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DER HERR IST MEIN HIRTE – PS. 23.

Der Herr, der Sein Volk Seine Schafe nannte, wählte ein sehr bezeichnendes Sinnbild des Charakters, den Er gerne bei ihnen offenbart sehen möchte. Die bemerkenswertesten Eigenschaften der Schafe sind Sanftmut, Fügsamkeit und Gehorsam gegenüber dem Hirten, dessen Fürsorge sie sich völlig anvertrauen. Sie sind dem Hirten sehr treu: Sie lernen seine Stimme kennen, achten auf die Zeichen seines Willens und gehorchen ihm vertrauensvoll. Wenn sie seine Stimme hören, laufen sie schnell und ohne das geringste Zögern oder Zaudern los, um ihm zu gehorchen. Aber der Stimme eines Fremden folgen sie nicht, denn sie kennen die Stimme von Fremden nicht.

Was für eine Lektion für die „kleine Herde“ des Herrn, über die Er als guter Hirte wacht. Selbst das schwächste Lamm in der Herde kennt Seine Stimme und hört Ihn sagen: „Dies ist der Weg, wandelt darauf!“ [Jes. 30:21]. Und während Tausende von Stimmen rufen, jetzt in diese, jetzt in jene Richtung, wenden sich die Schafe des Herrn, die mit Seinem Geist und Seinem Wort vertraut sind, von allen anderen Stimmen ab, außer der wohlbekannten Stimme des Hirten. Auf verschiedene Weise spricht unser Hirte zu Seiner Herde von Schafen und Lämmern. Seine geschriebenen Worte, die im Herzen bewahrt werden, weisen ständig den Weg der Wahrheit; Seine besonderen Fügungen formen den besonderen Weg jedes Einzelnen weiter; und die beständige Gegenwart Seines Heiligen Geistes offenbart jedes Eindringen eines anderen Geistes, der zu verführen und in die Irre zu führen sucht. Das wahre Schaf wird sorgfältig dem leisesten Ton der Stimme des Hirten Gehör schenken, d.h. es wird Seine Worte in seinem Herzen bewahren, Seine Vorsehungen beobachten und es wird die Gemeinschaft und den persönlichen Umgang mit dem Herrn pflegen, welches sein Vorrecht ist. Diejenigen, die so in Ihm bleiben, können niemals irregehen.

„Sie können niemals, niemals den Weg verlieren [Manna vom 15. Dezember]. Sie mögen nicht viel studiert haben und wären menschlich gesehen nicht in der Lage, sich mit allen Sophistereien des Irrtums auseinanderzusetzen. Aber da sie die Stimme des Meisters so gut kennen, erkennen sie schnell, dass solche Stimmen die Stimmen von Fremden sind, und sie werden ihnen nicht folgen; denn sie sind nur dem Hirten treu und gehorsam.

In einem solchen Verhalten von Sinn und Herz liegt unsere einzige Sicherheit inmitten all der Schwierigkeiten und Verwirrungen dieses Tages des Unglücks. Und alle, die so denken, können getrost mit dem Psalmisten singen:

„Der Herr ist mein Hirte, mir wird nichts mangeln. Er lagert mich (ich komme zur Ruhe – die Ruhe des Glaubens) auf grünen Auen (mit reichlich sättigender Nahrung), er führt mich zu stillen Wassern (tiefe, erfrischende Wahrheiten). Er erquickt meine Seele (holt sie vom Tod zurück), er leitet mich in Pfaden der Gerechtigkeit um seines Namens willen (weil ich sein Kind bin und seinen ehrwürdigen Namen trage). Und wenn ich wanderte im Tal des Todesschattens (die gesamte Reise des Lebens seit dem Sündenfall war ein Tal der Tränen, über dem der Schatten des Todes liegt), fürchte ich nichts Übles; denn du bist bei mir; dein Stecken und dein Stab, sie trösten mich (Dein Wort und deine Vorsehung üben Erziehung und leiten mich auf dem Weg)“. Die Vorsehung unseres Hirten übt nicht nur Erziehung bei den wahren Schafen, sondern schützt sie auch vor den „Wölfen” und anderen Feinden.

Mit dem Propheten können wir auch sagen: „Du bereitest vor mir einen Tisch angesichts meiner Feinde (denn selbst wenn wir von Satan und der Sünde bedrängt werden, werden wir durch die reichhaltige Versorgung des Herrn mit allem Notwendigen gestützt) ; du hast mein Haupt mit Öl (der Freude) gesalbt, mein Becher (der Freude) fließt über (selbst wenn ich als Pilger mit den Schwierigkeiten des Lebens konfrontiert bin)). Und angesichts der gegenwärtigen und vergangenen Führung des Herrn können alle, die weiterhin wahrhaftig Seine Schafe sind, mit Sicherheit darauf vertrauen, dass „Güte und Huld mir folgen werden alle Tage meines Lebens; und ich werde für immer wohnen im Haus des Herrn (als Mitglied des Haushalts, als Sein Kind anerkannt werden)“. Lasst uns danach streben, den sanften, fügsamen und treuen Charakter der Schafe immer mehr zu pflegen, damit wir durch die Fürsorge des guten Hirten reichlich gesegnet werden. Eine solche Gesinnung findet in der Welt keinen Anklang – der eigensinnige Bock, der kühne Löwe oder der heimliche Bär, die listige Schlange und der bösartige Vampir sind passendere Symbole für ihre Ideale und werden in der Regel als Wappensymbole ausgewählt. Aber lassen wir die Welt das Ihre lieben, während wir uns daran erinnern, dass wir nicht von der Welt sind, sondern als Schafe unter die Wölfe gesandt sind, und dass unsere Sicherheit und unser geistlicher Wohlstand nicht von unserer eigenen Weisheit und Klugheit abhängen, sondern ganz und gar davon, dass wir fleißig auf die Stimme des guten Hirten hören und ihr geduldig folgen, denn Er wird seine Kleine Herde sehr bald hoch erheben und sie mit einer überaus großen und ewigen Herrlichkeit krönen.