R 2479
DAS NEUE LEBEN IN CHRISTUS
- KOL. 3:1-15.-
„Und der Friede des Christus regiere in euren Herzen“.

Im Anschluss an unsere Betrachtung des Todes und der Auferstehung unseres Herrn ist es angebracht, dass wir die beiden Lehren, die darin enthalten sind, auf uns selbst anwenden:

(1) Die Lehre von der Verdorbenheit des Menschen durch den Fall und seinem daraus resultierenden Bedürfnis nach Erlösung und Restitution. Wie wir gesehen haben, war der Tod Christi der Lösegeldpreis des Menschen, und die Auferstehung Christi war Gottes Bestätigung der Annehmbarkeit des Sündopfers und bereitete den Weg für den Segen der Menschheit, indem Er den Erlöser zu übermenschlichem Leben, göttlicher Herrlichkeit und Macht erweckte und Ihn zum „Herrn aller“ [Apg. 10:36] machte und Ihn so für das große Werk der Segnung Adams und seiner Familie zur rechten Zeit – nach der Errichtung Seines Millenniumkönigreichs – geeignet machte.

(2) Wir sollten Gottes Absicht beachten, aus der Menschheit eine „Kleine Herde” auszuwählen, der Er zur rechten Zeit die Königreichsmacht übertragen und zu Seinen Repräsentanten und Vertretern in dem Werk machen wird, die Welt der Menschheit mit allen durch das Lösegeldopfer erlangten Vorteilen zu segnen. Die Heilige Schrift zeigt uns, dass dieser Plan oder diese Absicht Gottes von Ihm vor Grundlegung der Welt vorhergesehen und vorherbestimmt war. Sie zeigen uns auch, dass in dem göttlichen Vorsatz unser Herr Jesus das Haupt, der Erste, der Vornehmste, der Herr dieser Kleinen Herde war, und dass Gottes Umgang mit Ihm und die Art und Weise, wie Er für Seine gegenwärtige hohe Stellung vorbereitet wurde, ein Bild dafür waren, wie Seine Kirche für die Miterbschaft mit Ihm in Seinem Königreich vorbereitet werden sol. –- Eph. 1:3, 4; 4:15; Kol. 1:18; 1. Petr. 1:20.

Mit diesem letzten Merkmal oder dieser Lektion müssen wir uns jetzt beschäftigen. In der betrachteten Schriftstelle spricht der Apostel nicht zur Menschheit im Allgemeinen – nicht einmal zu den Gläubigen im Allgemeinen – sondern zu einer bestimmten Klasse, nämlich „den heiligen und treuen Brüdern in Christus“ (Kol. 1:2). Er spricht also zu denen, die die beiden Schritte der Gnade getan haben: (1) Den Schritt der Rechtfertigung von der adamitischen Sünde und dem Tod zur Versöhnung mit dem Vater durch den Glauben an die von Seinem geliebten Sohn vollbrachte Versöhnung. (2) Nachdem sie auf diese Weise in zugerechneter Weise oder durch den Glauben gerechtfertigt und aus dem Zustand der Sünde und Verurteilung herausgehoben worden sind, haben sie sich gemäß der Einladung des Herrn im vollsten Sinne und in vollem Maße dem Herrn geweiht, um Ihm zu gehorchen und Ihm zu dienen „bis in den Tod“.

Diese vollständige Weihung aller Talente, Kräfte und Gelegenheiten wird in der Schrift Tod genannt – weil der Wille gestorben ist, der Eigenwille verschwunden ist und an seiner Stelle der Wille des Herrn angenommen wurde. Und da der Wille das wahre Ich, die wahre Person ist, bedeutet dies, dass das alte Ich, der alte Wille oder die alte Person gestorben ist und dass die Neue Schöpfung, die keinen eigenen Willen hat, sondern ganz dem göttlichen Willen unterworfen ist, wie er in Christus, dem Haupt dieses Leibes, zum Ausdruck kommt, die Kontrolle übernommen hat. Verlieren wir nicht das hier vermittelte Gedankenbild aus den Augen. Wir sind keine neuen Individuen oder Personen, denn wir haben individuell und persönlich aufgehört zu sein, als wir uns durch vollständige Weihung dem Herrn hingegeben haben: Unser neuer Zustand ist der von Gliedern oder Teilen des größeren Unternehmens oder Körpers, dessen Haupt unser Herr Jesus ist. Wer einen eigenen Willen hat, ist zu Recht als Individuum zu betrachten; wer aber seinen eigenen Willen aufgegeben und stattdessen den Willen eines anderen angenommen hat, hat als Individuum aufgehört zu existieren oder ist bildlich gesprochen gestorben. Und das ist das Bild, das der Apostel in dieser und in verschiedenen anderen Darstellungen dieses Themas vermittelt. Zum Beispiel erklärt derselbe Schreiber in 1. Korinther 12, dass der gesamte Christus ein Leib mit vielen Gliedern ist, dass aber der Wille nicht in den Gliedern, sondern im Haupt wohnt. Inwieweit also das Volk des Herrn sich Ihm als Glieder des Leibes Christi voll und ganz geweiht hat, insofern soll es in absoluter Unterordnung unter den Willen Gottes in Christus stehen; und was seinen eigenen Willen betrifft, soll es keinen haben, sondern in dieser Hinsicht „tot” sein.

