- 1. SAM. 18:5-16 -
SAUL und David waren beide Männer mit starkem Charakter, aber der erstere vernachlässigte das göttliche Wort und den Rat und übernahm die Führung seiner eigenen Angelegenheiten, während der letztere den Herrn und Seine Führung annahm und im Glauben danach strebte, Ihm zu folgen. Die Ergebnisse zeigten sich in beiden Fällen: Saul fand ein schändliches Ende. David war erfolgreich und zeigte eine Weisheit und Charakterstärke, die seiner Zeit weit voraus waren. Wir dürfen in diesem Zusammenhang nicht vergessen, dass Davids Besonnenheit und Gehorsam gegenüber dem Herrn ihn jahrelang vom Thron Israels fernhielten – Jahre voller Schwierigkeiten, Entbehrungen und Wanderschaft, während die Befolgung weltlicher Methoden, was den äußeren Schein betrifft, zu viel größerem Wohlstand hätte führen können. Dennoch müssen wir auch daran denken, dass die Nation Israel vom Herrn als Sein auserwähltes Volk angenommen worden war, mit dem Er handeln würde, dessen Weg Er überwachen würde und über dessen Herrscher Er entscheiden würde. Wir dürfen auch nicht den großen Unterschied vergessen zwischen dem jüdischen Zeitalter mit seinen göttlichen Anordnungen und Vorschriften und diesem christlichen oder Evangelium-Zeitalter mit seinen unterschiedlichen Vorschriften und seinem Gesetz der Liebe, der geduldigen Ausdauer und des geistlichen statt fleischlichen Kampfes. Diejenigen, die den Weg Davids und anderer Treuer der jüdischen Epoche als Vorbild für die Kirche, den Leib Christi, betrachten, zeigen damit, dass sie das göttliche Wort in dieser Angelegenheit völlig missverstanden haben. In ihrer Vorstellung sind Davids Kämpfe, Siege und Schlachten Bilder, die geistliche Kämpfe und Siege des gegenbildlichen David, des Geliebten – Haupt und Leib – Christus, veranschaulichen.
Obwohl Saul bereits durch den Propheten Samuel vom Herrn benachrichtigt worden war, dass das Königreich seiner Familie genommen und einem Nächsten gegeben werden sollte, der des Vertrauens würdiger war als er und dem Herrn treuer, war ihm dennoch zu verstehen gegeben worden, dass das Königreich noch eine beträchtliche Zeit in seinen Händen bestehen bleiben würde. Wir können daher davon ausgehen, dass Saul nach jemandem Ausschau hielt, der zu einer herausragenden Persönlichkeit heranwachsen und schließlich sein Nachfolger werden sollte – obwohl wir keinen Grund zu der Annahme haben, dass er wusste, dass David bereits zu diesem Amt gesalbt worden war, denn Davids Salbung wurde geheim gehalten.
Saul schätzte zwar Davids Tapferkeit, war aber dennoch eifersüchtig auf ihn, weil sein edler Weg ihn in den Augen des Volkes so hervorhob. Diese Eifersucht wurde noch verstärkt, als er hörte, dass David mit größeren Lobeshymnen besungen wurde als er selbst. Eifersucht ist immer eine schlechte Eigenschaft – sie ist kein Teil des Geistes des Herrn, des Heiligen Geistes, sondern ein wichtiger Bestandteil des bösen Geistes. Hass, Neid, Bosheit, Streit, Werke des Fleisches und des Teufels sind alle eng mit Eifersucht verbunden und entspringen oft aus ihr. Saul hätte den neidischen Einflüsterungen, die ihm in den Sinn kamen, widerstehen sollen: Er hätte seinen Sinn über alle persönlichen Eitelkeiten erheben und sich aufrichtig und von Herzen über das Lob seines jungen Generals freuen sollen. Zweifellos war es zum Teil die Erinnerung an die Erklärung des Herrn, dass ihm das Königreich genommen werden würde, die ihn von da an mit neidischen Augen auf David blicken ließ.
