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VOLLE GEWISSHEIT DES GLAUBENS
„Nur Güte und Gnade werden mir folgen alle Tage meines Lebens; und ich werde für immer wohnen im Haus des HERRN“ - Ps. 23:6.

Der heilige Paulus spricht von der vollen Gewissheit der Hoffnung und der vollen Gewissheit des Glaubens als den richtigen Zuständen für das Volk Gottes (Hebr. 6:11; 10:22). Und genau diesen Gedanken drückt der Prophet in unserer Schriftstelle aus: das volle Vertrauen, dass der, der ein gutes Werk in uns begonnen hat, auch die Fähigkeit und den Willen hat, es zu vollenden (Phil. 1:6). Aber wie wenige Christen haben vergleichsweise diese volle Gewissheit des Glaubens; wie wenige können sagen: Gewiss, ohne Zweifel werden Güte und Gnade mir von nun an durch mein Leben folgen, und durch Gottes Gnade werde ich schließlich das himmlische Königreich und die herrlichen Dinge erlangen, die Gott denen verheißen hat, die Ihn lieben! Die wenigen, die sich mit dem Apostel und dem Propheten in diesen Ausdrücken voll und ganz identifizieren können, haben darin eine große Freude, einen großen Segen, eine große Ruhe des Herzens, die andere nicht besitzen. Lasst uns daher untersuchen, warum die Zahl derer, die so in die Ruhe des Glaubens eingehen, so gering ist. Was sind die Hindernisse für die anderen, und wie können diese Hindernisse beseitigt werden, damit eine größere Zahl des Volkes des Herrn sich ihres väterlichen Erbteils erfreuen kann?

Es gibt zwei Arten von Hindernissen: (1) Viele, die auf der Seite des Herrn stehen, und die von Ihm reich gesegnet worden sind, und die beträchtliche Fortschritte in der Erkenntnis der Wahrheit gemacht haben, und die auf das Verdienst des Opfers des Herrn Jesus als einzige Hoffnung für ein zukünftiges Leben vertrauen und die somit gerechtfertigt sind, haben es dennoch versäumt, den zweiten Schritt zu tun, der für ihre vollständige Aufnahme in die Sohnschaft in die Familie Gottes und in die Miterbschaft mit Christus für alle überaus großen und kostbaren Verheißungen, die nur denen zuteilwerden, die Seine Söhne werden, notwendig ist. Dieser Schritt, der unerlässlich ist, um Söhne und Miterben zu werden, ist der Wille zur vollständigen Weihung – die vollständige Hingabe unseres eigenen Willens, einschließlich aller Ziele und Sachen und Absichten des Lebens, einschließlich auch all dessen, was wir an Zeit, Einfluss, Mitteln, Ansehen usw. haben. Da sie diesen Schritt nicht getan haben, da sie nicht das Kreuz auf sich genommen haben, um dem Lamm zu folgen, wohin es auch geht, hat diese große Klasse ganz zu Recht das Gefühl, dass es fraglich ist, inwieweit die Verheißungen des Herrn, sei es für das Leben, das jetzt ist, oder für das zukünftige Leben, ihnen gehören. Und darin haben sie Recht; denn keine der Verheißungen, weder gegenwärtige noch zukünftige, gehören ihnen oder irgendjemandem, bis sie sich vollständig hingegeben und geweiht haben und ihren Leib als ein lebendiges Opfer Gott dargebracht haben, heilig und annehmbar durch Jesus Christus, unseren Herrn.

