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„IHR SEID FÜR EINEN PREIS ERKAUFT WORDEN“
- 1. Kor. 6:20 -

Es wird bemerkt werden, dass der Apostel in der Aussage „Ihr seid für eine Preis erkauft worden“, mit dem kostbaren Blut Christi, nicht auf die Welt, sondern auf die Kirche Bezug nimmt. Andere Schriftstellen sagen uns, dass „Jesus durch Gottes Gnade für alle den Tod schmeckte“ [Hebr. 2:9] – dass er die Welt erlöst hat. Wir müssen jedoch bedenken, dass dieses Erlösungswerk Jahrhunderte umfasst. Die Verheißungen darüber wurden lange vor dem Kommen Jesu gegeben. Er vollbrachte einen bestimmten Teil des Werkes – den alles entscheidenden Teil, indem Er Sich selbst als Lösegeld für alle hingab und Sein Leben niederlegte.

Aber obwohl Sein Leben auf diese Weise niedergelegt wurde, um der Preis für die Sünden der ganzen Welt zu sein, wurde es noch nicht für die Sünden der Welt angewendet. Wäre dies der Fall, dann stünde die Welt nicht länger unter göttlicher Verurteilung, wäre nicht länger „Kinder des Zorns“, sondern in gewissem Sinne wieder in Gemeinschaft mit Gott. Der Preis, den der Erlöser auf Golgatha niedergelegt hat, soll schließlich auf die Sünden der ganzen Welt angewandt werden, aber noch nicht jetzt. Er wird erst nach dem Heraussammeln aus der Welt – aus allen Nationen, Klassen – der Braut Christi, den „Auserwählten“, auf die ganze Welt angewandt werden.

In Übereinstimmung damit lesen wir, dass unser Herr Jesus nach Seiner Auferstehung in die Höhe aufgefahren ist, um dort für uns – für den Haushalt des Glaubens – vor Gott zu erscheinen, nicht für die Welt. Daher steht jeder Segen und jede Versöhnung mit Gott, jede Anordnung der göttlichen Gnade und das ewige Leben nicht der Welt offen, sondern nur den Gläubigen, dem „Haushalt des Glaubens“: „Euch nun, die ihr glaubt, ist die Kostbarkeit“ [1. Petr. 2:7]; „Wir haben einen Sachwalter [Fürsprecher] bei dem Vater, Jesus Christus, den Gerechten“ [1. Joh. 2:1] Ungläubige haben keinen Fürsprecher beim Vater und folglich keine Vergebung der Sünden, keine Versöhnung, sondern stehen weiterhin unter der Verurteilung zum Tode. „Wir sind der Verurteilung entkommen, die über die Welt gekommen ist“.

Wie vollständig stimmen diese unterschiedlichen Texte des göttlichen Wortes miteinander und mit den Tatsachen überein! Wir haben Frieden; die Welt hat keinen Frieden. Gott ist unser Vater; die Welt steht unter Verurteilung und heißt „Kinder des Zorns“, unter dem Todesurteil, und wird vom Schöpfer in der gegenwärtigen Zeit nicht anerkannt, obwohl die Schrift uns zeigt, dass Er sehr gnädige Pläne und Anordnungen für die Menschheit im Allgemeinen hat – während der messianischen Herrschaft Jesu und der Kirche, Seiner Braut. Dann werden durch diese Klasse, den Samen Abrahams (Gal. 3:29), alle Familien der Erde gesegnet sein.

DIE WELT IST NOCH NICHT ERKAUFT

Ist es richtig, fragt jemand, zu sagen, dass die Welt „mit einem Preis erkauft“ wurde? Wir antworten, dass es streng genommen nicht richtig ist, dies zu sagen, aber wir brauchen uns nicht mit denen zu streiten, die diese Angelegenheit nicht in genau der richtigen Sprache ausdrücken können. Vielmehr könnten wir annehmen, dass sie von Dingen sprechen, die noch nicht vollbracht sind, als wären sie bereits vollbracht. Gott versichert uns, dass zu rechter Zeit der Preis, den unser Herr auf Golgatha niedergelegt hat, unter den gnädigen Bedingungen des Neuen Bundes, den Er zuerst mit Israel schließen wird, auf die Welt anwendbar gemacht werden wird. Dennoch steht klar und deutlich fest, dass der Lösegeldpreis bisher noch auf kein Mitglied der Nachkommenschaft Adams angewendet worden ist, außer auf den Haushalt des Glaubens – die Gläubigen. Alle Dinge gehören diesen. Nichts gehört bisher der Welt.