Die Eifersucht ist einer der größten Feinde, die jedem Christen entgegentritt. Sie sollte als ein Feind Gottes und der Menschen und jedes guten Grundsatzes vernichtet werden, sobald sie auftaucht. In dem Maße, wie ihre Anwesenheit das Herz verunreinigt hat, sei es auch nur für einen Augenblick, sollte eine Reinigung durch den Geist der Heiligung und Liebe erfleht werden. Die Eifersucht an sich ist nicht nur ein grausames Ungeheuer, sondern es ist beinahe immer gewiss, dass ihre giftigen Krallen anderen Schmerz und Kummer zufügen. Sie verursacht im Allgemeinen Leid und führt schließlich bei denen, die ihr Einlass gewähren, zur Zerstörung. Eifersucht ist Sünde in Gedanken, Bosheit in Gedanken und neigt sehr dazu, schnell zur Sünde und zur Bosheit in der Tat zu führen. Die einmal mit Eifersucht vergiftete Gesinnung kann nur mit großer Schwierigkeit ganz von ihr gereinigt werden, so schnell nimmt alles, was sie umgibt, ihre Farbe und ihren Charakter an [Manna vom 5. September]. Diese Sünde, wenn sie vollendet ist, wenn man sie wachsen lässt, wenn sie nicht ausgerottet wird, wenn sie nicht überwunden wird, bringt den Tod hervor. Alle Nachfolger des Herrn sollten sich vor dieser Sünde hüten, und niemand braucht dies mehr als diejenigen, die Gott in irgendeiner Eigenschaft als Seine Mundstücke oder Diener hoch geehrt hat. Wären David und Saul nicht in so hohen Positionen gewesen, wären Eifersucht, Rivalität und Feindschaft vergleichsweise unwahrscheinlich gewesen.
Unter diesen Umständen überrascht es uns nicht, in Vers 10 zu lesen, dass der eifersüchtige Saul von einem bösen Geist – einer bösen Gesinnung – heimgesucht wurde. Vielleicht sollte diese Formulierung so verstanden werden, dass ein böser Geist – im Sinne eines gefallenen Geistes, eines Dämons – ihn heimgesucht hat. Wir wissen ganz sicher, dass Liebe, Geduld, Freude und Friede Elemente des Heiligen Geistes – der Gesinnung Gottes – sind, ebenso wie ein Geist des Hasses und der Eifersucht ein böser Geist oder eine böse Gesinnung ist, die nicht „von Gott” kommt, sondern von Gott entfernt ist und Gott entgegensteht. Wir können auch erkennen, dass ein solcher böser Geist, wie er hier von Saul Besitz ergriff, nicht nur ein Geist war, der weit von Gott entfernt war oder etwas, das er hätte gutheißen können, sondern wir können sogar annehmen, dass, da Saul Gottes gesalbter Repräsentant auf dem Thron Israels war, der böse Geist nicht ohne zumindest göttliche Erlaubnis die Kontrolle über ihn erlangen konnte. So wie heilige Männer in alter Zeit vom Heiligen Geist bewegt wurden, Angelegenheiten göttlicher Anklage zu sprechen und zu schreiben, so wurden Menschen von bösen Geistern bewegt und werden manchmal auch heute noch von ihnen bewegt, perverse Dinge zu sprechen und zu schreiben. Das ist der Gedanke, der in dem Wort „weissagte” in diesem Vers enthalten ist. Saul sprach törichte Dinge, unpassende Dinge, sprach unvernünftig, während er seinen Speer in der Hand hielt. Der Geist des Bösen war über ihn gekommen und trieb ihn dazu, mit seinem Speer eine Bewegung zu machen, als wolle er seinem treuen und demütigen jungen General Gewalt antun, der ihm als Freund und Gefährte auf der Harfe spielte, um ihn aus seiner Melancholie zu reißen. Das Wort „warf“ (V. 11) ist stärker als im Original, wo es einfach eine Bewegung zu bedeuten scheint – obwohl er die Waffe später tatsächlich warf – 1. Sam. 19:10.
David scheint ziemlich unerschrocken und furchtlos gewesen zu sein und hat sich immer wieder der Macht Sauls ausgesetzt, als dieser unter dem Einfluss seiner Melancholie stand. Von Davids Furcht ist nichts erwähnt, denn obwohl er es für richtig und seine Pflicht hielt, zu fliehen, wie er es tat, scheint er sich ständig an Gottes Macht zu seiner Bewahrung erinnert zu haben und an die Tatsache, dass Gott ihn bereits gesalbt hatte, um zur rechten Zeit König zu werden. Ein solcher Glaube und Mut ist eine gute Lektion für alle Glieder des gegenbildlichen David. Nichts wird uns auf irgendeine Art und Weise Schaden zufügen. Es könnte sein, dass es Dinge gibt, die unsere fleischlichen Interessen oder Bequemlichkeiten oder den Lauf der Dinge beeinträchtigen. Doch wenn wir daran denken, dass wir nicht im Fleisch, sondern im Geist sind, und dass der Herr dem neuen Herzen, der neuen Gesinnung und dem neuen Willen das Königreich in der von Ihm festgesetzten Zeit verheißen hat, können wir begreifen, dass kein äußerlicher Einfluss unsere wahren Interessen, unsere geistigen Interessen beeinträchtigen kann und auch nicht verhindern kann, dass wir die Herrlichkeiten des Königreichs, die der Herr Seinen Getreuen verheißen hat, erhalten. Nur wenn wir das Vertrauen in den Herrn verlieren und Ihm untreu werden, können wir von Seiner Liebe und Seinen Verheißungen getrennt werden [Manna vom 6. September].
