Wir erinnern uns, dass Timotheus ein Ältester in der Kirche war, obwohl er noch jung an Jahren war. Daher war es angemessen, dass der heilige Paulus ihm ins Bewusstsein rief, dass er ein Vorbild der Gläubigen sein sollte, ein Vorbild der ganzen Kirche; und eine solche Anweisung ist in anderen Teilen des Briefes enthalten. Aber es ist zu beachten, dass der Apostel in unserem Text nicht sagt: Sei für die Gläubigen ein Vorbild, sondern: „Sei ein Vorbild der Gläubigen“. Wie sehr unterscheiden sich diese beiden Formulierungen!
Ein Vorbild der Gläubigen zu sein bedeutet, dass man nicht nur seinen Mitarbeitern im Evangelium, sondern vor allem den Menschen in der Welt zeigen sollte, wofür Gläubige stehen – was sie glauben, was sie lehren, wie sie leben. Wir sollten dafür sorgen, dass wir ein solches Beispiel in Wort und Tat geben, wie der Apostel es uns aufträgt, in der Art unserer Sprache, wenn wir die Botschaft der Wahrheit verkünden. Wir sollen nicht nur redegewandt und gefällig sein; wir sollen nicht nur freundliche Worte verwenden; sondern die Freundlichkeit und das Interesse, die wir zeigen, sollten echt sein – von Herzen kommen. So soll das ganze Volk des Herrn ein Vorbild sein und danach streben, die Werke unseres Herrn zu verkünden.
Der heilige Paulus mahnt außerdem: „Sei ein Vorbild im Wandel“. Dieses Wort „Wandel“ [im englischen Text: conversation] bezieht sich nicht nur auf die Sprache, wie es heute verwendet wird: Die ursprüngliche Bedeutung dieses Wortes ist „Verhalten“. Unser Verhalten bezieht sich auf unsere Verhaltensweise, auf die Art und Weise, wie wir gehen, wie wir handeln, auf unsere allgemeine Haltung und nicht nur auf unsere Worte. Wir sollen ein Beispiel für unser freundliches Auftreten sein. Wir sollten keine Türen zuschlagen, noch ungestüm, ungehobelt oder rücksichtslos gegenüber anderen sein. In jeder Hinsicht sollen wir mild, freundlich und rücksichtsvoll sein und nicht unhöflich.
LASST EUER LICHT LEUCHTEN
Diejenigen, die in die neue Natur hineingeboren sind, sollten danach streben, allen ein Beispiel dafür zu sein, wie Christen sein sollten. Die Art von Arbeit, mit der wir uns beschäftigen, sollte ehrlich sein. Es mag eine weltliche Arbeit sein, aber sie sollte dem Herrn gegenüber sorgfältig und treu ausgeführt werden, nicht nur, um den Menschen zu gefallen, sondern mit einem reinen Herzen, als Diener Gottes; denn „wir dienen dem Herrn Christus“. Der Weg des Christen sollte von Barmherzigkeit, Liebe, Mitgefühl, Wohlwollen und Freundlichkeit in Wort und Tat geprägt sein. Ein allgemein mitfühlender Geist sollte seine Worte und Taten, sein gesamtes Verhalten durchdringen. Der himmlische Vater liebte die Menschheit; als sie noch Sünder waren, liebte Er die Menschheit so sehr, dass Er den kostbarsten Schatz seines Herzens für die Erlösung des Menschen gab. Und Er liebt die Welt immer noch und bereitet die Kirche darauf vor, in Zukunft der Segensgeber der Welt zu sein. Daher sollte jeder, der aus dem Geist des Herrn gezeugt wurde, einen verändernden Einfluss auf sein Leben haben – einen Einfluss, der sich selbst für diejenigen manifestiert, die abseits stehen, diejenigen, die noch nicht mit dem Licht Gottes gesegnet wurden.
In unserem Text heißt es auch: „Sei ein Vorbild im Geiste“. Dieser Ausdruck „im Geiste“ kommt im Original nicht vor, aber der Gedanke scheint angemessen zu sein: Wir sollen allen Menschen Güte im Geiste, in der Gesinnung erweisen. Der Geist, der uns zu jeder Zeit beseelt, sollte der Geist, der Sinn des Herrn sein.
