DIESE ERNSTEN ERMAHNUNGEN des treuen Apostels der Heiden wurden in seinem edlen Lebensweg am deutlichsten veranschaulicht. Er scheute keine Gefahr, schreckte vor keiner Arbeit, keinem Vorwurf und keiner Entbehrung zurück und ertrug tapfer und fröhlich die Härte und den Verlust aller zeitlichen Dinge, um Christus zu gewinnen und sich bei Ihm zu bewähren. Wenn wir uns einen solchen Weg ansehen und die Standhaftigkeit und Charakterstärke betrachten, die für einen solchen Lauf erforderlich sind, können wir durchaus zu dem Schluss kommen, dass wir, wenn wir nicht in ähnlicher Weise mit der Hilfe der göttlichen Gnade ausgestattet sind, nicht in der Lage sein werden, bis zum Ende auszuharren.
Paulus eilte in diesem Wettlauf voran, nicht aus eigener Kraft, sondern aus der Kraft, die Gott ihm verlieh. Und die Verheißung einer solchen Hilfe gilt uns nicht weniger als ihm. Die göttliche Gnade wird uns durch die überaus großen und kostbaren Verheißungen Gottes zuteil, die uns mit neuen und herrlichen Hoffnungen jenseits des Verfalls und des Ruins der gegenwärtigen Ordnung der Dinge inspirieren. Wenn wir es unserem Sinn erlauben, bei diesen Gedanken zu verweilen, sehen wir im jetzt rasch herannahenden Tagesanbruch des Tages Christi einen neuen Himmel und eine neue Erde; und durch den Glauben sitzen wir zusammen mit Christus an den himmlischen Orten der Herrlichkeit und Ehre und werden zusammen mit Ihm mit Unsterblichkeit gekrönt. Durch den Glauben sehen wir auch die gesegneten Vorrechte einer solch erhabenen Stellung und das von Gott bestimmte Werk, an dem wir zusammen mit Christus beschäftigt sein werden.
Eine erschöpfte, seufzende Schöpfung wartet auf unseren Dienst der Macht; und in dem Maße, in dem wir am liebevollen, mitfühlenden Geist unseres Meisters teilhaben, werden wir in der Lage sein, ein solches Vorrecht zu schätzen. Wenn wir kalt und selbstsüchtig sind und uns das Gefühl für die Gebrechen der Erde fremd ist, wenn die Leiden unserer Mitmenschen in uns keine Gefühle des Mitleids und des Wunsches zu helfen wecken, können wir den Preis unserer Hohen Berufung nicht würdigen. Wenn wir aber im Gegenteil unsere Mitmenschen so lieben, wie Gott und Christus sie geliebt haben, wenn wir Mitleid mit ihrer Schwäche haben und an die ererbten Ursachen denken, dann werden wir ihnen nicht sämtliche ihrer Sünden und Unzulänglichkeiten persönlich anlasten. Wir werden bestrebt sein, ihren Sinn aus dem Nebel der Unwissenheit und des Aberglaubens und der Voreingenommenheit der Vorurteile zu befreien und ihnen zu mehr rationalem Denken und Handeln zu verhelfen, zu besseren Vorstellungen vom Leben und seinen Beziehungen und Verantwortlichkeiten. Wir werden versuchen, alle Stolpersteine aus ihrem Weg zu räumen, die jetzt so viele auf einen Weg des Lasters stürzen, und einen Hochweg der Heiligung zu errichten, auf dem kein Löwe der Maßlosigkeit oder etwas anderes Böses zu finden ist. Wir werden bereit sein, ihnen allen das ewige Evangelium der Erlösung zu verkünden und ihre tauben Ohren zu öffnen, damit sie hören, und ihre blinden Augen, damit sie die Erlösung Gottes sehen. Wenn wir der Welt der Sünder, die Gott so sehr geliebt hat, so viel Mitgefühl entgegenbringen, dann können wir die Vorrechte unserer Hohen Berufung wenigstens zu einem gewissen Grad würdigen, wenn wir als Miterben Christi in Seinem Königreich und Seiner Macht in der Lage sein werden, all unsere wohlwollenden Wünsche zur Aufrichtung und Heilung unserer sündenkranken Welt in die Tat umzusetzen.
Jeder, der schon einmal die Freude erlebt hat, auch nur einen Sünder von seinen falschen Wegen abzubringen oder die Füße eines der Kleinen von Christus zu festigen, kann sich vielleicht eine Vorstellung von der Freude machen, die den Dienst der Heiligen begleiten wird, wenn sie für das große Werk ihrer Millenniumsherrschaft vollständig mit göttlicher Kraft ausgestattet sind; denn sie werden nicht wie jetzt behindert werden, sondern jede Anstrengung wird von Erfolg gekrönt sein.
Das Vorrecht einer solch gesegneten Arbeit, auch abgesehen von dem kostbaren Gedanken der Vereinigung mit Christus und unserer gesegneten Beziehung zum Vater, ist eine wunderbare Inspiration für jedes wohlwollende Herz, das auch jetzt noch gerne die Lasten auf sich nehmen würde, die es bei anderen sieht, die es liebt und mit denen es Mitleid hat.
