In Christus zu bleiben bedeutet, dass man zuvor zu Ihm gekommen ist. Dies lässt uns an einen Leib denken. Die Heilige Schrift stellt die Kirche überall als diesen Leib dar, mit Jesus als dem Haupt. „Er ist das Haupt des Leibes, der Versammlung“ [Kol. 1:18]. Während des Evangelium-Zeitalters wurde bestimmten Personen die Einladung ausgesprochen, zu diesem Leib Christi zu gehören. Es gibt nur eine Tür, durch die diese in den Leib kommen können. Es ist die Tür des Opfers, die Taufe in den Tod Christi. Wir werden nur angenommen, wenn wir unseren eigenen Willen aufgeben und stattdessen den Willen Gottes annehmen. Wir geloben, in den Fußstapfen Jesu zu wandeln, Seine Nachfolger, Seine Jünger zu werden. Wir sind mit Ihm begraben und stehen auf, um in einem neuen Leben zu wandeln. – Römer 6:4.
Aber es reicht nicht aus, dass wir diese Schritte tun, es reicht nicht aus, dass wir den Heiligen Geist empfangen haben und vom Vater angenommen worden sind. Wir sollten sicher sein, dass wir weiterhin in Christus bleiben. Fragen wir uns selbst: Haben wir die Erfahrungen, die allen gemeinsam sind, die mit Jesus verbunden sind? Eine Möglichkeit, sicher zu sein, dass wir in Ihm bleiben, besteht darin, zu erkennen, dass wir Ihn immer noch lieben. Eine andere ist, zu wissen, dass wir immer noch in Übereinstimmung mit Gottes Wort sind. Eine dritte Möglichkeit ist, dass wir keinen anderen Willen haben als den Willen des Herrn. Eine weitere Möglichkeit ist, Seinen Frieden in unserem Herzen und Leben als den bestimmenden und kontrollierenden Einfluss zu haben.
DAS BEKENNTNIS ALLEIN REICHT NICHT AUS
Viele haben sich zu Gliedern des Leibes Christi bekannt, ohne Beweise dafür zu liefern, dass sie zu Ihm gehören. Unser Text sagt, dass jeder, der sich zu Christus bekennt, auch so wandeln soll, wie der Meister gewandelt ist. Und wie ist der Meister gewandelt? Er lebte jeden Tag in Übereinstimmung mit dem Willen des himmlischen Vaters. Er war dem Willen des Vaters vollkommen untertan. Und das bedeutete ein Opfer bis zum Tod – den grausamen Tod am Kreuz.
Wer den Geist unseres Herrn hat und von demselben Willen geleitet wird, ist ein Glied des Leibes Christi und wird danach trachten, auf diese Weise zu wandeln, um in allen Dingen den Willen Gottes zu tun. Das bedeutet ein Leben in Heiligkeit, in völliger Hingabe an Gott und in Widerstand gegen die Sünde. Wer Gott geweiht ist, widersetzt sich allem Sündhaften, denn Gott und die Sünde stehen im Gegensatz zueinander. Gott steht für Seine eigene Gerechtigkeit, und Sünde ist eine Verletzung dieser Gerechtigkeit (1. Joh. 3:4). Wer so wandelt, wie Jesus gewandelt ist, steht in Übereinstimmung mit dem göttlichen Wort und Willen. Wir sollen nicht unseren Eindrücken vertrauen, unseren eigenen Vorstellungen davon, was richtig und vorteilhaft ist, wie es viele andere tun, sondern das Wort des Herrn soll in uns bleiben und unser Leben bestimmen. Jesus sagte: „Ich suche nicht meinen Willen, sondern den Willen dessen, der mich gesandt hat“ [Joh. 5:30; 6:38] – „alles, was in dem Buch geschrieben steht“. Und so soll es auch mit uns sein. Wir müssen in Ihm bleiben, in Ihm wandeln und bereit sein, „alles zu tun, was in dem Buch geschrieben steht“ – nicht nur uns dazu zwingen und sagen: „Ich werde diesen Weg gehen“, sondern sagen: „Dein Wohlgefallen zu tun, mein Gott, ist meine Lust; und dein Gesetz ist im Innern meines Herzens“ – Ps. 40:8, 9.
BEWEISE DER SOHNESSCHAFT
Alle, die Christus angenommen haben, behaupten zumindest allgemein, Söhne Gottes zu sein, dass Christus ihr älterer Bruder ist und dass sie zu dieser großen Familie gehören, die Gott aus den Menschen auserwählt. Sie betrachten sich als Erben Christi in dem großen Reich, das kommen wird. Aber nicht alle, die behaupten, Söhne Gottes zu sein, sind es auch. Sehr viele erheben diesen Anspruch. Statistiken sagen uns, dass es vierhundert Millionen bekennende Christen gibt; aber wir können nicht glauben, dass viele dieser vierhundert Millionen Söhne Gottes sind. Der Apostel Paulus macht uns darauf aufmerksam, dass wir, da wir die Herzen nicht lesen können, uns nach den Bekenntnissen richten müssen, die andere mit ihrem Mund und ihrem Verhalten ablegen. Aber Bekenntnisse mit dem Mund sind nicht als endgültig anzusehen. Wir wissen, dass diejenigen, die Söhne Gottes sind, von Seinem Geist geleitet werden. „Denn so viele durch den Geist Gottes geleitet werden, diese sind Söhne Gottes“ [Röm. 8:14].
