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SABBATESSEN UND IHRE NUTZUNG
- LK. 14:1-14 -
„Jeder, der sich selbst erhöht, wird erniedrigt werden, und wer sich selbst erniedrigt, wird erhöht werden“.

Soweit wir wissen, hat unser Herr Jesus niemals eine Einladung zu Festen, Banketten usw. abgelehnt, zu denen er zusammen mit Seinen Jüngern eingeladen wurde. Die vorliegende Lektion berichtet uns von einem solchen Bankett, das wahrscheinlich zu Ehren Jesu von einem Pharisäer, der als Vorsteher der Synagoge eine hohe gesellschaftliche Stellung innehatte, speziell angeordnet wurde. Das Festmahl war, wie so oft, auf den Sabbat angesetzt, da viele Sabbatfeste recht üppig waren; aber die Speisen wurden immer kalt serviert, da es Teil des jüdischen Gesetzes war, dass am Sabbat kein Feuer entfacht und keine Speisen gekocht werden durften. Und obwohl wir als Christen völlig frei sind von den jüdischen Gesetzen, einschließlich des vierten Gebots sowie aller anderen Gebote des Dekalogs, sondern unter einem neuen Gebot stehen, dem vollkommenen Gesetz der Liebe zu Gott und den Menschen, geben wir dennoch zu, dass man einen beträchtlichen Segen erfahren und zusätzliche Gelegenheiten zur geistlichen Entwicklung genießen könnte, wenn Christen am Samstag eine doppelte Portion kochen würden und sich so an diesem Tag, den wir gemäß den Gesetzen des Landes (wenn auch nicht gemäß irgendeinem Gesetz der Heiligen Schrift) angemessen einhalten, indem wir uns der gewöhnlichen Geschäfte des Lebens enthalten und die Freizeit für Gottesdienst, Studium und geistliche Gemeinschaft nutzen.

Offensichtlich bemerkte unser Herr, bevor er den Speisesaal betrat, wahrscheinlich im Vorhof, umgeben von vielen angesehenen Schriftgelehrten und Pharisäern, einen Mann, der an Wassersucht litt; und es scheint, dass unser lieber Erlöser so voller Liebe und Mitgefühl war, dass er den Wunsch hatte, jeden Menschen, mit dem Er direkt in Kontakt kam, zu segnen und zu heilen. Der so offenbarte liebevolle Charakter gibt uns die Gewissheit, dass, wenn das Königreich kommt und unser Herr Seine große Macht an sich nimmt und regiert, Er sicherlich alle segnen und aufrichten wird, die Seine Gnade in angemessener Weise annehmen – alle, die wahrhaftig den Wunsch haben, von Ihm gesegnet zu werden. So bestätigt und untermauert der allgemeine Charakter unseres Herrn alle prophetischen Aussagen, die über Ihn und das Wesen Seines tausendjährigen Werkes, alle Familien der Erde zu segnen, gemacht wurden.

Unser Herr wusste sehr wohl, wie extrem der Fanatismus der Juden war, insbesondere der äußerlich frommen und formellen, deren Repräsentanten jetzt um ihn versammelt waren. Er wusste, dass sie die Heilung des Wassersüchtigen als einen Verstoß gegen den Sabbat betrachten würden. Um die Heiligkeit des Sabbats zu veranschaulichen, erzählt der jüdische Talmud von einem Fall, in dem ein Haus in Brand geriet und drei junge Mädchen verbrannten, nur weil ihre Freunde und Nächsten das Gesetz gegen das Entzünden eines Feuers so auslegten, dass es auch verboten sei, am Sabbat ein Feuer zu löschen, und als sie hinsichtlich der Angelegenheit angesprochen wurden, lautete die Antwort, dass es sich um „ein annehmbares Opfer für Gott“ handele, „der sie dafür belohnen würde, dass sie lieber ihre Lieben sterben ließen, als Sein Gebot zu brechen!“

