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„DER HERR IST MEIN HIRTE“ - Ps. 23.

JEHOVA ist mein Hirte, so lautet die Aussage des Propheten, und unser Herr erklärt weiter, dass der Sohn des großen Hirten die volle Verantwortung für die Schafe erhalten hat (Joh. 10:1-16). Nicht alle Menschen sind jedoch Schafe oder werden vom Hirten umsorgt. In der heutigen Zeit gehören nur diejenigen zu Seiner Herde, die die Stimme des Hirten gehört und auf Seinen Ruf, Seine Schafe zu werden, geantwortet haben. Sein Wort zu diesem Thema besagt, dass es sich um eine Kleine Herde handelt, und dass es dem Vater gefallen wird, ihnen schließlich das Königreich als Miterben mit Seinem Sohn, ihrem „Oberhirten“, zu geben. Dann wird die Zeit kommen, auf die sich unser Herr bezieht, wenn „andere Schafe“ gefunden werden. Das gesamte Millennium-Zeitalter mit all den Kräften und Segnungen des himmlischen Königreichs wird dem Auffinden der anderen Schafe gewidmet sein. Die Worte unseres Herrn lauten: „Ich habe andere Schafe, die nicht aus diesem Hof (nicht aus der Kleinen Herde dieses Evangelium-Zeitalters) sind; auch diese muss ich (zu gegebener Zeit zur Erkenntnis der Wahrheit und zu den vollen Rechten der Schafe) bringen, und es wird eine Herde, ein Hirte sein“ (Joh. 10:16). Schließlich werden alle Geschöpfe Gottes auf verschiedenen Daseinsebenen als eine Familie Gottes anerkannt werden, wie es über unserem Herrn geschrieben steht: „Von dem jede Familie in den Himmeln und auf der Erde benannt wird“ (Eph. 3:15). Und weiter: „Alles unter ein Haupt zusammenzubringen in dem Christus, das, was in den Himmeln, und das, was auf der Erde ist, in ihm“ (Eph. 1:10). Obwohl es interessant, hilfreich und nützlich sein kann, etwas über die großzügigen Pläne unseres großen Hirten für die Zukunft zu erfahren, gilt unser Interesse hauptsächlich der Kleinen Herde der Gegenwart, auf die sich diese Lektion in vielen Einzelheiten bezieht.

Professor George Adam Smith beschreibt den Unterschied zwischen den Schafhirten in alten Zeiten in Palästina und der Schafhaltung, wie wir sie heute kennen, wie folgt. Dies ist ein wichtiger Punkt, an den man sich erinnern sollte, denn es waren die Hirten aus dem Osten, die die Fürsorge unseres himmlischen Hirten für Seine Kleine Herde veranschaulichten. Prof. Smith sagt: „Eine östliche Weide unterscheidet sich sehr von den schmalen Wiesen und den umzäunten Hügeln, die wir von zu Hause kennen. Sie ist ausgedehnt und oft praktisch grenzenlos; sie muss ausgedehnt sein, denn der größte Teil davon ist unfruchtbar – tatsächlich ist das hebräische Wort für Wüste und Weide dasselbe. Der größte Teil besteht aus trockenem, steinigem Boden, aus dem die Sonne den größten Teil des Jahres alles Leben gesogen hat. In dieser Monotonie gibt es nur wenige Unterbrechungen, und diese bestehen aus mehr oder weniger unebenen Pfaden, Schluchten oder Dickichten, in denen wilde Tiere lauern, und Oasen mit angenehmem Gras und Wasser. In einer solchen Landschaft aus Luftspiegelungen, trügerischen Pfaden, lauernden Schrecken und spärlichem Gras ist es offensichtlich, dass die Person und der Charakter des Hirten für die Schafe viel mehr bedeuten müssen als für Schafe bei uns. Bei uns ist eine Schafherde ohne Hirten eine alltägliche Erfahrung: Jeden Tag sehen wir sie auf einem sicheren Feld oder über einen Hügel verstreut, mit einem weitläufigen Drahtzaun, der sie davon abhält, sich zu entfernen. Aber ich kann mich nicht daran erinnern, jemals im Osten eine Schafherde ohne Hirten gesehen zu haben“.

