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UNTER SEINEN FLÜGELN
„Mit seinen Fittichen wird er dich decken, und du wirst Zuflucht finden unter seinen Flügeln“ - Ps. 91:4.

Der 91. Psalm betrifft ganz eindeutig die Kirche und scheint besonders auf die Kirche am Ende dieses Zeitalters zutreffend zu sein. Da er jedoch in persönlicher Form adressiert ist, als würde er an eine einzelne Person gerichtet sein, könnte der Christus als Ganzes gemeint sein, vom Haupt bis zum letzten Glied des Leibes. Unser Herr Jesus hatte Prüfungen und Schwierigkeiten und brauchte Schutz und Fürsorge. Er ging zum himmlischen Vater und suchte die notwendige Hilfe. Und so ist es auch mit allen Menschen, die zum Herrn gehören.

Der Psalmist scheint sich jedoch besonders auf unsere Zeit zu beziehen: „Tausend werden fallen an deiner Seite und zehntausend an deiner Rechten – dich wird es nicht erreichen“ [V. 7]. Natürlich gab es in der Vergangenheit Zeiten, in denen Tausende durch Verfolgung usw. ums Leben kamen, aber das hier erwähnte Abfallen scheint sich auf das Abfallen vom Volk Gottes zu beziehen. Viele werden in der großen Schlacht, die hier beschrieben wird, vom Glauben abkommen, verletzt oder verwundet werden, wenn nicht gar getötet.

Wir verstehen, dass diese Schlacht am Ende dieses Evangelium-Zeitalters stattfindet. Die Mächte der Finsternis stellen sich jetzt besonders gegen das geweihte Volk Gottes und alle, die mit ihm verbunden sind. Es gab noch nie eine Zeit, in der Gottes Volk als Ganzes so große Möglichkeiten oder so großen Erfolg hatte wie das Christentum im vergangenen Jahrhundert. Unter den Angriffen Satans, die seit fünfzig, sechzig oder siebzig Jahren andauern, sind viele in Unglauben, Höhere Kritik und Untreue verfallen, deren verschiedene Merkmale als große Pest dargestellt werden. Wir sehen, dass eine pestilenzartige Untreue im Land umgeht. Ihre Anhänger werden vom Widersacher irregeführt – wahrscheinlich ohne dass sie selbst eine derartige Absicht haben.

Sehr wahrscheinlich werden viele von ihnen in Zukunft, wenn sie die Wahrheit erkennen, ihren Irrweg einsehen; aber vorläufig herrscht große Dürre im Christentum. Die Kirchenbesuche gehen zurück. Viele Geistliche predigen, was sie selbst bezweifeln. Sie sind aus der Gnade, aus der Gunst Gottes gefallen, sie haben die Wertschätzung des Wortes Gottes verloren.

DIE FÜSSE CHRISTI

Diese Schriftstelle weist auch auf die „Füße” dieser Christus-Klasse hin, die in unserer Zeit lebt. „Denn er wird seinen Engeln über dir befehlen, dich zu bewahren auf allen deinen Wegen. Auf den Händen werden sie dich tragen, damit du deinen Fuß nicht an einen Stein stoßest” [V. 11, 12]. Alle Glieder stehen in Beziehung zum Haupt und zueinander. Wir verstehen diese „Engel” als Repräsentanten der göttlichen Verheißungen und der hilfreichen Unterstützung durch die Heiligen. Diese „Engel” werden dargestellt, wie sie die Füße stützen, damit sie zu dieser Zeit nicht über den Stein des Anstoßes stolpern (Jes. 8:14). Anstatt über diesen Stein zu stolpern, werden sie durch ihn zu größerer Wertschätzung und zu höheren Bedingungen erhoben. Die Füße werden nicht wanken.