Das ist der Gedanke des Apostels in dieser Lektion; aber er geht noch weiter und sagt, dass wir, so wie unser eigener Wille, unsere Ambitionen, Ziele und Hoffnungen geweiht und für tot erklärt wurden, uns selbst als Glieder Christi betrachten sollten, der von den Toten auferstanden ist: als Neue Schöpfung, die vom neuen Willen, dem Sinn Christi, beherrscht und kontrolliert wird. An diese Klasse wendet sich der Apostel, und von diesem Standpunkt aus erklärt er: „Wenn ihr nun mit dem Christus auferweckt worden seid, so sucht was droben ist, wo der Christus ist, sitzend zur Rechten Gottes“ [Vers 1].

Der Gedanke ist, dass alle dieser Klasse als gerechtfertigte irdische Wesen, die das Miterbschaftsrecht an Christi Königreich begehren und erhoffen, von Gott gelehrt und durch die überaus großen und kostbaren Verheißungen Seines Wortes inspiriert worden sind, zu dieser Stellung der Weihung von sich selbst gelangen müssen. Wir sollen beachten, wie unser Herr Jesus Sein irdisches Leben niederlegte und vom Vater zu einen himmlischen Zustand und zur rechten Hand der Macht erhöht wurde – als Maßstab für unseren Weg als Nachfolger in Seinen Fußstapfen. Wir sollen uns ständig daran erinnern, dass die Miterbschaft mit dem Herrn in diesem geistlichen Zustand und in Seiner himmlischen Macht und Seinem Königreich die Hoffnungen sind, die der Kirche dieses Zeitalters vor Augen gestellt sind, und wir sollen „diese Dinge suchen“ – „vor allem das Reich Gottes suchen“ – danach streben, unsere Berufung und Erwählung festzumachen, damit wir an den Ehren und Herrlichkeiten unseres Herrn im Königreich teilhaben können, die Er bereits als Belohnung für Sein treues Opfer erlangt hat – Vers 1; Mt. 6:33; Röm. 2:7; 2. Petr. 1:10.

Der Apostel möchte uns verständlich machen, wie wir diese Dinge „suchen“ sollen. Wir sollen sie nicht nur im Gebet suchen, obwohl das Gebet eine ausgezeichnete Hilfe beim Suchen ist. Wir sollen sie suchen, indem wir unsere Zuneigung auf diese Dinge richten und unsere Zuneigung von irdischen Dingen lösen.

Vergleichsweise wenige erkennen, in welchem Ausmaß wir unseren eigenen Charakter formen – in welchem Ausmaß unser Sinn, unsere Zuneigung Gärten sind, in denen wir entweder die Dornen und Disteln der Sünde pflanzen können oder die rein moralischen und praktischen Eigenschaften, die den nützlichen Gemüsesorten entsprechen, oder jene Samen, die die duftenden und schönen Blumen hervorbringen, die mehr im Besonderen die himmlischen und geistlichen Gnaden repräsentieren würden. Was der Mensch sät, das wird er auch ernten, ob er nun für den Leib sät oder für den Geist. Wer also nach den himmlischen Dingen strebt, nach der Miterbschaft im Königreich usw., muss in seinem Sinn, in seinen Neigungen jene Eigenschaften und Gnaden pflanzen oder ansiedeln, die der Herr als wesentlich für die Entwicklung eines Charakters bezeichnet, der „Anteil hat am Erbe der Heiligen in dem Licht“ (Kol. 1:12).

