R 3149
DIE ERMAHNUNG DES APOSTELS PETRUS
„Deshalb umgürtet die Lenden eurer Gesinnung, seid nüchtern und hofft völlig auf die Gnade, die euch gebracht wird bei der Offenbarung Jesu Christi; als Kinder des Gehorsams bildet euch nicht nach den vorigen Lüsten in eurer Unwissenheit, sondern wie der, der euch berufen hat, heilig ist, seid auch ihr heilig in allem Wandel! Denn es steht geschrieben: Seid heilig, denn ich bin heilig“ – 1. Petr. 1:13-16.

UM DIE Ermahnungen der Apostel zu würdigen, müssen wir uns mit ihren verschiedenen Charakteren vertraut machen, ihre Umstände zur Kenntnis nehmen, ihren Eifer und ihre Treue hervorheben und uns daran erinnern, dass jedes Wort der Ermahnung, das an die Kirche gerichtet ist, ihren bedeutenden Rückhalt in ihren würdigen Beispielen hatte. Sie ertrugen die Härte als gute Soldaten und litten viel für das Vorrecht, die Wahrheit zu verkünden. In ihren Schriften vereinen sich ein hohes Maß der Kraft der Logik, Eloquenz und des Pathos mit einem inspirierenden Enthusiasmus, der in jedem Schüler ihrer Lehren zumindest ein gewisses Maß an derselben heiligen Flamme entfachen muss.

Obwohl sie vor so langer Zeit geschrieben wurden, verlieren die obigen ermahnenden Worte für uns nichts von ihrer Kraft. Sie wurden für die Unterweisung der ganzen Kirche bis zum Ende des Zeitalters verfasst. Das einleitende Wort „Deshalb“ verweist uns auf die herrliche Hoffnung unserer Hohen Berufung und auf die notwendigerweise strengen Maßnahmen, die erforderlich sind, um uns für unser erhabenes Erbe tauglich zu machen, wie in den vorangegangenen Versen erwähnt. Petrus möchte, dass wir uns bewusst machen, was es bedeutet, mit einer so Hohen Berufung berufen zu sein – zu einem unverweslichen und unbefleckten und unverwelklichen Erbteil, das in den Himmeln für diejenigen aufbewahrt wird, die durch Gottes Macht durch Glauben bewahrt werden (Vers 4). Er möchte uns wissen lassen, dass wir, wenn wir treu sind, sogar „Teilhaber der göttlichen Natur“ werden und dass wir Miterben Jesu Christi an allen Dingen sein sollen – 2. Petr. 1:4.

Wenn der Geist Gottes unsere Herzen in engere Gemeinschaft und Sympathie mit dem göttlichen Sinn zieht, wird der Wert dieser „größten und kostbaren Verheißungen“ immer mehr erkannt, bis in unseren Herzen derselbe heilige Eifer leuchtet, der die Herzen der Apostel so sehr erfüllte. Und erst wenn unsere Herzen so erwärmt und unsere Sinne so erwach sind, sind wir bereit, das „deshalb“ des Apostels zu verstehen, von dessen inspirierendem Verständnis unsere Fähigkeit abhängt, die darauffolgende ernste Ermahnung zu beherzigen.

Wenn unsere Herzen nicht ausreichend mit dieser Hoffnung erfüllt sind – wenn wir begonnen haben, sie gering zu schätzen oder sie zu vergessen oder sie für Märchenwerk zu halten – wird es unmöglich sein, den hier gegebenen Rat des Petrus zu befolgen. Wenn wir erkennen, dass uns eine geistliche Schläfrigkeit in einem gewissen Maß beschlichen hat, die unbemerkbar unsere geistlichen Sinne erstarren lässt, so dass die Wahrheit ihre inspirierende Kraft über uns verliert, dann besteht unsere erste Pflicht darin, uns zum Gebet und zur Gemeinschaft mit Gott und mit Seinem Wort zu begeben, damit seine heiligende Kraft wahrgenommen werden kann. [Denn wir werden Teilhaber mit Christus, wenn wir den Anfang unserer Zuversicht standhaft bis zum Ende festhalten (Hebr. 3:14)] [Manna vom 10. März, Hervorhebung von uns].

„Deshalb“, also, ihr, die ihr den Preis der Berufung Jehovas erkennt und euch bemüht, nach der Richtschnur das Ziel zu erreichen, „umgürtet die Lenden eurer Gesinnung“, stärkt und kräftigt eure Vorsätze und Bemühungen, erneuert euren Entschluss, verdoppelt euren Fleiß, legt ab die Bürden unnötiger weltlicher Sorgen, vergrößert euren Eifer und wie der Apostel uns ermahnt, lauft den vor euch liegenden Wettlauf mit Geduld. Lauft nicht wie jemand, der nur die Luft schlägt, sondern wie jemand, der ein Ziel verfolgt und der ernsthaft entschlossen ist, seine Berufung und Erwählung fest zu machen [Manna vom 11. März, Hervorhebung von uns] – Hebr. 12:1; 1. Kor. 9:26.