Jesus wollte nicht nur diese falsche Auslegung des Gesetzes verbessern, sondern auch, in Übereinstimmung mit Seiner Gewohnheit, einen Großteil Seiner Wunder am Sabbat vollbringen; denn dieser Tag symbolisierte den kommenden Tag des Tausendjährigen Reiches, den großen siebten Jahrtausendtag, an dem Er, nachdem Sein Millenniumkönigreich errichtet ist, allen Menschen Segen in Form von geistiger, moralischer und körperlicher Heilung zuteilwerden lassen wird. Um Seine Jünger und die Pharisäer über die unzulängliche Auffassung des Sabbats aufzuklären, die von religiösen Lehrern allgemein vertreten wurde, fragte unser Herr die Pharisäer, was sie zu diesem Thema zu sagen hätten: Ist es erlaubt, am Sabbat zu heilen, oder nicht? Sie gaben keine Antwort; zweifellos fühlten sie sich etwas unfähig, mit jemandem zu diskutieren, den sie alle als großen Lehrer anerkannten, so sehr sie auch Seine Messianität ablehnten.

Dann zeigte Jesus ihnen Sein eigenes Verständnis der Angelegenheit, dass es richtig und in Übereinstimmung mit dem Geist des Gesetzes sei, einen Menschen am Sabbat zu heilen, berührte den Wassersüchtigen und heilte ihn. Dann wies Er Seine Zuhörer auf die Widersprüchlichkeit ihrer Denkweise in dieser Frage hin und erinnerte sie daran, dass es ein anerkanntes Privileg und eine Pflicht jedes Juden sei, seinen Ochsen oder Esel, der in eine Grube oder in Schwierigkeiten geraten sei, zu befreien und dies als eine notwendige und barmherzige Tat zu betrachten, die nicht durch das vierte Gebot des jüdischen Gesetzes verboten sei. Er ließ seine Zuhörer aus diesem Beispiel den Schluss ziehen, dass es nicht falsch sein könne, einem stummen Tier am Sabbat aus einer Notlage zu helfen, und dass es erst recht nicht falsch sein könne, einem Menschen, der nach dem Bild Gottes geschaffen ist, aus seiner Not zu helfen. Damit wollte er zeigen, dass Gottes Gesetze nicht willkürlich sind, sondern dass es immer richtig ist, Gutes zu tun.

DIE RICHTIGE ART VON TISCHGESPRÄCHEN.

Jede christliche Familie sollte die hervorragenden Gelegenheiten nutzen, die sich während den Mahlzeiten für gemeinsame Gespräche bieten. Angenehme und nutzbringende Gespräche fördern nicht nur die Verdauung und sind somit körperlich hilfreich, sondern diese regelmäßigen Familienzusammenkünfte sollten auch als Gelegenheiten für geistlichen Gewinn und für das Erweitern des Wissens über weltliche und geistliche Dinge angesehen werden. Insbesondere in den letzten vierzehn Jahren war dies Brauch in der Familie des Bibelhauses in Allegheny – und zwar ein sehr gewinnbringender. Unsere Themen werden in der Regel in Form von Fragen gestellt, wobei jeder am Tisch das Recht hat, Fragen zu stellen. Die Antworten auf die Fragen werden von allen Anwesenden gesucht, was das Denken und die richtige Ausdrucksweise anregt, was für alle sehr hilfreich ist, da sie später möglicherweise aufgefordert werden, eine solche Frage vor anderen in der Öffentlichkeit oder privat zu beantworten. Wir empfehlen allen unseren Lesern diese Methode und schlagen vor, dass bei einem solchen Treffen derjenige, der sich mit solchen Angelegenheiten am besten auskennt, seine Antwort bis zum Schluss zurückhält.

Wenn die Familie ausschließlich aus „Neuen Schöpfungen“ besteht, unterscheiden sich die Fragen in ihrer allgemeinen Art etwas von denen, die in einer gemischten Schar gestellt würden. Dennoch sollten geeignete Themen niemandem vorenthalten werden, beispielsweise Fragen bezüglich Tischmanieren, guter Erziehung, angemessener Sprache, Ereignissen des Tages, die nicht den Charakter von Klatsch haben, usw. Es ist schade, dass christliche Menschen, selbst in den bescheidensten Lebensverhältnissen und vielleicht von Armut umgeben, nicht daran denken, welche wertvollen Gelegenheiten sich in solchen Momenten des Brotbrechens bieten – nämlich ihren Familien auch geistliche oder seelische Nahrung zu geben, die sie stärkt und erhebt.

