DIE HEILIGEN SCHRIFTEN machen darauf aufmerksam, dass es eine Nacht des Weinens gibt, die im Gegensatz zu einem Tag der Freude steht (Ps. 30:6). Die „Nacht“ ist jene Zeit der Dunkelheit, die nach dem Sündenfall Adams einsetzte. Durch den Ungehorsam eines Menschen kam die Sünde in die Welt und als Folge davon der Tod (Röm. 5:12, 19). Das Böse hat Leid und die Dunkelheit der Unwissenheit und des Aberglaubens unter die Menschheit gebracht, bis die menschlichen Angelegenheiten völlig zerrüttet waren. Wie der Prophet Jesaja sagt: „Finsternis bedeckt die Erde und Dunkel die Völkerschaften“ – Jes. 60:2.
Es gibt jedoch einen verheißenen Morgen. Dieser Morgen wird von der Sonne der Gerechtigkeit eingeleitet, die mit heilenden Strahlen aufgeht (Mal. 3:20). Diese Sonne der Gerechtigkeit ist Christus und die Kirche mit Ihm. „Dann werden die Gerechten leuchten wie die Sonne in dem Reich ihres Vaters“ (Mt. 13:43) – Christus als das Haupt und die Kirche, die Sein Leib ist.
Eine andere Schriftstelle spricht von der Gegenwart als Tag: „Ich muss die Werke dessen wirken, der mich gesandt hat, solange es Tag ist; es kommt die Nacht, da niemand wirken kann“ (Joh. 9:4). Obwohl es seit vielen Jahrhunderten eine Zeit der Dunkelheit gibt, hat das herrliche Licht der Wahrheit seit dem Ersten Advent unseres Herrn mehr Einfluss auf die Welt als je zuvor; denn mit dem Kommen unseres Herrn Jesus kam ein Segen auf die Welt. Zu dieser Zeit kam so viel Licht herein, dass das Evangelium-Zeitalter im Gegensatz zu früheren Erfahrungen als Tag bezeichnet werden kann. Dieser Tag wiederum machte einer langen Periode Platz, die als das Mittelalter bekannt ist. Dann, seit der Reformation, kam durch bestimmte Einflüsse, die dem Volk des Herrn Segen gebracht haben, wieder ein gewisses Maß an Licht herein. Jetzt ist es an der Zeit, dass die Sonne der Gerechtigkeit aufgeht und Heilung in ihren Strahlen bringt.
„DER MORGEN KOMMT“ [Jes. 21:12]
Wir glauben, dass der Tag tatsächlich nahe ist; dass wir am frühen Tagesanbruch eines neuen Zeitalters leben und dass, sobald die Ernte des Evangelium-Zeitalters eingebracht sein wird, „die Königreiche dieser Welt“ während einer großen Zeit der Drangsal „zum Königreich unseres Herrn und seines Christus werden“ – Offb. 11:15.
Die Heilige Schrift informiert uns darüber, dass die Zeitspanne, während der die gegenwärtige Herrschaft Satans zum Königreich des geliebten Sohnes Gottes wird, ein besonders Tag des Unglücks sein wird. Es wird eine Zeit sein, in der alle Kinder des Lichts auf eine harte Probe gestellt werden; ein Tag, der den Glauben und das Werk eines jeden Menschen auf die Probe stellt; ein Tag der feurigen Prüfung, den nur „das Gold, das Silber und die Edelsteine“ unbeschadet überstehen werden und an dem alles „Holz, Heu und Stroh“ des Irrtums, der Sünde und der menschlichen Tradition vollständig verbrannt werden wird – 1. Kor. 3:12, 13; 1. Petr. 4:12.
„UND AUCH DIE NACHT“ [Jes. 21:12]
Während wir den herrlichen Tagesanbruch der neuen religiösen Ordnung beobachten, bemerken wir auch Wolken. Die Bibel warnt uns, dass es, bevor das Königreich des Himmels vollständig errichtet sein wird, eine sehr dunkle Stunde für die Welt geben wird – eine Zeit, in der die Sünde große Freiheit in ihrem Wirken haben wird und während der die Heiligen Gottes Verfolgung erleiden werden. Gleichzeitig können wir den Widerschein der „Sonne“ sehen, obwohl sie noch nicht aufgegangen ist; wir befinden uns jetzt im frühen Tagesanbruch. Aber die kommende Dunkelheit wird die Angelegenheiten so erscheinen lassen, als würde der Morgen nicht kommen, als wäre die Nacht wieder hereingebrochen, als hätte die göttliche Anerkennung aller Dinge aufgehört.