Nachdem ihr „die Lenden eurer Gesinnung“ für ein langes, ausdauerndes und entschlossenes Bemühen „umgürtet“ habt, „seid nüchtern“. Lasst nicht zu, dass ihr erregt werdet und eure ganze geistliche Energie unter dem Einfluss von Aufregung in sehr kurzer Zeit erschöpft wird und dann einen Rückfall in Kälte oder Entmutigung erleidet. Strebt danach, ein langes und geduldiges Ertragen der ganzen Schulung und Prüfung des Glaubens und der Geduld gründlich zu erwägen und sich darauf vorzubereiten. Dies alles ist notwendig, um sich als Überwinder und würdig der gesegneten Belohnung zu erweisen, die „dem, der überwindet“, verheißen ist. Der vor uns liegende Wettlauf soll nicht aus Anläufen bestehen, sondern aus „geduldigem Ausharren in gutem Werke“ [Manna vom 18. März, Hervorhebung von uns]. Nüchtern und besonnen müssen wir abwägen und uns bemühen, die Bedeutung der überaus großen und kostbaren Verheißungen zu erkennen und aus ihnen ihre belebende Inspiration zu schöpfen; wir müssen unseren Sinn und unser Herz ernsthaft der Unterweisung des inspirierten Wortes Gottes widmen und uns auch solcher Hilfen bedienen – von „Pastoren und Lehrern“ und ihrer literarischen Werke – die sich als in Übereinstimmung mit dem Studium der Heiligen Schrift und als hilfreich für dieses erweisen – Gebrauch machen; wir müssen uns fleißig und geduldig allen umgestaltenden Einflüssen der göttlichen Gnade und Wahrheit unterwerfen; und dann müssen wir unsere geweihten Talente, ob nun wenige oder viele, ergeben und treu dem großen Werk des Predigens des Evangeliums von diesem Königreich, für alle, die es hören wollen, hingeben.

Eine solch nüchterne Sicht der Dinge befestigt den Geist gegen Entmutigung und befähigt uns, wie der Apostel andeutet, „völlig auf die Gnade zu hoffen, die uns gebracht wird bei der Offenbarung Jesu Christi“. Eine solch nüchterne Sicht hält die Vernunft auf dem Thron unseres Geistes. Und die Vernunft sagt: Die göttliche Berufung zur Miterbschaft mit Christus beinhaltet eindeutig die Eignung für das erhabene Amt; die göttliche Verheißung sichert eindeutig die göttliche Gnade zu, um uns zu befähigen, die Bedingungen zu erfüllen; die göttliche Vorsorge für meine Rechtfertigung durch den Glauben an das kostbare Blut Christi befreit mich von der Verurteilung zum Tode; und die Gerechtigkeit Christi, die mir durch den Glauben zugerechnet wird, gleicht alle meine Schwächen vollständig aus, so dass ich vor Gott in Ihm bewährt dastehe. Die nüchterne Vernunft sagt auch: Die Anweisungen in der Heiligen Schrift für diejenigen, die den Wettlauf laufen wollen, sind deutlich und eindeutig und machen jedem, die dem Herrn wirklich und vollständig geweiht sind, jeden Schritt des Weges deutlich. Die Beispiele des Herrn und der Apostel erstrahlen auf dem Weg mit einem moralischen Glanz und einer Herrlichkeit, die uns nicht in die Irre führen können. Wenn wir in ihren Fußstapfen wandeln, werden wir mit Sicherheit dasselbe Ziel erreichen.

Lassen wir uns deshalb in dieser nüchternen Betrachtung unserer Hohen Berufung und ihrer Vorrechte und der reichlich vorhandenen Mittel der göttlichen Gnade nicht entmutigen oder in irgendeiner Weise überwältigen, sondern hoffen wir bis zum Ende auf die Gnade (Gunst), die uns bei der Offenbarung Jesu Christi – bei Seinem Zweiten Advent – zuteilwerden wird. Die Kirche hat während des gesamten Zeitalters ihrer Bewährung und Prüfung viel von der göttlichen Gunst genossen; aber die Gnade, die bei der Erscheinung Jesu Christi offenbart werden soll – wenn Er kommt, um in Macht und großer Herrlichkeit zu regieren – ist ihre Erhöhung mit Ihm, um mit Ihm auf Seinem Thron zu sitzen. Diese herrliche Vollendung muss die Kirche während des gesamten Zeitalters stets im Blick behalten. Aber wie herrlich ist das Vorrecht derer ihrer Glieder, die am Ende des Zeitalters leben, wenn wir bereits vor unserer Verwandlung in Sein herrliches Ebenbild – in einem Augenblick, in einem Wimpernschlag – beginnen, in die Freuden unseres Herrn einzugehen.

