Nicht Sünder, nicht weltlich Gesinnte spricht der Apostel auf diese Weise an, sondern diejenigen, die sich der Wahrheit erfreut haben und die sich zumindest über den ersten Schritt der Herzensreinigung, nämlich der Rechtfertigung, erfreut haben; und deren Herzen durch das Versäumnis, das Gesetz der Liebe als herrschendes Prinzip in ihnen aufrechtzuerhalten, verunreinigt wurden. Anstatt von Liebe erfüllt zu sein, ist die Selbstsucht mit all ihren Verunreinigungen wieder als herrschendes Prinzip des Herzens entgegengenommen worden. Solche haben den Geist der Welt und üben ihn manchmal in einem viel größeren Maß an Feindseligkeit aus, als die Welt es tut. Sie sind besonders bereit, wie der Apostel andeutet, das Verhalten und die Motive anderer in Zweifel zu ziehen. Da sie selbst selbstsüchtig sind, schreiben sie allen anderen Selbstsucht zu; da sie selbst unrein sind, schreiben sie anderen Unreinheit zu; da sie den Geist der Liebe, der nichts Böses denkt, verloren haben, füllen sich ihre Herzen schnell mit selbstsüchtigen, neidischen, lieblosen, gottlosen und unfreundlichen Gefühlen gegenüber denen, die wahrhaftig, aufrichtig und edel sind.
Wir haben solche gekannt, die sogar so weit gehen, die Motive des großen Jehova und unseres Herrn Jesus Christus in Zweifel zu ziehen. Da sie nicht in der Lage sind, Liebe und Wohlwollen als Beweggründe des Verhaltens zu bedenken, und in ihren eigenen Herzen daran gewöhnt sind, nur Selbstsucht und persönliche Vermehrung als Motive in Erwägung zu ziehen, betrachten sie den göttlichen Verlauf von diesem Standpunkt aus und meinen, dass Gott von Stolz bewegt wurde, um den Menschen von Sünde und Tod zu erlösen, oder von Eitelkeit, um zu zeigen, was Er tun konnte. Sie behaupten, dass unser Herr Jesus von selbstsüchtigen Motiven, von Selbstgefälligkeit, Ehre und Machtgewinn angetrieben wurde, als Er unser Erlöser wurde. Sie betrachten die Treue der Engel aus einem selbstsüchtigen Blickwinkel, in der Hoffnung auf Aufstieg oder aus Angst vor Bestrafung. Wer kann einen reinen Gedanken aus einem unreinen Herzen hervorbringen? Wer kann Wohlwollen, großmütige Gefühle, Empfindungen oder Worte, ausgenommen scheinheiliger, in einem Herzen erwarten, in dem Selbstsucht die Kontrolle hat? Wer würde großmütige Überlegungen in einem Geist voller Neid und Eigensucht erwarten?
Der Apostel weist darauf hin, dass nicht nur ihr Sinn verdorben wurde, sondern auch ihr Gewissen, sodass sie Böses tun, Böses reden, Böses denken und ihr Gewissen sie nicht zurechtweist; weil ihre Gewissen und Sinne in Harmonie arbeiten und sie, wie die Schrift sagt, verblendet und selbstbetrogen werden. Welch ein schrecklicher Zustand ist dies! Wie vorsichtig sollten alle vom Volk des Herrn sein, um nicht nur reine Herzen und eine reine Gesinnung zu haben, sondern damit auch ihre Gewissen sehr empfindlich, im engen Einklang mit dem Wort des Herrn, bleiben! Dieser Zustand kann nur aufrechterhalten werden, indem wir uns selbst beurteilen, und das oft und streng, nach dem Maßstab, den uns Gott gegeben hat, Sein Gesetz der Liebe.
„Ich will fühlen das erste Aufkommen
Von Stolz oder kühnem Verlangen;
Das Abschweifen meines Willens fangen,
Und das aufflammende Feuer löschen“.
[Manna vom 19. Februar; Hervorhebung von uns]
Wie der Apostel betont, geben diejenigen, deren Geist durch Ehrgeiz, Stolz oder Selbstsucht, den Geist des Bösen, verunreinigt und vergiftet wird, vor, Gott gekannt zu haben. Sie sind geneigt, dies so laut wie eh und je zu bekennen, und manchmal prahlen sie sogar damit, wie viel sie über Gott und Sein Wort wissen und wie weise sie in Bezug auf dessen Auslegung sind. Nicht durch Prahlerei oder Bekenntnisse können wir also immer beurteilen, wer reinen Herzens und guten Gewissens ist und in voller Harmonie mit dem Herrn lebt. Vielmehr werden wir sie an ihren Früchten erkennen, wie der Meister sagte – an ihren Werken, wie der Apostel hier betont. Wenn jemand vorgibt, Gott zu kennen, und ihn doch durch seine Werke verleugnet, sind wir völlig berechtigt, uns zu fragen, ob er sich nicht selbst betrügt, ob sein Gewissen und sein Verstand nicht verunreinigt sind.