Es gibt jedoch einen silbernen Streifen an den Wolken. Bald wird die Sonne der Gerechtigkeit mit heilenden Strahlen aufgehen. Die Kirche in Herrlichkeit mit ihrem Herrn wird die Sünde niederwerfen, den Aberglauben und das Böse vertreiben, die jetzt den Sinn der Menschen trüben, und den Menschen, die Gott und Sein Wort ehren, deutliches Licht geben. „Denn dann werde ich die Lippen der Völker in reine Lippen umwandeln, damit sie alle den Namen des HERRN anrufen und ihm einmütig dienen“ (Zeph. 3:9). Die Botschaft wurde ursprünglich in ihrer Reinheit gegeben, aber diese Unverfälschtheit hat sie nicht bewahrt. Sie wurde durch Unwissenheit und Aberglauben mehr oder weniger verdunkelt. Wenn der Herr durch das Königreich des Messias Seine Botschaft für die Menschheit rein und klar machen wird, dann wird sich jedes Knie beugen und jede Zunge bekennen. Diejenigen, die sich jedoch weigern, von Herzen Loyalität gegenüber dem Königreich zu entwickeln, werden den Zweiten Tod sterben – Jes. 45:23; Apg. 3:23.
Obwohl der Tag noch nicht gekommen ist, gibt es diejenigen, die in der Schrift „Söhne des Lichts“ genannt werden (1. Thes. 5:5) und die nicht zum Reich der Sünde gehören. Wir, die wir zu dieser Klasse gehören, haben unser Leben in Weihung niedergelegt, um Diener der Gerechtigkeit zu werden. Wir sind in Übereinstimmung mit Gott und sind Feinde der Sünde. Wir sind durch den Heiligen Geist zu einer neuen Natur gezeugt worden und haben die Verheißung, in Zukunft Miterben unseres Herrn zu sein. Lasst uns also, die wir dem Tag angehören, Aberglauben und Unwissenheit – die Werke der Finsternis – ablegen und die Waffen des Lichts anlegen – Röm 13:12.
STEHT AUF UND LEUCHTET IM EWIGEN LICHT [Jes. 60:1]
Was ist also die Pflicht des Christen in dieser Zeit der Dunkelheit? Sollen wir in Sünde leben, während unsere Herzen in Übereinstimmung mit der Gerechtigkeit sind? Der Apostel sagt, dass wir nicht in Sünde leben dürfen (Röm. 6:15). Lasst uns alles ablegen, von dem wir glauben, dass es dem Herrn missfällt, alles, was dem Licht des neuen Tages widerspricht – dem Licht, das wir gesehen haben, das die Welt aber nicht gesehen hat. Lasst uns die vollständige „Rüstung des Lichts“ anlegen, die „ganze Waffenrüstung Gottes, damit wir an dem bösen Tag zu widerstehen vermögen“. Und wenn wir sie anlegen, sollten wir daran denken, dass sie kein nutzloses Gewicht, sondern ein notwendiger Schutz im Kampf ist – Röm. 13:12; Eph. 6:13.
Niemand legt jemals eine Rüstung an, es sei denn, er erwartet einen Kampf. Wenn er ein Soldat des Kreuzes ist, ist das „Schwert des Geistes“ die große Waffe, mit der er seine Loyalität und Stärke unter Beweis stellen wird. Die Brüder sollten einander im heiligsten Glauben aufbauen, den guten Kampf kämpfen und ihre Loyalität gegenüber dem Herrn und der Wahrheit zeigen (Jud. 20; 1. Tim. 6:12). Diejenigen, die den Einflüssen der Finsternis erliegen, zeigen sich der neuen Ordnung der Dinge unwürdig und dürfen nicht erwarten, mit Christus an Seinem Königreich teilzuhaben, sondern gehören zu denen, die vom Herrn als unwürdig zurückgewiesen werden.
Lasst uns daran denken, dass wir uns in der Stunde der Versuchung, die über die ganze Welt kommen soll, um die Bewohner der Erde zu prüfen, bereits weit fortgeschritten sind (Offb. 3:10.) Höhere Kritik, Evolution, Christliche Wissenschaft, Hypnotismus, Neues Denken, Heilung durch den Geist und andere Werke der Finsternis werfen einen tiefen Schatten auf alle, die nicht vollständig dem Herrn geweiht sind und daher nicht durch Seine Macht, durch Sein Wort und Seine Vorsehung bewahrt werden.
„LASST UNS ANSTÄNDIG [EHRLICH] WANDELN WIE AM TAG“
Wir leben zwar noch nicht vollständig am Tag, gehören aber bereits zu der neuen religiösen Ordnung und sollten daher so weit wie möglich in Übereinstimmung mit der vollkommenen Norm der Zukunft leben. Das bedeutet, dass wir von der Welt missverstanden werden, dass man uns für töricht halten wird und dass wir als Feinde betrachtet werden, nicht nur von denen, die sich in völliger Dunkelheit befinden, sondern insbesondere von denen, die sich als das Volk des Herrn ausgeben, aber in Wirklichkeit die Dunkelheit dem Licht und den Irrtum der Wahrheit vorziehen.