In dem Maße, wie Christen sich ihrer Privilegien und Pflichten in solchen Angelegenheiten bewusstwerden, werden sie feststellen, dass Grobheit und Unhöflichkeit bei Tisch verschwinden und durch Kultiviertheit und Intellektualität nach und nach ersetzt werden. Und eines der Merkmale, das am meisten zu wahrer Tischkultur beiträgt und die Herzen und den Sinn in wahrer Gemeinschaft und intellektuellem Genuss während der Mahlzeiten zusammenführt, ist die Danksagung an Gott – die Erkenntnis, dass jede gute und vollkommene Gabe von unserem Vater herabkommt. Eine Familie, die es versäumt, am Tisch dem Geber aller guten Gaben zu danken, wird kaum in der Lage sein, einander richtig anzuerkennen und eine geistige Gemeinschaft miteinander zu haben.

Dass unser Herr alle Gelegenheiten zu Tischgesprächen bereitwillig nutzte, ist ganz offensichtlich. Jedes Mal, wenn Er an einem Gastmahl teilnahm, nutzte Er die Gelegenheit, um eine Wahrheit zu vermitteln – sei es eine natürliche oder eine geistliche. Im vorliegenden Fall hielt Er Seine Zuhörer offenbar nicht in einer günstigen Bedingung für hohe geistliche Lehren, und daher bewegte sich Sein Tischgespräch auf einer niedrigeren Ebene, mit Anpassung an den natürlichen Menschen, vermittelte aber dennoch Lektionen, die, wenn sie gelernt wurden, die Lernenden auf die himmlischen Dinge vorbereiten würden. Und das sollte in jedem Familienkreis der Gedanke sein – dass alle Gespräche sowohl edel als auch lehrreich sein sollten – dass sie sowohl nach oben als auch nach außen führen sollten.

Die Gäste waren an den Tisch gebeten worden, und unser Herr bemerkte, wie jeder von ihnen nach den Ehrenplätzen suchte und damit den Stolz und Ehrgeiz seines Herzens offenbarte. Wir können mit Sicherheit davon ausgehen, dass unser Herr und Seine Jünger die weniger angesehenen Plätze einnahmen, in Übereinstimmung mit der biblischen Aufforderung: „In Ehrerbietung einer dem anderen vorangehend” [Röm. 12:10].

Als sich eine günstige Gelegenheit bot, machte unser Herr indirekt auf den falschen Weg der Selbstsucht aufmerksam – nicht indem Er etwas gegen die Handlung in diesem speziellen Fall sagte, sondern indem Er allgemein auf ein angemessenes Verhalten hinwies; Er stützte Seine Veranschaulichung auf ein Hochzeitsfest, bei dem mehr als bei jedem anderen Fest Unterschiede in Bezug auf Titel, Ehre und Stellung eine große Betrachtung fanden. Wie es Seine Gewohnheit war, lehrte Er anhand eines Gleichnisses und ließ Seine Zuhörer die Schlussfolgerung ziehen und die Anwendung in gewisser Weise auf das Festmahl anwenden, zu dem sie sich gerade versammelt hatten; und Er schloss damit, indem Er daraus eine wichtige Lektion über einen allgemeinen Grundsatz machte: nämlich: „Wer sich selbst erhöht, wird erniedrigt werden, und wer sich selbst erniedrigt, wird erhöht werden“ – eine Lektion von entscheidender Bedeutung für alle, die sich auf das Königreich vorbereiten und in es eintreten wollen.

Dies ist eine bedeutende Lektion, die nicht nur für die natürlichen Menschen Anwendung findet, die nach einer Rückkehr zur Gemeinschaft und Harmonie mit Gott streben, sondern auch für die „“Neuen Schöpfungen“ auf ihrem gesamten Lebensweg – dass man, wenn man göttliche Gunst begehrt und erwartet, diese auch suchen muss; nicht in Stolz, nicht in Selbstgenügsamkeit, sondern in Demut. Der Herr widersteht den Hochmütigen, den Selbstgenügsamen, den Prahlerischen und erweist den Demütigen Seine Gunst. Der Apostel Jakobus macht ebenfalls auf die Bedeutung dieser Gnade der Demut aufmerksam und versichert uns, dass auf dem Weg zu Gott kein wahrer Fortschritt erzielt werden kann, außer durch die Demütigen (Jak. 4:10). Und der Apostel Petrus ermahnt zur Demut mit den Worten: „Alle aber seid gegeneinander mit Demut fest umhüllt“, und fügt hinzu: „So demütigt euch nun unter die mächtige Hand Gottes, damit er euch erhöhe zur rechten Zeit“ – 1. Petr. 5:5, 6.