Als der Prophet David diesen Psalm schrieb, dachte er zweifellos an die Herde seines Vaters und an seine eigenen Erfahrungen als Hirte, von denen wir beiläufig erwähnen, dass er beim Schutz der Herde einen Löwen und einen Bären tötete. Unter himmlischer Inspiration stellt der Prophet den Allmächtigen als den großen Beschützer dar, der über alle wacht und sie vor Schaden bewahrt, die Er als Seine „Schafe“ erkennt. Nichts kann weiter von der Stimmung dieser Prophezeiung und Darstellung entfernt sein als die immer weiter verbreitete Ansicht, die Jehova Gott als Hirten und Vater der gesamten Menschheit anerkennt und die häufig in den Worten „Vaterschaft Gottes und Bruderschaft der Menschen“ zum Ausdruck kommt. Diese Ansicht ignoriert den Willen des Menschen und auch das Wort des Herrn, das erklärt, dass es sowohl Böcke und Wölfe als auch Schafe gibt; dass einige zwar Kinder Gottes geworden sind, dies jedoch durch Glauben und „Annahme“ geschah, und dass viele vom göttlichen Standpunkt aus, weit davon entfernt sind, als Kinder Gottes anerkannt zu werden, und als „aus dem Vater, dem Teufel, und die Begierden ihres Vaters tun wollend“ bezeichnet werden (Joh. 8:44). Ursprünglich wurde unser Menschengeschlecht, das durch den ohne Sünde vollkommenen Vater Adam repräsentiert wurde, als mit Jehova verwandt anerkannt, aber der Bruch dieser Beziehung durch den vorsätzlichen Ungehorsam des Menschen und sein Abwenden von Gott wird in der Heiligen Schrift klar bestätigt, sodass heute niemand als Sohn Gottes anerkannt wird, es sei denn, er wurde neu gezeugt, gezeugt von oben. Es ist auch nicht unsere Hoffnung, dass in Zukunft jemand als Sohn Gottes oder als Schaf in der Herde des Herrn anerkannt wird, es sei denn, er entsagt der Sünde von Herzen und nimmt die göttliche Gnade an, die ihm gewährt wird, und „trachtet nach der Erkenntnis des Herrn“ [Hos. 6:3].

Bezieht man den Psalm auf die Kleine Herde, so passt alles, was darin gesagt wird, genauestens. Denn der Herr ist unser Hirte, und uns wird nichts mangeln. Diejenigen, die wahre Schafe sind, werden ihren Willen dem Willen des Hirten unterwerfen und sich ganz Seiner Führung anvertrauen, und so werden sie von jenem ängstlichen Verlangen befreit, das den Kindern der Welt so vertraut ist und das nie gestillt wird, sondern je mehr es bekommt, desto mehr will es. Die Schafe des Herrn schätzen die himmlischen Dinge mehr als die irdischen, und ihre Bedürfnisse in dieser Hinsicht werden mehr als erfüllt, wenn sie im Glauben die göttliche Zusicherung annehmen, dass

„Er nichts Gutes verweigern wird,
Den Schafen, die nicht von seiner Herde abweichen“.

Sie haben alle irdischen Interessen im Austausch für die himmlischen abgegeben. Da sie ihre eigene Unzulänglichkeit und mangelnde Urteilsfähigkeit erkennen, vertrauen sie darauf, dass der Herr ihnen in diesem gegenwärtigen Leben solche Erfahrungen, Führungen, Prüfungen, Schwierigkeiten, Segnungen usw. gewährt, die zu ihrem höchsten Wohl sind und ihnen einen Anteil an den herrlichen Dingen der Zukunft ermöglichen, zu denen sie berufen sind. Die Bedürfnisse dieser Klasse sind nicht von der Art, nach der die Heiden streben und für die sie sich einsetzen und bemühen. Sie freuen sich in ihrem Herzen mit dem vom Dichter ausgedrückten Gefühl: „Jesus hat gesättigt, Jesus ist mein“ (Mt. 6:32).