In unseren Werken vom Herrn abzulassen, bedeutet nicht unbedingt, dass man zu Mord, Raub, Zügellosigkeit usw. greift. Es bedeutet vielmehr, zumindest am Anfang, dass aus der bisher guten Quelle eines gereinigten oder erneuerten Herzens oder Willens, aus der Reinheit, Wahrheit, Milde, Güte, Ermutigung und Erfrischung für alle, die von ihrem Wasser tranken, in der Familie, der Nachbarschaft und unter dem Volk des Herrn, stattdessen bitteres Wasser fließen würde, das bittere Gefühle erzeugt, Wurzeln der Bitterkeit wässert und nährt, Bosheit, Neid, Hass, Streit usw. schürt. Kein Wunder, dass der Apostel über solche sagt, dass sie abscheulich sind! Alle, die den Geist des Herrn haben, müssen den Geist des Bösen verabscheuen, wie überrascht und betrübt sie auch sein mögen, wenn sie feststellen, dass er von jemandem ausgeht, der zuvor Güte, Liebe, Freundlichkeit und gute Werke verbreitet hat.
Wie der Meister erklärte, können wir, wenn der angeblich süße Brunnen bitteres Wasser hervorbringt, wissen, dass etwas mit dem Brunnen nicht stimmt, dass er etwas Verunreinigendes enthält, und wir dürfen uns in Bezug auf sein Wasser nicht täuschen und an seiner Bitterkeit teilhaben.
Nach den gleichen Grundsätzen sich äußernd, erklärt der Apostel Jakobus: „Wenn jemand fromm zu sein meint, seine Zunge aber nicht im Zaum hält, …, dessen Frömmigkeit ist wertlos“ [Jak. 1:26; S]. Da die Zunge das Inhaltsverzeichnis unseres Herzens ist, denn „aus der Fülle des Herzens redet der Mund“, ist die ungezügelte Zunge, die selbstsüchtig, neidisch, bitter, überheblich oder verleumderisch redet, ein Beweis dafür, dass das Herz, aus dessen Fülle sie überströmt, unheilig ist und der Geist Christi bedauerlicherweise fehlt. Daher, zu welcher Religion es auch gelangen mag, es ist insoweit vergeblich, als jenes Herz weder errettet ist noch sich in einem rettungsfähigen Zustand befindet. [Manna vom 20. Februar – Teil 1 ; Hervorhebung von uns]. Kein Wunder, dass der Apostel in unserer Bibelstelle bemerkt, dass solche „ungehorsam“ sind: Nur durch Ungehorsam gegenüber dem Gesetz des Neuen Bundes, der Liebe, könnte jemand einen solchen Zustand der Herzens- und Gewissensverunreinigung erreichen, nachdem er durch den Glauben an das kostbare Blut gereinigt und dem Herrn geweiht wurde.
Die abschließende Aussage unserer Bibelstelle lautet, dass ein solcher Mensch, der den Geist der Wahrheit verloren und stattdessen einen Geist der Bitterkeit, des Grolls und des Bösen erlangt hat, der einen vergifteten oder verunreinigten Geist und ein vergiftetes oder verunreinigtes Gewissen hat, „zu jedem guten Werk unbewährt“ ist. Ganz gleich, welche Arbeit ein solcher Mensch auch verrichten möchte, sie wäre mit Sicherheit verdorben, weil der Geist des Bösen, der Geist des Stolzes, der Geist der Selbstsucht, der Geist der Bosheit und des Neids so heftig gegen alle Merkmale der Gerechtigkeit, Güte, Wahrheit und Liebe opponieren, dass es zwischen ihnen keinen Frieden und keine Zusammenarbeit geben kann. Und dies erinnert uns an die Worte unseres Herrn, dass diejenigen, die Sein Volk sind und Seinen Geist haben, „das Salz der Erde“ [Mt. 5:13] sind, – erhaltend, solange sie diesen Geist haben; aber, wie Er andeutet, wenn das Salz seine Salzigkeit verliert – wenn der Christ jene besonderen Merkmale des Geistes Christi verliert, die ihn von der Welt unterscheiden, von der Welt trennen und ihm eine salzende oder erhaltende Eigenschaft in der Welt verleihen – wenn er diese verlieren sollte, was dann? – wäre er wertlos wie schlechtes Salz, „zu jedem guten Werk unbewährt“ – Tit. 1:16.