Das Privileg, das der Kirche durch ihren großen Erlöser und Fürsprecher gewährt wurde, besteht darin, dass ihr Sein Verdienst zugerechnet wird, wodurch sie an Seinem Opfer der irdischen Natur teilhaben und Miterben Seiner herrlichen Anordnungen von Herrlichkeit, Ehre und Unsterblichkeit auf der göttlichen Ebene werden kann.

Wenn wir von der Kirche der Erstgeborenen sprechen, müssen wir daran denken, dass uns diese Worte zu den vorbildlichen Erstgeborenen zurückführen, die anlässlich des ersten vorbildlichen Passahfestes vom Tod befreit wurden. Dort wurden die Erstgeborenen Israels verschont, während alle anderen Erstgeborenen umkamen. Anschließend wurden sie alle gegen den einen Stamm Levi ausgetauscht, der fortan der Stamm der Erstgeborenen war und als solcher für den göttlichen Dienst im Zusammenhang mit der Stiftshütte und später dem Tempel ausgesondert wurde. Sie waren nicht alle Priester, obwohl dies der Stamm der Priester war. Nur wenige aus der ganzen Zahl wurden für die Priesterschaft ausgewählt. So ist es auch mit der Kirche der Erstgeborenen; sie werden alle Überwinder sein, sie werden alle Gott treu und loyal sein, aber nur eine „kleine Herde” wird sich als besonders heilig, Gott annehmbar durch Christus erweisen, und diese werden die gegenbildlichen Priester sein: „Ihr seid ein königliches Priestertum” – 1. Petr. 2:9.

Deshalb erklärte Jakobus (1:18): „Damit wir eine gewisse Erstlingsfrucht seiner Geschöpfe seien“. Natürlich war unser Herr Jesus in erster Linie die Erstlingsfrucht aller Geschöpfe Gottes. In zweiter Linie wird die Brautklasse ein Teil dieser Erstlingsschar sein. Dann wird es eine Große Schar von heiligen Menschen geben, die durch die „große Drangsal“ kommen, „ihre Gewänder waschen und sie im Blut des Lammes weiß machen“ [Offb. 7:14] und die geistige Natur erlangen werden. Auch diese werden zu den Erstgeborenen Gottes in der geistigen Natur gehören – alle auf der geistigen Ebene. Dann wird Gottes Gunst für die Menschheit im Allgemeinen kommen – die Nachfrüchte Seiner irdischen Schöpfung – eine große Schar, die während des Millenniums versammelt wird. Alle Übeltäter und Verderber der Erde werden vernichtet werden, aber diejenigen, die absolut vollkommen sind, werden eine herrliche Frucht für Gott sein.

Der heilige Paulus schreibt über die Auferstehung „jedes Menschen nach seiner eigenen Ordnung“ [1. Kor. 15:23] – seiner eigenen Schar oder Gruppe. Die ersten der irdischen Natur, die die Auferstehung erfahren werden – das heißt eine vollständige Auferstehung oder vollständige Wiederbelebung aus dem Tod und der Unvollkommenheit – werden die Altwürdigen sein, aber sie werden nicht zu den Erstlingen Gottes aus Seiner Schöpfung gehören, denn sie werden zusammen mit dem Rest der Menschheit durch Christus, den Geber des ewigen menschlichen Lebens, wiedergeboren werden, erkauft durch das eigene Opfer. Zusammen mit dem Rest der Menschheit werden sie unter die Bedingungen des Neuen Bundes kommen. Sie werden in der Tat die ersten sein, die durch die Anordnung des Neuen Bundes gesegnet werden. Da sich das göttliche Programm jedoch auf die Welt als Ganzes bezieht, wird der Messias keinen Teil der Welt, auch nicht die Vollkommenen, vor dem Ende der tausend Jahre Seiner Herrschaft in Herrlichkeit und Restitution freigeben. Folglich werden die Altwürdigen zu den „Nachfrüchten” gehören – den menschlichen Früchten des göttlichen Plans, die mit unserer Erde verbunden sind.