So legt der Herr all denen, die Er zu dieser „Hohen Berufung”, dieser „Himmlischen Berufung” beruft und die den Ruf und den damit verbundenen Bund annehmen, die Verantwortung für ihren Erfolg oder Misserfolg bei der Erlangung dieser Berufung auf. Durch Sein Wort weist Er sie auf ihre eigenen natürlichen Schwächen und Unvollkommenheiten hin und zeigt ihnen, wie Er durch die Verdienste und das Opfer des Erlösers einen vollständigen Ausgleich oder ein Gegengewicht für diese Unvollkommenheiten geschaffen hat: Er zeigt ihnen auch, welche Früchte und Gnaden des Geistes sie zumindest im Herzen besitzen müssen, wenn sie Miterben Christi sein wollen: Er zeigt ihnen sowohl im Leben des Erlösers als auch in Seinen Lehren das Vorbild, dem alle folgen müssen, die dieselbe herrliche Stellung erreichen und Seine Miterben sein wollen. Wir könnten diese Angelegenheit lediglich unter dem Gesichtspunkt der Verantwortung betrachten, die sie uns auferlegt, und uns dadurch durchaus eingeschüchtert fühlen; vielmehr sollten wir sie jedoch unter dem Gesichtspunkt der göttlichen Gnade betrachten und bedenken, welch ein gesegnetes Vorrecht uns gewährt wurde, nicht nur durch die Erneuerung unseres Sinnes verwandelt zu werden, damit wir immer mehr den guten, annehmbaren und vollkommenen Willen Gottes erkennen und danach streben können, sondern darüber hinaus hat Gott uns die großartigste Belohnung in Aussicht gestellt, die wir uns vorstellen können, wenn wir das tun, was lediglich unsere Pflicht und unser vernünftiger Dienst ist – das zu tun, was uns neben einer zukünftigen Belohnung das größte Maß an Freude und Frieden bringen würde – 2. Petr. 1:3, 4.

Es gibt eine natürliche Anziehungskraft der irdischen Dinge auf die gesamte Menschheit: Auch wenn die irdischen Dinge während der Herrschaft des Bösen befleckt und in vielerlei Hinsicht für diejenigen, die gelernt haben, Gerechtigkeit zu lieben und Ungerechtigkeit zu hassen, abstoßend sind, besteht dennoch eine starke Anziehungskraft zu den verdorbenen und befleckten irdischen Dingen. Wie Unkraut sprießen irdische Neigungen und Begierden spontan aus Samen, deren Herkunft wir nicht kennen. Der Christ, der sein Herz in der Liebe Gottes bewahren will, muss daher nicht nur seine Zuneigung immer wieder auf himmlische Dinge richten, sondern auch das Unkraut der irdischen Begierden und Anziehungskräfte entwurzeln.

Wie der Apostel andeutet, ist unser neues Leben nicht für alle sichtbar und auch nicht bei jeder Gelegenheit; es ist ein Leben mit neuen Wünschen, neuen Zielen, neuen Bestrebungen, das die Welt weder sehen noch vollständig würdigen kann, obwohl sie einige äußere Manifestationen des neuen Lebens in unserem täglichen Verhalten sieht. Selbst die „Brüder” sind möglicherweise nicht in der Lage, den Fortschritt des neuen Lebens in uns zu würdigen; und sogar wir selbst sind manchmal etwas verwirrt über die Schnelligkeit und Kraft seines Wachstums, und wir müssen vielleicht Wochen oder Monate oder sogar Jahre zurückblicken, um zweifelsfrei feststellen zu können, dass es wächst. Unser neues Leben, repräsentiert durch unsere Bemühungen, dem neuen Willen Christi zu folgen, ist somit in Christus und im Vater verborgen.

In Übereinstimmung mit diesem Gedanken erklärt der Apostel Paulus an einer anderen Stelle, dass weder die Welt noch die Brüder fähig sind, ihn zu richten – daß nur der Herr, der in den Herzen lesen kann und alle Bedingungen und Prüfungen kennt und auch die Schwachheiten, gegen die man kämpfen muß, richtig richten kann. Er erklärt sogar: „Ich beurteile mich aber selbst nicht“ (Röm. 14:4; 1. Kor. 4:3; Jak. 4:12). Eine hervorragende Vorgehensweise besteht darin, weder andere, die behaupten, als Kinder des Herrn nach ihrem Gewissen zu wandeln, noch sich selbst unter ähnlichen Verhältnissen zu verurteilen. Wir sollten einfach Tag für Tag weitereilen, unser Bestes tun, um die himmlischen Gnaden zu pflegen und unserem Meister zu dienen, und alle Ergebnisse dem Herrn überlassen [Manna vom 25. Juli, Hervorhebung von uns]. Er sorgt für uns, und solange unsere Hoffnungen, Ziele und Lebensinhalte auf das Himmlische ausgerichtet sind und unser Leben somit mit Christus in Gott verborgen ist, brauchen wir weder gegenwärtiges noch zukünftiges Übel zu fürchten. Denn der Herr wird mit uns sein und uns segnen und uns vor dem Fall bewahren und uns schließlich untadelig vorstellen – Ps. 23:4; Jud. 24; Kol. 1:22.