Welchen Weg sollten diejenigen einschlagen, die feststellen, dass sie unreine Sinne besitzen – Sinne eher dazu neigt, Böses als Gutes zu vermuten, neidische Sinne, selbstsüchtig, nachtragend, verbittert, unversöhnlich, Sinne, die nur diejenigen lieben, die ihn lieben und ihm schmeicheln? Gibt es für diese Menschen Hoffnung? Würde Gott solche Menschen nicht völlig ablehnen?
Gott ist sehr mitleidsvoll; und während alle so „in der Galle der Bitterkeit und in den fesseln der Ungerechtigkeit“ [Apg. 8:23] waren, sorgte Er für unsere Erlösung. Es gibt Hoffnung für alle, die ihre Befleckung erkennen und sich nach Reinigung sehnen.
„Sein Blut kann die Unreinsten reinigen;
Sein Blut genügt für mich.“
Aber wahre Buße bedeutet sowohl Zerknirschung als auch Reformation. Und um Hilfe bei Letzterem zu erhalten, müssen wir uns an den großen Arzt wenden, der allein eine solche moralische Krankheit heilen kann und von dem geschrieben steht: „Der alle deine Krankheiten heilt“ [Ps. 103:3]. Man kann mit Sicherheit sagen, dass alle Seine Geheiligten zu einem bestimmten Zeitpunkt mehr oder weniger krank waren und daher für Seinen Dienst entsprechend „wertlos“ waren. Es ist wahr, dass es für diejenigen, die einmal gereinigt wurden, schlimmer ist, wenn sie „wie die gewaschene Sau zum Wälzen im Kot“ [2. Petr. 2:22] der Sünde zurückkehren – aber es gibt immer noch Hoffnung, wenn die Medizin des Guten Arztes beständig eingenommen wird, genauso wie am Anfang. Die Gefahr besteht darin, dass das Gewissen, wenn es befleckt wird, das Urteilsvermögen so verdirbt, dass Bitterkeit als Süße angesehen wird, Neid und Bosheit als Gerechtigkeit und Pflicht und der „Kot“ der Sünde als Schönheit der Heiligkeit. Nur dann ist der Fall praktisch hoffnungslos.
EINIGE GEGENMITTEL DES GUTEN ARZTES GEGEN DIE UNREINHEIT DES HERZENS
Aber der gute Arzt hat Gegenmittel gegen Vergiftungen der Seele aufgezeigt – Mittel, die, wenn sie entsprechend der Hinweise richtig eingenommen werden, das verbitterte Herz versüßen können [Manna vom 20. Februar – Teil 2; Hervorhebung von uns]. Statt Neid werden sie Liebe hervorbringen; statt Bosheit, Hass und Streit werden sie Liebe und Einigkeit hervorbringen; statt übler Nachrede, Verleumdung und Skandalgeschichten werden sie die Liebe hervorbringen, die nichts Böses denkt und ihrem Nächsten nichts Schlechtes antut; die geduldig und freundlich ist, die sich nicht selbst verherrlicht, nicht aufgeblasen ist, die niemals aufgibt und die der Geist des Herrn und das Gesetz des Geistes des Lebens in Christus Jesus ist. Lasst uns alle diese Medikamente einnehmen, denn sie sind nicht nur für die Schwerkranken gut, sondern auch für die Genesenden und die Gesunden. Im Folgenden sind einige der Rezepte aufgeführt:
(1) „Und jeder, der diese Hoffnung zu ihm hat, reinigt sich selbst, wie er rein ist“ – 1. Joh. 3:3.
