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"IHR ABER, WER SAGT IHR, DASS ICH SEI?"
- MK. 8:27-38 -
„Du bist der Christus, der Sohn des lebendigen Gottes“ - Mt. 16:16.

Es war wahrscheinlich gegen Ende des dritten Jahres des Wirkens unseres Herrn, als sich die Ereignisse dieser Lektion zutrugen. In dieser ganzen Zeit von jetzt drei Jahren seit Beginn des Wirkens des Johannes gibt es keine Aufzeichnungen darüber, dass entweder Johannes oder Jesus öffentlich die Messianität des Letzteren verkündet hätten. Das war weise. Wenn wir uns an die Erwartungen der Juden während achtzehn Jahrhunderten erinnern, dass das Kommen des Messias das große Ereignis für ihre Nation und für die Welt sein würde und dass Sein Reich den Segen aller Familien der Erde vollbringen würde, können wir leicht erkennen, dass ihre Vorstellungen von der Herrlichkeit dieses himmlischen Königs so groß waren, dass es zu Enttäuschung bis hin zu Abscheu geführt hätte, wenn Jesus Sich zu Beginn Seines Wirkens als Messias verkündet hätte. Ohne politischen oder sozialen Einfluss, ohne Reichtum oder Namen oder Ruhm als Führer und Befehlshaber des Volkes oder als General der Armeen wäre Er als geistig instabil angesehen worden, wenn Er einen solchen Anspruch erhoben hätte.

Er nahm lediglich die Position eines religiösen Lehrers ein, in dem die göttliche Kraft besonders gegenwärtig war, eine göttliche Kraft, die sich in der Würde Seines Auftretens, der Anmut Seiner Lippen, der Autorität Seiner Lehre und Seinen wunderbaren Werken manifestierte – Heilung von Krankheiten, Austreibung von Dämonen, Gehen auf dem Wasser, Stillen des Sturms usw. Es scheint, dass Johannes der Täufer mehr als jeder andere über die Mission unseres Herrn wusste. Dies wird durch die Frage an Jesus deutlich: „Bist du der Kommende, oder sollen wir auf einen anderen warten?“ [Lk. 7:19]. Johannes' Wissen stammte offenbar weniger von Jesus selbst als vielmehr vom Geist der Prophezeiung, der ihm zeigte, dass derjenige, auf den er den Heiligen Geist herabkommen sah, der besondere Botschafter Jehovas war. Selbst Johannes' Glaube wurde durch das Ausbleiben der Herrlichkeit und des Erfolgs, die er für Jesus erwartet hatte, erschüttert. Wir können uns daher leicht vorstellen, wie die Stimmung in der Bevölkerung gewesen wäre, wenn Jesus öffentlich zum Messias erklärt worden wäre.

SEID KLUG WIE DIE SCHLANGEN UND EINFÄLTIG WIE DIE TAUBEN.

Aber jetzt, nachdem Seine Jünger drei Jahre lang eng mit Ihm zusammen gewesen waren und Johannes der Täufer seit einem Jahr tot war, war für Jesus die Zeit gekommen, Seine Jünger auf die Schmach und den Tod vorzubereiten, von denen Er wusste, dass sie Ihn erwarteten. Aber selbst da ging Er die Angelegenheit klug und behutsam an. Wenn doch alle, die zum teuren Volk Gottes gehören, den Wert der Weisheit in Verbindung mit ihren Bemühungen, der Wahrheit zu dienen, kennenlernen könnten! Unser Herr lehrte uns nicht nur, klug wie die Schlangen und einfältig wie die Tauben zu sein, sondern durch Sein eigenes Verhalten gab Er ein Beispiel für diese Lektion, indem Er bei einer anderen Gelegenheit zu den Aposteln sagte: „Noch vieles habe ich euch zu sagen, aber ihr könnt es jetzt nicht tragen“. Auch wir sollten lernen, dass es günstige und ungünstige Zeiten gibt, um bestimmte Wahrheiten zu erwähnen, und dass es kluge und unkluge Methoden gibt, sie darzustellen. Es genügt nicht, dass wir keine Unwahrheiten aussprechen, es genügt nicht, dass wir die Wahrheit sagen, wir sollten uns zusätzlich bemühen, die Wahrheit in Liebe darzulegen. Und die wohlgeübte Liebe setzt Weisheit ein, um noch mehr Gutes zu vollbringen [Manna vom 20. Oktober].