Hätten die Zuhörer die Botschaft angenommen und sich dadurch einer Besserung unterworfen, hätte dies möglicherweise einen erheblichen Unterschied in ihrer Stellung unter ihren Brüdern, den Pharisäern, bewirkt, aber es hätte auch einen erheblichen Unterschied zu ihren Gunsten bei Gott bewirkt. Durch die Annahme eines solchen Geistes der Demut wären sie in eine Beziehung zu Gott und zur Wahrheit gekommen, die göttliche Zustimmung gefunden hätte, und dies wäre ein Sprungbrett zu weiterer Gunst gewesen, indem es ihre Herzen darauf vorbereitet hätte, die guten Dinge zu empfangen, die Gott zu geben hat, die aber nur von demütigen Herzen empfangen werden können. Tatsächlich kennen wir heute nichts, was für die Mehrheit der nominellen Christenheit ein so großes Hindernis darstellt wie der vorherrschende Geist der Selbstsucht. Er ist eine große Barriere vor dem Sinn vieler Menschen, sowohl innerhalb als auch außerhalb der Kanzel, und hindert sie ständig daran, die gegenwärtige Wahrheit zu sehen, zu hören und zu befolgen – sie lieben die Zustimmung der Menschen mehr als die Gottes.

Das Tischgespräch bewegte sich später in eine andere Richtung, wobei wahrscheinlich viel gesagt wurde, was nicht aufgezeichnet wurde, weil es nicht relevant war; aber bevor das Festmahl zu Ende war, bot sich dem Herrn eine passende Gelegenheit, Seinem Gastgeber einige Ratschläge zu geben, und dies geschah auf so freundliche und weise Weise, dass es sicherlich niemanden beleidigen konnte, sondern im Gegenteil die Gedanken aller Zuhörer zu höheren und himmlischen Dingen geführt haben muss. Er riet, die Festmahle der Wohlhabenden dieser Welt auch auf ihre ärmeren, weniger glücklichen Nächsten und Freunde auszuweiten, und versicherte Seinen Zuhörern, dass ein solcher Weg den größten Segen bringen würde, da jede gute Tat ihren Segen mit sich bringt, und zwar unmittelbar – im Bewusstsein, Gutes getan zu haben, und in der Wirkung, die jede gute Tat, jede Wohltat auf das eigene Herz hat. Und zusätzlich zu diesen Segnungen wies unser Herr darauf hin, dass für einen solchen Menschen auch in der Zukunft ein Segen bereitstünde – eine Belohnung, die jede solche Wohltat voll und ganz entschädigen würde.

Die Worte unseres Herrn waren zum Teil eine Anerkennung des Weges, den sein Gastgeber eingeschlagen hatte, indem er Ihn und Seine Apostel zum Abendessen einlud, denn sie waren arm. Indirekt bedeuteten Seine Worte, dass, wenn dieses Festmahl mit der richtigen Herzenshaltung gegeben wurde, wovon wir mit Fug und Recht ausgehen können, Sein Gastgeber für Sein Verhalten in Zukunft eine Belohnung erwarten durfte – zusätzlich zu dem Segen, der durch die Anwesenheit und die lehrreichen Worte unseres Herrn bereits in Sein Haus gekommen war.

In Kommentaren zu Sonntagsschulstunden findet man Fehlinterpretationen des Segens, den unser Herr denen versprochen hat, die die Armen aufnehmen. Einer dieser Kommentare sagt zu diesem Punkt: „Unser Herr bezieht sich auf die Erste Auferstehung, die in Offenbarung 20:4, 5 erwähnt wird, und versichert ihm, dass er bei dieser Auferstehung als einer dieser Herrlichen auferstehen wird. Er wird die Belohnungen erhalten, die Gott den Gerechten gibt und nur ihnen geben kann“.