Die erwähnte Hoffnung ist, dass wir als Söhne Gottes angenommen wurden, mit der Verheißung, dass wir, wenn wir treu sind, Ihm ähnlich werden und Ihn so sehen, wie Er ist, und Seine Herrlichkeit teilen werden. Wenn sich unser Sinn und unser Herz mit dieser Hoffnung erfüllen und wir beginnen, ihre Längen und Breiten, ihre Höhen und Tiefen zu ermessen, dann zeigt sie uns sicherlich die Liebe des himmlischen Vaters und die Liebe des Erlösers in Regenbogenfarben, und wir lieben den Vater und den Sohn immer mehr, weil Sie uns zuerst geliebt haben. Die göttliche Form der Liebe wird immer mehr zu unserem Ideal; und wenn wir versuchen, sie zu erwidern und nachzuahmen, folgt die Reinigung und Läuterung unserer Herzen: Wenn wir in das vollkommene Gesetz der Freiheit – die Liebe – schauen, schämen wir uns immer mehr für all die Boshaftigkeit und Selbstsucht, die der Sündenfall uns gebracht hat. Und wenn wir sie einmal in ihrem wahren Licht als Werke des Fleisches und des Teufels sehen, werden uns alle Wut, Bosheit, Zorn, Neid, Streit, üble Nachrede, böse Vermutungen, Verleumdung und Lästerung immer abstoßender. Und schließlich, wenn wir sehen, dass diejenigen, die in irgendeiner Weise mit diesen bösen Eigenschaften sympathisieren, für das Königreich ungeeignet und für jedes gute Werk wertlos sind, fliehen wir vor diesen Übeln der Seele wie vor einer tödlichen Ansteckung. Unsere Herzen (Willen, Absichten) werden auf einmal rein und wir stellen nicht nur über unsere Lippen eine Wache auf, sondern auch über unsere Gedanken, damit die Worte unseres Mundes und die Gedanken unseres Herzens für den Herrn annehmbar sind.
(2) „Der sich selbst für uns gegeben hat, damit er uns loskaufte von aller Gesetzlosigkeit und reinigte sich selbst ein Eigentumsvolk, eifrig in guten Werken“ – Tit. 2:14.
Wir können viel und durchaus richtig darüber theoretisieren, wie, wann und von wem wir erlöst wurden; aber das alles würde wenig nützen, wenn wir vergessen würden, warum wir erlöst wurden. Die Erlösung war nicht nur eine Erlösung von der Macht des Grabes; sie war vor allem eine Erlösung „von aller Gesetzlosigkeit [Ungerechtigkeit]“. Und der Herr sucht nicht nur ein besonderes Volk, sondern vor allem ein Volk, das besonders gereinigt und geläutert ist. Diese Medizin wird uns sicherlich von der Ungerechtigkeit reinigen, wenn wir bestrebt sind, unsere Berufung und Erwählung zu sichern.
(3) „Strebe aber nach Gerechtigkeit, Glauben, Liebe, Frieden mit denen, die den Herrn anrufen aus reinem Herzen“ – 2. Tim. 2:22.
Wir müssen nicht nur richtig beginnen, sondern auch den richtigen Kurs verfolgen. Wir dürfen der Ungerechtigkeit nicht einmal für einen Moment folgen; was auch immer es kosten mag, das Recht und die Gerechtigkeit müssen befolgt werden. Aber hier entsteht bei einigen eine Schwierigkeit: Sie wissen nicht, wie man ein gerechtes Urteil fällt. Sie neigen zu leicht dazu, nach Gerüchten oder dem äußeren Anschein zu urteilen oder das Urteil der Schriftgelehrten und Pharisäer anzunehmen, wie es die Menge tat, die schrie: „Er werde gekreuzigt!“ „Sein Blut komme über uns und über unsere Kinder“ [Mt. 27:23, 25]. Wären sie der Gerechtigkeit gefolgt, hätten sie den Charakter des Herrn in Seinen guten Werken und in Seinen wunderbaren Worten des Lebens gesehen: Sie hätten gesehen, dass Er weit davon entfernt war, ein Gotteslästerer zu sein, sondern „heilig, sündlos, unbefleckt, abgesondert von den Sündern“ [Hebr. 7:26] war: Sie hätten gesehen, dass Seine Ankläger von Neid und Hass getrieben wurden.
Und es ist heute genauso notwendig wie eh und je, dem Gebot des Herrn zu folgen: „Richtet ein gerechtes Gericht“ [Joh. 7:24], und wer dies vernachlässigt, lädt „Blut“ auf sein eigenes Haupt und wird an der Strafe für falsche Ankläger beteiligt. Denn wie der Herr behandelt wurde, so werden auch Seine „Brüder“ behandelt werden. Und je reiner unsere Herzen sind, desto weniger werden sie von Verleumdungen, übler Nachrede und bösem Gerede beeinflusst werden, und desto mehr werden wir erkennen, dass diejenigen, die verbitterte Herzen haben, aus denen bittere Worte hervorgehen, unreine Quellen sind, in denen die Galle der Bitterkeit und nicht die Süße der Liebe fließt.
