Diese Ermahnung des heiligen Paulus basiert auf den vorangegangenen Aussagen im elften Kapitel desselben Briefes, wie das Verbindungswort „nun“ – aufgrund der in diesem Kapitel aufgeführten Dinge – zeigt. Das elfte Kapitel handelt von der Barmherzigkeit Gottes gegenüber dem natürlichen Israel und dem geistlichen Israel – weniger gegenüber der Welt. Das zehnte Kapitel hingegen befasst sich ausführlich mit der Barmherzigkeit Gottes gegenüber allen seinen Geschöpfen. In diesem Brief wendet sich der Apostel an diejenigen, die zuvor Heiden waren. Angesichts dieser Barmherzigkeit Gottes (Seines Heilsplans und der Berufung einiger Heiden, den Platz im Leib Christi einzunehmen, den das natürliche Israel verloren hat) ermahnt der heilige Paulus seine Zuhörer, ihre Leiber als lebendige, heilige und annehmbare Opfer darzubringen.
Da stellt sich natürlich die Frage: An wen richtete sich der Apostel? Er benutzt diese Worte offensichtlich als Ermahnung, nicht an die Welt, sondern an die Gläubigen. Die Einleitung zum Brief zeigt, dass er an diejenigen geschrieben wurde, die sich schon einer Weihung unterzogen hatten. Aber offensichtlich hatten sich einige, die mit der Kirche in Rom verbunden waren, noch nicht einer Weihung unterzogen. Von manchen, die gläubig waren, die zur Erkenntnis des Herrn gelangt waren und die Kosten der Selbstaufopferung abgewogen hatten, sich aber noch nicht ganz dem Herrn hingegeben hatten, konnten noch Brüder in der Wahrheit im vollen Sinne werden. Die Worte des Apostels galten gleichermaßen für beide Klassen – diejenigen, die ihren Leib als lebendiges Opfer dargebracht hatten, und diejenigen, die dies in Erwägung zogen. Es wäre ebenso angemessen gewesen zu sagen: Brüder, ihr, die ihr euch bereits dem Herrn hingegeben habt, ich bitte euch, erfüllt euer Gelübde der Weihung; denn euer Leib ist heilig und annehmbar für Gott.
Der himmlische Vater zwingt niemanden, sondern sagt, dass Er bereit ist, Opfer anzunehmen, und dass jetzt die richtige Zeit ist, sie darzubringen. Er macht deutlich, dass Selbstverleugnung und Opferbereitschaft die einzigen Bedingungen sind, unter denen man mit Ihm in Gemeinschaft treten kann. Aber nirgendwo drängt oder befiehlt Er jemandem, eine Weihung zu vollziehen. Dies würde bedeuten, dass aus einem Opfer eine Verpflichtung würde, und der Gedanke des Opfers steht im Widerspruch zu einer Verpflichtung.
DIE BEDINGUNGEN DER JÜNGERSCHAFT
Das beste Beispiel dafür, was wir tun sollten, geben uns unser Herr und die Apostel, die wichtigsten Glieder der königlichen Familie Gottes. Unser Herr hat nicht versucht, jemanden in Seinen Dienst zu zwingen – wie wir es heute sehen. Im Gegenteil, er ging einen hohen und edlen Weg. Er sagte: „Kommt her zu mir, all ihr Mühseligen und Bbeladenen“. Das ist ein Appell an die Vernunft. Wenn ihr festgestellt habt, dass ihr an der Sünde erkrankt seid, kommt zu mir – ich habe den Willen und den Weg, euch zu helfen, zum Vater zu kommen.
Als unser Herr mit dem jungen Synagogenvorsteher sprach, legte er die Bedingungen für die Jüngerschaft dar. Er sagte nicht: „Mach dir keine Gedanken, nimm es nicht zu ernst“. Im Gegenteil, er erklärte genau, was die Bedingungen für die Weihung sind. Niemand konnte Sein Jünger sein, wenn er nicht alles aufgab. Diesem reichen jungen Mann zeigte unser Herr, dass trotz all seiner moralischen Integrität eine Unstimmigkeit bestand. Er besaß Reichtum und sollte diesen Reichtum zur Ehre des Herrn einsetzen. Er durfte nicht egoistisch sein, sonst konnte er nicht Christi Jünger sein.
Der junge Mann hätte sagen können: Ich habe Kinder, für die ich sorgen muss. Aber der Herr sagte: Gib alles, was du hast, Gott. Ein Elternteil kann seine Kinder weihen, soweit es ihn betrifft. Der Herr würde von niemandem etwas verlangen, was er nicht tun kann. Aber er sagte: „Nimm dein Kreuz auf dich und folge mir nach“, wenn du mein Jünger sein willst – Mk. 10:21.