Aber was ist der Geist Gottes? In erster Linie ist es der Geist der Wahrheit, der Geist der Heiligkeit, der Geist der Gerechtigkeit, der Geist der Liebe. Und alle, die Gottes Kinder sind, die aus Seinem Heiligen Geist gezeugt sind, werden in irgendeiner Weise ihre Übereinstimmung mit diesem allgemeinen Geist Gottes bekunden. Wenn sie also in Ungerechtigkeit wandeln und sich nicht bemühen, die Neigungen zur Sünde in sich selbst einzudämmen, wenn sie den Irrtum der Wahrheit vorziehen, dann verurteilen sie ihre Früchte; denn Gott steht für die Wahrheit und wurde in unserem Herrn Jesus verkörpert.
Wer also den Geist Gottes hat, ist bereit, sich selbst zu opfern, um der Wahrheit zu dienen. Er liebt die Wahrheit und wird dies durch den Geist der Liebe und des Eifers bekunden. Satan ist die Personifizierung der Sünde, des Neides, des Hasses, der Bosheit und des Streits. Gerechtigkeit, Liebe, Freude und Friede sind Früchte des Heiligen Geistes. Wo immer wir die Werke des Teufels offenbar werden sehen, haben wir Grund zu bezweifeln, dass jemand ein Kind Gottes ist. Der Geist des Neides, der Geist des Hasses, der Geist der Bosheit, der Geist der Widerrede gegen die Wahrheit, der Geist der Ungerechtigkeit – all das muss von allen, die Söhne Gottes sein wollen, abgelehnt und überwunden werden.
Doch trotz aller Bemühungen könnte er in seinem Fleisch noch Neigungen zur Sünde finden, die ihm eine Menge Schwierigkeiten bereiten würden. Er kann Mut schöpfen aus der Zusicherung der Heiligen Schrift, dass der Herr auf das Herz sieht. Ebenso sollten wir auch andere nach ihren Bemühungen und Absichten beurteilen. Wo immer der Geist Gottes ist, da ist der Geist der Liebe. Und dieser Geist wird einen dazu bewegen, Wiedergutmachung zu leisten, wenn man Unrecht getan hat oder im Irrtum war. Das zu tun zeigt, dass es nicht sein Geist, sein Wille war, Unrecht zu tun, sondern dass er nur für eine Zeit lang in eine Falle geraten war. Wer aber weiterhin seinen natürlichen Neigungen folgt, ohne dass es Beweise dafür gibt, dass er in die richtige Richtung geht und der Wahrheit dient, hat Grund zu bezweifeln, dass er ein Kind Gottes ist.
WIE WIR SO WANDELN KÖNNEN, WIE ER GEWANDELT IST
Der Apostel scheint zu meinen, dass diejenigen, die sich als Nachfolger des Herrn, als Christen bekennen, darauf achten sollten, dass ihr Lebenswandel in Übereinstimmung mit ihrem Bekenntnis steht. Das Wort „Jünger” bedeutet jemand, der folgt – so wie ein Schüler seinem Lehrer folgt. Wir erkennen Christus als unseren Erlöser und auch als unser Vorbild, unseren Lehrer in den herrlichen Dingen, an denen der Vater uns teilhaben lässt. Wenn wir also sagen, dass wir in Ihm sind, sollte dieses Bekenntnis durch unser Leben bestätigt werden. Wir sollten so leben, wie er gelebt hat.
Aber wir sind nicht vollkommen – wie kann das geschehen? Die Antwort ist, dass wir „nicht im Leib, sondern im Geist“ sind. Gott sieht nicht auf unser unvollkommenes Fleisch. Als Neue Schöpfung sind wir keine fleischlichen Wesen, sondern geistliche. Der Apostel spricht in unserem Text von dem Wandel, den der Meister nach Seiner Weihung führte. Er wandelte dreieinhalb Jahre lang auf diese Weise. Es war ein Wandel, nicht nach dem Fleisch, sondern nach dem Geist. Und so ist es auch mit uns. Wir wandeln nicht nach dem Fleisch, sondern nach der Neuen Schöpfung. Wir betrachten uns als dem Fleisch gestorben, und der Herr betrachtet uns auch so. Wenn wir nun dem Fleisch gestorben sind, sollen wir nicht mehr den Begierden des Fleisches leben.
Wir sollen so wandeln, wie unser Herr gewandelt ist, in unserem allgemeinen Verhalten. Wir sollen alles Gute lieben und alles Böse meiden. Wir sollen so genau wie möglich in den Fußstapfen unseres Herrn und Vorbildes wandeln. In einem unvollkommenen Leib können wir nicht die ganze Vollkommenheit Jesu erreichen, der sowohl in Seinem Leib als auch in Seinem Geist vollkommen war. Aber wir sollen wandeln, wie Er gewandelt ist – auf demselben Weg, in derselben Richtung, auf dasselbe herrliche Ziel zu, auf das Er gewandelt ist. Und wenn wir dies tun, treu Tag für Tag, werden wir durch Seine Gnade denselben überaus großen Lohn erlangen.