Diejenigen, die immer noch nüchtern und treu sind und ihr Vertrauen nicht aufgegeben haben, wurden in das Geheimnis der Gegenwart des Meisters geführt; und sie wurden dazu gebracht, sich zum Essen niederzusetzen, und der Meister selbst ist dann hervorgetreten und hat ihnen gedient. Ja, unsere Herzen haben in uns gebrannt, während Er die Schriften geöffnet und uns durch das Zeugnis des Gesetzes, der Propheten und der Apostel verständlich gemacht hat, dass die Zeit erfüllt ist – dass das Ende des Zeitalters jetzt da ist und dass der Herr der Ernte anwesend ist, um das große Werk der Ernte der Früchte des kostbaren Samens zu leiten und zu überwachen, der vor langer Zeit unter Tränen gesät wurde, und jetzt mit Freude und Gesang eingesammelt werden soll; während Er uns die Schätze der göttlichen Weisheit und Gnade erschlossen hat, die im Plan der Zeitalter offenbart sind, den Gott vor der Gründung der Welt festgelegt hat, den Er in den vergangenen Zeitaltern schrittweise verwirklicht hat und der sich jetzt seiner glorreichen Vollendung nähert.

Oh, welch ein Festmahl, welch eine Freude gab es am Tisch des Herrn, als einer nach dem anderen der Schätze der göttlichen Gnade für uns geöffnet wurden und die Herrlichkeit des neuen Himmels und der neuen Erde und die Seligkeit aller gehorsamen Diener dessen, der auf dem Thron sitzt, um in Gerechtigkeit zu regieren, offenbart wurden; wodurch alle Tränen von allen Gesichtern getrocknet werden und wodurch die Schmach des Volkes Gottes beseitigt werden soll! Daniel hat wahrhaftig zutreffend geweissagt, als er sagte: „Glückselig der, der harrt und 1335 Tage erreicht!“ – die Tage der Zweiten Gegenwart des Herrn, wenn alles, von dem geschrieben steht, um durch Seine glorreiche Herrschaft ausgeführt zu werden, einzutreten beginnt.

Da wir nun wissen, dass wir solche Vorrechte und Hoffnungen haben, „welche sollten wir dann sein in heiligem Wandel und Gottseligkeit?“ (2. Petr. 3:11). Da wir durch diese Hoffnung gereinigt wurden, sollten wir uns da nicht mehr, wie der Apostel ermahnt, nach den früheren Begierden (Wünschen und Ambitionen, die wir hatten) in unserer Unwissenheit formen, sondern, da der, der uns berufen hat, heilig ist, sollten wir nicht auch in jeder Art von Gespräch – in all unseren Worten und Taten – heilig sein? Da es geschrieben steht: „Seid heilig, denn ich (der Herr) bin heilig“ (1. Petr. 1:15, 16), sollten wir, die wir berufen sind, an Seiner Natur und Herrlichkeit teilzuhaben, nicht auch heilig sein?

Einige Christen sind der irrigen Meinung, dass Gott die ganze Umgestaltung vornimmt und dass Seine Kinder passiv in Seiner Hand bleiben sollen. Aber Petrus drückt dies nicht so aus. Er ermahnt uns, dass wir uns selbst nach den göttlichen Anweisungen umgestalten müssen. Es hat ein Werk in uns und um uns zu geschehen, und diejenigen, die sich nicht aufmachen und nicht handeln, sondern passiv dasitzen und darauf warten, dass der Herr ihretwegen Wunder vollbringt, werden stark verführt und machen es dem Feind leicht, sie zu überwinden. Denn der Feind wird die Gelegenheit sicherlich nutzen, um ihnen die Hände und Füße zu binden und sie in die äußere Finsternis zu werfen, es sei denn, sie raffen sich auf, um ihre eigene Errettung mit Furcht und Zittern zu bewirken [Manna vom 19. März, Hervorhebung von uns], während Gott, mit ihren aufrichtigen Bemühungen zusammenarbeitend, „in ihnen wirkt, sowohl das Wollen als auch das Wirken, nach seinem Wohlgefallen“ (Phil. 2:12, 13). „Wachet und betet“, Geliebte, damit euch keiner dieser Fallstricke des Feindes einfängt und euch um euren Lohn betrügt.

R3149-3150