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EINTRÄCHTIG BEIEINANDER WOHNEN
Siehe, wie gut und wie lieblich ist es, wenn Brüder einträchtig beieinander wohnen! - Ps. 133 : 1.

IN EINIGEN irdischen Familien herrscht ein beträchtliches Maß an Einheit. Von solchen Familien sagen wir manchmal: „Diese Familie scheint an einem Strang zu ziehen.“ In anderen Familien scheint es ein Auseinanderdrängen zu geben. Wenn wir Ehemann und Ehefrau, Brüder und Schwestern sehen, die sich gegenseitig helfen, sagen wir: „In dieser Familie herrscht viel Liebe.“ Damit meinen wir eine irdische Liebe – ein gewisses Maß an animalischer Liebe. Diese Gesinnung ist richtig. Die Bibel scheint zu implizieren, dass wir gegenüber denen, die uns nahestehen, eine Verpflichtung, eine besondere Pflicht haben. Die Heilige Schrift sagt, dass ein Mann seinen eigenen Haushalt nicht vernachlässigen soll. Wer sich nicht um die Seinen kümmert, ist schlimmer als ein Ungläubiger – 1. Tim. 5:8.

Der Mensch wurde ursprünglich nach dem Bilde Gottes geschaffen und hatte die göttliche Liebe als inspirierenden Einfluss in seinem Leben. Diese Liebe ist weitgehend durch Selbstsucht ausgelöscht worden, die der Repräsentant der Sünde ist. In dem Maße, wie die Menschen gefallen sind, sind sie selbstsüchtig. Manche sind freundlich und großzügig gegenüber den Gliedern ihrer eigenen Familie und bemühen sich, einander zu helfen. Wir können nicht sagen, dass dies kein richtiges Prinzip ist, wenn es nicht anderen schadet, wenn man versucht, für sich selbst zu sorgen. Brüder und Schwestern sollten miteinander mitfühlen und sich gegenseitig helfen. Wo immer wir diesen Geist in einer Familie sehen, sagen wir: „Das ist eine wunderbare Familie.“

Es gibt andere Familien, in denen es einen persönlichen Egoismus zu geben scheint und keinerlei brüderliche Sympathie. In solchen Familien besteht der Wunsch, für einen Außenstehenden mehr zu tun als für jemanden aus der eigenen Familie. Die Familienmitglieder sehen mehr Fehler in den anderen als in sich selbst. In solchen Fällen mangelt es an Gerechtigkeit. Wann immer das Prinzip der Gerechtigkeit außer Kraft gesetzt wird, entsteht statt Liebe ein Geist der Feindseligkeit, und unter solchen Bedingungen ist keine Einheit möglich.

REIBUNG ALS FOLGE VON SELBSTSUCHT

Wenden wir diese Regel auf die Familie des Herrn – die Kirche – an. Gott hat eine neue Familie in der Welt gegründet – nicht nach irdischen Bindungen, sondern nach dem Geist Gottes. Diese Familie besteht aus denen, die aus dem einen Geist des Vaters gezeugt worden sind. Was für eine schöne Familie ist das! Ein Vorbild dieser Familie sehen wir in den Tagen Gideons. Alle Söhne Joas, Gideons Vaters, unterschieden sich in ihrem allgemeinen Aussehen von den anderen Israeliten. Es steht geschrieben, dass sie Königssöhnen glichen (Ri. 8:18). So sollte es auch mit uns sein. Da wir den Geist des Herrn haben, sollten wir in unseren Worten und Taten hervorleuchten und in jeder Hinsicht „die Tugenden dessen verkündigen, der uns aus der Finsternis in sein wunderbares Licht berufen hat“ (1. Petr. 2:9).

Offensichtlich ist das Prinzip der Selbstsucht die Wurzel, aus der alle Uneinigkeiten hervorgehen. Sicherlich gibt es nichts Selbstsüchtiges im Geist des Herrn. Woher kommt dann dieser Geist der Zwietracht und Uneinigkeit, der sich manchmal unter dem Volk des Herrn manifestiert? Der eine macht sich selbst groß und versucht, anderen ihre Rechte und Freiheiten zu nehmen. Andere, die einen ähnlichen Geist haben, möchten vielleicht einen Clan bilden. Der eine sagt: „Ich gehöre zu Paulus“, der andere: „Ich gehöre zu Apollos“, ein dritter: „Ich gehöre zu Christus.“ Dieser Geist ist falsch. Der heilige Paulus weist darauf hin, dass es niemanden außer Christus gibt, mit dem wir vereint sein sollten.

