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DAMIT IHR NICHT IN VERSUCHUNG KOMMT
„Wacht und betet, damit ihr nicht in Versuchung kommt“ - Mk. 14:38.

ES ERSCHEINT seltsam, dass die Gefahr, in Sünde zu fallen, zu einer bestimmten Jahreszeit größer sein soll als zu einer anderen; dennoch haben wir seit mehreren Jahren festgestellt und bereits andere darauf aufmerksam gemacht, dass die Versuchungen zu jeder Passahzeit im Frühling besonders stark sind. Jahr für Jahr haben wir zu dieser Jahreszeit festgestellt, dass viele oder alle besonders anfällig dafür sind, zu stolpern oder „Anstoß zu nehmen“. Lasst uns daher die Worte unseres Herrn ernst nehmen und ernsthaft wachen und für andere und für uns selbst beten; und ein jeder achte darauf, dass er seinem Bruder keinen Anstoß gibt – Röm. 14:13; Hebr. 2:1.

Es war zur Passahzeit, als unser Herr sagte: „Ich bin das lebendige Brot, das aus dem Himmel herabgekommen ist; wenn jemand von diesem Brot isst, so wird er leben in Ewigkeit. Das Brot aber, das ich geben werde, ist mein Fleisch, das ich geben werde für das Leben der Welt“. Da sprachen viele seiner Freunde und Nachfolger: „Diese Rede ist hart; wer kann sie hören? ... und wandelten nicht mehr mit ihm. Da sprach Jesus zu den Zwölfen: Wollt ihr etwa auch weggehen?“ – Joh. 6:4, 51, 60, 66, 67.

Es war zur Passahzeit, als Judas die Abmachung für den Verrat an unserem Herrn traf – und ihn wenig später vollzog.

Es war etwa zur Passahzeit, als unser Herr sagte: „Meine Seele ist sehr betrübt bis zum Tod“ (Mt. 26:38). „Ich habe aber eine Taufe (den Tod), womit ich getauft werden muss, und wie bin ich beengt, bis sie vollbracht ist!“ – Lk. 12:50.

Es war um die Passahzeit, als unser Herr die Jünger zu sich nahm und ihnen zu erklären begann, dass der Menschensohn in die Hände der Hohenpriester und Schriftgelehrten ausgeliefert und getötet werden müsse (Mt. 16:21); und dann war Petrus versucht zu vergessen, dass er der Jünger war, und nahm den Herrn zur Seite und begann, ihn zu tadeln, indem er sagte: „Gott behüte dich, Herr! Dies wird dir nicht widerfahren“. So versuchte auch er unseren Herrn, Sein Opfer zurückzuweisen, und zog den Tadel auf sich: „Geh hinter mich, Satan! Du bist mir ein Ärgernis, denn du sinnst nicht auf das, was Gottes, sondern auf das, was der Menschen ist“ – Verse 22, 23.

Während der Zusammenkunft zum Passahmahl gerieten die Zwölf in einen Streit darüber, wer von ihnen im Königreich der Größte sein sollte. Dadurch zogen sie den gerechten Tadel unseres Herrn auf sich und veranlassten Ihn dazu, ihnen ein Beispiel der Demut zu geben, indem Er ihnen die Füße wusch.

Als sie ein Lied gesungen hatten und vom Passahfest aufbrachen, sprach unser Herr zu ihnen die Worte in der Überschrift dieses Artikels: „Wachet und betet, damit ihr nicht in Versuchung kommt“, während Er selbst in einem qualvollen Kampf war und mit blutigem Schweiß Seinen Willen dem Willen Gottes unterwarf; und als Er inständig betete, wurde Er gestärkt – Lk. 22:39-46.

Es war nur wenig später, als die Abgesandten des Hohenpriesters auf sie trafen und die Elf alle den Herrn verließen und flohen (Mk. 14:50): sie erlagen der Versuchung, der Furcht.

Etwas später gingen Petrus und Johannes, die mutiger waren als die anderen, mit der Menge in den Vorhof des Pilatus, um zu sehen, was mit dem Meister geschehen würde; und da Petrus als einer der Jünger Christi erkannt wurde, wurde er versucht, den Herrn mit Flüchen zu verleugnen - Mk. 14:68, 70, 71.