Aber obwohl wir von der Hoffnung beseelt sind, zu Gottes bestimmter Zeit der ganzen Welt wohlwollend zu dienen und dabei in gesegneter Gemeinschaft mit Christus zu stehen, dürfen wir nicht vergessen, dass wir noch um den Preis unserer Hohen Berufung „kämpfen“ müssen; und nicht nur das, wir müssen „gesetzmäßig“ kämpfen. Wir müssen unseren Lauf nicht nur mit Fleiß, Energie, Geduld und Ausdauer laufen, sondern wir müssen auch nach den vorgeschriebenen Regeln laufen, da sonst unsere Arbeit umsonst ist. Zunächst einmal müssen wir diesen Weg durch die „enge Pforte“ betreten – durch eine vollständige Weihung von unserem Alles für den Herrn, nachdem wir an das kostbare Blut Christi als unseren Lösegeldpreis geglaubt haben. Wenn wir nicht durch diese Tür eintreten, werden wir im Wettlauf um den Preis nicht berücksichtigt, egal wie eifrig wir laufen. Dies ist die erste Regel für diejenigen, die so laufen wollen, um ihn zu gewinnen. „Geht ein durch die enge Pforte ... denn eng ist die Pforte und schmal der Weg, der zum Leben führt, und wenige sind, die ihn finden“ [Mt. 7:13, 14].
So eingetreten, drängt der Apostel jetzt darauf, dass wir mit dem Geist Christi erfüllt werden, damit wir nicht von den Begierden des Fleisches von Gott und von dem Weg, den Er uns vorgezeichnet hat, weggeführt werden. Dann muss der Leib, die menschliche Natur, unter der Kontrolle des neuen Sinnes, des Geistes Christi in uns, gehalten werden. Seine Ambitionen, Hoffnungen und Wünsche müssen niedergehalten werden; und der einzige Weg, dies zu tun, besteht darin, sich stets mit dem Geist erfüllt zu sein. „Wandelt im Geist, und ihr werdet die Lust des Fleisches nicht vollbringen“ – Gal. 5:16.
Wenn wir vom Geist erfüllt sind – mit demselben Sinn, der in Jesus Christus war – werden wir aus denselben Motiven heraus handeln: Es wird unsere Speise und unser Trank sein, den Willen des Vaters zu tun. Wir werden uns für Seine Sache einsetzen, weil wir es gerne tun, auch wenn wir nicht an den inspirierenden Preis am Ende unseres Weges denken. Christus war so voller Mitgefühl für die Menschheit und so vollständig eines Sinnes mit dem Vater, dass Er gar nicht anders konnte, als Sein Leben dem Wohle anderer hinzugeben. Doch bei all Seinen Bemühungen hielt Er sich strikt an den göttlichen Plan. Obwohl Er, wie der Vater, die ganze Welt liebte, ging Er nicht über Israel hinaus, um die Heiden mit Seinem Dienst zu segnen, weil die Zeit für dieses Werk noch nicht gekommen war.
Jesus beachtete Gottes Zeiten, Zeitabschnitte und Methoden. Er hat Sein Leben niemals leichtfertig aufs Spiel gesetzt, bis Er anhand der Propheten erkannte, dass Seine Stunde gekommen sei, in die Hände Seiner Feinde überliefert zu werden. Er sprach keine langen Gebete an den Straßenecken, um von den Menschen gehört zu werden, Er hielt keine leidenschaftliche Rede, um die Menschenmenge zu ermahnen. Wie der Prophet angedeutet hat, erhob Er Seine Stimme nicht und schrie nicht laut in den Straßen (Jes. 42:2). Er wählte Gottes Methoden, die vernünftig, weise und wirksam sind bei der Auswahl der Klasse unter den Menschen, die nach Seinem Wunsch Erbe des verheißenen Königreiches werden soll. Diejenigen, die so laufen wollen, dass sie den Preis gewinnen, müssen auf diese Fußspuren des Meisters achtgeben und immer mehr von Seinem Geist erfüllt sein [Manna vom 7. August, Hervorhebung von uns].
Die Gesinnung Christi zu haben ist in der Tat die einzige Forderung gesetzmäßigen Strebens - eine Gesinnung, die sich demütig und treu dem Willen Gottes, so wie er in Seinem großen Plan der Zeitalter ausgedrückt ist, unterordnet und die ihre ganze Energie der Erfüllung Seines Willens widmet, da sie verständnisvoll die Endziele, die Er im Auge hat, würdigt. Wenn wir so mit der gleichen Gesinnung, die in Christus Jesus war, erfüllt sind, werden wir uns wie Er wünschen, so frei wie möglich von verwickelnden irdischen Angelegenheiten zu sein und so viel freie Zeit wie nur möglich für den Dienst des Herrn zu haben und dann alle Energie, Fähigkeiten und Anstrengungen für diesen Dienst hinzugeben [Manna vom 27. April, Hervorhebung von uns]. R3069-3070