Dieser Zustand der Dinge soll während des gesamten Evangelium-Zeitalters andauern und für alle Glieder des Leibes Christi gelten. Alle sollen für die Welt tot sein und alle sollen ihre Ambitionen und Hoffnungen für das Leben mit Christus in Gott verborgen haben. Wie der Vater es für unseren Herrn getan hat, so will Er es auch von allen, die wirklich mit Ihm verbunden sind; und die Zeit, in der diese Segnungen der Kirche zuteilwerden, ist, wie der Apostel sagt, bei der Wiederkunft des Herrn. Dann wird das Volk des Herrn nicht mehr voneinander oder von der Welt missverstanden werden; dann werden alle Treuen mit dem Meister in Herrlichkeit erscheinen, und dann wird das Werk beginnen, alle Familien der Erde mit der Erkenntnis der Wahrheit zu segnen und ihnen die Gelegenheit zu geben, alles, was in Adam verloren gegangen ist, durch Restitution wiederzuerlangen.

Nachdem der Apostel den richtigen Weg der Kirche in Bezug auf ihre Bestrebungen, Hoffnungen usw. dargelegt hat, wendet er sich der anderen Seite der Frage zu und gibt uns konkrete und ausdrückliche Anweisungen, wie wir unser Gelübde der Weihung, den irdischen Dingen abzusterben und nur für die himmlischen Dinge zu leben, erfüllen sollen [Vers 5]. Es wird auffallen, dass er nicht dazu rät, sich aus der Welt und ihren geschäftigen Sorgen in Mönchsklöster oder Nonnenklöster zurückzuziehen, sondern dass er dem geweihten Volk des Herrn, wo immer es sich befindet, rät, die Methoden zu beachten, mit denen es am besten die gewünschten Ergebnisse der Abtötung seiner Begierden, Wünsche usw. erreichen kann, die in seinem gefallenen Fleisch oder seiner irdischen Natur verwurzelt und verankert sind. Er erwähnt diese Verfolgungen, beginnend mit den gröberen und endend mit den subtilen.

Die Hurerei war zu Zeiten der Apostel weit verbreitet, und er wollte, dass die Heiligen dieses grobe, auffällige Übel erkannten und dann in Verbindung damit auch andere Übel bemerkten, die sie viel leichter übersehen konnten. An erster Stelle steht dabei die „Unreinheit“. Was für ein eindringlicher Gedanke steckt in diesem Wort! Es bedeutet alles, was nicht rein, nicht keusch, nicht heilig, nicht sauber ist. Wenn viele der Heiligen das Gefühl hätten, dass es sinnlos sei, ihnen ein so grobes Übel wie Hurerei zu erwähnen, müssten sie zugeben, dass sie in ihrem unvollkommenen Zustand wegen „Unreinheit” Schutz und Rat benötigen. Dies erinnert uns an die Worte unseres Herrn an Seine Jünger in der Nacht vor Seiner Kreuzigung. Er sagte zu Petrus, als Er ihm die Füße waschen wollte: „Ihr seid rein, aber nicht alle“ [Joh. 13.10]. So sind die Heiligen, die dem Herrn geweiht sind, rein im Herzen, aber nicht alles ist rein – die Glieder, die die Erde berühren, ihre Empfindungen und Leidenschaften, die mit der verunreinigten menschlichen Natur in Berührung kommen, müssen gereinigt werden, müssen „mit Wasser durch das Wort gewaschen“ werden. Aller Schmutz, alle Unreinheit, jeder „Fleck und jede Runzel“ muss beachtet werden, und das „kostbare Blut“ ist das Gegenmittel für jeden Fleck – Eph. 5:25-27.

„Übermäßige Zuneigung“ [so in der KJV; griech. pathos, rohe, starke Gefühle (Emotionen), die nicht von Gott geleitet sind; REB: „Leidenschaft“] ist eines der Dinge, die als etwas erwähnt werden, das der Beachtung und Besserung durch die Heiligen bedürftig ist: Dies bedeutet irdische oder tierische Leidenschaften. Die Heiligen sollen diese Leidenschaften abtöten, das heißt, sie ersticken – nicht nur, indem sie versuchen, solche Leidenschaften weder in sich selbst noch in anderen zu pflegen, zu beleben oder zu wecken, sondern im Gegenteil, indem sie versuchen, diese Leidenschaften abzutöten und stattdessen höhere und edlere Freuden und Gefühle zu pflegen. Das Abtöten dieser Leidenschaften und die damit verbundene Selbstverleugnung nach dem Fleisch ist Teil des gegenbildlichen Fastens, zu dem alle Glieder des Herrn gemäß ihrem Eifer, ihren Gelegenheiten und Möglichkeiten streben sollten.

