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GEDULD IST EINE GRUNDLEGENDE CHARAKTEREIGENSCHAFT
„Denn ihr bedürft des Ausharrens [der Geduld], damit ihr, nachdem ihr den Willen Gottes getan habt, die [Erfüllung der] Verheißung davontragt“ - Hebr. 10:36.

Der Apostel richtet sich an die christliche Kirche – an Euch, die Ihr die Welt verlassen habt, die Ihr Christus als Euren Bannerträger und als Euren Erlöser angenommen habt und die Ihr danach strebt, in Seinen Fußstapfen zu wandeln, und die Ihr Euer Leben dem Herrn geweiht habt – "Ihr bedürft des Ausharrens“. Bis zu einem gewissen Grad habt ihr den Willen Gottes getan, als ihr euch weihtet, um mit Christus zu sterben. Aber dieser Wille Gottes wurde euch noch tiefer eingeprägt, als ihr allmählich mehr als anfangs begriffen habt, was dieses Opfer bedeuten würde, und dass nur diejenigen, die mit Christus leiden, mit Ihm herrschen werden.

„Nachdem ihr erleuchtet worden wart“, saht ihr die Dinge klar und ‚habt einen großen Kampf der Leiden erduldet‘. Das war gut. Aber der heilige Paulus fährt fort, um zu zeigen, dass einige, nachdem sie eine Zeit lang ihren Eifer unter Beweis gestellt haben, erkalten. Sie werden müde, Gutes zu tun. Und er sagt uns, dass sie sich dadurch von den Gunstbeweisen, Privilegien und Segnungen der Kirche Christi abschneiden. Seine Ermahnung lautet, dass diejenigen, die Gott im Herzen noch treu sind, dies auch weiterhin tun und Geduld üben, wobei sie daran denken sollten, dass dies eine der wichtigsten christlichen Tugenden ist. Viele haben von Natur aus ein wenig Liebe, ein wenig Milde, ein wenig Geduld, ein wenig Sanftmut usw. Aber nachdem wir begonnen haben, in den Gnaden des Heiligen Geistes zu wachsen, brauchen wir Geduld, um das Fleisch, den Geist der Welt, den Geist der Selbstsucht zu kontrollieren.

Der Wille Gottes ist in gewissem Sinne der Maßstab Gottes – die absolute Vollkommenheit – dass wir wie unser Vater im Himmel sein sollen. Aber Gott weiß, dass wir gefallene Geschöpfe sind und nicht vollkommen handeln können. Unser Text bedeutet nicht, dass wir den Willen Gottes im vollkommenen und vollständigen Sinne tun müssen; vielmehr ist unser Dienst, wie der Apostel an anderer Stelle sagt, ein vernünftiger Dienst. Wenn wir unseren Leib als lebendiges Opfer Gott darbringen, ist das unser vernünftiger Dienst. Gott erwartet nicht von uns, dass wir das Unmögliche tun.

DER ZWECK UNSERER PRÜFUNG

Was ist dieser Wille Gottes? Es heißt konkret: „Das ist Gottes Wille [in Bezug auf euch], eure Heiligkeit“ (1. Thes. 4:3). Wie der Apostel lehrt, ist die Weihung eine vollständige und umfassende Abtrennung. Wenn wir uns zu Beginn so abtrennen, dann heiligt uns der Vater – zeugt uns als Neue Schöpfung und trennt uns ab. Wir haben also zunächst unsere eigene Abtrennung; und dann Gottes Annahme durch unsere Zeugung des Heiligen Geistes als Neue Schöpfung und Sein fortwährendes Wirken in uns.

Wir tun den Willen Gottes, wenn wir uns Ihm vollkommen weihen und einen Platz in der Neuen Schöpfung erlangen. Aber Er will uns auf die Probe stellen. Wie sehr lieben wir Gott? Wie aufrichtig sind wir? Ein Soldat in einer Armee mag in ruhigen Zeiten loyal sein, aber wie würde er sich in schwierigen Zeiten verhalten? Würde er dann die Fahne im Stich lassen oder sich als guter Soldat erweisen? Er würde viel Geduld brauchen. Wenn er sagt, dass er sein Land liebt, werden seine Ausdauer und Treue in Zeiten der Not auf die Probe gestellt. Er muss Wachdienst leisten und manchmal niedere Arbeiten verrichten. Er muss mühsame Märsche und viele Entbehrungen ertragen. All dies wird von einem treuen Soldaten verlangt. Wenn er treu ist, wird er wahrscheinlich für seinen treuen Dienst befördert und geehrt.