Wir möchten besonders auf das Wort anständig [ehrlich] hinweisen, denn wir glauben, dass der Apostel es mit Bedacht und in einem besonderen Sinne verwendet hat. Wenn wir uns umschauen, stellen wir fest, dass Unehrlichkeit weit verbreitet ist, nicht nur in der Welt, wo wir ein gewisses Maß an Doppelzüngigkeit, Falschdarstellung, Täuschung und Heuchelei erwarten, sondern auch unter bekennenden Christen.
Jedes wahre Kind Gottes sollte darauf achten, dass es ehrlich ist, nicht nur in finanziellen Angelegenheiten, sondern auch im Umgang mit seinen Nächsten und seinen Geschwistern in der Kirche und vor allem, wenn es darum geht, zu seinem Glauben zu stehen und ihn zu bekennen. Die Prüfung erfolgt nach diesen Richtlinien, und diejenigen, die die Gunst der Menschen mehr lieben als die Gunst Gottes, bekommen hier die Gelegenheit zu beweisen, dass sie für das Königreich ungeeignet sind, wofür auch immer sie sonst geeignet sein mögen. Der Apostel sagt uns (2. Thess. 2:11), wenn er von diesem Tag des Unglücks spricht, dass Gott starke Täuschungen senden wird, damit eine bestimmte Klasse einer Lüge glaubt, weil sie nicht ehrlich war, sondern in ihren Taten betrog und heuchelte.
EHRLICHKEIT ALS BASIS DES CHARAKTERS
Die wohl wertvollste Charaktereigenschaft ist Ehrlichkeit. Wo wenig Ehrlichkeit herrscht, ist wenig Charakter; wo viel Ehrlichkeit herrscht, ist viel Charakter. Wir meinen damit nicht nur Ehrlichkeit in Bezug auf Dollar und Cent, Pfund und Schilling, sondern auch in Bezug auf die Gedanken und Absichten unseres Herzens sowie auf unsere Worte.
Wir sollten uns immer bemühen, anderen das zu tun, was wir möchten, dass sie uns tun, und sollten nicht nach Vergeltung trachten. Am Ersten Advent warf unser Herr den religiösen Lehrern Seiner Zeit vor allem vor, dass sie große Bekenntnisse zur Heiligkeit ablegten, obwohl sie in dieser Angelegenheit in der Tat nicht heilig waren. Er sagte, dass sie die Häuser der Witwen verschlangen – nicht, dass sie die Häuser buchstäblich aufaßen, sondern dass sie versuchten, sich des Eigentums zu bemächtigen, weil Witwen mehr oder weniger schutzlos waren. Zu dieser Zeit waren Witwen und Waisen nicht so geschützt wie in unserer Zeit. Folglich fielen sie der Gier derer zum Opfer, deren Bekenntnisse zur Frömmigkeit die Schwachen und Hilflosen hätten schützen sollen.
Wahrscheinlich würde unser Herr einen Großteil der heutigen Weisheit ebenso verurteilen wie damals. Aber wir haben nicht die Fähigkeit, in den Herzen der Menschen zu lesen, und können daher nicht so positiv sprechen wie er. In Bezug auf die hohen Geistlichen von heute sehen wir jedoch schnell, dass einige von ihnen ihre Positionen unter Vorspiegelung falscher Tatsachen innehaben. Sie geben vor, ihr Gehalt als Diener Christi zu erhalten, obwohl sie überhaupt nicht an die Bibel glauben. Einige von ihnen haben uns geschrieben, dass sie in großen Schwierigkeiten stecken; dass sie, nachdem sie ihre Position erkannt haben, gerne aus ihr aussteigen würden, aber nicht so einfach eine andere Position finden können, die so attraktiv ist wie ihre derzeitige; und so sind sie unehrlich genug, um ihre Schäfchen weiter zu hüten.
Der Apostel sagt: „Lasst uns anständig [ehrlich] wandeln“. Lasst uns für die Wahrheit einstehen. Wir sollten zwar immer die Wahrheit in Liebe sagen, ob zu unseren Feinden oder zu unseren Freunden, und wir sollten immer die Meinung anderer in Betracht ziehen, aber wir sollten fest zu unserer Meinung stehen. Wir bezweifeln, dass der Herr jemanden, der nicht ehrlich ist, in Sein Königreich aufnehmen würde. Wir haben daher die Befürchtung, dass diejenigen, die hohe Positionen innehaben, „verführen [täuschen] und verführt werden“ (2 Tim. 3:13). Es gibt so etwas wie Selbstbetrug, indem man eine Meinung so lange wiederholt, bis man sie selbst glaubt.