Unser Herr wollte die Apostel dazu bringen, den Gedanken, von dem Er wusste, dass er sich bereits formte oder bereits geformt hatte, in ihren Sinnen zu kristallisieren. Um Seine Absicht zu erreichen, erkundigte Er sich nach der allgemeinen Meinung des Volkes darüber, wer Er sei. Die Antwort, dass von manchen Ihn für Johannes den Täufer hielten, der von den Toten auferstanden sei, und dass andere Ihn für Jeremia oder einen der anderen großen Propheten hielten, die von den Toten auferstanden seien (Bericht des Matthäus), zeigte, dass die öffentliche Meinung sich mit der Frage beschäftigte – und feststellte, dass Er kein Betrüger war. Wie wir später lesen, waren einige der Menschen sogar so weit, zu fragen: „Wenn der Messias kommt, wird er dann größere Werke vollbringen als dieser Mann?“. All diese Empfindungen zeigten, wie weise der Weg unseres Herrn war und dass er Wirkung zeigte – dass Er nicht verspottet, sondern vom Volk respektiert wurde, und einige von ihnen sogar daran dachten, Ihn mit Gewalt zu ihrem König zu machen.

Jetzt wandte sich der Herr an Seine Jünger, als würde Er ihnen zu verstehen geben, dass sie nach Seiner Auffassung vom Rest des Volkes getrennt seien und ein klareres Wissen über Ihn haben sollten als andere, und Seine Frage lautete: „Wer sagt ihr, dass ich sei?“ – mit der vertrauten Bekanntschaft, die ihr habt, was ist eure Meinung? Petrus, wahrscheinlich der Älteste unter den Jüngern und im Allgemeinen ihr Anführer und Sprecher, antwortete für sie alle: „Du bist der Christus [Gottes Gesalbter: hebräisch: der Messias], der Sohn des lebendigen Gottes“. Diese Antwort bewies, dass Jesus richtig eingeschätzt hatte, dass die Zeit reif war, dass Seine Apostel ein solches Bekenntnis von Ihm ablegten, und zum ersten Mal deutete Er ihnen an, dass ihre Vermutungen zu diesem Thema richtig waren – dass Er mehr war als Elia, Jeremia oder irgendeiner der Propheten – dass Er der lang versprochene Messias war.

DIE DEMUT UNSERES HERRN.

Die Antwort unseres Herrn, die in einem anderen Bericht gegeben wird, bestätigt eindeutig die Richtigkeit der Aussage des Petrus und erklärt, dass nicht Fleisch und Blut sie dem Petrus offenbart haben, sondern der Vater im Himmel. Wir sind beeindruckt von der Bescheidenheit unseres Herrn Jesus in Bezug auf diese Verkündigung Seiner selbst als der große Sendbote des Bundes. Wie schön ist doch eine demütige Gesinnung! Und wenn sie bei unserem Herrn schön und angemessen war, wie viel angemessener ist sie dann für uns, die wir Seine Nachfolger sind und nichts von uns selbst haben – nichts, was wir nicht durch Ihn empfangen hätten. Wie passend sind die Worte des Apostels, als er, nachdem er davon gesprochen hatte, wie Jesus sich erniedrigte, um Mensch zu werden und bis zum Tod gehorsam zu sein, uns ermahnte: „So demütigt euch nun unter die mächtige Hand Gottes, damit er euch erhöhe zur rechten Zeit“ [1. Petr. 5:6]. Wir können in der Tat sicher sein, dass niemand an der Erhöhung des Herrn teilhaben wird, der diese Lektion der Demut nicht von Herzen lernt. „Gott widersteht den Hochmütigen, den Demütigen aber er Gnade“ [Jak. 4:6].