Obwohl die Erfahrungen der Schafe des Herrn viele Prüfungen in der ausgedörrten Wüste der Sünde beinhalten, schenkt Er ihnen dennoch gnädigerweise erholsame Erfahrungen in Oasen göttlicher Gunst. Diese sind nicht immer mit Schutz vor Prüfungen verbunden, wie die Welt die Angelegenheit betrachten würde, aber sie sind sicherlich Zeiten der Ruhe und Erfrischung – in einem solchen Ausmaß, dass die Schafe des Herrn wahrheitsgemäß sagen können, dass der „Friede Gottes, der allen Verstand übersteigt“ [Phil. 4:7], in ihren Herzen herrscht, ungeachtet äußerer Prüfungen, Schwierigkeiten, Unsicherheiten und Widrigkeiten. Welches Schaf des Herrn hat nicht in seinen privaten Andachten und Studien über göttliche Dinge solch grüne Auen geistlicher Erfrischung gefunden? Welches von ihnen hat nicht eine ähnliche Erfrischung, Ruhe und Nahrung durch die Vorkehrungen des Meisters erfahren, dass Seine Schafe nicht aufhören sollen, sich zu versammeln, wie es bei manchen der Fall ist – zum Studium des Wortes, zum Gebet, zum Zeugnis von der Güte und Barmherzigkeit des Herrn? All diese Gelegenheiten und Vorrechte, ob persönlich erlebt oder nur in Gedanken durch das Medium der gedruckten Seite, sind Vorkehrungen, die der große Hirte für die Schafe getroffen hat. Jene Schafe, die keinen Gefallen an solchen Vorrechten, Segnungen und Erfrischungen finden, haben Grund, ihre Treue in Frage zu stellen, wenn es darum geht, der Führung des Hirten zu folgen. Und jene Schafe, die solche Gelegenheiten finden, sie aber nicht nutzen, geben damit zu erkennen, dass sie nicht mit den gütigen Absichten und der Weisheit des Hirten übereinstimmen.

Die „stillen Wasser“ stehen im Gegensatz zum rauschenden Wildbach des Berghangs – still, nicht im Sinne von Stagnation, sondern eher sanft fließend. Nur an letzterem könnten die Schafe die richtige Erfrischung erhalten. Wenn wir diesen Gedanken auf die Kleine Herde anwenden, stellen wir fest, dass der große Hirte uns von den Streitigkeiten weltlichen Ehrgeizes, von Größe, Macht, Reichtum und Ehre, die unter den Menschen hochgeschätzt werden, wegführt, uns aber nicht zum Stillstand führt, sondern zu geistlichen Zielen, die eine Ruhe und Erfrischung der Seele mit sich bringen, die aus keiner anderen Quelle zu erlangen ist. Die Ströme der Wahrheit und Gnade sind lebendige, aber vergleichsweise ruhige Wasser. Wie der Prophet andeutet, können diese nicht von den Schafen allein gefunden werden; um sie zu finden, bedarf es der Führung durch den Geist. Hören wir auf Seine Stimme und erinnern wir uns an Sein Wort – dass Seine Schafe Seine Stimme hören und Ihm folgen. Unterscheiden wir, erkennen wir Seine Stimme, die wahrhaftig ist und sich so sehr von der Stimme des Irrtums unterscheidet. Fremden werden wahre Schafe nicht folgen, denn sie kennen die Stimme der Fremden nicht. Sie mögen weder den Klang des Geldes, noch den Klang des weltlichen Ehrgeizes, noch den Klang der priesterlichen Macht, noch den Klang des Widerspruchs zum Geist der göttlichen Botschaft und der göttlichen Methode.