Die Lehre für uns ist, dass wir, wie auch immer andere handeln mögen, dafür sorgen müssen, dass wir „ehrlich wandeln wie am Tag“ (Röm. 13:13), als ob wir am helllichten Tag leben würden, damit die Welt, wenn sie alles über unsere Handlungen wüsste, erkennen würde, dass wir ehrlich sind – so wie der Herr alles darüber weiß. Jeder andere Weg ist gefährlich und bedeutet nicht, „wie am Tag zu wandeln“ – Joh. 11:9.
EIGENSCHAFTEN, DIE DEM LEIB CHRISTI SCHADEN
Die Übersetzer der Bibel scheinen vergessen zu haben, dass die Briefe „an die Heiligen“ (siehe die Widmung der verschiedenen Briefe) und nicht an die Welt geschrieben wurden; daher verwendeten sie bei der Erwähnung bestimmter Sünden englische Wörter, die auf die Vergehen der verdorbensten Klasse von Menschen anwendbar sind, anstatt eine Sprache zu verwenden, die die Vergehen, die man unter Heiligen erwarten könnte, angemessen repräsentieren würde. Wenn wir das Volk des Herrn dazu drängen, Ausschweifungen und Unzucht usw. zu vermeiden, dürfen wir den Apostel nicht so verstehen, dass er damit die Sündhaftigkeit meint, die von den verdorbensten und unwissendsten Menschen der Welt praktiziert wird. Vielmehr verstehen wir ihn so, dass er die Worte an die Heiligen richtet und sie zu Enthaltsamkeit in ihren sozialen Beziehungen auffordert, damit die Gedanken an das Königreich ihren Sinn weitgehend von den irdischen Neigungen ablenken.
Nach den allgemeinen Sprachregeln würde Paulus seine Argumentation nicht mit den schwereren Sünden beginnen und mit den leichteren enden, sondern umgekehrt mit den schwereren abschließen, wie er es offensichtlich bei der Aufzählung der Sünden in Vers 13 unseres Textes tut. Hier schließt er mit der Ermahnung, dass die Heiligen, wenn sie wie am Tag wandeln, Streit und Neid vermeiden sollten. Die anderen Schwierigkeiten wären vergleichsweise ihre eigene Angelegenheit und würden anderen keinen Schaden zufügen. Aber Streit und Neid sind zwei Eigenschaften, die auf eine falsche Bedingung des Herzens seitens des Übertreters hinweisen, die ihn schließlich vom Königreich ausschließen würde.
Es ist sorgfältig zu beachten, dass die verschiedenen in Vers 13 erwähnten Verhaltensweisen – Aufruhr, Trunkenheit, Unzucht, Ausschweifung, Streit und Neid – darauf zurückzuführen sind, dass man vom Geist der Welt berauscht ist. Nachlässigkeit im Umgang mit irdischen Angelegenheiten und mangelnde Selbstbeherrschung in der ehelichen Beziehung gehen sehr leicht mit einem falschen Geist in der Kirche einher – einem Geist des Streits, der Auseinandersetzung, des Eigensinns, der sich nicht dem göttlichen Wort und der göttlichen Vorsehung unterwirft, sondern im Gegenteil Eifersucht und Ehrgeiz zugunsten des Selbst oder anderer weckt, um im Leib an Bedeutung zu gewinnen.
DIE NÜCHTERNHEIT IST LOBENSWERT
Wie kaum jemand sonst lehnen wir berauschende Getränke ab und verabscheuen die schrecklichen Folgen, die sie nach sich ziehen. Kein Heiliger sollte jemals berauscht sein. Das Wort Gottes sagt, dass kein Trunkenbold das Reich Gottes erben wird (1. Kor. 6:10). Die Heilige Schrift sagt nicht, dass ein maßvoller Alkoholkonsum Leid, Kummer, gerötete Augen usw. mit sich bringt, und wir sollten ihren Worten nichts hinzufügen. Aber wir tun gut daran, uns daran zu erinnern, dass „die, die spät beim Wein sitzen“, diese Bedingung wahrscheinlich durch Gewohnheit erreicht haben, und dass die meisten von ihnen den Alkoholkonsum mit der Absicht begonnen haben, nur mäßig zu trinken – Spr. 23:30.
Hütet euch vor der Sklaverei der Gewohnheit! Selbst die Kraft der „größten und kostbaren Verheißungen“ [2. Petr. 1:4] reicht nicht aus, um unsere gefallen en Begierden im Zaum zu halten, wenn sie ständig gefüttert werden und die Ketten der Gewohnheit geschmiedet werden. Sicherlich kann die neue Natur nicht unter Bedingungen gedeihen, die selbst die alte Natur verderben! Lasst jede Neue Schöpfung den verführerischen Einflüssen des Bösen treu widerstehen, wenn sie ihre Berufung und Erwählung zum Königreich sicherstellen will.