In unserem Text stehen diejenigen, die bedeckt werden sollen, für alle, die zu dieser einen Klasse gehören. Wie eine Henne ihre Küken unter ihre Fittiche nimmt, so wird Gott Seinem Volk wie eine Henne sein und es gerne um Sich scharen und ihm den notwendigen Schutz geben – unter Seinen Fittichen. Sie können voll und ganz darauf vertrauen, dass alle Dinge zu ihrem Besten zusammenwirken werden, weil sie Sein sind und „im Schatten des Allmächtigen“ [Ps. 91:1] wohnen.

Der Allmächtige stellt sich hier als eine Vogelmutter dar. Die Geduld der Vogelmutter mit ihren Jungen ist bemerkenswert, und sie würde ihr eigenes Leben für ihre kleinen Nestlinge opfern. So stellt der Herr dar, dass Er bereit ist, alles zu tun, um die Seinen, die unter Seiner Obhut stehen, zu beschützen. Jesus hätte die Juden so unter Seine schützende Obhut genommen; aber das Volk als Nation erkannte seine Not nicht und wurde daher in einer großen Zeit der Drangsal gestürzt. Jesus sagte zu ihnen unter Tränen: „Wie oft habe ich deine Kinder versammeln wollen, wie eine Henne ihre Küken versammelt unter ihre Flügel, und ihr habt nicht gewollt!“

DIE „FLÜGEL” UND „FITTICHE” [FEDERN] UNSERES VATERS

Wir könnten unseren Text etwas genauer betrachten und sagen, dass das Wort „Fittiche” vielleicht etwas mehr bedeutet als das Wort „Flügel”. „Mit seinen Fittichen wird er dich decken, und du wirst Zuflucht finden unter seinen Flügeln”. Die weichen, flaumigen Fittiche unter den Flügeln der Henne dienen dazu, die kleinen Küken warm zu halten und sie vor Feinden zu schützen und zu verstecken, die sie angreifen würden. Nicht nur die starken, schützenden Flügel, sondern auch die Fittiche an der Brust der Henne dienen dazu, ihre Jungen zu schützen. Wir haben gesehen, wie eine Henne bei Gefahr Alarm schlug, und wir haben gehört, wie sie ihre Kleinen zu sich rief. Dann rannten sie zu ihr, schmiegten sich unter ihre Flügel und schienen vollkommen zufrieden und frei von Furcht an ihrem sicheren Ort. Bald sah man die kleinen Köpfchen oder Augen herausschauen, aber die Küken fühlten sich vollkommen geborgen.

So ist es auch mit uns. Die Liebe, Fürsorge und der Schutz unseres himmlischen Vaters sind Seine Flügel und Seine Fittiche, die uns vor allem Leid bewahren und uns warm und sicher halten. Er ist in der Lage, jede Erfahrung im Leben zu unserem Besten zu wenden. Wir müssen jedoch daran denken, dass die Verheißung, dass Gott alle Dinge zu unserem Besten wirken lässt, eine Verheißung an die Neue Schöpfung ist, nicht an die alte Kreatur. Oftmals sind die Interessen der Neuen Schöpfung und der alten Kreatur unterschiedlich. Gott hat ein Interesse an allem, was uns betrifft, aber Er lenkt unsere zeitlichen Angelegenheiten zu unserem besten geistlichen Vorteil. Wenn wir zu wohlhabend wären, wäre das für uns als Neue Schöpfung vielleicht nicht von Vorteil.

Es kann sein, dass unsere zeitlichen Angelegenheiten schlecht laufen. Wir sind nicht weise genug, um zu wissen, was für uns als Neue Schöpfung am besten ist und was uns in unserem Kampf gegen die Welt, das Fleisch und den Teufel am meisten helfen würde. Deshalb sollen wir zum Herrn fliehen und alle Erfahrungen, die kommen mögen, als das annehmen, was für uns am besten ist; und wir sollen danach streben, daraus die vorgesehenen Lektionen des Glaubens und des Gehorsams zu lernen.