Am Ende der tausend Jahre, wenn der Messias das Werk der Restitution für alle Willigen und Gehorsamen vollendet haben wird und alle, die sich weigern, Fortschritte in Richtung Gerechtigkeit zu machen, im Zweiten Tod vernichten wird, dann tritt der Mittler zwischen Gott und den Menschen zurück und überlässt die Welt den vollen Forderungen der göttlichen Gerechtigkeit in Buchstaben und Geist. Dies wird ihnen keinen Schaden zufügen, denn in ihrer Vollkommenheit ist die menschliche Natur durchaus fähig, alles zu sein und zu tun, was die göttliche Gerechtigkeit verlangt. Da dann die ganze Welt vollkommen sein wird, wird es für keinen von ihnen eine Entschuldigung geben, und daher wird danach keine Mittlertätigkeit zugunsten irgendjemandes mehr stattfinden.

Zu dieser Zeit, nachdem das Mittlerreich vergangen ist und Jesus das Reich Seinem Vater übergeben hat (1. Kor. 15:27), wird Satan, die Personifizierung des Bösen, für eine kurze Zeit aus seinem Gefängnis befreit werden – um alle, die auf der Erde wohnen, zu versuchen, zu prüfen und zu testen.

In den tausend Jahren des Messiasreiches werden sie vor allen äußeren Versuchungen geschützt sein und Hilfe erhalten, um die Unvollkommenheiten des Fleisches zu überwinden und Vergebung dafür zu erlangen, während sie die Vollkommenheit des Fleisches erlangen. Aber am Ende der tausendjährigen Periode, nachdem sie die Vollkommenheit des Fleisches erlangt und große Erfahrung mit Sünde und Gerechtigkeit, Gut und Böse gesammelt haben, ist es ebenso angemessen, dass sie geprüft werden, wie Adam am Anfang geprüft wurde – geprüft, um zu sehen, ob die Lektionen, Segnungen, Erfahrungen und Gelegenheiten sie vollständig zu Liebenden der Gerechtigkeit und Hassern der Ungerechtigkeit gemacht haben. Wenn sie dann die Prüfungen bestehen, die durch die Zulassung von Sünde und Versuchung über sie kommen werden, werden sie entsprechend mit Loyalität gegenüber Gott, der Wahrheit und der Gerechtigkeit handeln. Alle diese werden den Sieg über die Versuchungen erringen.

Aber diejenigen, die in ihrem Herzen immer noch die Sünde lieben, werden gefangen und verstrickt und entlarvt werden. Dann werden die Prüfungen oder Gerichte des Himmels sie und Satan vernichten, damit die Welt von allen gereinigt werde, die die Sünde lieben, und danach nur noch von denen erlebt werde, die die Gerechtigkeit lieben und die Ungerechtigkeit hassen.

Zwar könnte Gott, der das Herz kennt, alle diese Menschen ohne jede Prüfung durch Satan richten, aber viele Seiner Geschöpfe, die nicht in der Lage sind, das Herz zu lesen, könnten sich über die göttliche Gerechtigkeit wundern, die einige ihrer Mitmenschen, die äußerlich rechtschaffen waren, vernichten würde, und sie könnten daher ständig in Furcht und Zittern sein, dass sie so vernichtet würden; daher hat der Allmächtige die Methode gewählt, diese Versuchung offen und offenkundig zu machen, damit sie von Engeln und Menschen erfasst werden kann. So war es mit Adam bei seiner Prüfung, bei seinem Urteil und bei der Vollstreckung der Strafe. So wird es auch am Ende der Mittlerherrschaft Christi sein. Diejenigen, die dann vorsätzlich sündigen, werden den Neuen Bund verletzen und dementsprechend sterben, so wie Adam den Bund verletzte, unter den er gestellt wurde, welcher vollkommen, heilig und mit der Verheißung des ewigen Lebens versehen war.