Wir werden aufgerufen, „im Glauben“ ein Vorbild zu sein. Die Ermahnung des Apostels gilt für uns alle. Der Glaube eines Christen manifestiert sich auch in seinem Verhalten, seinen Worten und seinem Weg im Leben. Wenn er voller Glauben ist, wird er nicht gegen die Erfahrungen des Lebens, wie sie kommen, und gegen die Vorsehung des Herrn murren. Der Allmächtige hat uns als Seine Kinder angenommen; wir sollten ständiges und bedingungsloses Vertrauen in Ihn haben, und wer wahren Glauben hat, hat dieses Vertrauen. Wenn es einem von uns an Glauben an Gott mangelt, werden wir anderen gegenüber keinen Glauben erkennen lassen und auch keinen Glauben in ihnen wecken.
Wir sollen „in Keuschheit“ Vorbilder sein. Es gibt eine Reinheit, die mit allem einhergeht, was mit Gott und Seinem Wort zu tun hat – ein hoher Standard, der nirgendwo anders zu finden ist. Es gibt Menschen in heidnischen Ländern, die mehr oder weniger keusch leben, aber nirgendwo gibt es einen so hohen Standard wie in der christlichen Religion. Alles Unreine ist Gott zuwider. Reinheit ist einer der Bestandteile des christlichen Charakters. Wie der Apostel bei anderer Gelegenheit sagte, sollen wir „zuerst rein, dann friedsam, mild, folgsam …“ sein.
LEBENDIGE BRIEFE, BEKANNT UND GELESEN
Auf all diese Weisen sollte jedes einzelne Mitglied des Volkes Gottes eine lebendige Lektion, ein lebendiger Brief sein, wo auch immer es hingeht; sie sollten der Welt ein Vorbild sein. Ob die Welt nun glaubt, was wir predigen, oder nicht, wir sollten diese Eigenschaften zeigen, die sie nicht anders als anerkennen und respektieren kann. Dieses gute Beispiel wird zur rechten Zeit Früchte tragen, wenn vielleicht auch noch nicht jetzt. Jeder Älteste sollte wie Timotheus besonders auf sein Verhalten, seine Worte und sein Beispiel achten. Die Kirche hat durch die Wahl eines solchen Ältesten erklärt, dass sie ihn als ein Vorbild für die Frucht der Gnade Gottes im Herzen betrachtet.
Der Rat des Apostels an Timotheus: „Niemand verachte deine Jugend“, sollte nicht nur als Ratschlag für Timotheus, sondern für alle Ältesten der Kirche, die noch jung an Jahren sind, betrachtet werden, damit sie sich so verhalten, dass sie ein Vorbild für die Herde sind, dass ihr Auftreten und ihre Fähigkeit, „das Wort der Wahrheit recht zu teilen“ so sind, dass niemand Anlass hat, die Botschaft, die sie bringen, zu missachten oder sie für unreif und ungeeignet zu halten, die Herde Gottes zu führen.
Möge jedes Kind Gottes, das jüngere wie das ältere, danach streben, ein nachahmenswertes Vorbild zu sein – ein Vorbild für das ernsthafte, treue Bestreben, den Meister in seinem täglichen Leben nachzuahmen, ein Vorbild für aktiven Eifer im Dienst unseres Gottes. Wir werden, solange wir im Leib sind, nicht in der Lage sein, Vorbilder im vollen Sinne der endgültigen Herrlichkeit und Schönheit der Heiligkeit zu sein, die uns jenseits des Vorhangs gehören wird: Das können wir im gegenwärtigen Leben nicht erwarten. Unser Herr allein war ein solches Vorbild.
Der Apostel Paulus rief auf: „Seid meine Nachahmer, wie auch ich Christi“ (1. Kor. 11:1). Der heilige Paulus war ein edles Beispiel für das ernsthafte Bestreben, die vollkommene Ähnlichkeit mit Christus zu erlangen, und seine Liebe, sein Eifer und sein großer Ernst, den Meister nachzuahmen und Seinen Willen zu erfüllen, sollten uns alle inspirieren. Jedes Kind des Herrn sollte sich seiner persönlichen Verantwortung bewusst sein. Wir sind wie eine Stadt auf einem Hügel. Jeder sollte sich die Frage stellen: Bin ich ein Vorbild der Gläubigen?