Jesus wies Seine Jünger an, niemandem zu sagen, dass Er der Messias sei. Diese Wahrheit war vorerst nur für sie selbst bestimmt; eine allgemeine Verkündigung hätte mehr oder weniger Aufruhr hervorrufen und die Erfüllung der göttlichen Anordnung bezüglich Seines schmachvollen Todes behindern können. Sie konnten weiterhin verkünden, dass das Himmelreich nahe sei, sie konnten weiterhin von Jesus als dem großen Lehrer und Menschen sprechen, sie konnten sich weiterhin fragen, wer Er wohl sein mochte; aber der richtige Zeitpunkt, Ihn als den Messias bekannt zu machen, würde erst kommen, nachdem Er das Opferwerk vollbracht hatte, das der Vater Ihm aufgetragen hatte. Tatsächlich konnte Er nur durch die Vollendung dieses Werkes der Messias sein. Er musste die Welt der Menschheit erkaufen, bevor Er ihr Herr und Lebensgeber, ihr Wiederhersteller, ihr Messias werden konnte.

Jetzt begann Jesus zum ersten Mal, Seine Jünger darauf vorzubereiten, dass Er von den Juden schändlich abgelehnt, schließlich getötet würde und am dritten Tag auferstehen würde. Matthäus macht dies noch deutlicher, indem er sagt: „Und er fing an sie zu lehren, dass der Sohn des Menschen vieles leiden und verworfen werden müsse ….“. Was für eine Prüfung, was für eine Bewährungsprobe für die Herzen Seiner Apostel, und doch wie weise wurde dies getan! Sie mussten im Voraus auf Seinen schändlichen Tod vorbereitet werden, sonst hätte dies einen solchen Schock für ihren Glauben bedeutet, dass sie sich davon nicht mehr hätten erholen und auch nicht an Seine Auferstehung glauben können. Aber jetzt, nach fast drei Jahren voller Erfahrungen, nachdem sie Ihn gerade zum Messias bekannt hatten und durch dieses Bekennen den Gedanken in ihren eigenen Sinnen kristallisiert hatten, muss es ein schwerer Schlag für all ihre Hoffnungen und Sehnsüchte gewesen sein, von Seinem schändlichen Tod zu erfahren. Wie konnte Er der Messias sein und dennoch durch die Hand Seiner Feinde den Tod erleiden? Wie konnte Er alle Familien der Erde segnen und dennoch als Übeltäter hingerichtet werden?

Diese Dinge mussten ihnen zunächst als widersprüchlich erscheinen; aber umso mehr bereitete diese Ankündigung ihre Herzen auf die Auslegung der Schriften vor, die Jesus ihnen vermitteln wollte. Die Aussage, dass Er ihnen von Seinem bevorstehenden Tod erzählte, lässt vermuten, dass dies danach häufig ein Thema für Diskussionen und Betrachtungen zwischen Ihm und ihnen war. Derselbe Herr leitet mit nicht minderer Weisheit noch immer die Angelegenheiten Seiner Kirche und lehrt uns noch immer „Vorschrift auf Vorschrift, Gebot auf Gebot“, so wie wir die Wahrheit ertragen können, und unsere Bereitschaft dafür wird proportional zu unserer Nähe und Gemeinschaft mit Ihm sein. Es ist auch bemerkenswert, dass uns die tiefen Dinge des göttlichen Plans nur offenbart werden, wenn wir Christus bekundet haben. Dieser Klasse ist es gegeben, die Geheimnisse des Reiches zu erkennen, die anderen vorenthalten bleiben. Nur wenn wir Christus vollständig bekundet haben, wird uns die Erkenntnis gewährt, dass alle, die Seine Jünger sein wollen, ihr Kreuz auf sich nehmen müssen, um Ihm zu folgen, mit Ihm leiden müssen, wenn sie mit Ihm regieren wollen, mit Ihm sterben müssen, wenn sie mit Ihm leben wollen.

