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DAS WACHEN UND SEINE BELOHNUNG
- Lk. 12:35-46.-
„Wacht und betet, damit ihr nicht in Versuchung kommt“ - Mt. 26:41.

Das Gebet ist gut; es ist für das christliche Leben absolut unverzichtbar. Es bedeutet nicht nur einen lebendigen Glauben, sondern einen wachsenden Glauben. Die Erfahrung wird beweisen, dass die Vernachlässigung entweder des privaten Gebets (Mt. 6:6) oder des Gebets in der Versammlung des Volkes des Herrn (Apg. 12:12; 1:14; 16:13; 1. Kor. 11:4, 5; 14:13, 14) mit Sicherheit zu einer Verarmung der Seele und zu Lauheit in geistlichen Dingen führt – zu Untreue, Kälte und Tod. Im Gegenteil, die Gemeinschaft mit dem Herrn im Gebet bewirkt ein zunehmendes Vertrauen, dass der Herr unsere Angelegenheiten überwaltet und einen zunehmenden Glauben an alle überaus großen und kostbaren Verheißungen Seines Wortes; ein zunehmendes Bewusstsein Seiner Führung in der Vergangenheit und in der Gegenwart, vermehrte Liebe für alle Brüder in Christus und vermehrte Besorgnis um ihr Wohlergehen und ihren geistlichen Fortschritt. Daher steht das Gebet im engen Zusammenhang mit dem Fortschritt in geistlichen Dingen, mit dem Fortschritt in den Früchten des Geistes gegenüber Gott, den Brüdern und allen Menschen und wirkt darauf ein [Manna vom 24. Juli, Hervorhebung von uns].

Unsere Goldene Schriftstelle deutet jedoch an, dass mehr als nur Beten notwendig ist. Beten, das nicht vollständig die Gefühle des Herzens widerspiegelt, kann sehr schnell zu einer bloßen Förmlichkeit verkommen – man nähert sich dem Herrn mit den Lippen, während das Herz weit von Ihm entfernt ist, vielleicht in Geschäftigkeit, Vergnügungen oder Sünde versunken. Wer also auf geistlichem Wege Fortschritt machen will, muss nicht nur mit dem Geist und mit dem Verständnis beten, sondern auch wachen – gegen die sündigen Neigungen seines eigenen Fleisches – gegen Selbstbefriedigung, Selbstsucht; auch gegen die Verlockungen der Welt zu sogenannten weltlichen Vergnügungen, weltlichen Ambitionen, Ehre unter den Menschen, Geldliebe usw.; auch gegen die List des Widersachers, dessen trügerische Angriffe gewöhnlich als „Engel des Lichts” über das Volk des Herrn kommen, um es in Formen und Zeremonien der Kirchlichkeit zu verführen und ihm menschliche Gefühle, Methoden, Werke und Ziele an die Stelle des Sinnes, der Zuneigung und der geweihten Absichten zu setzen, anstelle der „Hoffnung des Evangeliums” (Kol. 1:23) und seine verschiedenen überaus großen und kostbaren Verheißungen, durch deren Ansporn der Herr uns berufen hat, im Glauben und nicht im Schauen zu wandeln und zu laufen, indem wir den Fußstapfen unseres Erlösers folgen.

Unsere Lektion selbst befasst sich insbesondere mit dem Wachen; aber in Übereinstimmung mit der Schriftstelle wissen wir, dass alle wahren Wächter auch Beter sein müssen und dass alle inbrünstigen Beter auch Wächter sein werden. Das Gebet steht für den Glauben; das Wachen steht für die Werke, die ihn begleiten müssen, solange es sich um einen lebendigen Glauben handelt; denn, wie der Apostel erklärt, ist der Glaube ohne Werke tot – er verliert schnell seine Lebenskraft, seinen Wert, seine Existenz.

Unser Herr gab, wie es seine Art beim Lehren war, ein Gleichnis, um diese Lektion über die Notwendigkeit der Wachsamkeit zu veranschaulichen.