Es besteht ein deutlicher Unterschied zwischen dem Geist und den Gefühlen der Welt und denen eines wahren Christen. In der Welt gibt es eine allgemeine Tendenz, sich manchmal einigen Ausschweifungen hinzugeben, und bei vielen von ihnen besteht eine ausgeprägte Neigung zur Trunkenheit. Selbst unter den Abstinenzlern herrscht die Meinung, dass ein gelegentlicher Alkoholkonsum nicht nur zulässig, sondern sogar notwendig ist.
Der Christ hat sich jedoch den hohen Standard einer gesunden Gesinnung gesetzt, mit Sanftmut, Milde, Geduld, brüderlicher Güte und Liebe. Je mehr ein Christ den Geist der Gerechtigkeit, den Heiligen Geist, besitzt, desto mehr erkennt er, dass er von der Dunkelheit ins Licht gelangt ist. Der göttliche Maßstab soll immer sein Standpunkt sein. Anstatt sich auf ein Trinkgelage zu freuen, sollte er sich lieber abwenden und bedauern, dass solche Bedingungen unter den Menschen herrschen. Die Welt betrachtet den Genuss von Alkohol als angemessen, zumindest wenn man nicht zu häufig davon Gebrauch macht. Der Christ hingegen betrachtet Trunkenheit und Ausschweifungen als unangemessen und ist der Meinung, dass man sich ihnen widersetzen sollte, soweit es einen selbst und seinen Einflussbereich betrifft.
Der Christ soll immer mehr den Geist wahrer Heiligkeit zeigen. Der Apostel sagt: „Eure Mäßigkeit lasset kund sein vor allen Menschen“ (Phil. 4:5). Gerade die Verheißungen, die uns in der Heiligen Schrift gegeben werden, sollten uns nüchtern machen. Unser Gott ist sehr gnädig!
„Was kann er noch mehr sagen als er zu euch gesagt hat:
Ihr, die ihr zu Jesus als Zuflucht geflohen seid?“
Daher ist alles, was uns vom Geist der Heiligkeit abbringen könnte, als etwas Schädliches zu betrachten, denn es könnte uns die göttliche Gunst, unser ewiges Leben und unseren Anteil am Königreich kosten.
Die Welt hingegen hat keinen solchen Anreiz, um sie zu beeinflussen. Es ist ihre Gewohnheit, sich genauso viel Vergnügen zu gönnen, wie von der Gesellschaft nicht allzu sehr missbilligt wird. Bankette werden zu dem Zweck gegeben, eine sogenannte „gute Zeit“ zu haben. Wenn weltliche Menschen zusammenkommen, gibt es eine allgemeine Tendenz zum Vergnügen und eine gewisse Lockerheit. All dies hat eine moralisch zersetzende Wirkung auf die Gesellschaft.
DIE WAHRHEIT - EIN MÄSSIGENDER EINFLUSS
Der Christ hat einen mäßigenden Einfluss, der der Welt unbekannt ist. Er wünscht sich nicht nur die Zustimmung seiner Nächsten, sondern mehr als alles andere den noch höheren Standard der göttlichen Zustimmung; denn er steht vor dem Herrn selbst auf dem Prüfstand, was seine Lebensweise betrifft. Daher gibt es bei ihm ein Prinzip, das ihm hilft, Ausschreitungen, Trunkenheit, Schwelgerei oder ähnliche Bedingungen zu meiden. Der Apostel Paulus ermahnt den Christen, gerade Wege für seine Füße zu machen, damit das Lahme nicht vom Weg abgewandt wird (Hebr. 12:13). Wenn ein Mensch beispielsweise Lust auf Alkohol hat, sollte er alles vermeiden, was diese Lust wecken könnte. So würde er „gerade Wege für seine Füße“ machen, damit er dem Herrn wohlgefällig wandeln kann.
Der Herr handelt nicht nach den Richtlinien von Befehlen mit Seinem Volk. In Seinem Wort setzt Er den Standard einer gesunden Gesinnung, nicht nur in Bezug auf das Feiern und den Genuss von Alkohol, sondern auf alle Arten von Verhalten. Diejenigen, die Ihn lieben, werden danach streben, diesen Standard zu erreichen. Ob wir nun essen oder trinken oder irgend etwas tun, wir sollten alles zur Ehre Gottes tun (1. Kor. 10:31). Aber wir stellen fest, dass Christen, die aus der Welt herausgerufen wurden, lernen und einen wahren Charakter entwickeln müssen. Zunächst denken sie über nichts nach, was später als schwerwiegender Fehler angesehen würde. Wenn der Christ an Erkenntnis und Liebe zu seinen Mitmenschen zunimmt, lernt er, die Dinge sorgfältiger nach dem göttlichen Maßstab zu messen. So stellen wir fest, dass diejenigen, die schon lange Christen sind, in Bezug auf alles im Leben ein gutes Urteilsvermögen zeigen. Sie gebrauchen den Geist einer gesunden Gesinnung, was das Erstrebenswerteste auf der Welt ist – 2. Tim. 1:7.