„Er erquickt meine Seele“ [Vers 3]. Der Prophet bezieht sich nicht auf die Gesundung des Leibes oder die Wiederherstellung der körperlichen Gesundheit, sondern auf die Gesundung der Seele, des Wesens. Einige der edelsten Heiligen des Herrn waren müde und matt und beunruhigt – selbst der liebe Erlöser wurde unter Seinem Kreuz ohnmächtig und wurde bei dieser Gelegenheit weder auf wundersame Weise geheilt noch gesund erhalten. Die Anwendung der Worte des Propheten auf die christliche Erfahrung würde diese Erfahrungen, die als Wiederherstellung der Seele oder des Wesens bezeichnet werden, mit unserer Rechtfertigung zum Leben in Einklang bringen. Unser ganzes Leben war unter dem göttlichen Urteil verwirkt, und durch den Glauben wird dem Gläubigen eine vollständige Rückerstattung oder Wiederherstellung der Seele gewährt, damit er dem Herrn etwas als Opfer darbringen kann, „heilig, wohlgefällig“ (Röm. 12:1), und damit er in diesem Opferdienst in die Fußstapfen des großen Hirten treten kann, der Sein Leben für die Schafe niederlegte. So werden die wahren Schafe auf rechten Wegen geführt, auf richtigen Wegen, die ihrer geistlichen Entwicklung förderlich sind, auch wenn er ihnen nach dem Fleisch oft schwerfällt und sie ihn nur unter Anstrengung beschreiten können. Diese Gunst, dieser Segen und diese Gelegenheit werden ihnen nicht um ihrer selbst oder ihrer Würdigkeit willen zuteil, sondern durch die Gnade des Herrn – „um seines Namens willen“.

Die ganze Welt wandelt im Tal des Todesschattens [Vers 4]. Die Berggipfel des Lebens, der Zuneigung, wurden von der Menschheit vor sechstausend Jahren verlassen, als Vater Adam aus seiner Harmonie mit Gott auf die Ebene der Sünde und des Todes fiel. Das Tal der Sünde bringt den Schatten des Todes mit sich, die Strafe der Sünde. Auf der breiten Straße wandelt noch immer die ganze Menschheitsfamilie; und obwohl der Hirte Seine Herde aufwärtsführt und in entgegengesetzter Richtung zum Lauf der Welt, so sind sie doch, dem Fleische nach, noch in der Welt, in diesem Tal des Todesschattens. Die wahren Schafe jedoch, die die Stimme des guten Hirten hören, der Sein Leben für die Schafe gab, haben gelernt, weder sorglos und gleichgültig zu sein, wie es einige sind, noch in Angst, Zweifel und Ratlosigkeit zu verfallen, wie es die Mehrheit ist. Diese fürchten im Gegenteil nichts Böses. Sie erkennen zwar, dass die Strafe der Sünde auf ihrem Geschlecht lastet, aber sie erkennen auch, dass die göttliche Liebe für eine Erlösung gesorgt hat. Sie erkennen, dass die ganze Welt in den Scheol, in den Hades hinabsteigt, aber dass Gott dafür gesorgt hat, dass der gute Hirte Seine Kleine Herde in der Ersten Auferstehung aus der Macht des Grabes befreien wird, und dass anschließend alle, die in ihren Gräbern sind, die Stimme des Menschensohnes hören und zu einem vollständigen, gerechten, vernünftigen und angemessenen Gericht hervorgehen werden – die Prüfung, die ihre Bereitschaft betrifft, Seine Schafe zu sein und Ihm zu folgen und durch Ihn ewiges Leben zu erlangen. Die Schafe der wahren Herde des Herrn fürchten kein Übel, weil sie in der Gunst des Herrn stehen, weil Er bei ihnen ist, auf ihrer Seite steht und Seine Gunst dadurch gezeigt hat, dass der Loskaufpreis bereits zugerechnet wird. Er ist auch durch Sein Wort der Verheißung mit ihnen – mit Seiner Zusicherung, dass der Tod keine Auslöschung des Lebens bedeutet, sondern nur ein ungestörter Schlaf in Jesus bis zur Auferstehung. Wen wundert es da, dass sie singend durch das Tal des Todesschattens wandern können und in ihren Herzen eine Melodie für den Herrn ertönt, die ihre Seelen und ihr ganzes Inneres dazu aufruft, den großen und heiligen Namen dessen, der uns geliebt und mit Seinem teuren Blut erkauft hat und uns zum Erbteil des Königreiches mit unserem teuren Erlöser berufen hat, zu preisen, zu loben und zu verherrlichen! [Manna vom 21. September, Hervorhebung von uns].