„Böse Begierde“ (oder, in modernerer Sprache, das Verlangen nach verbotenen Dingen) stehen in der Liste des Apostels der bösen Neigungen eine Stufe höher, die entwurzelt, abgetötet werden sollten. Es reicht nicht aus, dass wir die Sünde in ihren verschiedenen Formen als ein Übel anerkennen und beschließen, gegen sie zu kämpfen, weil sie unter das Verbot des Herrn fällt. Wir sollen zusätzlich jedes Verlangen, jeden Wunsch nach allem, was der Herr nicht völlig billigt, aus unseren Herzen ausrotten. O, welch eine Reinigung würde das in den Herzen und im Leben und besonders in den Gedanken von vielen, die den Namen Christi genannt haben, bedeuten! Viele, die versäumen, diesen Punkt zu beachten, sehen sich ständig Versuchungen ausgesetzt, denn, obwohl sie nach außen hin grobe Unmoral vermeiden, hegen sie innerlich eine Sympathie für Dinge, die verdammt sind, indem sie das Verlangen haben, diese zu besitzen, wenn sie nur nicht verboten wären [Manna vom 27. Januar, Hervorhebung von uns]. Unter solchen Bedingungen kann im höheren Leben vergleichsweise wenig Fortschritt erzielt werden. Der Apostel möchte uns den richtigen Weg aufzeigen, den wir einschlagen müssen, wenn wir den großen Preis gewinnen wollen, nämlich den hohen Standard, unsere Gedanken, Wünsche und Sehnsüchte unseres Herzens in völlige Übereinstimmung mit dem vollkommenen Willen Gottes zu bringen: Und nur diejenigen, die dies tun, machen richtige Fortschritte und laufen den Lauf, der uns im Evangelium vorgegeben ist – 2. Kor. 10:5.

Der Apostel schließt seine Liste der Dinge, gegen die die Neue Schöpfung bis zum Tod kämpfen muss, mit der Habsucht ab und erklärt sie zu einer Form des Götzendienstes. Mit anderen Worten: Wenn das Herz des Volkes des Herrn irgendwelchen irdischen Dingen nachläuft – selbst wenn diese an sich nicht böse sind – wenn es seine Zuneigung auf irdische Dinge richtet, seien sie auch noch so gut, und es versäumt, seine Zuneigung auf die himmlischen Dinge zu richten, dann läuft es den Wettlauf nicht erfolgreich. Dies gehört zu den verführerischsten Prüfungen für das Volk des Herrn. Manche werden ihre Zuneigung auf eine Ehefrau oder einen Ehemann, auf Eltern oder Kinder oder auf einen guten Ruf in der Öffentlichkeit richten, und zwar in einem solchen Ausmaß, dass, wenn sie geprüft werden, ob sie diese mehr lieben als den Herrn, ihr Verhalten beweist, dass sie diesen irdischen guten Dingen mehr Liebe entgegenbringen als dem Herrn.

Häufig ist dem Volk des Herrn zu dieser Zeit nicht bewusst, dass dies der Fall ist. Sie lieben den Herrn, sie lieben ihre Familien und Freunde und einen guten Namen, der größer ist als großer Reichtum, und sie erkennen nicht, dass sie den Herrn weniger lieben als diese anderen Dinge. Der Herr jedoch wird jeden, den Er zu der Hohen Berufung aufnehmen will, genau nach diesen Richtlinien prüfen; Er erklärt im Voraus, dass jeder, der Vater, Mutter, Kinder oder irgendetwas anderes mehr liebt als Ihn, Seiner nicht würdig ist – nicht würdig, als Glied des Leibes Christi in Herrlichkeit, der überwindenden Kirche, gezählt zu werden. Die Überwinder müssen alle geprüft werden, ob sie bereit sind, alles dem Herrn zu opfern; ob sie, falls notwendig, die Liebe, Gemeinschaft und Anerkennung jedes anderen Wesens aufopfern würden, um die Liebe und Gunst des Herrn zu behalten. Wir glauben, dass diese Prüfung an das geweihte Volk des Herrn Tag für Tag näher rückt, und jeder von uns hat die Pflicht, daran zu denken, dass dies ein Bestandteil unserer Prüfung ist, und dementsprechend sollten wir unsere Zuneigungen auf geistliche Dinge richten und alle Zuneigungen zu irdischen Personen und Dingen töten oder absterben lassen, die mit unseren Zuneigungen für unseren Herrn, mit dem Dienst usw. in Konkurrenz geraten würden [Manna vom 26. Juli, Hervorhebung von uns].