Der Christ hat hohe Maßstäbe vor sich und die Hoffnung auf die hohe Belohnung der Gemeinschaft mit Christus im Königreich. Wir freuen uns, feststellen zu können, dass sich im Laufe der Jahrhunderte eine Tendenz zur Moral und zu den guten Dingen des Lebens entwickelt hat. Und obwohl es unter der Oberfläche der Gesellschaft viel Korruption gibt, gibt es doch etwas, das diese Oberfläche vergleichsweise glatt hält, was auch immer sich darunter befinden mag.
Wenn wir die Zivilisation mit dem Heidentum vergleichen, finden wir nicht viel mehr Beweise für Selbstbeherrschung in der Ersteren als in der letzteren. Die Heiden leben wie ihre Vorfahren seit Jahrhunderten, mit sehr wenig Aufruhr und Trunkenheit jeglicher Art. Auf einer Reise um die Welt haben wir nur zwei betrunkene Männer gesehen, außer in den so genannten zivilisierten oder christlichen Ländern. Die überwiegende Mehrheit der Heiden ist maßvoll. Der Islam hat in Bezug auf Mäßigkeit viel für die Menschheit getan. Ebenso der Buddhismus. In einer Stadt trafen wir einen christlichen Bruder, der uns erzählte, dass er ein Missionar für Mäßigkeit sei. Auf die Frage nach seiner Mission antwortete er: „Oh, unter denen, die das Christentum annehmen, gibt es viel mehr Bedarf für Mäßigkeitsarbeit als unter anderen! Ich verbringe mein Leben auf diese Weise“.
EINFACHES LEBEN UND HOHES DENKEN
In allen Teilen der Welt ist es in den sogenannten „oberen Schichten“ der Gesellschaft üblich, Alkohol zu konsumieren. In Hotels im Ausland wird fast jeder Person am Tisch Alkohol serviert. Auf Dampfschiffen ist der Genuss von Alkohol so selbstverständlich, dass es schon für Aufsehen sorgt, wenn man nach Wasser fragt. Wir in Amerika sind in der glücklichen Lage, dass alkoholische Getränke missbilligt werden, obwohl sie in gesellschaftlichen Kreisen viel konsumiert werden. Alkohol wird zu Recht missbilligt, da er viel Leid verursacht und verpönt sein sollte.
Christen sollen weder in Schwelgerei noch in Trunkenheit noch in Ausschweifung wandeln, sondern auf einer hohen intellektuellen und moralischen Ebene leben. Wir sollen uns nicht nur an den irdischen Begierden erfreuen – an Essen, Trinken usw. – sondern wir sollen ein höheres Leben führen, das auf unserem Wissen über Gott und Seinen Plan und über alle Dinge, die unser Wohlergehen betreffen, beruht. Dieser Weg sollte auch geistige Gesundheit und Nüchternheit in religiösen Angelegenheiten einschließen.
Die große „Hure“, die in der Offenbarung (17:4, 5) dargestellt wird, hält einen Becher in der Hand, in dem sich der Wein der falschen Doktrin befindet, der die Menschen, die davon trinken, berauscht. Alle sind von diesem Rausch betroffen, aber wir erholen uns allmählich von seinen berauschenden Wirkungen. Die Kobolde, die wir sahen, als wir unter ihrem Einfluss standen, verschwinden, und die Vernunft kehrt zu uns zurück. Jetzt haben wir mehr Freude am Herrn, mehr vom Geist einer gesunden Gesinnung. Das Volk des Herrn sollte maßvoll sein, nicht nur in Bezug auf die zeitliche Nahrung und das Trinken, sondern auch in Bezug auf das Geistliche. Wer es weise findet, in dem einen vorsichtig zu sein, findet es auch am besten, in dem anderen vorsichtig zu sein. Jede Doktrin, die nicht auf dem Wort Gottes beruht, ist abzulehnen. „Zum Gesetz und zum Zeugnis! Wenn sie nicht nach diesem Wort sprechen, so gibt es für sie keine Morgenröte“ – Jes. 8:20.