Wiederum sagte unser Herr: „Niemand, der seine Hand an den Pflug gelegt hat und zurückblickt, ist geschickt zum Reich Gottes“ (Lk. 9:62). Wir sollten unseren Sinn dafür entschließen, all unsere Kräfte einzusetzen, oder uns zurückziehen. Die Methode des Herrn sollte unser Leitbild sein. Wir sollten nicht versuchen, jemanden zu täuschen oder mit Hokuspokus zu überzeugen. Wir sollten nicht damit werben, was man materiell gewinnen kann, wenn man Christ wird. Wir sollten den Menschen sagen, dass es keinen anderen Weg zu Christus gibt als den Weg des Kreuzes. Auf keine andere Weise können wir zu Ihm gelangen. Es gibt nur den Weg des Herrn oder gar keinen Weg. Wir müssen das Kreuz tragen, wie Er es getragen hat. Wir glauben, dass wir den Menschen mehr Gutes tun, wenn wir ihnen die Botschaft ohne Unklarheiten verkünden, als wenn wir versuchen, sie zu verleiten. Wenn wir ihnen jedoch die Prüfungen und das Kreuz vor Augen führen, sollten wir ihnen auch die Herrlichkeit vor Augen führen, die darauf folgt.
ANWENDUNG DES TEXTES AUF DIE GEWEIHTEN
Für diejenigen, die bereits eine Weihung vollzogen haben, lautet der Gedanke: Ihr habt einen Bund mit Gott geschlossen, Jesus nachzufolgen. Ihr habt euren eigenen menschlichen Willen aufgegeben. Denkt daran, dass dies auch euren sterblichen Körper einschließt. Setzt das Werk fort, euren Körper darzubringen – täglich zu sterben. Behaltet diesen Opferbund im Sinn, denn er ist noch nicht erfüllt. Das bloße Versprechen, einen Bund zu erfüllen, bedeutet noch nicht, ihn zu erfüllen.
Der Vater zeugt uns aus dem Heiligen Geist und schenkt uns die großen Vorrechte, die denen zustehen, die in Christus zur Neuen Schöpfung geworden sind. Dann ist es an uns, voranzugehen und Tag für Tag unser Leben in Seinem Dienst niederzulegen. Es wäre daher angemessen, wenn der Apostel zu solchen Menschen sagen würde: Legt täglich euer Leben nieder. Denkt daran, dass es eure sterblichen Leiber sind, die ihr im Dienst des Herrn opfern sollt. Ihr seid es selbst, die als alte Geschöpfe, als Menschen, und nicht als Neue Schöpfungen geopfert werden. Euer Opfer ist insofern ein lebendiges Opfer, als dieser Leib, der in zugerechneter Weise aus der Sünde herausgetreten gilt, ständig geopfert wird. Er ist nicht dazu bestimmt, bewahrt zu werden oder euer ewiger Besitz zu sein, sondern es ist euer Bund und euer Privileg, das Opfer eures Fleisches zu vollbringen. Deshalb bitte ich euch inständig, dies zu tun.
ANWENDUNG DES TEXTES AUF DIE VORLÄUFIG GERECHTFERTIGTEN
Für diejenigen, deren Rechtfertigung noch nicht vitalisiert wurde, könnte der Text bedeuten: Ihr seid bestrebt, Gott zu dienen. Das zeigt sich darin, dass ihr die Zusammenkünfte der Kirche besucht. Die Tatsache, dass ihr euch mit den Heiligen dieser Gemeinde versammelt, bedeutet, dass ihr heilige Dinge liebt – dass ihr den Willen Gottes kennenlernen möchtet. Jetzt, Brüder, ich bitte euch inständig, euch ganz Gott zu weihen. Betrachtet euren Leib als ein lebendiges Opfer – nicht, dass ihr Selbstmord begehen und euren Leib zerstören sollt, sondern dass ihr euren Leib als ein lebendiges Opfer betrachtet und Tag für Tag eure Kraft und euer Leben im Dienst des Herrn einsetzt.
Die Ermahnung „Stellt eure Leiber dar“ scheint also sowohl für die Geweihten als auch für diejenigen Anwendung zu finden, die dem Herrn nachfolgen wollen. Die nächste Aussage sollte in Übereinstimmung damit verstanden werden: „heilig und Gott wohlgefällig“. Wenn diese Aussage in Bezug auf diejenigen verstanden wird, die bereits geweiht sind, dann sagt der Apostel: Diese Vitalisierung eurer Rechtfertigung, die euch der Herr gewährt hat, hat euch heilig gemacht. Und weil der Herr euch für heilig hält und ihr für Ihn völlig annehmbar seid, solltet ihr weiterhin gute Werke tun – das gute Werk vollenden, das ihr begonnen habt. Da das Opfer von Gott als heilig und annehmbar angesehen wird, werden die Ergebnisse großartig und herrlich sein.