Als Nächstes kommt Treue, das heißt Ergebenheit. Der Herr erklärt Seine eigene Treue oder Ergebenheit und bezeichnet Sich als Freund, der näher steht als ein Bruder. Und selbst die weltlich Gesinnten erkennen Treue als eine Gnade an: und durch sie wird sie oft an erster Stelle genannt; denn viele würden Diebstahl oder Meineid begehen, um einem Freund treu zu sein. Aber beachtet, dass Gottes Wort die Gerechtigkeit an die erste Stelle setzt. Treue, Liebe und Frieden können nur in Harmonie mit Gerechtigkeit ausgeübt werden; da aber einem Bruder keine Ungerechtigkeit nachgewiesen werden kann, müssen unsere Treue, Liebe und unser Frieden ihm gegenüber fortbestehen und sogar in dem Maße zunehmen, wie Neid, Verleumdung und alle feurigen Pfeile des Bösen ihn „ohne Grund“ angreifen. Diese wertvolle Rezept wird uns helfen, unsere Herzen frei von dem Gift und der Verbitterung der Wurzeln der Bitterkeit zu halten, die der Widersacher fleißig weiter pflanzt.
Das Recht ist die Reinheit des Herzens – die Freiheit von Ungerechtigkeit.
Die Gerechtigkeit ist die Reinheit des Herzens – die Freiheit von Unrecht. Die Liebe ist die Reinheit des Herzens – die Freiheit von Selbstsucht.
(4) „Da ihr eure Seelen gereinigt habt durch den Gehorsam gegen die Wahrheit zur ungeheuchelten Bruderliebe, so liebt einander mit Inbrunst aus reinem Herzen“ – 1. Petr. 1:22.
Dieses Medikament ist für diejenigen, die die anderen Rezepte verwendet haben und dann rein geworden sind. Es wird darauf hingewiesen, dass die Reinheit nicht nur durch das Hören der Wahrheit oder durch den Glauben an die Wahrheit erreicht wurde, sondern durch das Befolgen der Wahrheit. Und nicht nur durch formellen Gehorsam in äußerlichen Zeremonien und Bräuchen und durch polierte Manieren, sondern durch Gehorsam gegenüber dem Geist der Wahrheit – ihrer wahren Bedeutung. All dies brachte sie an den Punkt, an dem die Liebe der „Brüder“ Christi aufrichtig und echt war. Zuerst behandelten sie alle mit Höflichkeit oder zumindest ohne Unhöflichkeit; aber viele von ihnen mochten sie nicht, geschweige denn liebten sie: Sie waren arm, unansehnlich, unwissend oder sonderbar. Aber im Geiste der Wahrheit erkannten sie, dass alle, die auf das kostbare Blut vertrauen und dem lieben Erlöser geweiht sind und versuchen, Seinen Anweisungen zu folgen, „Brüder“ sind, unabhängig von Rasse, Hautfarbe, Bildung, Armut oder Herkunft. Sie haben einen Punkt erreicht, an dem Ihr Herz so frei von Neid, Stolz und Selbstsucht und so erfüllt vom Geist des Meisters ist, dass Sie ehrlich sagen können: Ich liebe alle „Brüder“ mit einer aufrichtigen und ungeheuchelten Liebe.
Nachdem wir jetzt so weit auf dem guten Weg gekommen sind, sagt uns der Herr durch den Apostel, was als Nächstes kommt – damit wir unsere Herzen rein bewahren können: „So liebt einander mit Inbrunst [leidenschaftlich] aus reinem Herzen“. Ach ja, das reine Herz darf nicht vergessen werden, sonst könnte es nur ein Schritt von der reinen Liebe in die Falle des Widersachers, der fleischlichen Liebe, sein. Aber die reine Liebe soll nicht kalt und gleichgültig sein: Sie soll so warm und stark sein, dass wir bereit sind, „unser Leben für die Brüder hinzugeben“ – 1. Joh. 3:16.
Wenn eine solche Liebe wie Weihrauch auf dem Altar unserer Herzen zu Gott aufsteigt, wird dort kein Platz für selbstsüchtige, neidische Gedanken, Worte oder Taten sein. Oh, wie gesegnet wären alle Versammlungen der „Brüder“, wenn ein solcher Geist sie alle durchdringen würde! Können wir daran zweifeln, dass, wenn er in der Hälfte oder einem Drittel oder sogar einem Viertel vorherrschen würde, er schnell einen positiven Einfluss auf alle ausüben würde – für Gerechtigkeit, Treue, Liebe und Frieden und gegen Neid, Streit, Bosheit, Verleumdung und üble Nachrede?
Mögen alle „Brüder“ diese Medizin, die uns für den Dienst des Meisters hier und in der Ewigkeit heiligt und vorbereitet, immer mehr einnehmen.
R2516-2518