„Dein Stecken und dein Stab, sie trösten mich“ [Vers 4]. So wie der Hirtenstab dazu verwendet wurde, den Schafen aus Schwierigkeiten zu helfen, sie vor ihren zu mächtigen Feinden zu verteidigen und sie zu züchtigen, wenn sie unaufmerksam waren, und wie all diese Verwendungen des Stabes dem Interesse und dem Wohlergehen der Schafe dienten, so verhält es sich auch mit der Kleinen Herde des Herrn und ihrem Hirten und Seinem Stab der Hilfe, Verteidigung und Züchtigung. Die wahren Schafe lernen, die Vorsehung des Hirten zu lieben und werden durch sie getröstet. Da sie die Macht des Hirten und Seine wachsame Fürsorge kennen, erkennen sie, dass alles zu ihrem Besten zusammenwirkt, weil sie Seine Schafe sind. Warum sollten sie nicht getröstet, gestärkt und ermutigt werden?

Der Psalm weicht hier [Vers 5] ab und verlässt das Bild des Schafes und des Hirten und übernimmt stattdessen die Illustration eines mächtigen Herrn, der ein üppiges Festmahl für seinen demütigeren Freund ausrichtet. In alten Zeiten bedeutete aktive Gastfreundschaft viel, und wenn ein Adliger jemanden als Gast empfing, bedeutete dies, dass er für dessen Sicherheit verantwortlich war. So ist es der Gedanke, dass wir als Volk des Herrn von Ihm angenommen werden, als Freunde gelten, dazu bestimmt sind, an einem üppigen Festmahl teilzunehmen, in Sicherheit vor der Feindseligkeit derer, die uns schaden wollen – in Sicherheit vor dem großen Widersacher und all den geistlichen Mächten in hohen Stellungen, die der Apostel erwähnt (Eph. 6:12) – in Sicherheit, solange wir unter der Obhut unseres großen Freundes, unseres himmlischen Vaters, stehen. Die Gaben auf unserem Tisch mögen in der Tat einige irdische gute Dinge enthalten, die besser oder schlechter sind als die des durchschnittlichen Menschen; aber all diese, was auch immer sie sein mögen, werden mit Freude und Dankbarkeit angenommen und von denen geschätzt, die sie als Teil der Gaben des Freundes über alle anderen erkennen.

Alle religiösen Menschen erheben mehr oder weniger Anspruch auf geistliche Nahrung, und die verschiedenen Teile und Fraktionen der Christenheit rühmen sich besonders, in jeder Hinsicht viele Vorteile zu haben und dass ihre Tische mit göttlicher Wahrheit, Verheißungen usw. gedeckt sind, Nahrung, von der sie behaupten, dass sie daraus ihre Kraft schöpfen. Aber wie unterschiedlich sind diese Tische und wie unterschiedlich sind die Speisen, was die Lehre betrifft. Die Speisen auf den meisten von ihnen scheinen bei der Zubereitung verdorben worden zu sein. Manches davon ist fad, manches sauer und vieles muffig. Zum größten Teil stammt es aus dem „finsteren Zeitalter“, und die lieben Freunde, die sich an diese Tische setzen, stellen fest, dass sie wenig Appetit auf solche Speisen haben, und wir können es ihnen nicht verübeln. Vielmehr möchten wir ihre Aufmerksamkeit auf den großzügigen, reichlichen Vorrat an göttlicher Wahrheit lenken, den der Herr selbst dem Haushalt des Glaubens spendet, „Neues und Altes“, aber alles rein, süß, köstlich und großartig. Dieser Tisch steht allen offen, die den Herrn von ganzem Herzen, mit ganzem Gemüt, mit ganzer Seele und mit all ihren Kräften lieben – mehr als sie Häuser oder Ländereien, Eltern oder Kinder, Ehemann oder Ehefrau, Loge oder Gesellschaft oder Sekten oder sich selbst lieben.