So werden wir auf unsere Loyalität geprüft. Was sind wir bereit, um Christi willen zu ertragen? Wie vollständig sind wir Ihm unterworfen? Wie tief geht unsere Unterwerfung? Sind wir völlig in Übereinstimmung mit dem Willen des Herrn? Ist unser Interesse nur oberflächlich oder geht es uns wirklich zu Herzen? Die Frage ist nicht nur: Sollen wir die Weihung vollziehen? – sondern nachdem der Christ all diese vorbereitenden Schritte unternommen hat, inwieweit wird er geduldige Ausdauer, Gehorsam und Loyalität zeigen?

Gott stellt uns auf die Probe, weil Er denjenigen, die siegreich aus ihr hervorgehen, große Ehren zuteilwerden lassen will. Sie sollen eine auserwählte Gruppe sein, und diese werden die Verheißung erhalten. Wie der Apostel sagt, werden wir die Verheißung, d. h. ihre Erfüllung, erst dann erhalten, wenn wir unsere Loyalität bis zuletzt unter Beweis gestellt haben.

DAS WESEN DER VERHEISSUNG

Wann, wo und was ist die Verheißung? Zweifellos wird die Verheißung in der Auferstehung empfangen werden. Die Verheißung umfasst alles, was Gott für diejenigen bereithält, die Ihn lieben – die Ihn mehr lieben als Häuser und Ländereien, Kinder, Eltern, Freunde, Ehemänner oder Ehefrauen, sich selbst oder irgendetwas anderes.

Die besondere Verheißung, auf die sich der Apostel hier bezieht, ist DIE Verheißung. All unsere Hoffnungen und Segnungen sind in der ursprünglichen Verheißung an Abraham enthalten, als Gott ihn aus dem Land Chaldäa in das Land Kanaan führte. Gott versprach Abraham, dass in seinem Samen alle Familien der Erde gesegnet sein sollten. Das war die große Verheißung zur Ermutigung des Samens, um ihm Geduld und Stärke zu geben. Dies ist der Kern der Verheißung – dass diejenigen, die die Verheißung empfangen, der Same Abrahams sein werden, um die Welt zu segnen. Die Treuen in Christus werden mit Ihm in Seinem Königreich verbunden sein – sie werden die Ehre haben, alle Familien der Erde unter diesem Königreich zu segnen. Jedes Geschöpf Gottes wird dann zur Erkenntnis Seiner Wahrheit gebracht werden und die Möglichkeit haben, wiederhergestellt zu werden, wenn es will, zur Vollkommenheit, zu allem, was auf Golgatha erkauft wurde.

Jetzt ist die Gelegenheit eine andere. Jetzt werden diejenigen ausgewählt, die die Verheißung als Same Abrahams erben werden. „Wenn ihr aber Christi seid, so seid ihr denn Abrahams Nachkommen und nach Verheißung Erben“. Der Apostel drängt in unserem Text darauf, dass wir weiterhin Christi sind und in Ihm bleiben. Alle, die bis zum Ende in Ihm bleiben, werden mit Ihm verherrlicht werden. Um treu zu bleiben, müssen wir Seinen Geist der Aufopferung haben.

BEISPIELE FÜR GEDULDIGE AUSDAUER

Der heilige Jakobus ermahnt die Kirche mit den Worten: „Nehmt, Brüder, zum Vorbild des Leidens und der Geduld die Propheten, die im Namen des Herrn geredet haben“. Diejenigen, an die sich der Apostel wandte, wussten bereits um die Leiden Jesu. Sie wussten bereits um die Treue der Apostel. Und nun lenkte er die Aufmerksamkeit ihrer Sinne auf etwas Zusätzliches. Er fordert sie auf: „Schaut in die Vergangenheit zurück und seht, dass geduldiges Ausharren für alle, die ein heiliges Leben geführt haben, bestimmend war“. Diese Beispiele sollten uns ermutigen, zusätzlich zu denen, die wir in den lebenden Brüdern um uns herum haben!