Das ist ein schwerwiegender Irrtum, eine Fehlinterpretation der Aussage unseres Herrn. Die Erste Auferstehung wird nicht allein dadurch erreicht, dass man eine gute Tat für die Würdigen oder Unwürdigen unter den Armen tut. Wie im Zusammenhang erläutert (Offb. 20:4), wird niemand an der Ersten Auferstehung teilhaben, außer denen, die „um des Zeugnisses Jesu und um des Wortes Gottes willen enthauptet waren“. Und, obwohl diese Enthauptung bildlich und nicht buchstäblich ist, hat sie nichtsdestoweniger eine tiefe Bedeutung und bedeutet viel mehr als nur ein Festmahl für die Armen zu veranstalten. Sie bedeutet nicht nur den Tod des eigenen Willens, sondern auch das Abgeschnittensein von allen anderen Häuptern, Regierungen und Gesetzgebern und die Anerkennung keines anderen „Hauptes“ als Jesus, den Gott zum Haupt der Kirche, die Sein Leib ist, ernannt hat – zum Haupt eines jedes Gliedes des Leibes.

Das bedeutet nicht nur, von allen Häuptern der Institutionen und Autoritäten abgeschnitten zu sein, sondern auch aufzuhören, ein eigenes Haupt und einen eigenen Willen zu haben und stattdessen unseren Herrn Jesus als Haupt - Seinen Willen - anzuerkennen. Auf denselben Gedanken lenkt der Apostel unsere Aufmerksamkeit in Röm. 6:3, indem er erklärt, dass die Kleine Herde in den Leib Christi hinein getauft worden ist, als Glieder dieses Leibes unter dem einen Haupt, Christus, indem sie in Seinen Tod getauft wurde – eine völlige Weihung des Willens und ein völliges Niederlegen des Lebens, getreu bis in den Tod [Manna vom 7. November]. Das Erreichen dieser Ersten Auferstehung und der Miterbschaft mit Christus im Millenniumkönigreich wurde vom Apostel Paulus deutlich verstanden und war sein Ziel: In diesem Zusammenhang sagte er: „Ich achte auch alles für Verlust wegen der Vortrefflichkeit der Erkenntnis Christi Jesu, meines Herrn, um dessentwillen ich alles eingebüßt habe und es für Dreck achte, damit ich Christus gewinne ... um ihn zu erkennen und die Kraft seiner Auferstehung“ (Phil. 3:8, 10). Hätte der heilige Paulus die Worte unseres Herrn so verstanden wie der oben zitierte Kommentator der Sonntagsschulstunde, hätte er sich für den einfachen und angenehmen Plan entschieden, die Armen zu bewirten, anstatt die Jahre der Entbehrung und Selbstaufopferung auf dem schmalen Weg, den er beschritt. Und dazu passen die Worte unseres Herrn bei einer anderen Gelegenheit: „Durch viele Trübsal werdet ihr in das Königreich eingehen“.

Was also wollte unser Herr als Belohnung für eine gute Tat versprechen, die ohne Hoffnung auf Belohnung im gegenwärtigen Leben vollbracht wurde? Wir antworten, dass Er dasselbe versprechen wollte, was Er jedem versprochen hatte, der auch nur einen Kelch kaltes Wasser einem Seiner Jünger gab. Er wollte ihnen versichern, dass all diese Menschen auf keinen Fall ihre Belohnung verlieren würden (Mt. 10:42). Keine Belohnung in Form von Ruhm, Ehre, Unsterblichkeit und Miterbschaft im Reich Gottes, sondern eine gute Belohnung, die die von ihnen geleistete Güte mehr als nur wettmacht. Diese Belohnung für alle, die Gutes getan haben, sei es für die Armen dieser Welt oder insbesondere für den Herrn und Seine treuen Brüder, die in Seinen Fußstapfen wandeln, wird ihnen nicht bei der Ersten Auferstehung zuteilwerden, sondern zu jener Zeit – nachdem die Erste Auferstehung die Kirche verherrlicht und das Königreich eingeleitet hat, werden die tausendjährigen Segnungen und der Beginn der Herrschaft der Gerechtigkeit jedem, der Gutes getan hat, Belohnungen bringen, ihnen helfen, voranzukommen, und sie reichlich belohnen; während alle, die Böses getan haben, als Ausgleich und Vergeltung in gewissem Maße „Schläge” erhalten werden.