Der Apostel fasst diese Liste der abzutötenden Übel zusammen, indem er sagt, dass der Zorn des Herrn „über die Söhne des Ungehorsams“ [Vers 6] kommen wird, weil sie diese irdischen Dinge suchen und weil solche Dinge in ihren Herzen wachsen. Wer sind diese „Söhne des Ungehorsams“? Sind das die Bösen, die Weltlichen, die Nichterneuerten? Nein, keines von diesen, denn diese sind überhaupt keine „Söhne“. Der Bezug ist offensichtlich auf diejenigen, die durch Seine rechtmäßige Anordnung von (1) Rechtfertigung und (2) Heiligung durch den Glauben an Christus Söhne Gottes geworden sind. Er bezieht sich auf diejenigen, die zur Klasse der „Berufenen“ gehören, aber ihre Berufung und Erwählung zur Miterbschaft mit dem Herrn als Glieder der Kleinen Herde des Reiches nicht festmachen. Er bezieht sich auf diejenigen, die ihre Zuneigung nicht richtig auf himmlische Dinge richten, sondern zulassen, dass ihre Zuneigung hauptsächlich auf irdische Dinge ausgerichtet ist. Er bezieht sich auf die „Große Schar”, die wegen ihrer Liebe zu Vater oder Mutter, zu Häusern oder Ländereien oder etwas anderem in einem solchen Ausmaß, dass sie ihren Opferbund nicht einhalten, als unwürdig angesehen werden, am Königreich teilzuhaben, und stattdessen der großen Zeit der Drangsal – „dem Tag des Zorns” – ausgesetzt werden – 1. Kor. 3:15; Offb. 7:9-15.

Das bedeutet jedoch nicht, dass diese Menschen in ihrem Leben überaus verdorben geworden sind, sondern lediglich, dass sie den Lebensweg fortsetzen, den sie vor ihrem Bund mit dem Herrn eingeschlagen haben. Dies kommt im siebten Vers unserer Lektion deutlich zum Ausdruck.

Um die Veränderung, die in denen stattfinden sollte, die sich ganz dem Herrn geweiht haben, im Einzelnen darzulegen, zählt der Apostel bestimmte Änderungen der Gesinnung auf, die angestrebt und, soweit möglich, erreicht werden sollten, nämlich das Ablegen all dessen, was folgt [Vers 8]: Zorn, Wut, Bosheit, Lästerung, schändliches Reden und jede Art von Falschheit. Auf den ersten Blick scheint eine solche Besserung des Lebens unnötig zu erwähnen, da sie zu grob und jedem wahren christlichen Grundsatz völlig entgegenstehend erscheint; aber wenn wir die Angelegenheit genauer betrachten, stellen wir fest, dass der Apostel tatsächlich fast alle Schwächen des Fleisches in seine Liste aufgenommen hat, die diejenigen bedrängen, die „eine Neue Schöpfung in Christus” geworden sind. Was gibt es unter Christen Häufigeres, als zornig zu werden? Wie viele gibt es, die den Namen Christi nennen, aber böswillige oder zumindest unfreundliche Gedanken über andere hegen, diese Gedanken in sich tragen und manchmal zulassen, dass sie ihr Verhalten beeinflussen! Wie viele gibt es, die sich der üblen Nachrede, also der Verleumdung (hier mit „Lästerung” übersetzt), hingeben! Dies geschieht oft in einer Weise, die nicht nur den Zuhörer täuscht, sondern auch den Sprecher selbst hinsichtlich seiner wahren Absicht, wenn er abfällig und unfreundlich über andere spricht.

Was für eine wunderbare Welt wäre dies, wenn alle bösen oder unreinen Worte vermieden würden! Jeder Christ sollte dafür sorgen, dass fortan jedes Wort, das aus seinem Mund kommt, den Zuhörern zur Gnade gereicht – Worte, die nur Gutes wollen und erbaulich sind. Schließlich ist es nicht nur notwendig, gute Absichten im Herzen zu haben, sondern diese guten Absichten auch ehrlich miteinander zu teilen – ohne Täuschung, ohne Heuchelei. Aber es erfordert ein sehr reines und sehr liebevolles Herz, um wirklich aufrichtig zu sein, sonst würde es ständig in Schwierigkeiten führen. Wenn die lieblosen, selbstsüchtigen, unfreundlichen Herzen, die voller böser Vermutungen, Bosheit, Hass und Streit sind, sich offen äußern würden, würde dies die Probleme der Welt immens vergrößern. Der Apostel drängt daher zuerst auf die Reinigung des Herzens und dann auf allgemeine Offenheit.