Die Tatsache, dass diese Prüfung der Menschheit nach dem Ende der tausendjährigen Herrschaft des Mittlers stattfinden wird, wenn Er das Reich dem Vater übergeben hat, beweist nicht, dass der verherrlichte Jesus nichts mit der Zerstörung zu tun haben wird, die über Satan und die ihm Gehorsamen kommen wird. Das Gegenteil ist der Fall. So wie Jesus der göttliche Vertreter, das Werkzeug, das Wort, das Mundstück Gottes, der Logos, bei allen Schöpfungswerken war, bevor Er das Werk der Vermittlung übernahm, so wird Er, jetzt hoch in Ehren erhoben, neben dem Vater und zu Seiner Rechten der Macht, zweifellos der Repräsentant des Vaters in jenem Gericht über die vorsätzlichen Sünder sein, die zusammen mit Satan dem Zweiten Tod überantwortet werden.

Hier mag von manchen die Frage aufkommen, was der Apostel meinte, als er in 1. Kor. 15:25, 26 sagte: „Er muss herrschen, bis er alle Feinde unter seine Füße gelegt hat. Der letzte Feind, der weggetan wird, ist der Tod“.

Der Apostel spricht von den Dingen, die gegen den Menschen sind, die ihn daran hindern, das göttliche Gesetz zu halten und so in voller Übereinstimmung mit seinem Schöpfer zu sein. Alles das ist ein Feind, den es zu vernichten und aus dem Weg zu räumen gilt: Ignoranz, Aberglaube, Laster, menschliche Schwächen sind einige der Feinde der Gerechtigkeit und damit Feinde der Menschen. Der Tod ist ein solcher Feind, denn es ist der Tod, der in uns wirkt und alle unsere Schwierigkeiten verursacht.

Alle Unvollkommenheiten, ob moralisch, körperlich oder geistig, sind das Wirken des Todes. Weil der Tod so in der menschlichen Natur wirkt, können die rechtschaffenen Menschen nicht das tun, was sie wollen. Das Werk der Herrschaft des Messias wird darin bestehen, nicht nur andere Widersprüche zu beseitigen, sondern auch diesen Widerstand des Wirkens des Todes zu beseitigen. Allmählich wird der Mensch aus all seiner Schwäche, aus dem Tod, zur ganzen Vollkommenheit seines Wesens emporgehoben werden. Dann wird der Tod vernichtet werden - der adamitische Tod, der durch den Ungehorsam des einen Menschen über alle Menschen gekommen ist und der durch den Gehorsam Christi bis in den Tod aufgehoben, vollständig beseitigt werden soll.

Erst gegen Ende der tausendjährigen Herrschaft des großen Mittlers wird dieses Werk der völligen Überwindung des Todes vollendet sein. Dann wird die ganze Menschheit nicht nur aus dem Grab, sondern von jeder Schattierung und jedem Grad des Todes befreit sein - die ganze Welt wird in demselben Sinne lebendig sein, wie Adam lebendig war, bevor der Tod über ihn kam oder er vom Stachel der Sünde getroffen wurde.

Dann wird das Reich dem Vater übergeben. Diejenigen, die während der tausend Jahre als vorsätzliche Übeltäter sterben werden, werden den Zweiten Tod sterben. Dieser ist kein Feind des Menschen, sondern das gerechte Urteil eines gerechten Gottes im Interesse Seiner Schöpfungen: Diejenigen, die mutwillig die Sünde vorziehen, sollen aus der Mitte des Volkes vernichtet werden, weil ihr Einfluss die Erde verderben wird. Der Zweite Tod gehört also nicht zu den Feinden und ist nicht der Tod, den Jesus vernichten wird.

Auch Satan gehört nicht zu den Feinden, die Jesus dann vernichten wird. Er war ein Feind, bevor der Mensch sündigte, und seine Rebellion wurde nicht durch die Sünde des Menschen ausgelöst. Er war der göttlichen Autorität unterworfen, bevor der Mensch erschaffen wurde, und er wird der göttlichen Autorität unterworfen sein, nachdem der Mensch erlöst und wiederhergestellt worden ist. Es wird nicht Sache des Mittlers sein, mit ihm zu verhandeln, sondern die göttliche Gerechtigkeit wird über seine Werke entscheiden. Außerdem heißt es, dass er im Zweiten Tod vernichtet wird, in dem Tod, aus dem es keine Erlösung, keine Auferstehung, keine Wiederherstellung geben wird [Offb. 20:10].