Ein wohlhabender Hausherr wird dargestellt, der einen Großteil der Nacht auf einer Hochzeitsfeier verbringt und bei seiner Rückkehr erwartet, dass die Diener des Haushalts wach und aufmerksam sind, um ihn und seine eventuellen Begleiter zu empfangen. Von diesen Dienern wurde erwartet, dass sie sich nicht nur nicht zu Bett begaben, sondern dass sie nicht einmal schläfrig wurden. Um ihrem Herrn einen angemessenen Empfang zu bereiten, sollten sie hellwach sein, schnell hören und auf sein Klopfen reagieren und „ihm sofort öffnen“. Daher werden solche Diener in dem Gleichnis mit umgürteten Lenden und brennenden Lampen dargestellt. Zu dieser Zeit war es bei den Orientalen Brauch, lange, weite, fließende Kleider zu tragen. Diese wurden beim Ausruhen am Gürtel gelockert, aber bei der Arbeit mit einem Gürtel oder einer Schärpe fest um die Taille gebunden, damit sie bei der Arbeit nicht störten. Lampen, die zur Beleuchtung dienten, waren auch in der Nacht notwendig und durften nicht schwächer werden, sondern mussten nach Bedarf nachgefüllt werden.

Unser Herr weist darauf hin, dass solche treuen Diener von ihrem Herrn geschätzt würden und dass er ihnen eine Belohnung geben würde – er würde sie ehren, indem er sie wie seine Freunde behandeln und ihnen von den guten Dingen aus seiner Speisekammer bringen würde. Er würde sich tatsächlich als Diener gürten und diesen Treuen dienen. Und wenn der Herr des Hauses dies tun würde, würde dies bedeuten, dass er das Allerbeste hervorbringen würde, was er besaß. Aber um die Bedingungen zu erfüllen und so für ihren Herrn annehmbar zu sein, müssen sie zu jeder Stunde der Nacht bereit sein, zu der er kommen mag.

Das Gleichnis bezieht sich zweifellos auf den Zweiten Advent unseres Herrn Jesus und weist alle Seine treuen Diener auf das richtige Verhalten hin, nämlich Wachsamkeit und Vorbereitung, um Ihn zu empfangen, wann immer Sein Zweiter Advent stattfinden möge. Es zeigt auch, dass es dem Herrn wohlgefällig war, Seinem Volk nicht definitiv und eindeutig zu offenbaren, wann es Seine Ankunft zu erwarten habe, sondern dass es vielmehr während der ganzen Nacht, die wir als Evangelium-Zeitalter bezeichnen und die notwendigerweise dem Morgen des Millenium-Tages vorausgehen muss, ständig wachsam und aufmerksam sein, auf Ihn warten und bereit sein sollte, Ihn jeden Augenblick zu empfangen. Sie sollten die Lenden ihres Sinnes umgürtet haben und aktiv sein in Gedanken, Worten und Taten, in jeder Angelegenheit, die den Dienst des Meisters betrifft, damit sie sich bei Ihm bewähren können; –– die Lampe des göttlichen Wortes, die für ihre Erleuchtung so notwendig ist, sollte bei ihnen sein und gut mit dem Öl des Heiligen Geistes versorgt sein – und gut gereinigt, im Sinne einer richtigen Auslegung des Wortes der Wahrheit, und sie sollten danach streben, durch dieses Wort ihr richtiges Verhalten und ihre richtige Herzenshaltung zu erkennen, um ihrem Meister zu gefallen.

Das Gleichnis ist sehr einfach und kann von der Klasse, für die alle Gleichnisse bestimmt sind – der geweihten Kirche – kaum missverstanden werden. Diese erkennt sofort, dass der zentrale Gedanke für sie als Diener des Herrn eine solche Bereitschaft des Herzens, des Sinnes und des Charakters sein muss, die dem Meister gefallen wird, wenn Er kommt, um Seine „Juwelen“ – Seine wachsamen, treuen Diener – zu sammeln. Dieser Gedanke an die Wiederkunft des Herrn und an die Segnungen, die Er Seinen Treuen zu dieser Zeit verheißen hat, ist der große Ansporn für die Berufenen dieses Evangelium-Zeitalters. Es ist die Gunst des Meisters und die daraus folgende Erhöhung zu einem Anteil an Seinem dann errichteten Königreich und an dem großen Werk, die Welt der Menschheit zu segnen, das dann vollbracht werden wird, wonach alle Heiligen suchen, wachen, beten und streben.

Der Apostel hat es treffend gesagt: „Jeder der diese Hoffnung auf ihn hat, reinigt sich selbst, wie er (der erwartete Meister) rein ist“ [1. Joh. 3:3]. Es ist diese Hoffnung, die die treuen Diener beständig zur Lampe des göttlichen Wortes führt, um sie zu reinigen und sich dadurch völlig wachsam zu halten, mit scharfem Gehör und scharfem Blick für alles, was sich auf den Willen des erwarteten Meisters bezieht, und mit einer Herzensreinheit und einem Kleid der Gerechtigkeit, die Ihm bei Seiner Ankunft wohlgefällig und annehmbar sein werden.

Mögen alle Wächter dieses Gleichnis voll und ganz würdigen und sich vor jeder Verführung durch den Widersacher hüten, vor dem betäubenden Einfluss der Welt und ihres Geistes und vor der Selbstsucht und Schwäche ihres eigenen Fleisches; und möge jeder sich mit den Gnaden des Geistes bekleiden und seinen Mitdienern bei diesen Vorbereitungen helfen, damit ihm so der Eingang in das ewige Königreich unseres Herrn und Erlösers Jesus Christus gewährt werde – 2. Petr. 1:4-12.

Welche große Blindheit und geistliche Verblendung in Bezug auf ein so einfaches Gleichnis zeigen doch viele, die als Lehrer im nominellen Zion gelten, in Bezug auf diese Lektion! Man beachte die Interpretation, die einer der führenden „Helfer für Sonntagsschullehrer” anbietet. Der Verfasser ist offensichtlich nicht so blind, dass er nicht sieht, dass das Gleichnis in gewisser Weise mit der Wiederkunft unseres Herrn zusammenhängt; aber er ist so geblendet von falschen Vorstellungen, falschen Lehren usw., dass er folgende Erklärung gibt:

„Die Kommen des Herrn sind für uns immer unerwartet – Sein Kommen beim Tod, Sein Kommen, um die Welt zu richten, Sein Kommen in Seinem Königreich, Sein Kommen in der Erntezeit der Menschen, Sein Kommen in den Krisen unseres Lebens, Sein Kommen mit Gelegenheiten und offenen Türen, Sein Kommen mit der Kraft des Heiligen Geistes.“

Dieser blinde Lehrer glaubt also an sieben Wiederkommen Christi, zusätzlich zu Seinem ersten Kommen vor achtzehn Jahrhunderten. Mehr noch, die von uns zitierten Worte bedeuten, dass der Verfasser glaubt, dass jedes Mal, wenn ein Tod eintritt, ein Kommen Christi stattfindet (oder möglicherweise hat er dies auf den Tod Seiner Heiligen beschränkt; aber andere Lehrer derselben Schule der Finsternis sind es gewohnt, in ihren Begräbnispredigten das Kommen des Herrn im Tod nicht nur der Heiligen, sondern fast aller Menschen anzukündigen). Dieser Schreiber behauptet weiter, dass Christus in allen Krisen sowie in allen Gelegenheiten des menschlichen Lebens kommt. Er glaubt offenbar (dürfen wir nicht sagen, er träumt? – er ist sicherlich nicht erwacht, und sicherlich ist seine Lampe nicht getrimmt und brennt nicht, noch sind die Lenden seines Sinnes umgürtet), dass es Millionen von Kommen Christi gibt. Darüber hinaus spricht er (in seinen Träumen) als Mundstück des großen Widersachers von der Erntezeit der Menschen – offensichtlich, um die Aufmerksamkeit von der Erklärung des Meisters abzulenken, dass die Erntezeit „das Ende dieses Zeitalters“ sein wird, in dem Er selbst der große Hauptschnitter sein wird und Seine treuen Diener bei der Arbeit, den Weizen (Seine Gläubigen) in Seine Scheune zu sammeln, mit Ihm vereinen wird (den geistlichen Zustand) – Mt. 13:30.

Man beachte eine weitere Methode, die Heilige Schrift zu verdrehen und die Sinne des Volkes des Herrn von der großen Wahrheit abzulenken, die überall in der Heiligen Schrift dargelegt und insbesondere in diesem Gleichnis zum Ausdruck kommt, nämlich dem Zweiten Advent unseres Herrn als König und der Pflicht aller Seiner Treuen, bereit zu sein, auf dieses Ereignis zu warten und es freudig zu ersehnen. Diese Verdrehung und Verfälschung der Heiligen Schrift dient der Abstinenzbewegung und stellt das Wachen als eine Abstinenzarbeit dar, und zwar so: „Nicht nur diejenigen, die für eine Abstinenzreform arbeiten und beten, sondern insbesondere die jungen Menschen sollten in Bezug auf die Abstinenz wach und wachsam sein. Sie sollten die Auswirkungen starker Getränke auf andere beobachten. Sie sollten ihre Auswirkungen auf die Gemeinschaft beobachten. Sie sollten auf der Hut sein vor den kleinsten Anfängen der Gewohnheit, berauschende Getränke zu konsumieren. Sie sollten nach Gelegenheiten Ausschau halten, um durch Wort und Beispiel, in der Öffentlichkeit und im Privaten, der Sache der Mäßigung zu dienen“.

Ist es da verwunderlich, dass wir den Meister über die Untreue Seines bekennenden Volkes zu dieser Zeit prophezeien hören: „Doch wird wohl der Sohn des Menschen, wenn er kommt, den Glauben finden auf der Erde?“ [Lk. 18:8]. Die Form der Frage beinhaltet die Antwort: Nein, Er wird den Glauben nicht blühend auf Erden finden – nicht vorherrschend. Andere Schriftstellen versichern uns jedoch, dass Er zur Zeit Seines Kommens eine Kleine Herde treuer Wächter finden wird – nicht viele Große, Weise oder Gelehrte, sondern hauptsächlich „die Armen dieser Welt, die reich sind an Glauben, die Erben des Königreiches“. Was Babylon im Allgemeinen betrifft, so sagt sie mit lauterer Stimme als je zuvor: Haben wir nicht alles getan? Sind wir nicht reich und haben wir nicht viel Besitz? Durchziehen wir nicht Meer und Land, um Menschen zu bekehren?

Aber der Meister wird sagen: Du bist arm und blind und elend und bloß und weißt es nicht! (Offb. 3:17). Sind deine Hochschulen, mit denen du dich rühmst, nicht gerade die Brutstätten der Untreue, die Mein Wort leugnen – die leugnen, dass Mein Werk am Anfang vollkommen war und dass die gegenwärtigen Zustände der Sünde, der Entwürdigung und des Todes die Strafen für die Übertretung Meines gerechten Gesetzes sind; die auch den Wert Meines Opfers für die Sünden leugnen, das ich dargebracht habe, damit der himmlische Vater gerecht sein und dennoch den rechtfertigen kann, der an Mich glaubt; sie leugnen, dass heilige Männer der alten Zeit sprachen und schrieben, wie sie vom Heiligen Geist getrieben wurden, und beanspruchen als „Höhere Kritiker“ eine überlegene Weisheit, durch die sie feststellen, dass Ich selbst und Meine auserwählten und inspirierten Apostel unwissend und unfähig waren und getäuscht wurden, als wir die Worte der Propheten zitierten und sie anwendeten; sie leugnen auch Meinen Zweiten Advent, um meine Kleine Herde, die Kirche, zu sammeln, um sie mit Mir in dem durch die Propheten verheißenen Königreich zu vereinen, das bald alle Familien der Erde segnen wird; sie behaupten im Gegenteil, dass alles so weitergeht, wie es von Anfang an war, dass ein Evolutionsprozess im Gange ist und dass kein Erlöser, keine Erlösung und keine Restitution notwendig sind – einige von ihnen gehen sogar so weit zu behaupten, dass keine persönliche Gottheit notwendig ist, sondern dass das, was sie die Gesetze der Evolution nennen, der Schöpfer, Erhalter und Retter der Menschheit sind.

Ist es angesichts solcher falschen Lehren an hohen Stellen und denselben Lehren, die mit mehr oder weniger Fähigkeit in ganz Babylon wiederholt werden, verwunderlich, dass Mein Volk „aus Mangel an Erkenntnis vertilgt wird“? (Hos. 4:6). Sie haben „den Schlüssel der Erkenntnis weggenommen” und versäumen es nicht nur, die Vorrechte und Gelegenheiten dieses Evangelium-Zeitalters und seines Rufes zu erlangen, sondern sie behindern auch diejenigen, die eintreten möchten, durch ihre falschen Lehren und Falschdarstellungen, indem sie Finsternis für Licht und Licht für Finsternis ausgeben – Lk. 11:52; 2. Petr. 2:1; 3:3, 4; Am. 8:11; Mt. 23:13; Jes. 5:20.

Ach, dass jemand, dessen Augen des Verständnisses in einem gewissen Maße geöffnet worden sind, sich täuschen lässt und glaubt, er könne Gott dienen, indem er in irgendeiner Weise, in irgendeinem Sinne oder in irgendeinem Maße mit Babylon zusammenarbeitet. Wahrlich, sie stehen unter dem blendenden und betäubenden Einfluss des Widersachers, wenn sie nicht klar und deutlich die Botschaft des Herrn an Sein ganzes wahres Volk zu dieser Zeit hören, dass es aus Babylon herauskommen und nicht an ihren Sünden, ihren Irrtümern, ihren falschen Lehren und den darin enthaltenen Verbrechen teilhaben soll, wegen denen schwere Plagen über Babylon und mit besonderer Härte über diejenigen kommen werden, die es besser gewusst haben, und die sich aus irgendwelchen Gründen geweigert haben, der Stimme dessen zu gehorchen, der vom Himmel spricht – unserem gegenwärtigen Herrn, König und Bräutigam – Hebr. 12:25-27; Offb. 18:4.

Unser Herr fasste das Gleichnis in wenigen Worten zusammen und sagte: „Auch ihr (nun), seid bereit! Denn in der Stunde, in der ihr es nicht meint, kommt der Sohn des Menschen“. Das bedeutet, dass Wachsamkeit für das große Ereignis der Wiederkunft des Königs absolut unerlässlich ist und ein Zeichen oder ein Indiz dafür ist, dass jemand würdig ist, ein wahrer Diener oder „Bruder“ genannt zu werden. Wir dürfen nicht den Fehler begehen, anzunehmen, unser Herr meine damit: Wacht ununterbrochen, denn ihr wisst nicht, wann ich komme. Das wäre absurd. Der zentrale Gedanke des Gleichnisses ist, dass die treuen Diener, die zur rechten Zeit wach sind und wachen, das Klopfen hören, die Gegenwart des Herrn erkennen, Ihm im Sinne des Glaubens und der Annahme Seiner Gegenwart öffnen und von Ihm in der Zeit Seiner Gegenwart belohnt werden, indem ihnen besondere Erkenntnis über himmlische Dinge zuteilwird, die „Speise zur rechten Zeit“ für ihren Trost und ihre Freude sein wird. Alle, die treu wachen, werden wissen, wann das Ereignis eintritt, so sicher, wie diejenigen, die nicht wachen, es nicht wissen werden.

Der Apostel Paulus spricht von demselben großen Ereignis und derselben Klasse von Wächtern, die er Brüder nennt; und nachdem er erklärt hat, dass das Zweite Kommen unseres Herrn wie ein Dieb und eine Schlinge über die Welt kommen wird und dass die Welt den sicheren Schwierigkeiten und dem Sturz ihrer Systeme und ihrer Politik nicht entrinnen kann, erklärt er, dass im Gegenteil „Ihr aber, Brüder, seid nicht in Finsternis, dass euch der Tag wie ein Dieb ergreife“ – ihr habt eure Lampen getrimmt und sie brennen. Wie er weiter erklärt, schlafen die Brüder, die würdig sind, die mit dieser Zeit verbundenen Schwierigkeiten zu kennen und ihnen zu entrinnen, nicht wie die anderen; sie sind wachsam, sie sind aufmerksam, und weil sie so aufmerksam sind, wissen sie von der Ankunft des Bräutigams, von der die Welt nichts weiß; und in der Zeit Seiner Gegenwart werden diese Brüder mit besonderer geistlicher Speise genährt, von der die Welt nichts weiß. Der Meister selbst sendet durch die Hände Seiner Diener zur rechten Zeit die notwendige Speise, Dinge, die neu und alt sind, zur Stärkung Seines Haushalts für diese gegenwärtige Zeit der Prüfung und zur Vervollkommnung der Heiligen für das Werk des Dienstes, zu dem Er sie berufen hat – 1. Thes. 5:1-6.

AUF WEN BEZIEHT SICH DAS GLEICHNIS BESONDERS?

Das war die Frage des Petrus. Er fragte sich, ob der Herr damit meinte, dass die zwölf besonders auserwählten Apostel diese Diener seien, die bei Seinem Zweiten Kommen wachen und auf Ihn warten müssten, oder ob das Gleichnis allgemein zu verstehen sei und bedeute, dass alle wachen sollten. Unser Herr gab keine direkte Antwort auf diese Frage, denn dies hätte dem göttlichen Plan widersprochen; eine direkte Antwort hätte gezeigt, dass unser Herr nicht in den frühen Stunden der Nacht des Evangeliums kommen würde, was im Widerspruch zu der Lehre des Gleichnisses gestanden hätte, dass man während der gesamten Nacht des Evangeliums auf Ihn warten müsse.

Um diese Frage von Petrus zu umgehen, nutzt unser Herr die Gelegenheit, um weitere Unterweisungen zu geben, und erklärt Petrus und uns allen, dass zu dieser Zeit, „dann“, d.h. zu der Zeit Seiner Wiederkunft, Seines Zweiten Advents, Er Ausschau halten und einen Verwalter ernennen würde, der die geistliche Speise an den Haushalt des Glaubens austeilen sollte; und dass ein besonderer Segen mit diesem Verwalter sein würde, wenn er treu wäre, und dass er im Falle seiner Untreue aus dem Amt entfernt würde. Die Treue dieses Verwalters würde einen größeren und fortgesetzten Dienst bei der Verteilung der Speise an den Haushalt des Glaubens zu dieser Zeit bedeuten. Aber Untreue seinerseits und eine Gesinnung, den Haushalt zu unterdrücken, würden mit Sicherheit dazu führen, dass ihm weitere Gelegenheiten zum Dienst am Haushalt versagt blieben und dass er in der Zeit der Drangsal, die dann über die Welt kommen würde, eine schwere Erfahrung mit den Ungläubigen machen würde. Und obwohl es nicht ausdrücklich gesagt wird, lässt sich durchaus ableiten, dass ein anderer an die Stelle eines solchen Verwalters treten würde, der ähnlichen Bedingungen hinsichtlich der Treue unterworfen wäre.

In gewissem Sinne und in gewisser Hinsicht ist jedes Kind Gottes ein Verwalter – ein Verwalter seiner eigenen Talente, Gelegenheiten, Vorrechte und Fähigkeiten im Dienst des Herrn; und jeder muss erkennen, dass seine Verantwortung als Verwalter in dieser Hinsicht gegenüber dem Meister besteht, der ihm die Talente gegeben hat und der von ihm Rechenschaft darüber verlangen wird – eine Wertsteigerung aufgrund ihrer richtigen Verwendung. Wir dürfen daher die Antwort unseres Herrn an Petrus nicht so verstehen, dass niemand im Haushalt außer dem einen in irgendeinem Sinne des Wortes als Verwalter betrachtet wird. Eine solche Auslegung stünde im Widerspruch zu zahlreichen Schriftstellen. Wir müssen beachten, dass es sich bei der erwähnten Verwaltung nicht um eine Verwaltung von Talenten und Gelegenheiten handelt, sondern lediglich um eine Verwaltung geistlicher Speise.

Es bedeutet auch nicht, dass am Ende dieses Zeitalters und zur Zeit der Gegenwart unseres Herrn und der Aussendung der Speise zur rechten Zeit nur der besondere Verwalter mit der Verteilung der Speise für den Haushalt zu tun haben wird, denn wie Matthäus in seiner Schilderung dieses Gleichnisses zeigt (Mt. 24:45-51), gibt es „Mitknechte”, deren Pflicht und Vorrecht es sein wird, mit diesem Verwalter bei der Verteilung der Speisen, der Ernährung des Haushalts des Glaubens, zusammenzuarbeiten. Der Gedanke scheint zu sein, dass im Interesse des Haushalts, zu seinem Trost, seiner Freude und seinem Segen der Meister zu einer geeigneten Zeit einem Seiner Diener einen Schlüssel zu den kostbaren Dingen Seines Wortes geben würde, um so reichlich „Neues und Altes” für den Unterhalt und die Freude des Haushalts bereitzustellen und dies durch zahlreiche Mitdiener sowie durch denjenigen zu verteilen, dem der Schlüssel zu dieser Haushalterschaft besonders anvertraut worden wäre.

In diesem Zusammenhang müssen wir daran denken, dass jede Haushalterschaft mit gewichtigen Verantwortlichkeiten verbunden ist, und während solche Verantwortlichkeiten nicht verschoben werden dürfen, darf auch keine von ihnen leichtfertig übernommen werden, ohne die Tatsache zu würdigen, dass jeder, der ein Diener des Haushalts des Glaubens wird, dadurch ein größeres Maß an Verantwortung nicht nur gegenüber dem Haushalt, sondern auch gegenüber dem Hausherrn hat, von dem jeder Auftrag kommt. Und jeder Diener soll daran denken, dass Untreue gewiss zu seiner Entlassung führen würde, so wie jede Äußerung demütiger Treue seinerseits ihn dem Meister und jedem treuen Glied des Haushalts angenehm machen und bedeuten würde, dass er im Dienst verbleibt, bis der Meister sagt: „Recht so, du guter und treuer Knecht! geh ein in die Freude deines Herrn“. R2692-2694