Unser Rat an diese lautet daher, dass sie, sobald sie die Situation erkannt haben, nicht länger zögern, sondern sich sofort beeilen, das größte Vorrecht in Anspruch zu nehmen, das selbst der Allmächtige ihnen bieten könnte. Wenn sie untätig bleiben, empfangen sie, in den Worten des Apostels, die Gnade Gottes vergeblich – sie versäumen es, sie zu nutzen (2. Kor. 6:1). Gottes Gnade, die denen, die zur Erkenntnis der Erlösung in Christus Jesus gelangt sind, frei geschenkt wird, ist die Gnade der Vergebung der Sünden, der Rechtfertigung durch den Glauben; und das eigentliche Ziel dieser Gnade ist es, uns zu erlauben und zu befähigen, lebendige Opfer zu werden, die durch das große Opfer unseres Erlösers für Gottes Altar annehmbar sind.

Wer auch immer also soweit voranschreitet und sich seines Vorrechts bewusst ist, sich aber dennoch weigert, sein weniges Alles darzubringen, hat es versäumt, sich von der Liebe Christi leiten zu lassen, hat es versäumt, die ihm zuteilgewordene göttliche Gnade zu schätzen, und bekundet dieses Versäumnis dadurch, dass er es unterlässt, seine Gelegenheit zu nutzen, dass er es unterlässt, den unvollkommenen Bruchteil seines gegenwärtigen Lebens zu opfern, um dafür den großen Preis der Herrlichkeit, Ehre und Unsterblichkeit und die Miterbschaft mit Jesus im Reich Gottes zu erlangen: Solche empfangen Gottes Gnade vergeblich und profitieren davon nicht mehr als die Welt, die noch in Finsternis und Blindheit liegt.

Was sollten solche tun? Es ist nicht nur vernünftig, alles, was wir haben, für den Dienst des Herrn zu geben, sondern es ist sogar ein viel zu geringes Opfer – weit geringer als das, was wir Ihm, der uns solch eine Barmherzigkeit und Gnade gezeigt hat, gerne geben würden. So sollten wir auch selbst dann empfinden, wenn mit einer solchen Weihung unsererseits keine Belohnungen verbunden wären. Doch da Gott große Belohnungen und Segnungen damit verknüpft hat, sollten wir empfinden, dass die Ablehnung, sie anzunehmen, nicht nur ein Anzeichen dafür wäre, dass wir die göttliche Barmherzigkeit nicht wertschätzen, sondern auch ein Anzeichen für die Schwachheit des Sinnes, des Urteilsvermögens, das nicht in der Lage ist, die unbedeutenden und vorübergehenden Freuden des eigenen Willens für einige kurze Jahre mit einer Ewigkeit von Freude, Segen und Herrlichkeit in Harmonie mit dem Herrn abzuwägen [Manna vom 6. November, Hervorhebung von uns].

Und mehr als dies sind die Geweihten die einzigen, die sich wirklich voll und wahrhaftig am gegenwärtigen Leben erfreuen, denn sie haben tatsächlich den Frieden des Herzen, den die Welt weder geben noch nehmen kann – ein Zustand, den die ganze Welt begehrt und sucht, aber nicht findet, weil sie ihn nicht auf die Art und Weise des Herrn, durch völlige Selbsthingabe an Ihn, sucht. Wir fordern daher die Klasse, an die wir uns jetzt wenden, dringend auf, unverzüglich ihren Bund mit dem Herrn zu schließen und so Erben Seiner guten Verheißungen zu werden, die sich auf das gegenwärtige Leben und auch auf das zukünftige Leben beziehen, und damit den Grundstein zu legen, um in die „volle Gewissheit des Glaubens” und die volle Gewissheit der Hoffnung einzutreten, dass Gottes Güte und Gnade sie alle Tage ihres gegenwärtigen Lebens begleiten werden und dass sie für immer in der himmlischen Heimat wohnen werden.