Zu derselben Zeit wurde unser Herr vor Pilatus versucht, aber er „hat ein gutes Bekenntnis bezeugt“ (1. Tim. 6:13).

Die Versuchungen unseres Herrn folgten rasch aufeinander. Als Seine Feinde Ihn anspuckten, mit Dornen krönten und Ihn schmähten, indem sie sagten: „Er rette sich selbst, wenn dieser der Christus ist, der Auserwählte Gottes!“, hätte Er sie mit Krankheit oder Tod schlagen können; aber wie ein Schaf, das stumm ist vor seinen Scherern, so tat Er Seinen Mund nicht auf. Er siegte und betete für die, die Ihn boshaft behandelten – Jes. 53:7; Lk. 23:33-37.

Er hätte sogar zu dem Schluss kommen können, dass Er nicht der Erlöser solch undankbarer Wesen sein würde; aber obwohl Er wusste, dass Er selbst dann den Vater um Hilfe bitten und die Unterstützung von zwölf Legionen Engel erhalten und Seine Feinde besiegen konnte, widerstand Er der Versuchung. Er gab sich hin als Lösegeld für alle, was zur rechten Zeit bezeugt werden wird.

Der Tod unseres Herrn war für alle Jünger eine große Glaubensprüfung, und sie waren sogleich versucht, wieder ihrem alten Fischereigeschäft nachzugehen und die Menschenfischerei zu vernachlässigen (Joh. 21:3-17).

Auch Paulus und die anderen Apostel hatten später zu dieser besonderen Zeit besondere Prüfungen zu bestehen (Apg. 20:16; 21:10, 11, 27-36).

Angesichts all dessen in der Vergangenheit und angesichts unserer eigenen Erfahrungen seit Beginn der Ernte im Jahr 1874 fühlen wir uns jedes Frühjahr besonders um die Schafe des Herrn besorgt; und dieser Frühling ist keine Ausnahme. Wir erkennen meistens den Charakter der Versuchungen erst dann deutlich, wenn sie über uns gekommen sind. Denn wenn wir alles über sie im Voraus wüssten, wären es nur leichte Versuchungen. Wachet deshalb und betet immer, denn der einzig sichere Weg ist, vorbereitet zu sein, weil euer Widersacher, der Teufel, sucht, wen er verschlingen kann. Er kennt eure schwachen Seiten und ist bereit, sie auszunutzen. Jeder von uns wird sowohl die Gnaden des Geistes in seinem Herzen als auch des Herrn „Gnade zur rechtzeitigen Hilfe“ benötigen, wenn wir überwinden wollen.

Mein Seel steh auf der Wacht,
Zehntausend Feind sich müh‘n;
Das Heer der Sünd – sie sind bedacht,
Vom Kleinod dich zu zieh’n
[Manna vom 1. April, Hervorhebung von uns]

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„Alle die gottselig leben wollen, werden verfolgt werden“ [3. Tim. 3:12].

„Wenn sie den Hausherrn Beelzebul genannt haben, wieviel mehr seine Hausgenossen! . ... Ein Knecht ist nicht über seinem Herrn“ [Mt. 10:24, 25].

Unser Herr sagte zu Pilatus: “Du hättest keinerlei Gewalt gegen mich, wenn sie dir nicht von oben gegeben wäre“ [Joh. 19:11]. Das Gleiche gilt für jedes Glied Seines Leibes. „Des Menschen Feinde werden seine eigenen Hausgenossen “ [Mt. 10:36].

„Glückselig seid ihr, wenn sie … jedes böse Wort lügnerisch gegen euch reden werden um meinetwillen... Freut euch und frohlockt, denn euer Lohn ist groß in den Himmeln“ [Mt. 5:11, 12].

„Der Gott dieser Welt ... ist jetzt wirksam in den Kindern des Ungehorsams“. ... „Seine Gedanken sind uns nicht unbekannt“ [Eph. 2:2; 2. Kor. 2:11].