Diese Besserungen im Leben werden als vernünftige und angemessene Folge unserer Verwandlung von der adamitischen und gefallenen Natur, die als tot gilt, zur neuen Natur Christi gefordert, von dessen „Leib” wir in zugerechneter Weise Glieder geworden sind, die durch unser neues Haupt, Christus Jesus, kontrolliert und in der Erkenntnis erneuert werden.

Und der Apostel zeigt dann, dass wir in diesem neuen Zustand als Glieder des Leibes Christi daran denken sollen, dass die früheren Unterschiede der Menschen ignoriert werden, denn wer vom Herrn als Glied Seines Leibes angenommen wird, ist ein Kollege jedes anderen Gliedes, das auf diese Weise angenommen wurde – ob sie nun nach dem Fleisch Griechen oder Juden, Beschnittene oder Unbeschnittene waren, Barbaren oder Skythen, Sklaven oder Freie; denn alle, die zu Christus kommen, werden ihrem früheren Zustand gegenüber als tot und ihrem neuen Zustand gegenüber, die für alle gleich sind, als lebendig angesehen. So ist ein Sklave, der freigelassen wird, seiner früheren Sklaverei gestorben und kann bildlich gesprochen als jemand bezeichnet werden, der ein neues Leben begonnen hat. So kann auch ein Bürger seine Treue zu seinem Geburtsland aufgeben und einem anderen Land die Treue schwören und dessen Bürger werden, und somit gilt er als tot für die Nation, deren Bürger er von Geburt an war, und als lebendig für die neue Nation, in die er aufgenommen wurde. So ist es mit allen, die in Christus sind: Sie mögen Waliser oder Spanier, Briten oder Gallier, Schwarze oder Weiße, Inder oder Malaien gewesen sein, aber sobald sie vom Herrn durch Glauben und Weihung als Neue Schöpfung angenommen sind, müssen sie sich selbst als tot allen ihren früheren Beziehungen und Verpflichtungen gegenüber betrachten, dass sie in neue Zustände als Bürger des himmlischen Königreichs und in zugerechneter Weise als Erben Gottes und Miterben Jesu Christi, gekommen sind.

Das bedeutet jedoch nicht, dass der weiße Mann zum schwarzen Mann wird oder der schwarze Mann zum weißen Mann; es bedeutet auch nicht zwangsläufig eine Änderung der Sprache oder eine Revolution aller Vorlieben und Eigenheiten, mit denen man geboren wurde; noch bedeutet es eine vollständige Befreiung gemäß dem Fleisch von den Verpflichtungen gegenüber unserem Geburtsland, noch bedeutet es, dass wir uns nicht den bestehenden Mächten unterwerfen sollten, außer wenn ihre Forderungen im Widerspruch zu den positiven Geboten unseres Königs stehen; noch bedeutet es eine Missachtung der Unterschiede zwischen den Geschlechtern und der jedem Geschlecht eigenen Anstandsregeln, die gemäß der Heiligen Schrift während dieses Zeitalters fortbestehen und bewahrt werden sollen. Es beinhaltet jedoch, dass wenn wir einander als Neue Schöpfung in Christus Jesus betrachten, alle als gleichwertig anzusehen sind – niemand darf wegen seiner Hautfarbe, seiner Sprache oder seines Geschlechts als „Bruder” geringgeschätzt werden.

Mit diesem Gedanken vor Augen – der Einheit und Gleichheit derer, die in den Leib Christi aufgenommen worden sind – macht uns der Apostel eindringlich darauf aufmerksam, dass es nicht nur notwendig ist, die bösen Gesinnungen unseres gefallenen Fleisches abzulegen, sondern auch die verschiedenen Gnaden des Geistes anzunehmen und zu pflegen, die in unserem Haupt, Christus Jesus, veranschaulicht sind. Er nennt diese: (1) „Herzliches Erbarmen“ [Vers 12] oder, in modernerer Sprache, mitfühlende Empfindungen; eine Gesinnung der Großzügigkeit und Herzensgüte gegenüber allen und allem – gegenüber den Heiligen, gegenüber unseren Nächsten und Freunden und Verwandten, gegenüber unseren Feinden und gegenüber der gesamten Schöpfung. Er führt weiter aus, dass dies Folgendes beinhaltet: (2) Güte gegenüber allen; (3) Demut des Sinnes, das Gegenteil von Prahlerei, Überheblichkeit und Arroganz; (4) Sanftmut oder Milde der Gesinnung; (5) Langmut oder geduldiges Ertragen der Fehler und Schwächen anderer. Es bedeutet, dass wir die Eigenheiten des Temperaments und der Gesinnung des anderen ertragen und einander frei vergeben sollten, wenn wir Anstoß aneinander nehmen – und dabei lernen, uns selbst zu bessern, wenn wir unsere eigenen Fehler mehr oder weniger in anderen gespiegelt sehen. Der Maßstab für all dieses Verhalten findet sich im Weg des Herrn uns gegenüber, denn Er war gewiss großzügig, gütig, nachsichtig und vergebungsbereit.

