Fragen: (1) Bis zu welchem Ausmaß sollte das Volk des Herrn die Aussage: „Seid nicht besorgt für euer Leben, was ihr essen und was ihr trinken sollt, noch für euren Leib, was ihr anziehen sollt. Ist nicht das Leben mehr als die Speise, und der Leib mehr als die Kleidung?“ (Mt. 6:25-34) wörtlich nehmen?
(2) Wie viel Zeit sollte das Volk des Herrn von seinen Pflichten im Leben für das Studieren der Bibel und allgemein für den Dienst an der Wahrheit aufwenden?
Antworten: (1) Die Worte unseres Herrn, die Du zitierts, müssen in Übereinstimmung mit anderen Aussagen des inspirierten Wortes interpretiert werden. Sie dürfen nicht so ausgelegt werden, dass sie im Widerspruch zu anderen Aussagen stehen. Andere Schriftstellen weisen das Volk des Herrn an, mit ihren Händen zu arbeiten, damit sie denen geben können, die in Not sind (Eph. 4:28), und dies bedeutet, dass sie vorausschauend handeln und Vorsorge treffen müssen, indem sie das verdiente Geld anlegen. Außerdem heißt es in der Schrift: „Die Kinder sollen nicht für die Eltern Schätze sammeln, sondern die Eltern für die Kinder” (2. Kor. 12:14) – was eine gewisse vernünftige Voraussicht und Vorsorge seitens der Eltern für diejenigen beinhaltet, die sie ins Leben gerufen haben. Der Apostel deutet erneut an, dass ein Christ, der im Geist eifrig ist und dem Herrn dient, in keiner Geschäftsangelegenheit träge sein wird (Röm. 12:11), und erklärt: „Wenn aber jemand für die Seinen und besonders für die Hausgenossen nicht sorgt, so hat er den Glauben verleugnet und ist schlechter als ein Ungläubiger“ (1. Tim. 5:8).
Wenn wir die Worte unseres Herrn in Übereinstimmung mit diesen anderen Schriftstellen interpretieren, bedeutet dies, dass der Christ sich keine ängstliche Sorge um die Zukunft machen soll, wenn es um Angelegenheiten geht, die außerhalb seiner Kontrolle liegen. Er soll sich jedoch um alle Angelegenheiten kümmern, die seiner Kontrolle unterliegen. Er soll sein Leben so gestalten, dass es für ihn selbst und für andere von Nutzen ist. Er soll sich an die biblische Aufforderung erinnern: „Geh zur Ameise, du Fauler, sieh ihre Wege und werde weise“ [Spr. 6:6], und er soll dem Brauch der Ameise folgen, die im Voraus Vorkehrungen für die Not trifft. Diese Lektion wird uns durch jede Vorsorge unseres Herrn gelehrt; zum Beispiel sollen das Pflügen und Säen freigebig und im Glauben geschehen, nicht zweifelnd und ängstlich. So soll auch der Anbau mit Geduld erfolgen, in Erwartung der Ernte. Und wenn die Ernte kommt, lehrt uns die Natur, dass der Schnitter nicht nur das ernten soll, was er essen möchte, und den nächsten Tag auf sich zukommen lassen soll, sondern dass er in Scheunen sammeln soll, um Vorräte für den Winter und für die nächste Aussaat anzulegen. Die Bemerkung unseres Herrn, dass die Vögel des Himmels kein Getreide in Scheunen sammeln und dennoch ernährt werden und dass die Lilien nicht spinnen und dennoch gekleidet werden, sollte nicht lehren, dass Seine Nachfolger die Methode der Vögel in Bezug auf ihre Nahrung übernehmen oder erwarten sollten, wie die Lilien gekleidet zu werden. Sie sollte vielmehr Vertrauen in Gott als unseren Verwalter lehren und so Seinen treuen Kindern ermöglichen, im Glauben zu pflügen und zu säen, im Glauben zu arbeiten und im Glauben zu ernten, im Glauben Vorräte anzulegen und im Glauben zu nutzen; dabei sollten sie jede gute Gabe als vom Herrn (durch die Sonne und den Regen, durch das Pflügen und Ernten), stammend anerkennen, durch den, der auch für die Vögel sorgt, wenn auch auf unterschiedliche Weise. Der Christ soll immer daran denken, dass der Mensch nicht vom Brot allein lebt, dass er nicht vollständig von seinen eigenen Kräften abhängig ist, dass seine Angelegenheiten in den beaufsichtigenden Händen des Herrn liegen und dass die Verheißung lautet: „Vertraue auf den Herrn und tu Gutes, wohne im Land und weide dich an Treue … So wird er dir geben die Bitten deines Herzens“ [Ps. 37:3, 4]. Dieses Vertrauen in Gottes Aufsicht hinsichtlich seiner Angelegenheiten gibt einem wahren Christen zwar einen ruhigen Sinn, macht ihn aber nicht nachlässig, sorglos oder faul, wenn es darum geht, mit aller Kraft das zu tun, was seine Hände zu tun finden, als wäre es für den Herrn.