LANGSAM ZUM REDEN UND SCHNELL ZUM HÖREN DES GROSSEN LEHRERS.

Unser Herr machte diese Aussage bezüglich Seiner Ablehnung und Seines Todes offen – vor allen zwölf Aposteln; aber Petrus, möglicherweise begeistert von den lobenden Worten unseres Herrn, dass der Vater Ihm diese Angelegenheit offenbart habe, nahm unseren Herrn beiseite, um Ihm insgeheim zuzuflüstern, dass solche Gedanken vor den Aposteln nicht geäußert werden sollten – dass dies für sie alle entmutigend wäre und dass es sich ohnehin um einen Irrtum handeln müsse, denn solche Dinge könnten Ihm niemals widerfahren – dürften Ihm niemals widerfahren; Er müsse Seine Rede und Sein Verhalten so gestalten, dass solche Dinge nicht geschehen würden. Er dürfe die Hohenpriester und Ältesten nicht gewaltsam gegen sich aufbringen und sie so dazu bringen, sich gegen Ihn zu verschwören. Man müsse Petrus zugutehalten, dass er nicht nur der Älteste unter den Aposteln war, sondern auch um einiges älter als unser Herr, und dass er eine sehr leidenschaftliche, starke und impulsive Gesinnung hatte. Jesus jedoch, der Petrus kurz zuvor noch für die Anerkennung Seiner Messianität gelobt hatte, tadelte ihn jetzt, und zwar nicht unter vier Augen, sondern vor allen Aposteln. Er wusste wahrscheinlich, dass dies der beste Weg war, Petrus' Ansichten zur Besserung zu bringen, die, sollten sie sich unter den Aposteln verbreiten, für alle sehr schädlich gewesen wären. Daher war die Zurechtweisung unseres Herrn pointiert, scharf und wurde allen Aposteln bekannt gemacht. Er sagte: „Geh hinter mich, Satan (Widersacher)! Denn du sinnst nicht auf das was Gottes, sondern auf das was der Menschen ist ». Wir sollen nicht verstehen, dass Petrus in Satan verwandelt wurde oder dass Satan von ihm Besitz ergriffen hatte, sondern dass er durch seine Haltung zu einem Gegner der göttlichen Anordnung wurde, wie es Satan war und immer noch ist.

Hierin liegt eine wichtige Lektion für uns. Auch wenn wir Jünger des Herrn und sogar geehrte Jünger sind, können wir sehr leicht in eine Position geraten, die der göttlichen Anordnung zuwiderläuft, und uns so ungewollt auf die Seite Satans stellen und zu seinen Dienern oder Knechten werden. Unser Herr betonte dies bei einer anderen Gelegenheit erneut, indem Er sagte: „Ihr seid Knechte dessen, dem ihr dient“. Es reicht nicht aus, dass wir den Namen Christi genannt haben, uns unter Sein Banner gestellt haben, uns nach Ihm benannt haben und uns freuen, Seine Knechte zu sein; wir müssen auch dafür sorgen, dass wir Ihm dienen und dass unsere Energien nicht gegen Ihn und in Wirklichkeit in Zusammenarbeit mit dem Widersacher verbraucht werden.

Wir sind der Meinung, dass sich heute sehr viele Menschen in genau dieser Lage befinden. Unbewusst stehen sie in vielen Fragen, die mit der Kirchlichkeit und dem Sektierertum zu tun haben, auf der Seite des Widersachers, und dies scheint insbesondere auf viele Geistliche in der nominellen Kirche zuzutreffen. Wir können davon ausgehen, dass zumindest einige von ihnen sich vollständig dem Herrn geweiht haben, doch insgesamt stehen sie in Opposition zur Wahrheit – sie unterstützen die Irrtümer des dunklen Zeitalters und tragen dazu bei, die Menschen zu blenden und in die Irre zu führen. Lasst uns alle vorsichtig sein und darauf achten, dass wir nicht wie Petrus verleitet werden, klüger als der Herr zu sein und Ihm vorschreiben zu wollen, wie die Dinge zu handhaben sind. In allem, was mit dem Herrn und Seinem Dienst zu tun hat, lasst uns, wie der Apostel ermahnt, langsam zum Reden und schnell zum Hören und zum Gehorsam gegenüber dem göttlichen Plan sein.

