereinbar mit der, alle Hilfen zu beherzigen, die der Herr von Zeit zu Zeit unter unseren Brüdern im Leib Christi hervorbringt, wie sie vom Apostel Paulus aufgezählt werden (Eph. 4:11-15; 1 Kor. 12:12-14). Der Herr hat immer solche Hilfen zur Erbauung des Leibes Christi erweckt und wird sie bis zum Ende erwecken; aber es ist die Pflicht jedes Gliedes, ihre Lehre sorgfältig durch das unfehlbare Wort zu prüfen.
Wenn wir so als ernsthafte und aufrichtige Jünger im Wort des Herrn bleiben, werden wir wahrhaftig „die Wahrheit erkennen“; wir werden „im Glauben gegründet“ werden und fähig sein, „Rechenschaft zu geben wegen der Hoffnung, die in uns ist“, „ernstlich für den einmal den Heiligen überlieferten Glauben zu kämpfen“, „den guten Kampf zu kämpfen“, „das gute Bekenntnis abzulegen“ und entschlossen sein, „Trübsale zu leiden als gute Streiter Jesu Christi“, sogar bis zum Ende unseres Laufes [Manna vom 20. März].
Wir werden nicht mit einem Schlag zur Erkenntnis der Wahrheit gelangen, sondern allmählich, Schritt für Schritt, werden wir in die Wahrheit geführt. Jeder Schritt wird ein sicherer und bestimmter Fortschritt sein, und jeder wird zu einer höheren Grundlage für weitere Errungenschaften sowohl im Wissen als auch in seinen gesegneten Früchten eines gefestigten Charakters führen.
Die Wahrheit, zu der wir so Schritt für Schritt gelangen, wird zu einer heiligenden Kraft, die in unserem Leben die gesegneten Früchte der Gerechtigkeit, des Friedens, der Freude im Heiligen Geist, der Liebe, der Sanftmut, des Glaubens, der Geduld und jeder Tugend und jeder Gnade hervorbringt, die mit der Zeit und durch die Kultivierung zu einer glorreichen Reife gelangen.
Und nicht nur soll der wahre Jünger auf diese Weise die Wahrheit erkennen und durch sie geheiligt werden, sondern der Herr sagte auch: „Die Wahrheit wird euch frei machen“. Diejenigen, die die Wahrheit empfangen haben, wissen durch gesegnete Erfahrung etwas von ihrer befreienden Kraft. Sobald ein gutes und ehrliches Herz auch nur ein wenig davon empfängt, beginnt es, die Fesseln der Sünde, der Unwissenheit und des Aberglaubens sowie der Furcht zu sprengen. Die Wahrheit wirft ihre heilenden Strahlen in die dunkelsten Winkel unseres Herzens und unseres Sinnes und belebt so das ganze Wesen.
„DIE ERÖFFNUNG DEINES WORTES ERLEUCHTET“ [Ps. 119:130].
Die Sünde kann ihr Licht nicht ertragen; und diejenigen, die weiterhin in Sünde leben, obwohl sie genug Licht empfangen haben, um ihre Verdorbenheit zu erkennen, müssen das Licht unweigerlich verlieren, weil sie seiner unwürdig sind. Unwissenheit und Aberglaube müssen vor dem Licht der Wahrheit weichen. Und was für eine gesegnete Erkenntnis ist es, auf diese Weise befreit zu werden! Millionen sind noch immer unter diesem drückenden Joch. In ihrem Irrglauben fürchten und verehren sie einige der niedrigsten Werkzeuge Satans für ihre Unterdrückung und Erniedrigung, weil diese heuchlerisch behaupten, von Gott dazu bestimmt zu sein; und sie wurden dazu gebracht, Gott als einen rachsüchtigen Tyrannen zu fürchten, der die große Mehrheit Seiner Schöpfung zu einer Ewigkeit der Qual verdammt. Gott sei Dank sind wir, die wir die Wahrheit empfangen haben, diesem schrecklichen Albtraum entkommen, und die Knechtschaft Satans über uns ist gebrochen!
Wir sind auch von der Furcht befreit, die jetzt über die ganze Welt kommt, da die großen zivilen und kirchlichen Systeme, die die Welt so lange beherrscht haben, schrecklich erschüttert werden. Alle denkenden Menschen fürchten den möglichen Ausgang von Anarchie und Terror. Und die Angst aller wird zunehmen, wenn wir uns der schrecklichen Krise nähern, auf die wir uns schnell zubewegen, und wenn die Gefahr immer sichtbarer wird. Doch inmitten all dessen und mit der vollsten Gewissheit des unfehlbaren Wortes Gottes über die Schrecken des Konflikts, den die Welt in wenigen Jahren durchstehen muss, fürchten sich die wahren Jünger Christi, die in Seinem Wort bleiben, nicht, sondern freuen sich, denn sie wissen, dass Gott mit dem Zulassen des Sturms beabsichtigt, die moralische Atmosphäre der Welt zu reinigen, und dass nach dem Sturm durch Seine Vorsehung ein dauerhafter Frieden kommen wird. In der Wahrheit unterwiesen, erkennen sie die Notwendigkeiten der Situation und haben Vertrauen in die göttliche Vorsehung, die sogar den Zorn der Menschen dazu bringen kann, Ihn zu preisen.
Gesegnete Verheißung! „Wenn ihr in meinem Wort bleibt, so seid ihr wahrhaft meine Jünger, und ihr werdet die Wahrheit erkennen, und die Wahrheit wird euch frei machen“. Geliebte, da wir diese Gnade vom Herrn empfangen haben, sollten wir dann nicht daran festhalten und verführerischen Doktrinen keine Beachtung schenken? Und sollten wir der Wahrheit nicht unter allen Umständen treu bleiben, sie gegen jeden Angriff verteidigen und mit ihr ihre Schande ertragen? Lasst uns unsere Wertschätzung für sie durch unsere Loyalität und Treue zu ihr unter Beweis stellen.