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„ER WIRD EUCH EINEN ANDEREN BEISTAND GEBEN“
- JOH. 14:15-27.-

Als unser Herr zu Seinen verwirrten Jüngern bei der Einsetzung des Gedächtnismahls Seines eigenen Todes weiterredete, versprach Er nicht nur, wiederzukommen und sie in der rechten Zeit zu Sich zu nehmen, sondern Er verhieß ihnen auch den Beistand, den Heiligen Geist, für die Zwischenzeit Seiner Abwesenheit. Da Er im Begriff war, die menschliche Natur niederzulegen, konnte Er nicht länger als der Mensch Christus Jesus bei ihnen sein – in Seiner Auferstehung würde Er wieder ein Geistwesen wie der Vater werden und für Seine Jünger ebenso unsichtbar sein wie der Vater für sie, bis die Zeit kommen würde, da die gesamte Kirche, vollständig, „verwandelt“ und „Ihm gleich“ gemacht werden würde (und dem Vater gleich) und Ihn sehen und mit Ihm sein und an Seiner Herrlichkeit teilhaben würde. Seine Auferstehung, diese „Verwandlung”, machte es notwendig, dass Er entweder Seine Jünger während des Evangelium-Zeitalters ohne jede Hilfe oder Beistand allein zurückließ oder dass ihnen diese Hilfe auf andere Weise gewährt wurde. Die wenigen Gelegenheiten, bei denen unser Herr Seinen Jüngern nach Seiner Auferstehung für einige Augenblicke erschien, waren wundersame Manifestationen, die lediglich den Zweck hatten, ihnen zu versichern, dass Er nicht mehr tot war und dass Er, nachdem Er von den Toten auferstanden war, nicht mehr durch menschliche Zustände kontrolliert wurde. Als Teil der Lektion erschienen daher die leiblichen Körper, in denen Er sich manifestierte, auf wundersame Weise und verschwanden ebenso – Er kam und ging wie der Wind – Joh. 3:8; Lk. 24:26, 31; Apg. 1:3, 4.

Der Heilige Geist wäre ein weiterer Beistand, aber der Beistand wäre von derselben Art. In der Tat gibt unser Wort Tröster [z.B. in der LB und KJV] den Gedanken der Schriftstelle nicht richtig wieder, der vielmehr ist, zu stärken, zu unterstützen. Der Heilige Geist wäre nicht nur ein Tröster in der Not, ein Beruhiger der Furcht im Sinne unseres Wortes „Trost“, sondern er würde ihr Verständnis beleben, ihren Eifer stärken und sie mit Energie erfüllen, damit sie all das tun und ertragen können, was die göttliche Vorsehung ihnen zu ihrer Besserung in Gerechtigkeit auferlegt, um sie „für das Erbe der Heiligen in dem Licht“ [Kol. 1:12] tauglich zu machen.

Der heilige Geist oder heilige Einfluss, der zur Kirche kommen und durch alle Zeitalter bei ihr bleiben sollte, um im Interesse der Gläubigen zu wachen und zu leiten, sollte ein Repräsentant sowohl des Vaters als auch des Sohnes sein. Der Gedanke, dass der Heilige Geist der Repräsentant des Herrn Jesus in der Kirche ist, wird sogar so stark betont, dass manchmal der Herr selbst und Sein Geist oder Einfluss synonym verwendet werden; wie zum Beispiel, als Er zu ihnen sagte: „Siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an des Zeitalters Ende“ (Mt. 28:20). Und weiter: „Ich werde euch nicht als Waisen lassen, ich komme zu euch (durch den Heiligen Geist)“. Und weiter: „An jenem Tag werdet ihr erkennen, dass ich in meinem Vater bin und ihr in mir und ich (durch den Heiligen Geist) in euch ... und ich werde mich ihm offenbar machen (durch den heiligen Geist) ...Und wir (der Vater und der Sohn) werden zu ihm kommen und Wohnung bei ihm machen (durch den Heiligen Geist)“ – Verse 18, 20, 21, 23.