DIE MILCH DES WORTES – DANN SEINE FESTE SPEISE.

Die vorangegangenen besonderen Lektionen galten den Aposteln, abseits der Menge; später jedoch begann Jesus, sowohl der Menge als auch Seinen Jüngern einige der tieferen Dinge zu lehren, die Seine Mission betrafen, sowie die Bedingungen, unter denen jeder Sein Jünger werden konnte. Auch darin liegt eine Lehre für uns: Wir dürfen bei der Verkündigung des Evangeliums die Prüfungen der Jüngerschaft nicht in den Vordergrund stellen. Wir dürfen Suchende, die zu uns kommen, um etwas über das Evangelium des geliebten Sohnes Gottes zu hören, nicht mit Ankündigungen über die „enge Pforte und den schmalen Weg” und Lehren über Selbstaufopferung empfangen. Es gibt grundlegende Lektionen, die sie zuerst lernen müssen. Sie sollten über die Güte, Liebe und Barmherzigkeit Gottes unterrichtet werden, über die Erlösung, die durch das Blut Jesu vollbracht wurde und die für alle kostenlos ist, über die herrlichen Zeiten der Restitution, von denen Gott seit Anbeginn der Welt durch den Mund aller heiligen Propheten gesprochen hat, und über den Ruf dieses Evangelium-Zeitalters zur Gemeinschaft im Königreich. Sie sollten diese Dinge mit großer Deutlichkeit kennen, bevor sie über den Preis informiert werden – die Selbstaufopferung bis zum Tod, die der Preis für die Miterbschaft im Königreich ist. Dies scheint die Methode des Herrn gewesen zu sein, und wir können nicht klüger handeln, als ihr zu folgen.

Die Zeit war gekommen, in der nicht nur die zwölf Apostel, sondern alle Menschen, die von den Lehren Jesu nachhaltig beeindruckt waren, wissen sollten, was es bedeutete, Seine Nachfolger zu sein. Mit anderen Worten, es war eine Zeit der Sichtung gekommen – die Zeit, in der Lehren präsentiert wurden, die alle außer den wahren Israeliten, in denen kein Trug war, aus der engen Verbundenheit, Gemeinschaft und Jüngerschaft ausschütteln und aussortieren würden. Wir erinnern uns, dass zwar Tausende an der Verkündigung des Herrn teilnahmen und von ihm auf wundersame Weise gespeist wurden – unter all den Tausenden und Abertausenden, die Ihn hörten und von Seinen Heilungen, Seinen Lehren und den wunderbaren Worten, die aus Seinem Munde hervorgingen, profitierten, blieben nur „etwa fünfhundert Brüder” (1. Kor. 15:6), wahre Jünger, bis zum Ende treu. Die übrigen wurden alle durch solche Lehren, wie sie jetzt zum ersten Mal verkündet wurden, ausgesiebt.

Der Inhalt dieser Reden lässt sich kurz zusammenfassen: Wenn jemand ein Nachfolger oder Jünger des Herrn sein will, muss er sich selbst verleugnen und sein Kreuz tragen. Natürlich sind diese Worte im übertragenen Sinne zu verstehen: Sie bedeuten, dass alle, die Jünger des Herrn sein und an Seinem Reich und Seiner Herrlichkeit teilhaben wollen, in ihrem Glauben und Gehorsam so sehr geprüft werden, dass sie auf dem Weg scheitern werden, wenn ihr Glaube und ihr Eifer nicht so stark sind, dass sie sich selbst, ihre eigenen irdischen Interessen, Vergnügungen und Begierden ignorieren und vor allem danach streben, Miterben des Meisters im Reich Gottes zu werden. Sie müssen die kostbare Perle als wertvoller als alles andere betrachten, damit sie bereit sind, alle irdischen Interessen und Dinge – Häuser oder Ländereien, Eltern oder Kinder, die Liebe und Wertschätzung von Freunden und Nachbarn – zur Verfügung zu stellen und dafür einzutauschen, und sich um jeden Preis für den Gehorsam gegenüber der göttlichen Anordnung zu entscheiden, sonst sind sie des Königreichs nicht würdig. Sie müssen mit einem solchen Kreuzestragen rechnen, mit einem solchen Überwinden ihres eigenen Willens, mit einer Unterwerfung unter den göttlichen Willen.