WELTLICHE WEISHEIT IST KEIN LICHT
Vom göttlichen Standpunkt aus gibt es zwei große Prinzipien, die wirken – richtig und falsch, Licht und Dunkelheit. Alle Kinder Gottes sind, soweit sie den Heiligen Geist der Zeugung empfangen haben, Kinder des Lichts. Die Bedingungen der Welt sind nicht die des Lichts, sondern der Dunkelheit (Eph. 5:8; 1 Thes. 5:5). Es gibt jedoch unterschiedliche Schattierungen der Dunkelheit. In der Heiligen Schrift heißt es: „Finsternis bedeckt die Erde und Dunkel die Völkerschaften“; „Die Finsternis hasst das Licht“; „Wenn ihr von der Welt wäret, würde die Welt das Ihre lieben“; „Lasst euer Licht leuchten vor den Menschen, damit sie eure guten Werke sehen und euren Vater, der in den Himmeln ist, verherrlichen“ – Jes. 60:2; Joh. 15:19; Mt. 5:16.
Weder die Philosophien der Menschen noch ihre moralischen Gefühle sind Licht. Das wahre Licht kommt von oben herab; und nur diejenigen, die vom Geist des Herrn gezeugt sind, haben dieses Licht. Für sie ist das Alte vergangen und alles ist neu geworden (2. Kor. 5:17). Die Elemente der Dunkelheit, die in unseren sterblichen Leibern herrschen, sollen entmutigt und daraus vertrieben werden. Der Satz „Wenn das Licht, das in dir ist, Finsternis ist“ bezieht sich nur auf die Klasse der Kirche und bedeutet: Wenn das Licht des Heiligen Geistes, der uns gezeugt hat, erlischt, wie groß wird dann die Finsternis sein! – Mt. 6:23.
Wenn der Apostel sagt: „Betrübt nicht den Heiligen Geist Gottes, durch den ihr versiegelt worden seid auf den Tag der Erlösung“ (Eph. 4:30), warnt er uns als Beweis dafür, dass er uns davor bewahren will, das Licht zu verlieren, das uns erleuchtet hat – den Geist unserer Adoption. Die Warnung „Betrübt nicht den Heiligen Geist“ impliziert, dass er sich uns nicht plötzlich entzieht, ohne dass wir ihn betrüben. Wir können leicht erkennen, dass Kleinigkeiten der Einstieg in die Verdrängung des Geistes sein können.
SELBSTSUCHT FÜHRT INS DUNKEL
„Die Liebe ist die Summe des Gesetzes“ (Röm. 13:10). Wir aber, die wir in Christus Jesus sind, haben die Gerechtigkeit des Gesetzes erfüllt, weil wir nicht nach dem Fleisch, sondern nach dem Geist wandeln (Röm. 8:4). Die Erfüllung des Gesetzes ist höchste Liebe zu Gott und Liebe zu unseren Nächsten wie zu uns selbst. Alles, was zur Natur des Egoismus gehört, neigt dazu, die Liebe zu verdrängen. Egoismus in seinen verschiedenen Formen ist das Werk des Teufels. Egoistische Ambitionen haben einen ablenkenden Einfluss und werden uns mit der Zeit vom Herrn entfernen. Der Apostel erwähnt als Triebe, die aus dieser Wurzel des Egoismus hervorgehen, Zorn, Bosheit, Hass, Neid und Streit – alles Werke des Fleisches und des Teufels, im Gegensatz zu den Früchten des Geistes, die Sanftmut, Geduld, Milde, brüderliche Güte und Liebe sind – Gal. 5:22, 23.
In dem Maße, in dem diejenigen, die als geliebte Kinder Gottes aus dem Heiligen Geist gezeugt wurden, zulassen, dass dieser Geist in ihren Herzen durch einen bösen Geist verdrängt wird, in diesem Maße kommt Dunkelheit herein. Ein wenig Zorn verdrängt einen angemessenen Teil der Liebe; ein wenig Neid, Eifersucht oder Streit ist sehr schädlich. Liebe kann nicht dort wohnen, wo Streit herrscht. Wer also den Geist des Herrn empfangen hat und zulässt, dass ein verkehrter fleischlicher Geist zurückkehrt und den Geist der Neuen Schöpfung verdrängt, wird in diesem Maße in die Finsternis gehen.
Diese Dunkelheit wird nicht nur dazu führen, dass die Person streitsüchtiger in ihrer Gesinnung wird, sondern sie wird sich auch auf ihre geistliche Sicht auswirken. So wie die Erleuchtung durch den Heiligen Geist ihm ein besseres Wissen über die tiefen Dinge Gottes gibt, so wird im gleichen Maße, wie dieser Geist verloren geht, das Wissen über die tiefen Dinge verschwinden, bis es zu einer völligen Dunkelheit kommt. Der Einzelne wird sich dann in Bezug auf geistliche Dinge in der gleichen Bedingung befinden wie die Welt. Was auch immer er einst wusste und sah, er wird fortan nicht in der Lage sein, diese Dinge zu verstehen; denn „das Geheimnis des Herrn ist für die, die ihn fürchten“ – ihn ehren (Ps. 25:14). In dem Maße, in dem wir den Geist des Herrn, den Geist der Liebe, der Loyalität und des Gehorsams verlieren, verlieren wir auch seine Erleuchtung.