(2) Verpflichtungen scheinen manchmal im Widerspruch zueinander zu stehen, aber in Wirklichkeit sind sie es nicht. Die erste Pflicht eines Christen ist es, in allen seinen Verhältnissen seinen Schöpfer und Herrn herzlich anzuerkennen. Seine zweite Verpflichtung, wenn er ein Ehemann und Vater ist, besteht gegenüber seiner Frau und seinen Kindern, oder wenn sie eine Ehefrau und Mutter ist, gegenüber ihrem Mann und ihren Kindern. In der göttlichen Anordnung ist der Ehemann der Versorger der Familie, und er gehorcht nicht dem göttlichen Gesetz, wenn er diese Pflicht vernachlässigt – in welcher Hinsicht auch immer, es sei denn, er ist aufgrund einer Krankheit dazu nicht in der Lage. Ebenso ist die erste Pflicht der Ehefrau die der Verwalterin; sie muss für das Wohlergehen und die Ermutigung ihres Mannes und ihrer Kinder gemäß dem Pfad der Pflicht sorgen. Eheliche Verpflichtungen lasten durch göttliche Anordnung als eine erste Hypothekenschuld auf der Zeit jedes Ehemannes und jeder Ehefrau. Die Forderungen dieser Hypothek müssen vernünftig getilgt werden, bevor irgendetwas geeigneter Weise für Außenstehende getan werden kann [Manna vom 23. Januar, Hervorhebung von uns].
Es ist ein großes Vorrecht für Christen, das Wort des Herrn zu studieren. Ein großer Teil des Studiums wird jedoch ohne ein bestimmtes Ziel durchgeführt. Studium, das nicht in die Tat umgesetzt wird, ist schlimmer als Zeitverschwendung. Nicht derjenige, der lediglich den Willen des Meisters kennt, sondern derjenige, der geduldig und beharrlich danach strebt, den Willen des Meisters zu tun, wird Anerkennung finden und die Krone gewinnen. Das Volk des Herrn sollte jede vernünftige Gelegenheit nutzen, um eine Erkenntnis des göttlichen Planes zu erlangen – selbst wenn es ein Opfer verlangt. Aber das Kind des Herrn wird besonders darauf achten, dass es seine eigenen Annehmlichkeiten und Bequemlichkeiten opfert und nicht vorwiegend die Annehmlichkeiten und Bequemlichkeiten der anderen. Das Bibelstudium, das nur auf Kosten anderer durchgeführt wird, ist eher ein Zeichen von Selbstsucht als ein Zeichen des reichlichen Innewohnens des Geistes Gottes der Liebe [Manna vom 19. Januar, Hervorhebung von uns].
Um unser Studium des göttlichen Plans so gewinnbringend wie möglich zu gestalten, sollten wir täglich genauso viel Zeit damit verbringen, anderen die Wahrheit zu vermitteln, wie wir damit verbringen, uns selbst zu ernähren. Die christliche Erfahrung bestätigt die Wahrheit der Worte der Heiligen Schrift: „Der Tränkende wird auch selbst getränkt“ [Spr. 11:25]. So wird der Diener des Herrn allmählich immer mehr daran interessiert sein, anderen die Wahrheit zu vermitteln, und feststellen, dass sein eigenes Wachstum an Erkenntnis und Gnade entweder in der Vorbereitung darauf, anderen die Wahrheit zu vermitteln, oder während er sie ihnen vermittelt, erfolgte. Ein Zustand der Lethargie, Trägheit usw. in Bezug auf die Pflichten des Lebens und in Bezug auf Gelegenheiten, anderen die Wahrheit zu verkünden, ist ein sicheres Zeichen für geistliche Armut. Es ist gut, dass alle aus dem Volk des Herrn die inspirierten Worte immer in ihrem Sinn bewahren: „Im Fleiß nicht säumig, brennend (herzlich, eifrig) im Geist; dem Herrn dienend“ [Röm. 12:11].