Der Apostel möchte, dass wir bemerken, dass er nicht versucht, die Welt nach diesen Richtlinien zu reformieren, sondern lediglich eine Verwandlung derjenigen, die einen besonderen Bund mit dem Herrn geschlossen haben, d.h. der Kirche: „als Auserwählte Gottes, als Heilige und Geliebte“. Dennoch werden alle, die einen solchen Bund mit dem Herrn geschlossen haben und hoffen, ihre Berufung und Erwählung zur Gliedschaft in der verherrlichten Kirche festzumachen, nicht nur danach streben, diese Früchte des Geistes in ihrem eigenen Leben zu haben, sondern auch danach, sie bei ihren Freunden und Nächsten zu pflegen, wenn sich ihnen die Gelegenheit dazu bietet. Vor allem werden sie danach streben, einen solchen guten Einfluss auf ihre eigenen Familien auszuüben, damit ihre Kinder von ihnen als Eltern nicht nur das natürliche Leben und die notwendigen Anweisungen und den Start ins Leben erhalten, sondern wenn möglich auch den Start in das neue Leben und die notwendigen Anweisungen und die Ausrüstung dafür.

Aber der Apostel ist, als Mundstück des Heiligen Geistes, ein gründlicher Lehrer. Er sagt uns nicht nur, welche Untugenden wir ablegen und welche Tugenden wir anlegen sollen, sondern er betrachtet den Leib des Herrn, der mit diesen herrlichen Eigenschaften des Herzens – Mitgefühl, Güte, Demut, Sanftmut, Geduld, Nachsicht und Vergebung – bekleidet ist, und fügt hinzu: „Zu diesem allen aber zieht die Liebe an, die das Band der Vollkommenheit ist“ [Vers 14]. Die Liebe wird also als der „Gürtel“ dargestellt, der die Falten des Kleides der Gerechtigkeit Christi mit seinen verschiedenen Gnaden zusammenhält. Mit anderen Worten, der Apostel möchte uns zeigen, dass Nachsicht, Sanftmut, Geduld usw. nicht nur eine Frage der Höflichkeit oder der Politik sein dürfen, sondern dass, wie sehr sie auch am Anfang von diesen Eigenschaften geprägt sein mögen, werden diejenigen, die sie tragen, nicht im Herzen vervollkommnet und nicht für das Königreich Gottes geeignet sein, bis sie den Punkt erreicht haben, an dem diese verschiedenen Gnaden ihres Willens oder ihrer Absichten durch die Bande der Liebe an sie gebunden sind – Liebe zum Herrn, Liebe zur Gerechtigkeit, Liebe zu den „Brüdern“ und mitfühlende Liebe für die ganze seufzende Schöpfung. Die Liebe ist in der Tat das Band der Vollkommenheit, der Geist des Herrn selbst.

Wie eindringlich ist an dieser Stelle der letzte Vers dieser Lektion: „Und der Friede des Christus regiere in euren Herzen, zu dem ihr auch berufen worden seid in einem Leib [einem Unternehmen, einer Kirche – dem Leib Christi]; und seid dankbar“ [Vers 15]. Erst wenn Gottes Volk ein gewisses Maß dessen erreicht hat, was der Apostel hier umrissen hat, kann es aus Erfahrung die Seligkeit erkennen, die darin liegt, dass göttlicher Friede in seinen Herzen und seinem Leben herrscht, dass er seine Beziehungen zu jedem Glied des Leibes Christi unter dem Band der Liebe regelt und in ihm mehr und mehr den Geist der Dankbarkeit und der Dankbarkeit gegenüber Gott für die empfangene Barmherzigkeit und die empfangenen Segnungen hervorbringt. Und diese Dankbarkeit wird ihren natürlichen und richtigen Ausdruck in Bemühungen finden, dem Herrn zu dienen: Bemühungen, die der Herr aus solchen Herzen, die durch Christus Jesus, das Haupt und den Erlöser, als heilig und annehmbar in zugerechneter Weise angesehen werden, mit Sicherheit annehmen wird.
R2479-2482