Sauls Eifersucht auf David wurde durch seine Furcht vor ihm noch verstärkt. Zweifellos fragte er sich oft, warum der furchtlose Jüngling, der den Löwen angegriffen hatte, ihn verschonte – obwohl er, Saul, ihm offen seinen Hass und seine Feindseligkeit gezeigt hatte. Er erkannte, dass der Herr mit David war und nicht mit ihm. Davids Anwesenheit wurde im Palast unangenehm, und da man ihn nicht ignorieren konnte, wurde er in die Armee aufgenommen und mit verschiedenen Aufgaben im Zusammenhang mit den Interessen des Königreichs betraut, wobei Saul offensichtlich hoffte, dass David durch eine unbedachte Handlung einen Vorwand liefern würde, um die Stimmung des Volkes gegen ihn zu wenden – vielleicht hoffte er auch, dass David bei einem der Überfälle verwundet oder getötet werden würde. Aber der Geist des Herrn ist, wie der Apostel erklärt, der „Geist einer gesunden Gesinnung”, und in dem Maße, wie David dem Herrn vertraute und sich von diesem Vertrauen leiten ließ, war er in der Lage, seinen Teil mit Weisheit zu tun und sich die Zustimmung des Volkes zu sichern und umso mehr die Furcht und Scheu Sauls.
Diese Lektion veranschaulicht in gewisser Weise die Beziehung zwischen dem geweihten Volk des Herrn und der Welt in der heutigen Zeit. Die Weltlichen sind an der Macht, haben Einfluss, und doch sind sie sich der Tatsache bewusst, dass die göttliche Gunst nicht mehr mit ihnen ist, dass eine Änderung der religiösen Ordnung im göttlichen Programm bevorsteht, dass der Laodizea-Zeitabschnitt, in dem die Kirche das Mundstück des Herrn ist, zu Ende geht und dass sie ausgespuckt werden wird. dass die treue Kleine Herde – von der nach dem Weg dieser Welt nicht viele weise oder groß oder edel sind – das Reich mit großer Macht und Herrlichkeit erben wird. Sie erkennen zwar nicht, dass die gesalbte Klasse in ihrer Mitte ist und sich Tag für Tag unter sie mischt, aber sie empfinden Eifersucht gegenüber denen, die mehr vom Geist des Herrn haben als sie selbst, und hassen das, was reiner und höher und besser ist als das, was sie selbst besitzen. Manchmal trieb ihre Eifersucht sie fast zum Mord; aber sie fürchten und hassen die David-Klasse wegen ihrer engeren Beziehung zum Herrn und wegen Seines Segens, der sich in ihren Herzen und ihrem Leben manifestiert. Unser Herr verwies auf einen solchen Zustand am Ende des Jüdischen Zeitalters, das gewiss ein Vorbild für das Ende dieses Zeitalters war. Er sagte über die religiösen Menschen jener Zeit: „Denn jeder, der Arges tut, hasst das Licht und kommt nicht zu dem Licht, damit seine Werke nicht bloßgestellt werden; wer aber die Wahrheit tut, kommt zu dem Licht, damit seine Werke offenbar werden, dass sie in Gott gewirkt sind“ [Joh. 3:20, 21]. So wie beim Ersten Advent eine Trennung zwischen Saul und David und zwischen denen, die die Finsternis liebten, und denen, die das Licht liebten, stattfand, so vollzieht sich heute rasch eine Trennung zwischen denen, die das Licht, die Wahrheit, lieben und vom Heiligen Geist geleitet werden, und denen, die einen andersartigen Sinn oder eine andere Gesinnung haben.
Unser goldener Text sollte als tröstende und stützende Kraft für die Treuen des Herrn im Sinn behalten werden. Er steht in voller Übereinstimmung mit den Worten des Apostels im Neuen Testament, der erklärt, dass „denen, die Gott lieben, alle Dinge zum Guten mitwirken, denen, die nach Vorsatz berufen sind“ [Röm. 8:28].