Ist es seltsam, dass diejenigen, die vom Herrn so sehr bevorzugt und als Seine Gäste anerkannt werden und an Seinem Tisch speisen, von Feinden gehasst werden? Es könnte uns seltsam erscheinen, wenn es nicht die Zusicherung des Meisters selbst gäbe, dass jeder, der gottgefällig leben will, in dieser gegenwärtigen Zeit Verfolgung erleiden wird, und dass der Meister dies durch Seine eigene Erfahrung belegt, indem Er sagt, dass es die angeblich gottgefälligen, einflussreichen, bedeutenden und nominell religiösen Menschen waren, die Ihn zu Tode verfolgten. Wir sind also nicht überrascht, wenn wir feststellen, dass unser Tisch inmitten von Feinden gedeckt ist, die uns jetzt von allen Seiten umgeben.

Die Salbung des Kopfes des Gastes mit Öl war Teil der Gastfreundschaft in alten Zeiten. Das Gegenstück dazu bei uns ist die Ausgießung des Heiligen Geistes auf diese ganze Klasse – diese Kleine Herde, den Leib Christi, dessen Haupt, Anführer, Hirte und Gebieter Er ist.

Der volle Becher, der überfließt, hat eine zweifache Bedeutung. Es ist ein Kelch der Freude und ein Kelch der Sorge, der in zweifacher Hinsicht überfließt. Wer an den Freuden des Herrn teilhaben möchte, muss auch an Seinem Kelch des Leidens teilhaben. Wir müssen mit Ihm leiden, wenn wir mit Ihm herrschen wollen. Aber wir halten die Leiden der gegenwärtigen Zeit nicht für wert, mit den Herrlichkeiten, die in uns geoffenbart werden sollen, verglichen zu werden, und daher sind wir in der Lage, uns in Trübsalen zu freuen. So wie die Trübsale überfließen, wird auch die Freude überfließen, und mit dem Apostel können wir sagen: Freuet euch, und wiederum sage ich, freuet euch [Manna vom 10. Mai, Hervorhebung von uns].

Die Güte und Gnade, die wir . . . im Königreich erhoffen, nehmen ihren Anfang bereits hier und sollen daher gewürdigt werden. Wer nichts über die Freuden im Herrn in der gegenwärtigen Zeit weiß, wird offensichtlich nicht auf die Freuden des Herrn im Königreich vorbereitet sein, ganz gleich welche Segnungen und Freuden er unter der Verwaltung des Königreiches während des Millennium-Zeitalters erlangen mag. Es gibt eben auch Freude und Frohlocken, die den Treuen des Herrn gewährt werden, die keine Sache des Augenblicks im Zusammenhang mit ihrer ersten Annahme vom Herrn und ihrer Weihung für Ihn sind. Die Güte und Gnade des Herrn sollten wir nicht als etwas betrachten, was zur fernen Vergangenheit gehört, sondern als eine Sache der Gegenwart erkennen und wertschätzen. Tag für Tag werden uns Gottes Güte und Gnade folgen, uns erfrischen, stärken und segnen [Manna vom 22. September, Hervorhebung von uns].

Die höchste Hoffnung, die wir zu hegen wagen, ist die endgültige Vereinigung mit unserem großen Hirten, unserem himmlischen Vater, und dem guten Hirten, Seinem Sohn, im himmlischen Zustand, im Haus unseres Vaters in der Höhe, von dem eine Wohnung oder Ebene für die Kleine Herde bestimmt ist, getrennt und verschieden von der Wohnung oder Ebene, die für die Restitutionsklasse des Millennium-Zeitalters vorgesehen ist. Das Ziel all unserer höchsten Ambitionen wird erreicht sein und weit mehr als verwirklicht, wenn wir wie unser Herr sein werden, Ihn so sehen, wie Er ist, und Seine Herrlichkeit im Haus des Vaters teilen. R3268-3270