Es lohnt sich immer, den Blick zurückzurichten. Die Dinge, die sich in unmittelbarer Nähe befinden, sind zu nah, um im richtigen Licht gesehen zu werden. Es war angemessen, dass der Apostel die Aufmerksamkeit auf die Treuen der Vergangenheit lenkte, damit wir ermutigt werden, zu beachten, was Gott wünscht. Er wünscht sich von denen, die Ihm gehören, die Bereitschaft, geduldig und loyal auszuharren und so den wahren Charakter zu zeigen, der Ihm sehr gefällt.

Wenn wir uns die alttestamentlichen Aufzeichnungen über die Propheten ansehen, stellen wir fest, dass viele von ihnen genau diese Eigenschaft zeigten, die der Apostel als Loyalität gegenüber dem Herrn bezeichnete, die Bereitschaft, um seinetwillen Leiden zu ertragen, und nicht als Erfahrungen, die ihnen durch das Volk zufällig widerfahren sind. Wir sehen Mose – wie bereitwillig er war, aufgrund seines Glaubens an die Verheißung, die Abraham gegeben wurde, und seiner Überzeugung, dass die Verheißung wahr werden würde, Leiden zu ertragen. Er zog es vor, mit dem Volk Gottes zu leiden, anstatt ein bequemes Leben in der königlichen Familie des Pharaos zu führen, in die er adoptiert worden war.

Wir sehen in Hiob ein weiteres Beispiel für das geduldige Ertragen von Trübsal und starken Widerstand über einen beträchtlichen Zeitraum hinweg. Dasselbe sehen wir bei Jeremia – wie viel Not ihm seine Treue gekostet hat und wie geduldig er war. Dasselbe sehen wir beim Propheten Daniel – seine Treue zum Herrn, sein geduldiges Ertragen dessen, was Gott zuließ, dass es gegen ihn kam. Und so auch bei anderen Propheten. Und wir lesen, dass ihre Erfahrungen zu unserer Ermahnung, unserer Belehrung, niedergeschrieben wurden. Obwohl sie einer religiösen Ordnung angehören und wir einer anderen, können wir aus ihren Erfahrungen doch gute Lehren ziehen – 1. Kor. 10:6,11.

EIGENE ANWENDUNG DIESER LEKTIONEN

Wenn wir diese Lektionen auf uns selbst anwenden, können wir sagen, dass wir, in welchem Ausmaß auch immer wir das Privileg haben, das Wort Gottes zu verkünden und Verfolgung zu erleiden, wenn wir dies mit Geduld ertragen, dafür vom Herrn entsprechend gesegnet und gelobt werden. Aber wir können nicht glauben, dass es Ihm gefallen würde, wenn wir, wenn wir leiden, denken: „Oh, wie schrecklich, schrecklich, schrecklich!“. Ein solches Verhalten würde nicht Seinem Wort entsprechen, dass „Alle, die gottselig leben wollen in Christus Jesus, werden verfolgt werden“ und dass „alle Dinge zum Guten mitwirken“ – 2. Tim. 3:12; Röm. 8:28.

Als Hiob reich und wohlhabend war, stellte Gott ihn auf die Probe, indem Er ihm seine ganze Familie, seinen ganzen Reichtum und seine Gesundheit nahm und sogar zuließ, dass sich seine Frau gegen ihn wandte. Doch trotz alledem wandte sich Hiob nicht von Gott ab. Er brachte zwar seine Verwunderung zum Ausdruck, aber er blickte im Glauben auf den Herrn und sagte: „Und ist nach meiner Haut dieses da zerstört, so werde ich aus meinem Fleisch Gott anschauen“. Ich werde noch die Bekundung Seiner Gunst erhalten und erfahren, was Er mit diesen Erfahrungen, diesen Leiden, die über mich kommen, meint. „Tötet er mich, ich werde auf ihn warten“ – Hiob 13:15.

Nachdem seine Prüfungen abgeschlossen waren, gab Gott ihm Kinder, Häuser, Land und Freunde zurück. Und diese Fülle an Geschenken war ein Vorgeschmack auf die Segnungen der Restitution – wie sich die Leiden der Menschheit letztendlich zum Guten für diejenigen auswirken werden, die Gott lieben. Wenn diejenigen, die jetzt aufgrund ihrer Loyalität gegenüber dem Herrn und ihres Vertrauens in Seine Anordnungen in Bedrängnis sind, Bedrängnisse und Prüfungen freudig auf sich nehmen, werden sich diese sicherlich zum Guten für sie auswirken – „ein über die Maßen überschwängliches, ewiges Gewicht von Herrlichkeit“.