WÄHLEN ZWISCHEN GOTT UND MAMMON.

Um diese Lektion zu unterstreichen, sagt der Herr, dass es letztlich darauf hinausläuft, ob wir das gegenwärtige oder das zukünftige Leben lieben. Wer großen Wert auf das gegenwärtige Leben legt, in dessen Herzen die Freuden, die in der Gemeinschaft und Miterbschaft mit unserem Herrn im kommenden Leben verheißen sind, die gegenwärtigen Interessen, Hoffnungen und Ziele nicht überwiegen, der würde das Leben verlieren, das der Herr Seinen Jüngern zu geben versprach – das ewige Leben im Königreich mit „Herrlichkeit, Ehre und Unsterblichkeit“. Obwohl unser Herr diese Worte insbesondere in Bezug auf die auserwählte Klasse verwendete, die Er als Miterben im Königreich sucht, und daher insbesondere in Bezug auf das unsterbliche Leben der Königreichsklasse, sind Seine Worte dennoch in einem weitreichenden Sinne und Maße immer auf alle Menschen anwendbar – sowohl im nächsten, dem Millennium-Zeitalter, als auch im gegenwärtigen Zeitalter. Wer auch immer das ewige Leben erlangen wird, sei es als Glied der Kirche, die jetzt erwählt wird, oder als Glied der Restitutions-Klasse, die sich während des Millennium-Zeitalters entwickeln wird, kann das ewige Leben nur durch die vollständige Unterwerfung seiner selbst und aller seiner Interessen unter den Willen des Herrn erlangen. Wer sich eigenmächtig weigert, sich so vollständig zu unterwerfen, wird sich damit auf jeder Ebene als des ewigen Lebens unwürdig erweisen, denn die Bedingungen für das ewige Leben sind der vollständige Gehorsam gegenüber dem göttlichen Willen.

Aus dieser Sicht wird die Kraft der Worte unseres Herrn deutlich: Es würde keinem Menschen etwas nützen, wenn er selbstsüchtig die ganze Welt gewinnen würde und als Folge dieses selbstsüchtigen Willens, der dem göttlichen Willen und Seinem Gesetz der Liebe entgegensteht, die völlige Vernichtung durch den Zweiten Tod über sich bringen würde. Was könnte einen Menschen für den Verlust seiner Seele – seiner Existenz – entschädigen? Sicherlich nichts, denn ohne Existenz könnte es keinen Besitz und keine Freude geben.

Die Lehre daraus ist also: Wenn wir in der heutigen Zeit hörende Ohren und ein verständiges Herz haben und um die überaus großen und kostbaren Dinge wissen, die Gott uns während des Evangelium-Zeitalters anbietet, wir vor dem Herrn keine Entschuldigung hätten, wenn wir Sein Angebot verschmähen und selbstsüchtig die Eigenkontrolle und einen Anteil an der Welt wählen würden, anstatt uns freudig dem göttlichen Willen zu unterwerfen und an den Leiden der gegenwärtigen Zeit und den Herrlichkeiten teilzuhaben, die folgen werden, wenn wir als Glieder des Königreichs das Privileg haben werden, an der Ausgießung der Segnungen auf die Welt teilzuhaben, die durch das Opfer unseres lieben Erlösers gesichert wurden (Gal. 3:29). Ebenso werden diejenigen, die während des Millennium-Zeitalters leben werden, nachdem das gegenwärtige Angebot des Königreichs zurückgezogen worden ist und jeder Schöpfung das Angebot der Restitution gemacht wird, diejenigen, die sich dann selbstsüchtig weigern, ihren Willen dem Willen des Herrn zu unterwerfen, keinen Fortschritt auf dem Hochweg der Heiligung zur Vollkommenheit machen, und anstatt ewiges Leben zu erlangen, werden sie scheitern und in den Zweiten Tod fallen. Mit anderen Worten: Es wird niemals einen anderen Weg geben, um das Leben zu erlangen, als die vollständige Abkehr von allen selbstsüchtigen Zielen, Absichten und Wünschen und die vollständige Annahme des göttlichen Willens.