Was die Menge an Zeit angeht, die jeder aufwenden kann, kann keine Regel festgelegt werden, außer der des Eifers im Geist. Wer im Geiste eifrig ist, wird anderen zeitlich und geistlich fast die ganze Zeit dienen – mit seiner Kraft, mit allem, was seine Hand zu tun findet.
Frage: Wer ist der „Verwüster”, der in Jes. 33:1 angeprangert wird: „Wehe dir, Verwüster, und du selbst wurdest nicht verwüstet”? Bist du der Meinung, dass dieser Vers in irgendeiner Weise auf die gegenwärtige Erntezeit anwendbar ist?
Antwort: Die Zusammenhänge scheinen dies mit der bevorstehenden großen Zeit der Drangsal in Verbindung zu bringen. Zweifellos wird es sehr leicht sein, zu erkennen, auf wen sich dieser Vers bezieht, wenn die Zeit der Drangsal in vollem Gange oder fast vorbei ist. Zum gegenwärtigen Zeitpunkt scheint es nicht leicht zu sein, dies mit Sicherheit zu unterscheiden.
Frage: Bitte gebe eine ausführliche Definition der Begriffe sheol und hades.
Antwort: Wir hoffen, eine solche Definition im fünften Band der derzeit in Vorbereitung befindlichen Buchreihe TAGESANBRUCH liefern zu können.
Frage: Betrachtest Du die in 1. Mose aufgezeichnete Geschichte Josephs als vorbildlich?
Antwort: Ja, nach unserem Verständnis war Joseph ein Vorbild – verschiedene Aspekte seiner Geschichte scheinen separate und eindeutige Bilder der Erfahrungen Christi, des Hauptes und des Leibes, zu sein. (a) Joseph wurde von seinen Brüdern gehasst, von seinem Vater geliebt; so auch Christus. (b) Joseph wurde von seinen Brüdern in die Grube geworfen, so wie Jesus für Seine Brüder, die Juden, in die Grube des Todes ging. (c) Josephs Leben wurde in die Knechtschaft der Ägypter verkauft, wurde aber letztendlich zum Mittel zur Erhaltung seiner gesamten Familie sowie der Ägypter; so gab Christus Sich selbst als Lösegeld nicht nur für Seine Brüder, sondern auch für die ganze Menschheit; und während des Millennium-Zeitalters wird Er allen, die danach hungern, das „Brot des Lebens” geben. (d) Joseph wurde wegen seiner Reinheit geopfert und ins Gefängnis geworfen; so wurde auch unser Herr Jesus, „heilig, unschuldig, unbefleckt”, wie ein Übeltäter behandelt und ging in das Gefängnis des Todes. (e) Joseph wurde zur rechten Zeit aus dem Gefängnis befreit und zum Mitregenten des Königs auf dem Thron Ägyptens gemacht; so wurde auch unser Herr Jesus durch die Herrlichkeit des Vaters aus dem Gefängnis des Todes auferweckt, um zu Seiner Rechten in der Herrlichkeit der Macht auf dem Thron der Erde zu sitzen; als Vertreter und Repräsentant des großen Königs zum Segen aller Familien der Erde, vorbildlich dargestellt durch die Ägypter.
Frage: Verstehst Du aus der Prophezeiung in Hes. 40:40-46, dass Tieropfer nach der Errichtung des Königreiches Christi und wenn Israel wieder in Palästina ist, wieder aufgenommen werden?
Antwort: Da die „besseren Opfer“ des Evangelium-Zeitalters bereits stattgefunden haben, halten wir es für unwahrscheinlich, dass die vorbildlichen Opfer wieder eingeführt werden. Wir halten es für wahrscheinlicher, dass hier auf die gegenbildlichen Opfer Bezug genommen wird – die gebrochenen und zerschlagenen Herzen der Menschen und ihre Weihung in den Dienst des Herrn werden auf diese Weise dargestellt. Dennoch müssen wir bedenken, dass Gott diese vorbildlichen Opfer von Stieren und Böcken als eine gute Methode betrachtete, um dem fleischlichen Israel wichtige Wahrheiten darzulegen, und wir können erkennen, dass solche Opfer, wenn sie jetzt wieder eingeführt würden, für ähnliche Klassen viel mehr Kraft und Bedeutung hätten als sie es hatten, bevor ihrer Gegenbilder kamen. Wir können daher nicht sicher sein, dass der Herr nicht einen ähnlichen Plan wie diesen anwenden wird, um die unwissenden Massen der Menschheit zu unterweisen, als Vorbereitung auf höhere Lektionen – als Illustrationen geistlicher Dinge. R2488