Der Apostel Paulus spricht vom „Geheimnis“, das als die besondere Beziehung zwischen Christus und der Kirche erklärt wird (Eph. 3:3-6). Niemand kann dieses Geheimnis würdigen, es sei denn, er ist vom Heiligen Geist gezeugt. Wenn man den Geist seiner Zeugung verliert und in die Finsternis geht, wie groß ist diese Finsternis! Man verliert jede Kenntnis von diesem Geheimnis – Mt. 6:23.
Vielleicht ist allen schon einmal aufgefallen, dass wir in einem schwach beleuchteten Raum sitzen und die Dunkelheit nicht besonders wahrnehmen. Wenn wir jedoch in einen angrenzenden Raum gehen, der hell erleuchtet ist, und dann den schwach beleuchteten Raum wieder betreten, erscheint er uns dunkler, als wir ihn verlassen haben. Für eine Weile können wir nichts sehen. Das Auge muss sich allmählich an die Dunkelheit gewöhnen. So ist es auch mit denen, die das Licht der Wahrheit empfangen und es danach verlieren. Sie scheinen in eine noch größere Dunkelheit zu geraten als vor dem Licht.
CHRISTLICHER MASSSTAB SEHR HOCH
In der heidnischen Welt herrscht große Dunkelheit. Mit jedem Schritt der Zivilisation wird der Unterschied zwischen richtig und falsch deutlicher und es gibt einen allgemeinen Fortschritt in Richtung des Richtigen. Manchmal finden wir Menschen auf der Welt, die nicht vom Heiligen Geist gezeugt wurden und die, da sie kein Licht in sich haben, immer noch in der Dunkelheit sind, aber versuchen, ihr Verhalten nach bestimmten Prinzipien zu regeln. Sie sagen: „Das ist richtig und das ist falsch. Wir werden dies tun, aber nicht das“. Sie stellen Regeln für sich auf, obwohl sie nicht bereit sind, nach den grundlegenden Gesetzen zu leben, die der Herr als Seinen Maßstab festgelegt hat. Sie sagen: „Wir werden das tun, was die Mehrheit der Menschen für richtig hält“. Diese Menschen bilden sich ihren eigenen Moralkodex, der auf den Ansichten anderer basiert. Sie haben keinen anderen Maßstab als die öffentliche Meinung. Wo auch immer sie hingehen, praktizieren sie das, was die Mehrheit ihrer Mitmenschen für richtig hält.
Aber der Christ nimmt die extreme Sichtweise ein, die Gott ihm vorgibt – die vollständige Weihung in den Tod. Er wird von der Welt, die seinen Weg ablehnt und ihn für töricht hält, als Extremist und Fanatiker angesehen. Sie sagen: „Ihr Christen setzt die Messlatte zu hoch an. Wir sind bereit, den Maßstäben der Mehrheit in unserer Gemeinschaft gerecht zu werden, aber nicht euren. Ihr habt so seltsame Ansichten“.
Das Volk des Herrn misst seine Ansichten nicht daran, was andere denken, sondern daran, was das Wort Gottes lehrt. Sie sagen: „Meinem Herrn muss ich treu sein“. An alles andere passen sie sich nicht an. So werden sie vom Heiligen Geist geleitet, dem Geist der Wahrheit, dem Geist der Liebe, der sie antreibt. Aber wenn dieser Geist ausgelöscht wird, ist ein Geist, der einmal unter seiner Kontrolle stand, in einer schlechteren Bedingung als ein weltlicher Geist; denn dieser hat, da er nicht die besondere Führung des Geistes des Herrn hat, die Meinung anderer als Maßstab. Das Volk des Herrn hat die Furcht vor den Menschen verloren, und wenn es auch den Sinn des Herrn verliert, hat es keinen festen Grundsatz, der seinen Weg bestimmt. Dann wird sich seine natürliche Gesinnung durchsetzen, und das Licht in ihnen ist zur Finsternis geworden, „wie groß ist diese Finsternis!“
Der heilige Paulus sagt uns (Hebr. 6:4-6), dass es unmöglich ist, jemanden, der vorsätzlich gegen das volle Licht und Wissen sündigt, „wiederum zur Buße zu erneuern“. Diese haben die „Sünde zum Tod“ begangen – den Zweiten Tod – von dem es keine Genesung geben wird – 1. Joh. 5:16.
Lasst uns also, während wir uns der göttlichen Gunst erfreuen, dafür sorgen, dass wir umsichtig handeln. Unser Lebensweg soll nicht „nach dem Fleisch“ sein, was mehr oder weniger direkt zum Tod führt, sondern „nach dem Geist“, was zu einem ewigen Leben mit unserem großen Erlöser führt. „Das ist Gottes Wille, eure Heiligkeit“ (1. Thes. 4:3).