EIN GERUCH VOM LEBEN ZUM LEBEN ODER VOM TOD ZUM TOD.

Unser Herr fasst diese Lektion über die Notwendigkeit der Selbstverleugnung und des Kreuztragens zusammen, indem er aufzeigt, was dies wirklich bedeutet – dass das Bekennen zu Ihm und zu den großen Wahrheiten des göttlichen Plans, für den Er als Repräsentant steht, in der heutigen Zeit mit Sicherheit bedeutet, sich den Spott der Welt zuzuziehen, denn wer in diesem Leben gottselig leben will, wird verfolgt werden [2. Tim. 3:12]. Gottselig zu leben bedeutet nicht nur, sich von Verbrechen fernzuhalten, sondern auch, nach dem Licht zu leben, das Gott uns gibt, und den Prinzipien der Wahrheit und der Gerechtigkeit treu zu bleiben. Diejenigen, die vom Gott dieser Welt geblendet sind, so dass sie Jesus nicht als den Messias, den Sündenträger und kommenden König erkennen, sind in der heutigen Zeit entsprechend ohne Verantwortung. Ihre Verantwortung wird kommen, wenn diese Erkenntnis sie erreicht, und letztendlich wird die Erkenntnis des Herrn die ganze Erde erfüllen.

Die Zeit wird also kommen, in der sie Verantwortung tragen werden und in der die Wahrheit für sie entweder ein Geruch vom Leben zum ewigen Leben oder ein Geruch vom Tod zum ewigen Tod sein wird – dem Zweiten Tod. Aber diejenigen, die die Wahrheit kennen und sich durch Scham davon abhalten lassen, sich zu ihr zu bekennen, können sicher sein, dass sie keine Jünger Christi sind und dass sie nicht an dem Leben teilhaben können, das Er jetzt als Belohnung für die Überwinder anbietet – das unsterbliche Leben. Alle, die bei der Wiederkunft unseres Herrn vor dem Vater und vor den heiligen Engeln anerkannt werden, werden sich als so treu gegenüber dem Herrn und den Grundsätzen der Gerechtigkeit erwiesen haben, dass Er Freude daran haben wird, sie anzuerkennen, und auch der Vater wird sie als Ebenbilder Seines geliebten Sohnes, ihres Herrn, anerkennen.

Der Herr hat uns Beispiele von Menschen gegeben, die die herrlichen Hoffnungen und Möglichkeiten, am Reich Gottes teilzuhaben, gegen die Dinge dieses Lebens eingetauscht haben. Das vom Apostel Paulus erwähnte Vorbild aus dem Alten Testament ist das von Esau, der für ein Linsengericht sein Erstgeburtsrecht verkaufte. So töricht diese Transaktion auch war, sie war nur ein Vorbild: Viel törichter ist es für diejenigen, die jetzt durch die Gnade des Herrn die Gelegenheit haben, Miterben des Herrn Jesus in der Herrlichkeit, Ehre und Unsterblichkeit des Reiches Gottes zu werden, all diese Privilegien, Vorteile und Gunstbezeugungen zu verlieren – sie sozusagen für ein Linsengericht einzutauschen – für günstigere Bedingungen in diesem Leben, für größere Ehre unter den Menschen oder für Reichtum oder für die Zuneigung und Sympathie von Ehemann oder Ehefrau, Eltern oder Kindern. Der Preis ist von so großem Wert, dass nichts damit vergleichbar ist.