Die günstigste Bedingung für die Einheit ist, dass alle danach trachten, den Willen des Herrn in ihrem sterblichen Leib zu erfüllen. Die einzige Schwierigkeit, die dann entstehen könnte, würde aus Unwissenheit oder aus der Schwäche des Fleisches resultieren, die nicht überwunden worden war oder nicht überwunden werden konnte. Die anderen Glieder der Gemeinde, die den Geist des Meisters hatten, würden annehmen, dass der irrende Bruder nur unwissend und nicht vorsätzlich in Widerstand war. Deshalb würden sie in aller Freundlichkeit und Milde versuchen, ihn auf den Willen des Vaters hinzuweisen, wie er in Christus zum Ausdruck gekommen ist. Der jüngere Bruder würde sich darüber freuen, weil er den Geist Christi hätte.

Wenn die Schwierigkeit im Fleisch läge, sollten die Brüder erkennen, dass es sich lediglich um eine Schwäche des Fleisches handelt, und sie sollten den Bruder mitfühlend darauf hinweisen, wo er gefehlt hat. Dieser wiederum sollte sich für seinen Fehler entschuldigen. Dann sollte ihm frei vergeben werden. So würde er lernen und in die richtige Einheit mit den anderen Brüdern kommen. So sollen wir alle in der gegenwärtigen Zeit den Geist des Meisters haben und so weit wie möglich in Einheit zusammenleben.

„KEINE SPALTUNG IN DEM LEIB“ [1. Kor. 12:25]

Es ist jedoch nicht immer möglich, mit allen „einträchtig beieinander zu wohnen“. Für Gott und Satan wäre dies unmöglich. Es gibt Menschen, die den Geist Satans haben. Mit solchen Menschen können wir keine Einheit haben. Der Kontakt mit ihnen würde uns zwar läutern, aber Einheit wäre nicht möglich, denn was hat Licht mit Finsternis zu tun? Einmal schrieb der heilige Paulus an die Kirche in Korinth: „Ich höre, es seien Spaltungen unter euch“. Dann fuhr er fort, dass dies so sein müsse, damit alles, was falsch sei, an die Oberfläche komme, damit die Disharmonie der Situation erkannt werde und damit derjenige, der im Unrecht sei, dazu gebracht werde, auszutreten, weil er ein Eindringling sei (1. Kor. 11:18, 19). Ein solcher würde seine Stellung erkennen und austreten und durch seine Handlung sagen: „Ich bin kein Glied des Leibes Christi; diese sind das Volk des Herrn“. Oder wenn er nicht austreten würde, sollte man ihm dazu raten.

Diejenigen, die keine Brüder sind, die keine Kinder des Lichts sind, sondern Kinder der Finsternis, die mit den Brüdern Umgang haben, müssen nach den Richtlinien der göttlichen Anweisung in Matthäus 18:15-17 behandelt werden. Wir dürfen keine Maßnahmen ergreifen, die nicht der Schrift entsprechen. Dies ist die einzige Methode.

Wir haben große Maschinen gesehen, die mit großer Präzision und sehr wenig Erschütterung laufen. Die Teile wohnen in Einheit zusammen; alle arbeiten in vollkommener Ordnung, weil sie gut zusammengefügt sind. Sie könnten nicht auseinanderfallen, sonst gäbe es nur ein Klappern. Die Familie Gottes ist wie eine große Maschine. Die Anordnung der Glieder im Leib steht unter der Aufsicht des großen Ingenieurs, der sie durch die Vermittlung Seines eigenen Geistes in Übereinstimmung bringt.

Die Arbeitsweise eines neuen Motors oder einer anderen Maschine ist anfangs sehr langsam, da beim Anlaufen der Teile eine gewisse Reibung entsteht. Wenn der Ingenieur also feststellt, dass an einem der Teile Reibung auftritt, gibt er ein wenig Schmieröl darauf und verhindert so Schäden. Wenn die Teile glatt gelaufen sind, besteht kaum noch Gefahr von Reibung. So ist es auch mit den Gliedern des Leibes Christi. Wenn sie neu im Leib sind, müssen wir mit Reibung rechnen, und dann sollten wir mehr vom Geist des Herrn ausüben. Und wir sollten uns unserer eigenen Gesinnung, unserer eigenen Absicht sehr sicher sein.

Selbst wenn derjenige, der Reibung verursacht, nicht zum Leib gehört, selbst wenn er ein Fremder ist – kein Teil der Maschine, an die er sich hängt – wäre Öl umso mehr nötig. Wir sollten daher daran denken, dass jedes Glied, egal wie gut es entwickelt ist, den Heiligen Geist braucht. Wenn wir ein Glied unerträglich finden, sollten wir im Gebet zum Herrn gehen und um mehr von Seinem Geist bitten, damit wir mehr Geduld und mehr brüderliche Güte im Umgang mit diesem einen Menschen üben können. So werden wir dem Herrn gefallen und einander helfen, uns gegenseitig aufzubauen und allen Menschen Gutes zu tun, besonders dem Haushalt des Glaubens.