Diese Ermahnung könnte aus der Sicht eines Menschen, der seine Weihung noch nicht vollzogen hat, so verstanden werden: Wenn du diesen Schritt der Weihung vollziehst, dann denke daran, dass dir dann die Verdienste Christi zugerechnet werden und dass Gott dich durch die Anordnung, die Er in Christus getroffen hat, bereit ist, dich anzunehmen.
DIE WEIHUNG IN DEN TOD IST DAS VERNÜNFTIGSTE
Jeder, der Gottes Gnade und Segen erkennt, empfindet es als „vernünftigen Dienst“, die irdischen Dinge für das kostbare Privileg, Ihm zu dienen, zu opfern. Wenn es für Jesus ein vernünftiger Dienst war, die himmlische Herrlichkeit zu verlassen, Mensch zu werden und sich selbst in den Tod zu opfern, dann ist unser Dienst sicherlich das Vernünftigste. Da wir unvollkommen sind, haben wir nur sehr wenig zu geben; und wenn sich eine Gelegenheit bietet, unsere Dankbarkeit gegenüber dem himmlischen Vater zu zeigen, sollten wir sie schnell nutzen.
Der Vater machte dem Herrn Jesus einen Vorschlag, und es ist nicht anzunehmen, dass Er etwas anderes als einen vernünftigen Dienst vorschlagen würde. Jesus zu bitten, Sein Leben für die Menschheit zu opfern, ohne eine Belohnung in einem zukünftigen Leben, wäre höchst unvernünftig gewesen. Der Vater stellte dem Erlöser eine große Freude in Aussicht, als Belohnung für Seinen Gehorsam. Und so ist es auch mit uns. Der Herr fordert uns nicht auf, uns in der Gegenwart zu opfern, ohne dass wir dafür eine Belohnung von Ihm erhalten. Er sagt uns, dass Er uns, wenn wir dies tun, zu Miterben Seines Sohnes machen wird, zu Teilhabern an allen Freuden des Reiches Gottes.
DIE WEIHUNG IST NICHT DAS ENDE UNSERER ARBEIT
Der Begriff „Brüder” kann aus zwei unterschiedlichen Blickwinkeln betrachtet werden. Einerseits können wir ihn auf diejenigen anwenden, die sich im Zustand der künftigen Rechtfertigung befinden, in einer gerechtfertigten Haltung des Sinns und deren Rechtfertigung mit jedem Schritt, den sie auf Gott zugehen, wächst.
Andererseits würde er sich auf diejenigen beziehen, die Brüder im vollsten Sinne geworden sind – die den Schritt der Weihung getan haben und deren Weihung vom Vater durch den Herrn Jesus angenommen wurde. Bei diesen gibt es eine fortwährende, tägliche Darbringung. Heute Morgen haben wir uns vor dem Herrn dargestellt und Ihn um Seinen Segen für den Tag gebeten. Es ist eine Darbringung Tag für Tag und Stunde für Stunde. Es ist eine ständige Hingabe des eigenen Willens, auf diese und jene Weise – ein tägliches Niederlegen unserer Opfergabe vor dem Herrn. So war es auch mit unserem Herrn Jesus. Er hat nicht nur am Anfang die vollständige Weihung des Lebens vollzogen, sondern Tag für Tag Sein Leben hingegeben, bis das Opfer auf Golgatha vollendet war.
Wenn jemand seine Zeit und seine Talente einer Weihung unterzieht und dann sein Opfer zurückhält, wird er mit Sicherheit nicht den großen Preis gewinnen, für den der Vater ihn eingeladen hat, zu laufen. Die Große Schar wird aus denen bestehen, die ihren Leib hingegeben haben, aber ihre Gelegenheiten versäumt haben, ihr Leben – ihre Zeit, ihren Einfluss, ihr Geld, alles – in den Dienst des Herrn zu stellen. Diese Nachlässigkeit wird ihnen ihren Platz auf dem Thron kosten, ihr Privileg, Teil der Brautklasse zu sein. Die Braut wird aus denen bestehen, die nicht nur am Anfang ihren Leib hingegeben haben, sondern diese Hingabe bis zum Tod treu fortgesetzt haben.
DURCH GOTTES ERBARMUNGEN BEDRÄNGT
Der Apostel nennt den Grund, warum wir uns „durch die Erbarmungen Gottes“ darbringen sollen: „Ich ermahne euch durch die Erbarmungen Gottes, eure Leiber darzustellen“. Gottes Erbarmungen erstrecken sich in gewissem Maße über alle. Er lässt Seine Sonne und Seinen Regen sowohl auf die Bösen als auch auf die Guten scheinen. Viele Jahrhunderte lang wurde Gottes besondere Gnade nur den Juden zuteil. Aber die Anordnung von Gottes Plan sieht vor, dass jetzt sowohl die Heiden als auch die Juden in Gottes Gunst kommen können. Gott hat durch Christus die trennende Zwischenwand niedergerissen und damit allen Menschen die Gelegenheit gegeben, wieder mit Ihm in Übereinstimmung zu kommen und Ihn als ihren Vater, ihren Lebensgeber zu haben, und durch Christus an Seinen Segnungen teilzuhaben.
