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„DER HERR BESTIMMTE AUCH SIEBZIG ANDERE“ - Lk. 10:1-11, 17-20.
„Die Ernte zwar ist groß, der Arbeiter aber sind wenige“.

UNSER HERR hatte zuvor die zwölf Apostel als Herolde Seiner selbst und des Königreiches ausgesandt (Lk. 9:1-6). Die Aussendung der siebzig erfolgte offenbar einige Zeit später, wahrscheinlich im letzten Jahr Seines Wirkens. Ihr Auftrag lautet fast wörtlich wie derjenige, den die Zwölf erhielten, obwohl sie nirgendwo als Apostel mit gleicher Vollmacht wie die Zwölf anerkannt werden. Die Tatsache, dass siebzig Männer freiwillig als Diener des Herrn auszogen, ohne Hoffnung auf irdische Belohnung oder Lohn, ist ein ausreichender Beweis dafür, dass die Lehre Jesu bereits einen starken Einfluss ausgeübt hatte. In diesem Zusammenhang erinnern wir uns an die Aussage des Apostels, dass über fünfhundert Geschwister in ihrer Erkenntnis und ihrem Eifer soweit fortgeschritten waren, dass sie für würdig befunden wurden, dem Herrn nach Seiner Auferstehung zu begegnen, was ein großes Interesse seitens einer mehrfach so großen Zahl von Menschen andeutet. Wir können vernünftigerweise annehmen, dass diese siebzig Repräsentanten einer viel größeren Schar von tief Interessierten waren. Sie wurden in die verschiedenen Städte und Dörfer gesandt, wohin der Herr selbst gehen würde. Sie sollten Ihm den Weg bereiten, indem sie das nahende Königreich verkündeten und Wunder vollbrachten, die die Echtheit ihrer Botschaft beweisen sollten.

Eine Erklärung, warum sie ausgesandt wurden, wird gegeben (Vers 2): Es war, weil die Ernte groß war und die Arbeiter zu wenige, um das Werk in der vom Vater bestimmten Zeit ordnungsgemäß zu vollenden. Von allen Interessierten wurde erwartet, dass sie diese Einschätzung der Größe des Werkes und die Notwendigkeit, mehr Arbeiter auszusenden, teilten; und es ist nur vernünftig anzunehmen, dass die siebzig Gesandten aus denen ausgewählt wurden, die die Situation richtig einschätzten und darauf bedacht waren, beauftragt zu werden.

In dieser Angelegenheit gibt es für uns mehrere Lektionen. Auch wir befinden uns in einer Erntezeit – in der Erntezeit des Evangelium-Zeitalters, so wie jene sich in der Ernte des Jüdischen Zeitalters befanden. Jetzt wie damals ist die Ernte groß, und die Arbeiter sind vergleichsweise wenige; und jetzt wie damals können wir nicht hoffen, dass jemand die Erntearbeit erfolgreich verrichten kann, es sei denn, er ist vom Hauptschnitter speziell beauftragt oder ausgesandt worden. Daher sollten alle, die die jetzt im Gange befindliche Arbeit schätzen, zum Herrn beten, dass Er sie in Seinen Dienst aussenden möge, oder, wenn sie bereits damit beschäftigt sind, dass Er ihnen gnädig Türen der Gelegenheit öffne, um in Seinem Dienst von größerem Nutzen zu sein. Zu Beginn dieser Ernte wurden vergleichsweise wenige vom Herrn für die Erntearbeit genutzt; aber während wir voranschreiten, stellen wir fest, dass es dem Herrn erfreut, immer mehr von denen auszusenden und gebrauchen, die eifrig darauf bedacht sind, ihre Leben für die Wahrheit niederzulegen.

Der Ausdruck „die Ernte ist groß“ bedeutet nicht unbedingt, dass die Menge des reifen „Weizens“, der geerntet werden muss, groß ist. Es bedeutet vielmehr, dass die Schwierigkeiten und Widerstände und die Vielzahl des „Unkrauts“ es schwierig machen, alle zur Klasse des „Weizens“ Gehörenden zu erreichen. Die Arbeit ist hier groß, wie sie am Ende des Jüdischen Zeitalters groß war; doch wird jetzt nur eine „Kleine Herde“ gesammelt werden, so wie nur ein Überrest aus Israel gesammelt wurde, wie der Apostel Paulus hervorhob (Röm. 9:27). Die Masse Israels bekannte sich zum Volk des Herrn, aber ihre Frömmigkeit war kaum mehr als ein Bekenntnis. Sie näherten sich dem Herrn, indem sie die Synagogen besuchten und die Feste feierten, fühlten sich erfüllt und mit sich selbst zufrieden, blickten mit Mitleid auf die heidnischen Nationen und hatten einen großen missionarischen Eifer und „durchzogen das Meer und das Trockene, um einen Proselyten zu machen“ [Mt. 23:15]. Dennoch erkannte der Herr, der die Herzen sah, dass es sich nur um Lippenbekenntnisse handelte und dass ihre Herzen weit von Ihm entfernt waren [Mt. 15:8]; und wir sehen heute sehr ähnliche Zustände im nominell geistlichen Israel.

Niemand war geeignet, als Herold des Königreichs ausgesandt zu werden, außer denen, die fest an das Königreich glaubten – die Jesus als den Messias angenommen hatten; die an Seine Gegenwart glaubten – die also mit Ernst und Kraft die Botschaft verkünden konnten, die sie zu verkünden beauftragt waren. Und so scheint es auch in dieser Erntezeit zu sein. Der Herr sendet ständig mehr Arbeiter aus; doch nur solche, die das Königreich als nahe, ja sogar vor der Tür erkannt haben; nur solche, die die Parousia des Königs erkennen; nur solche, die Eifer haben, anderen die frohe Botschaft zu verkünden, werden vom Herrn bei der Sammlung Seiner Auserwählten, des reifen „Weizens“, Seiner „Juwelen“, gebraucht und gesegnet. – Ps. 50:5; Mal. 3,16.17; Mt. 13,39.41

Es ist nicht anzunehmen, dass unser Herr gemeint hat, dass jemand Ihn bitten sollte, mehr Arbeiter in die Ernte zu senden, der gleichzeitig nicht bereit und bestrebt wäre, im Rahmen seiner Fähigkeiten selbst in diesen Erntedienst einzutreten. Es mag einige geben, aber wir vertrauen darauf, dass es nur sehr wenige sind, die bereit wären zu beten: „O Herr, segne doch Dein Werk und sende mehr Arbeiter, aber sende mich nicht. Erlaube anderen, Zeit, Kraft und Eifer zu opfern, damit ich ruhen kann und weder Teil noch Anteil an dieser Angelegenheit habe und wenig oder gar nichts opfere“. Nur diejenigen sind richtig qualifiziert, den Herrn in einer solchen Angelegenheit zu bitten, deren Herzen brennen vor dem Wunsch, mit ihrer Kraft das zu tun, was ihre Hände zu tun finden, entsprechend ihrer Gelegenheit. Solche würden beim Beten vor allem darauf bedacht sein, selbst als Diener des großen Hauptschnitters gebraucht zu werden; denn es ist „der, der erntet, der Lohn empfängt und Frucht sammelt zum ewigen Leben“ [Joh. 4:36], jetzt, wie es auch in der jüdischen Ernte war. Diejenigen, die am eifrigsten sind, dem Herrn zu dienen, und am bereitwilligsten, sich für Seine Sache zu opfern, sind diejenigen, die den größten gegenwärtigen Segen der geistlichen Gemeinschaft mit dem Herrn empfangen werden und die am besten vorbereitet sind, an der Herrlichkeit teilzuhaben, die bald offenbart werden wird.

Der Herr wandte bei den Siebzig dieselbe Methode an, mit der Er bei den Zwölf begonnen hatte, nämlich sie zu zweit auszusenden; und ebenso ermutigen wir heute die Kolporteure in dieser Ernte, zu zweit auszugehen, um sich gegenseitig zu ermutigen und zu helfen usw. Wie der Dichter gesagt hat:

„Wenn also zwei zusammenarbeiten, ist jeder für den anderen schnell mit Rat und Tat zur Stelle und kann den anderen unterweisen; wenn aber einer allein das Beste zu wissen sucht, ist seine Fähigkeit schwächer und sein Denken langsam“.

Man kann sich fragen, warum der Herr gerade siebzig für diese Aufgabe auserwählt hat. Wir erinnern uns jedoch daran, dass Mose siebzig Älteste Israels zu seinen Helfern erwählte und dass diese Zahl, siebzig, von dieser Zeit an in Israel beibehalten wurde und als „Sanhedrin“ oder Rat der siebzig Obersten und Richter bekannt war. Im Licht dieser Tatsache scheint es, dass, wenn die Nation Israel in dem richtigen Zustand des Herzens gewesen wäre, um den Herrn zu empfangen, die Obersten dieser Nation Seine Sache bereits angenommen hätten und die siebzig Mitglieder des Sanhedrins zu dieser Zeit den Messias in ganz Palästina verkündet hätten. Da sie jedoch den König nicht angenommen und Ihn nicht gebeten hatten, sie zu beauftragen, Ihn zu verkünden, beauftragte unser Herr andere, und das Werk ging weiter, wobei die Ehre und das Vorrecht an den Einflussreichen und Gebildeten vorübergingen, die sich dessen hätten erfreuen können, wenn sie würdig gewesen wären. Zweifellos wurden die siebzig Gesandten wie die Apostel aus denen mit aufrichtigen Herzen des einfachen Volkes ausgewählt, und nur wenige von ihnen, wenn es überhaupt welche gab, waren reich, weise oder gelehrt.

Ebenso gibt es in dieser Erntezeit viele Geistliche, die sich als Diener der Wahrheit bekennen und über Bildung, Einfluss usw. verfügen, die jetzt erkennen sollten, dass wir uns in der Ernte des Evangelium-Zeitalters befinden, und die durch den Herrn eine Gelegenheit suchen sollten, sich an der Erntearbeit zu beteiligen; stattdessen werden sie als „stumme Hunde, die da liegen und nicht bellen können“ beschrieben [Jes. 56:10] – sie weigern sich, den Haushalt unter ihrer Obhut zu wecken, um ihn wissen zu lassen, dass das Königreich Gottes nahe ist und dass alle, die nicht in das Königreich aufgenommen werden, in eine große Zeit der Drangsal gestürzt werden. Das gesamte geistliche Haus von heute muss entweder einen mehr als pfingstlichen Segen empfangen, indem es „verwandelt“ und zu Teilhabern des Königreichs gemacht wird, oder aber, wenn es aus dem Königreich verwiesen wird, eine Taufe in feuriger Drangsal empfangen – seinen Teil mit der Welt haben und nicht für würdig befunden werden, den Dingen zu entrinnen, die über die Welt kommen werden (Lk. 21:36).

Dass der Herr nicht erwartete, dass die Siebzig ganz Israel bekehren und versammeln würden, geht ganz klar aus Seiner Aussage hervor: „Siehe, ich sende euch wie Lämmer inmitten von Wölfen“. Der Meister wusste, dass die Mehrheit des sich zu Gott bekennenden Israels sich selbst und der Selbstsucht, den Sekten und Parteien verschrieben hatte und nicht der Wahrheit. Die Mehrheit wurde als reißende Wölfe dargestellt, nicht als Schafe. Dennoch gab es unter den Böcken und Wölfen auch Lämmer und Schafe, und diese alle mussten die Botschaft hören und so vorbereitet werden, den Messias zu empfangen, wenn Er sich ihnen zeigen würde.

Diese speziell ausgesandten Jünger erhielten besondere Anweisungen. Sie hatten eine besondere Aufgabe zu erfüllen, und die Bedingungen waren entsprechend. Sie galten daher nicht als Maßstab für spätere Arbeiter unter anderen Umständen. Sie sollten weder Geldbeutel noch Reisetasche noch zusätzliche Schuhe mitnehmen und unterwegs niemanden grüßen. So waren sie auf die Großzügigkeit derer angewiesen, denen sie die Wahrheit verkündeten. Dies hatte in mehrfacher Hinsicht segensreiche Auswirkungen. (1) Es prüfte den Glauben derer, die auszogen, und hielt sie in ständiger Abhängigkeit von der führenden Fürsorge des Herrn und im Vertrauen darauf, dass Er, der sie gesandt hatte, auch für ihre Bedürfnisse sorgen würde, solange sie Seinen Anweisungen folgten. (2) Es würde denen, denen sie predigten, Gelegenheit zur Gastfreundschaft bieten, und diese würden aufgrund der Umstände gezwungen sein, schnell zu entscheiden, ob sie mit der Botschaft und damit mit den Sendboten sympathisierten und bereit waren, sie zu beherbergen. Die gleiche Lektion der Abhängigkeit vom Herrn lag in der Anweisung, die Kleidung nicht zu wechseln. Außerdem sollte es nur eine kurze Reise sein.

Die Anweisung, unterwegs niemanden zu grüßen, kann als Hinweis auf den Brauch in orientalischen Ländern verstanden werden, dass Reisende häufig anhielten, um sich über Neuigkeiten auszutauschen. Die Jünger hatten nur eine Botschaft, die frohe Botschaft, und sie sollten sich mit aller Kraft um deren Verbreitung bemühen und nicht als allgemeine Nachrichtenübermittler auftreten. Wenn sie an einem Haus ankamen, sollten sie sorgfältig darauf achten, wie sie empfangen wurden, und dies mit einem Gebet vorwegnehmen, dass Friede, Segen und Gnade auf dieses Haus und seine Bewohner kommen möge. Wenn ein Sohn des Friedens, ein Kind Gottes, dort wohnte, konnten sie erwarten, dass sie unter der Vorsehung des Herrn freundlich empfangen würden, und sie sollten dies als Anordnung des Herrn annehmen. Wenn sie nicht so empfangen wurden, sollten sie dies als Beweis dafür betrachten, dass dies nicht ein Haus von Gottes Volk war, das in Bundesbeziehung mit Ihm lebte, und sie sollten weiterziehen und einen anderen Ort suchen. Wenn sie vielleicht in dem Dorf keinen Gastgeber fanden, sollten sie dennoch ihr Zeugnis ablegen. Und das sollte auf eindrucksvolle Weise geschehen, nämlich indem sie den Staub von ihren Schuhen schüttelten, was in der orientalischen Vorstellung ein sehr feierliches und endgültiges Zeugnis bedeutete; und dann sollten sie sagen: „Doch dieses wisst, dass das Königreich Gottes nahegekommen ist.“

Alle, die an der gegenwärtigen Erntearbeit beteiligt sind, können hier einige sehr nützliche Lektionen lernen, die in der Tat für das Volk des Herrn zu jeder Zeit gelten, während es in Seinem Dienst steht. Wir haben keine Zeit für gewöhnliche Gespräche. Die Zeit ist kurz, das Erntewerk ist groß, und es gibt wenige Arbeiter. Unsere Zeit ist geweiht, wir müssen arbeiten, solange es Tag ist, denn wir wissen, dass eine Nacht kommen wird, in der kein Mensch arbeiten kann. Wir haben unser Leben bis in den Tod geweiht, und wir sind vom großen Herrn der Ernte beauftragt worden, den wahren „Weizen“ zu suchen und ihn in die Scheune zu sammeln. Haben wir Zeit für leichtfertige Handlungen, Weltlichkeit oder die vielen gesellschaftlichen Annehmlichkeiten? Wenn wir die Anerkennung unseres Meisters, Sein: „wohlgetan, du guter und getreuer Knecht“ erhalten wollen, müssen wir uns vielmehr damit begnügen, diesen Dingen sehr wenig Aufmerksamkeit zu schenken und in unserer Bahn vorwärtsstreben, indem wir uns der uns anvertrauen Arbeit von Herzen widmen [Manna vom 30. Juni, Hervorhebung von uns].

Obwohl es heute nicht mehr üblich ist, wie es vor neunzehn Jahrhunderten in Palästina war, ein Haus zu grüßen und zu sagen: „Friede diesem Haus!“, sollten dennoch alle vom Volk des Herrn Friedensstifter, Friedensförderer und Friedensliebende sein, und ein Segen des Friedens und der Ruhe sollte sie begleiten, wohin sie auch gehen. Ach, wie viele von ihnen lernen nur langsam, dass Gott uns nicht zu Streit, Zwist, Zank, Zorn usw. berufen hat, sondern zu Liebe, Freude, Frieden usw. Wie wenige haben vergleichsweise gelernt, die Wahrheit in Liebe zu sagen, immer eine sanfte Antwort zu geben, die den Zorn abwendet, und immer die harten Worte zu vermeiden, die den Zorn aufwiegeln. Wie die siebzig in unserer Lektion, so lasst in unseren täglichen Beschäftigungen und Bemühungen, anderen zu dienen, den Frieden Gottes mit uns gehen, in unseren Gesichtern leuchten, unser Handeln bestimmen und unsere Sprache prägen, damit, wie der Apostel es ausdrückt, unsere Rede immer „in Gnade, mit Salz gewürzt“ sei [Kol. 4:6].

Die Bedingungen in den zivilisierten Ländern sind heute sehr unterschiedlich von denen, die in orientalischen Ländern herrschten und immer noch herrschen, so dass es hier und jetzt ungewöhnlich wäre, Fremde zu beherbergen; dennoch sollten alle, die zum wahren Volk des Herrn gehören, darauf bedacht sein, alle Diener des Herrn, von denen sie sicher sind, dass sie Seine Botschaft, das Evangelium vom Königreich, verkündigen, gastfreundlich aufzunehmen. Und wie der Apostel andeutet, sollten sie ebenso darauf bedacht sein, niemanden zu beherbergen, zu unterstützen oder zu verabschieden, der ein falsches Evangelium verkündet und leugnet, dass der Herr uns erkauft hat (2. Joh. 10).

FREUT EUCH ÜBER DAS, WAS IHR NICHT SEHT.

Als die Siebzig von ihrer Mission zurückkehrten, waren sie voller Freude und sagten: „Herr, auch die Dämonen sind uns untertan in deinem Namen“. Unser Herr versicherte ihnen, dass dies genau das war, was Er erwartet und beabsichtigt hatte, als Er sie aussandte, und erklärte ihnen, dass Er Satan in seinem vormenschlichen Zustand gekannt hatte und dass Er damals Zeuge gewesen war, wie Satan aus hoher Herrlichkeit und Vorrecht und Stellung in seine gegenwärtige Haltung als Hauptfeindes Gottes gefallen war; „Ich schaute Satan wie einen Blitz vom Himmel fallen“ [Vers 18]. Es ist die Sache derer, die die Persönlichkeit Satans leugnen und die leugnen, dass es gefallene Engel gibt, diese klaren Aussagen der Schrift weg zu erklären. Die wahren Kinder Gottes, die wahren Schafe, die die Stimme des Hirten hören, werden sich in diesem Punkt ebenso wenig täuschen lassen wie in anderen. Was kümmert es uns, dass wir Satan nicht aus seiner herrlichen Stellung fallen sahen? Unser Meister hat ihn gesehen, und Er hat Zeugnis abgelegt, nicht nur von der Persönlichkeit Satans, sondern auch von seinem Fall aus der Herrlichkeit und Ehre. Was kümmert es uns, dass andere leugnen, dass es gefallene Engel, Dämonen gibt, die durch Spiritismus usw. versuchen, sich als Tote auszugeben? Wir haben die Worte des Meisters und die Worte der Apostel, die das Gegenteil sagen, und als wahre Schafe hören wir die Stimme des Hirten und folgen Ihm. Wir hören nicht auf die Stimme Satans, die durch diejenigen, die er kontrolliert, zu uns spricht und uns sagt, dass es keinen Teufel gibt, dass es keinen Zweiten Tod gibt usw.

Unser Herr fuhr fort, den Siebzig zu sagen, dass Er es war, der ihnen die Macht gegeben hatte, die sie ausübten, und dass diese Macht auch die Immunität gegen Schlangen- und Skorpionbisse und gegen alle Macht des Feindes umfasste – aller Feinde, aber besonders des Feindes Satan; derselbe, der auch in dem Gebet erwähnt wird, das unser Herr lehrte, indem Er sagte: „Erlöse uns von dem Bösen“. Es ist vielleicht nicht unangebracht, hier darauf hinzuweisen, dass diese Macht und Vollmacht über Satan, Gifte, Schlangen usw. auf die Zwölf und die späteren Siebzig beschränkt waren und niemals der Kirche im Allgemeinen gegeben wurden. Die einzige Schriftstelle, die dies zumindest andeutet, ist Mk. 16 von Vers 9 bis zum Ende, und diese Verse finden sich nicht in den ältesten griechischen Manuskripten und sind offensichtlich Einfügungen, die wahrscheinlich im fünften Jahrhundert hinzugefügt wurden. Sie sind in Bibel-Ausgaben weggelassen. Aber obwohl der Kirche des Evangelium-Zeitalters im Allgemeinen keine solche Immunität gegen Gifte, Bisse und Stiche gewährt wird, haben wir doch etwas, das in dieser Hinsicht jeden Zweck erfüllt, nämlich die Verheißung des Herrn, dass uns als Neue Schöpfung nichts schaden wird – dass der Herr Seinen Geweihten nichts zustoßen lassen wird, was Er nicht sowohl zu ihrem Besten als auch zu ihrem höchsten Wohl verhindern kann und will.

Während Er Sich mit den Jüngern über ihren gewachsenen Glauben und ihre Freude freute, die aus ihrer Tätigkeit in Seinem Dienst und aus der Ausübung der Gaben, die Er ihnen gegeben hatte, resultierten, warnte unser Herr sie davor, zu viel Wert auf solche Wundergaben zu legen, und versicherte ihnen, dass der Hauptgrund ihrer Freude in einer anderen Richtung liege – nämlich in der Tatsache, dass sie als Söhne in Gottes Familie aufgenommen worden waren (Joh. 1:12); in der Tatsache, dass ihre Namen In den Himmeln angeschrieben waren, als zukünftige Miterben Christi in Seinem Königreich – als zukünftige Glieder des Leibes Christi, um mit Ihm zu leiden und so ihre Treue zu beweisen, und schließlich mit Ihm in alle Ewigkeit verherrlicht zu werden. Dies steht in Übereinstimmung mit der Aussage des Apostels Paulus in 1. Kor. 13:1, wo er uns versichert, dass die wundersamen Gaben, die der frühen Kirche durch die Handauflegung der Apostel verliehen wurden, wie das Sprechen in unbekannten Sprachen, die Auslegung von Geheimnissen usw., keine Beweise für eine Geistzeugung sind, sondern dass ein größerer Beweis dafür der Besitz des Geistes des Herrn ist, des Geistes der Liebe, der niemals versagt.

Je mehr wir vom Geist der Liebe besitzen, desto größer ist unsere Ähnlichkeit mit Gottes geliebtem Sohn, unserem Erlöser, und desto mehr werden wir dafür geeignet und vorbereitet sein, mit Ihm an Seiner himmlischen Herrlichkeit teilzuhaben. Wenn der Herr uns also erlaubt, in der gegenwärtigen Ernte einen kleinen Dienst zu verrichten oder in der Hitze des Tages einige Lasten zu tragen, oder wenn Er uns das Vorrecht gewährt, erfolgreich gegen den großen Widersacher und seine Diener zu kämpfen, und uns davor bewahrt, durch ihre Worte, Blicke oder Taten gestochen oder „verletzt“ zu werden, und wenn Er uns Gelegenheiten gewährt, anderen aus ihrer seelischen Krankheit zu helfen, indem wir ihnen die gute Medizin der gegenwärtigen Wahrheit verabreichen, lasst uns über diese Vorrechte und Gelegenheiten frohlocken; aber lasst uns noch mehr darüber frohlocken, dass wir unter der Vorsehung des Herrn Seine Kinder sind, aus Seinem Geist gezeugt, dass unsere Namen als Glieder Seiner Familie angeschrieben sind und dass wir bald erwarten können, Miterben unseres älteren Bruders zu sein. Ja, in diesen guten Hoffnungen wollen wir frohlocken.

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