(2) Aber unter denen, die wahre Christen sind und einen vollständigen Opferbund mit dem Herrn geschlossen haben, finden wir viele, die sagen, und noch mehr, die es denken, ohne es auszusprechen: „Oh, könnte ich doch sicher sein, dass Gottes Güte und Gnade mir alle Tage meines Lebens erhalten bleiben und dass ich in Sein Königreich gelangen werde! Oh, könnte ich doch eine volle Gewissheit des Glaubens haben, eine volle Gewissheit, dass ich vom Herrn angenommen bin und dass ich durch Seine Gnade letztendlich ein Überwinder sein werde!“ Was ist das Problem dieser Klasse? Warum besitzen sie nicht diese volle Gewissheit des Glaubens? Wir antworten, dass ihr Problem ein Mangel an Glauben an Gott ist, und ein solcher Mangel an Glauben gefällt Gott nicht, denn „ohne Glauben ist es unmöglich, Gott wohlzugefallen“. Ein solcher Mangel an Glauben ist darüber hinaus ein ständiges Hindernis für ihren Sieg, wie geschrieben steht: „Dies ist der Sieg, der die Welt überwunden hat: unser Glaube“. Der Christ, der nicht den Schild des Glaubens hat, und zwar einen großen, ist gegenüber dem Widersacher ständig im Nachteil – Hebr. 11:6; 1. Joh. 5:4.

Was muss getan werden, um diesen Mangel an Glauben zu überwinden und eine Zunahme des Glaubens zu erreichen? Wir antworten, dass wir, wie die Apostel damals, beten sollten, „Herr, vermehre uns den Glauben“. Und dann, im Einklang mit diesem Gebet handelnd, sollte jeder den Glauben in seinem eigenen Herzen pflegen: a) Durch beständiges Auffrischen seines Gedächtnisses mit den göttlichen Verheißungen, wodurch er im Wort des Vaters sehr vertraut mit ihnen wird; b) Er sollte immer mehr danach trachten, sich daran zu erinnern, dass, da er seinen Bund mit dem Herrn geschlossen hat, diese Verheißungen ihm gehören. Und in seinem Herzen und mit seinen Lippen sollte er sie vor dem Herrn im Gebet mit Dankbarkeit für sich in Anspruch nehmen. Er sollte sie in seinen eigenen Gedanken und bei Gesprächen mit den Brüdern über heilige Dinge für sich in Anspruch nehmen [Manna vom 8. Februar, Hervorhebung von uns].

Wenn Prüfungen, Schwierigkeiten oder Verwirrungen auftreten, sollte er an diese Verheißungen denken und sich daran erinnern, dass sie ihm gehören – denn Gott hat sie denen verheißen, die Ihn lieben und die durch Selbstaufopferung einen Opferbund geschlossen haben (Ps. 50:5; Mal. 3:17). Er sollte sich von nun an entschließen, dem Wort des himmlischen Vaters bedingungslos zu vertrauen. Wenn ihm also ein scheinbarer Unfall widerfährt, soll er sich an die Verheißung erinnern, dass „allen, die Gott lieben, alle Dinge zum Besten wirken, denen, die nach seinem Ratschluss berufen sind“ [Röm. 8:28], und sich versichern, dass der scheinbare Unfall nicht geschehen wäre, wenn Gott nicht einen Weg gesehen hätte, ihn zum Mittel einer notwendigen Lektion oder eines Segens zu machen. Er soll seinen Sinn mit dem Gedanken erfrischen, dass er unter die Bestimmungen dieser Verheißung fällt, weil er den Herrn liebt und Ihn so sehr liebt, dass er sich Ihm vollständig geweiht hat; so kann er sicher sein, dass diese Verheißung für ihn bestimmt war.