Alle, die sehen und hören und deren Augen des Verständnisses geöffnet sind, sollten dies als einen Anlass betrachten, sich ganz dem Herrn zu weihen und sich Ihm ganz hinzugeben. Es ist wirklich ein höchst vernünftiger Dienst, wie der Apostel betont, und der Preis, den Er an die Angelegenheit verbindet, macht ihn unaussprechlich begehrenswert und kostbar. Es wäre sehr unvernünftig, Gottes wunderbare Gnaden anzunehmen und dann zu versäumen, die daran geknüpften Bedingungen zu erfüllen. Wenn wir wirklich an Gott glauben, wenn wir einen festen Glauben an Seine überaus großen und kostbaren Verheißungen haben, werden wir die Anforderungen freudig und treu erfüllen.
Eine Dame sagte kürzlich zu uns: Ihr legt mehr Wert auf ein gottseliges Leben als wir in unserer Kirche. Ihr sagt: „Glaube an den Herrn Jesus Christus, und du wirst gerettet werden“. Ihr legt besonderen Wert auf den Glauben. Ja, antworteten wir, dieses Wort „glauben“ hat einen äußerst wichtigen Einfluss auf die gesamte Angelegenheit. Wenn wir Ihnen sagen würden, dass Sie auf Ihrem Heimweg heute bei einem bestimmten Haus mit einer bestimmten Hausnummer anhalten sollen, wo Sie in einer bestimmten Ecke unter der Treppe eine kleine Tasche finden würden, die einen wertvollen Schatz enthält, der Ihnen gehören soll – wenn Sie unseren Worten glauben würden, würden Sie hingehen und diese Tasche holen. Wenn Sie sagen würden, dass Sie uns glauben, und dann einen ganz anderen Weg einschlagen würden, wären wir sicher, dass Sie uns nicht geglaubt haben. Ihr Weg würde es beweisen.
Jetzt hat uns der Herr die Gelegenheit geboten, Miterben Jesu Christi, unseres Herrn, zu sein, „eines unverweslichen, unbefleckten und unverwelklichen Erbes“. Wenn wir an diese Tatsache glauben, werden wir versuchen, herauszufinden, welche Bedingungen dafür gelten. Wer wirklich glaubt, wird feststellen, dass die Bedingungen im Vergleich zu der großen Belohnung sehr gering sind. Wenn er jedoch nicht sein Bestes gibt, um diesen großen Preis zu gewinnen, zeigt er, dass er der Botschaft nicht wirklich geglaubt hat; denn wenn er das Angebot anerkennt und daran glaubt, wird er sicherlich bestrebt sein, jede Last und jedes Hindernis beiseitezulegen und geduldig bis zum Ende zu laufen, um die Krone zu erlangen (Hebr. 12:1, 2).
DIE VOLLSTÄNDIGKEIT UNSERES OPFERS
Es handelt sich also um einen vernünftigen Dienst. Der Apostel nennt uns die Bedingungen. Alle, die diesen großen Segen empfangen wollen, müssen sich selbst als lebendige Opfer darbringen, die vor Gott heilig und wohlgefällig sind. Es ist unsere Aufgabe, unseren Leib darzubringen. Nicht die Neue Schöpfung bringt ihn dar; zu diesem Zeitpunkt gibt es noch keine Neue Schöpfung. Unser natürlicher Sinn erkannte aus der Botschaft des Herrn, dass es einen vorzüglicheren Weg gibt – den Weg der Übereinstimmung mit dem Herrn – und wir wollten auf diese Weise mit Ihm in Übereinstimmung kommen. Und dieser neue oder veränderte Wille bringt unsere irdischen Interessen und alles, was wir haben, als Opfer dar. Wir sind ganz und gar menschlich, wenn wir uns dem Herrn darbringen. Wir werden dann zu einem neuen Sinn, einer neuen Hoffnung gezeugt und sind somit Neue Schöpfungen.
Wenn wir uns Gott darstellen, kommen wir nicht direkt mit unserer Darstellung zu ihm. Wir kommen durch den großen Hohepriester – wie im Vorbild, wo das Opfer des Ziegenbockes des Herrn vom Hohepriester dargebracht wurde. Wir kommen durch den Erlöser zum Vater. Wir bringen kein gerechtfertigtes Opfer dar, sondern kommen mit all unseren Sünden, um in der für uns geöffneten Quelle gereinigt zu werden. Die Stimmung in unseren Herzen ist: