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EIN WORT AN DIE WÄCHTER
„Lasst uns wachen und nüchtern sein“ - 1. Thes. 5:6.

DER APOSTEL PAULUS richtet sich an die Kirche, sich selbst eingeschlossen, wenn er sagt: „Lasst uns wachen und nüchtern sein“. Er weist darauf hin, dass wir auf den Tag, auf das Reich des Messias, warten sollen, das diesen Tag hervorbringen wird. Wir wissen, dass wir das Aufgehen der Sonne der Gerechtigkeit erwarten können. Die Kirche soll am frühen Morgen dieses wunderbaren Tages von Sünde und Tod befreit werden. Ihr Anteil ist es, an der Ersten Auferstehung teilzunehmen, um mit ihrem Herrn in Herrlichkeit, Ehre und Unsterblichkeit zu leben.

Der heilige Paulus sagt uns, dass Gott Sein Programm so angeordnet hat, dass der Tag wie ein Dieb in der Nacht kommen wird – heimlich: und dass diejenigen, die schlafen, nicht bemerken werden, dass der Tag gekommen ist, und daher nicht in Erwartung sein werden. Die Worte unseres Meisters lauten: „Hütet euch aber, dass … jener Tag plötzlich über euch hereinbreche; … Wacht nun!“ (Lk. 21:34, 36). Wir glauben, dass Er die Angelegenheit im Dunkeln lässt, weil es für uns insgesamt besser ist, den genauen Zeitpunkt nicht zu kennen. Zum Beispiel war es in der langen Zeit des dunklen Zeitalters besser, dass die Christen nicht genau wussten, wann die Zeit der Wiederkunft Christi kommen würde. Es gab wunderbare Ereignisse in ihrer Zeit, und eigentlich gab es sie in jedem Tag, aber, so lesen wir, umso mehr, je näher der Tag rückt.

Während der Widersacher stets aktiv ist in seinen Bemühungen, der Sache des Herrn Schaden zuzufügen, wird er während der letzten Tage noch mehr verführerischen Einfluss ausüben. Wir müssen daher, je näher der Tag rückt, immer wachsamer sein und jeden möglichen Angriffspunkt schützen. Der Herr erlaubt uns, auf diese Weise zu wachen, und Er wird die Treuen belohnen, denn Er hat Gefallen an den Wachsamen. Diese werden nicht nachlässig sein. Wer nachlässig ist, wird nicht zur Klasse des Königreichs gehören, denn er gehört nicht zu denen, die Er verherrlichen möchte.

Gott möchte, dass diejenigen, die wach sind, mehr und mehr von Seinem Plan erfahren. Diese werden in der Gnade und in der Erkenntnis wachsen, während sie wachen. Sie werden nicht wie die Welt sein. Die Welt wird in einem Dämmerzustand sein – sie werden des Tages unwürdig sein. Zurzeit bedeckt Dunkelheit die ganze Erde. Aber Gottes Volk wird mit einem besonderen Licht beschenkt. Sie lieben das Licht. „Dein Wort ist Leuchte meinem Fuß und Licht für meinen Pfad“ (Ps 119:105). Es ist kein Licht wie das des Mondes, das weit hinausreicht, sondern nur ein kleines Licht zu den Füßen derer, die danach Ausschau halten. Wer sich schlafen legt, wird feststellen, dass sein Licht erlischt.

BEWEISE FÜR DEN NEUEN TAG

Der Weg, den der Herr Seinem Volk durch alle Zeitalter hindurch vorgezeichnet hat, war ein schmaler Weg – ein sehr schmaler Weg. Sein Licht wird nur denen gegeben, die suchen – die warten – die wachsam sind. Diese werden den Tagesanbruch erkennen.

Andere werden ihn nicht erkennen. Ihr Blick ist nicht darauf gerichtet, die ersten Anzeichen des neuen Tages zu erkennen. Während sich Dinge ereignen, die Beweise für den neuen Tag sind, sind sie sich dessen nicht bewusst. Zum Beispiel sind die wunderbaren Segnungen unserer Zeit Manifestationen des neuen Zeitalters. Der Tagesanbruch ist da. Wir sind erstaunt, dass die Menschen dies nicht sehen. Aber sie führen diese wunderbaren Dinge auf unterschiedliche Ursachen zurück. Sie denken, dass dies lediglich die Ergebnisse des Fortschritts sind, den der Mensch seit seiner Entwicklung vom Affen gemacht hat. Er ist intelligenter geworden, geht in Konzerte, in die Kirche usw. Er entfernt sich immer weiter vom Affen! Die Fähigkeit, Dampf und Elektrizität zu nutzen, beweist ihnen, dass wir in das Zeitalter des Gehirns eintreten! Sie vergessen, dass nur einige wenige talentierte Erfinder usw. sind.

Wir können sehen, dass all diese großen Segnungen zum neuen Zeitalter gehören. Gott bringt es hervor. Wir können sehen, dass es nicht die gebildeten Menschen sind, sondern diejenigen mit geringerer Bildung, die die wunderbaren Erfindungen entdeckt haben, die für den Menschen am nützlichsten sind. Die Erfindungen, die sich als die größten Segnungen erwiesen haben, die die Welt je gekannt hat, wurden von ungebildeten Menschen entdeckt. Diese Dinge sind nicht dem „Zeitalter des Gehirns“ geschuldet, wie man uns sagt. Vielleicht lässt sich keiner aus der heutigen Generation mit Shakespeare vergleichen; vielleicht lässt sich keiner mit Paulus vergleichen; vielleicht lässt sich keiner mit Salomo, David oder Moses vergleichen.

WÄCHTER FÜR EINEN ZWECK

Der Apostel sagt: „Lasst uns wachen und nüchtern sein“. Wir können nicht sagen, dass er sich hier auf den Verzicht des Konsums von Alkohol, Tabak und anderen Dingen bezieht, die eine betäubende Wirkung auf die Nerven haben. Der Gedanke ist, dass wir wachsam und nüchtern in unserem Sinn sein sollten. Wir finden sehr viele Menschen, die leicht erregbar sind – von jedem Wind einer neuen Doktrin mitgerissen. Sie können nicht begründen, was sie akzeptieren. Sie wissen nicht, dass die Wahrheit nur für eine Klasse von Menschen bestimmt ist – für diejenigen, die wachen.

Wie sorgfältig sollten wir all die zunehmenden Zeichen des Neuen Tages beobachten! Aber der Wächter, der auf seinem Posten der Pflicht steht und sieht, was vor sich geht, aber schweigt, ist völlig nutzlos. Wir wollen einen Wächter mit einem bestimmten Zweck! Diejenigen, die Wache halten, sollten die Aufmerksamkeit anderer auf diese wunderbaren Dinge lenken. Sie sollten versuchen, den Haushalt des Glaubens zu wecken.

Es gibt Menschen, die vielleicht genauso vollständig geweiht sind wie wir, nur sind sie nicht wach. Wir sollten sie freundlich schütteln, um sie zu wecken und ihnen die wunderbaren Dinge zu zeigen. Und da wir bald zur Hochzeit gerufen werden, sollten wir daran denken, dass ein Teil unserer Wachsamkeit darin bestehen sollte, unsere Kleider weiß zu halten. Wir sollten zu einem bestimmten Zweck wachen. Wenn wir erkennen würden, wie nahe der Bräutigam ist, wie vorsichtig wären wir mit unseren Kleidern! Andere wissen es nicht, aber die auserwählte Braut weiß, wie nahe der Bräutigam ist. Sie wird wachen und nüchtern sein.

In gewisser Hinsicht könnte es viele Dinge geben, die zu Erregbarkeit führen. Wir könnten einfach auf und nieder springen, wenn wir die wunderbaren Dinge sehen, und in die Hände klatschen usw. Jedoch nicht so! Wir müssen nüchtern sein. Aber wir dürfen nicht dumm sein – träge. Wir sollten uns daran erinnern, dass der Herr uns dieses Wissen gibt, damit wir es nutzen, und wir sollten es mehr und mehr nutzen. Wenn wir unsere Unvollkommenheiten deutlicher erkennen, sollten wir wachsam und nüchtern sein, und wir werden dementsprechend umsichtig sein, anderen helfen und mehr und mehr die Früchte und Gnaden des Heiligen Geistes anziehen – Geduld, Sanftmut, Milde, brüderliche Güte, Liebe. Und während wir wachen, werden wir Zorn, Bosheit, Hass, Neid und Streit ablegen. So werden wir dem Bräutigam wohlgefällig und annehmbar sein, und wir werden uns so bereit machen, mit Ihm in die Freuden und Segnungen einzutreten, die jetzt so nahe sind – am Eingang.