Solche sollen sich auch an die Worte des Apostels erinnern, dass, wenn Gott uns schon geliebt hat, als wir noch Sünder waren, und uns die große Erlösung in Christus Jesus, unserem Herrn, bereitgestellt hat, Er uns jetzt umso mehr liebt, da wir durch den Glauben an die große Versöhnung gerechtfertigt worden sind und uns Ihm ganz geweiht haben und somit unter die Bestimmungen der Adoption in Seine Familie gelangt sind. Lasst uns daran denken, dass Er, der das gute Werk begonnen hat, sich niemals verändert, und dass, wenn unsere Herzen weiterhin in Harmonie mit Ihm sind, wenn unser Glaube an die große Versöhnung immer noch klar und fest ist, wenn unsere Weihung immer noch voll und ganz ist, so dass wir nicht danach trachten, dass unser Wille in unseren Angelegenheiten geschehe, sondern Sein Wille, wir wahrlich die volle Gewissheit des Glaubens haben dürfen, weil wir wissen, dass Gott unveränderlich ist, und dass wir weiterhin im Einklang mit Seinen Verheißungen und Anordnungen stehen, und weil wir wissen, dass alle Seine gnadenreichen Vorkehrungen weiterhin für uns ausgeführt werden. Das ist volle Gewissheit des Glaubens – volles Vertrauen auf den Herrn [Manna vom 5. November, Hervorhebung von uns].

(3) Es ist jedoch möglich, dass ein wahrer Christ, der den Schritt der Rechtfertigung und den Schritt der Weihung und Aufnahme in Gottes Familie getan hat und der den Segen der vollen Gewissheit des Glaubens erfahren hat, diesen verliert, wenn er von den Sorgen dieses Lebens überlastet wird und gegenüber dem Herrn, Seinem Königreich, Seinen Brüdern, Seiner Sache usw. kalt und gleichgültig wird. Solche sollten natürlich keine volle Gewissheit des Glaubens haben; Gott beabsichtigt das nicht für sie, sondern beabsichtigt vielmehr, dass wir, wenn wir das richtige geweihte Verhalten verlassen, auch die Freuden und Tröstungen verlieren, die dazu gehören. Und dies ist nicht nur eine Vergeltung oder Strafe, sondern soll uns insbesondere durch eine entsprechende Art von Wiedererweckung dazu bringen, zu erkennen, was wir verlieren, damit diejenigen, die „ihre erste Liebe verlassen haben“ [Offb. 2:4], wiederbelebt werden, ihre Weihung erneuern und so zum Herrn zurückkehren können, der ihnen reichlich vergeben und ihnen die Freuden Seiner Erlösung wiederherstellen wird.

Wenn wir nun unsere Schriftstelle nochmals betrachten, sagen wir, dass diese Gewissheit des Glaubens, dass Gottes Güte und Gnade uns alle Tage unseres Lebens begleiten werden und dass wir durch Seine Gnade schließlich das Königreich erreichen werden, für die in diesem Psalm erwähnte Gruppe gilt, nämlich die Schafe des Herrn – diejenigen, die Ihm folgen und die Erfahrungen machen, die in diesem Psalm beschrieben werden. Eine dieser Erfahrungen ist, dass sie, wenn sie dem Hirten folgen, nicht hungern und dürsten werden, sondern reichlich versorgt werden auf den grünen Auen und an den stillen Wassern der Wahrheit. Darüber hinaus gilt dies für diejenigen, die die Fürsorge des Hirten, Seinen Stab und Seinen Stecken erfahren, die sie korrigieren, zurechtweisen oder leiten. Solche Schafe, die lernen, den Hirten und Seine Führung zu lieben und Ihm zu vertrauen, und die aus allen Leiden und Prüfungen des Lebens, die ihnen zuteilwerden mögen, Trost und Segen schöpfen, weil sie erkennen, dass diese von der Vorsehung kommen und zu ihrem Besten sind – solche folgen dem Hirten weiterhin, machen weiterhin die Erfahrungen von Schafen und können sich mit der vollen Gewissheit des Glaubens freuen, dass Derjenige, der das gute Werk begonnen hat, sie zu hüten und sie von den Nebenwegen der Sünde und Selbstsucht zum vollen Segen des himmlischen Vaters zu führen, dieses Werk fortsetzen und vollenden wird, wenn sie in Ihm bleiben – Joh. 15:4-6. R2642-2643