So ist es, dass diejenigen, die den heiligen Geist, den Geist der Wahrheit, den Geist der Liebe, den Geist des Vaters, den Geist Christi empfangen, Jesus sehen können und ein neues Leben in sich beginnen (Vers 19). Sie sehen mit den Augen ihres Verständnisses und wandeln nicht in der Finsternis. Sie hören die Stimme des Herrn, die sagt: „Dies ist der Weg, wandelt darauf“. Sie schmecken das gute Wort Gottes und erkennen, dass Er sehr gütig ist. Sie spüren die Liebe Gottes, die in ihren Herzen ausgegossen ist und in ihnen Liebe zu den Brüdern und allen guten Früchten des Geistes hervorbringt – Sanftmut, Milde, Geduld, Langmut, brüderliche Güte, Liebe - Jes. 30:21; 1. Petr. 2:3; Röm. 5:5; Kol. 3:12, 13.

Diese Erfahrungen sind jedoch unter Bedingungen verheißen – sie werden nicht denen verheißen, die noch nie von der Gnade Gottes gehört haben, sondern denen, die davon gehört haben, „so viele irgend der Herr, unser Gott, herzurufen wird“ [Apg. 2:39], die Seine Gebote hören und von einer entsprechenden Liebe dazu bewegt werden, sie zu befolgen. Solche haben die Liebe des Vaters, solche haben die Liebe des Sohnes, und solche werden die Gemeinschaft sowohl des Vaters als auch des Sohnes durch das Medium oder den Kanal des Heiligen Geistes haben. Dies wird in den Versen 15 und 16 und erneut in den Versen 21, 23 und 24 erklärt. Nicht nur sind Glaube und Gehorsam des Herzens notwendig, bevor jemand in den Zustand der Geistzeugung gelangen kann, sondern auch ein Fortbestehen und Wachstum im Glauben und im Gehorsam sind notwendig, um ein Fortbestehen und Wachstum im Geist der Heiligkeit oder im Heiligen Geist, dem Geist der Gemeinschaft mit dem Vater und mit dem Sohn, zu erlangen.

Es ist eine Sache, eine Geistzeugung zu haben, und eine ganz andere Angelegenheit, den Zustand zu erreichen, den der Apostel fordert, indem er sagt: „Werdet mit dem Geist erfüllt“ (Eph. 5:18). Das Maß unseres Erfülltseins wird dem Maß unseres Geleertseins von dem Geist des Eigenwillens und dem Erfülltsein mit dem Geist des Glaubens und Gehorsams entsprechen. Obwohl man den Gehorsam nirgendwo sonst so zeigen kann wie im täglichen Leben, schaut der Herr bei Seinem geweihten Volk nichtsdestoweniger auf den Gehorsam der Absicht, des Willens des Herzens. Daher können Ihm einige, deren Herzen dem Herrn gegenüber völlig loyal sind, wohlgefallen, während sie einigen, mit denen sie in Kontakt kommen, nicht besonders gefallen. Andere wiederum, die wegen ihrer äußerlichen Moral „bei den Menschen in hohem Ansehen stehen“, mögen in Gottes Augen ein „Gräuel“ sein, weil sie in ihren Herzen kalt oder unehrlich sind. Nichtsdestoweniger wird derjenige, der die neue Hoffnung und den neuen Geist in sich trägt, danach trachten, sich nicht nur in seinen Gedanken, sondern auch in seinen Worten, Handlungen und allen seinen Angelegenheiten, innerlich wie äußerlich, zu reinigen -1. Joh. 3:3 [Manna vom 16. Juli, Hervorhebung von uns].

Es sollte nicht übersehen werden, dass, obwohl der Heilige Geist wie alle anderen Gnaden vom Vater kommt, er wie alle anderen Gaben des Vaters durch den Sohn zu uns kommt und nicht durch eine direkte Beziehung zwischen dem Vater und uns. Wie wir in unserer vorherigen Lektion gesehen haben, werden unsere Gebete, die an den Vater gerichtet sind, vom Sohn beantwortet: „Und was irgend ihr bitten werdet in meinem Namen, das werde ich tun, damit der Vater verherrlicht werde in dem Sohn. Wenn ihr etwas bitten werdet in meinem Namen, so werde ich es tun“ [Verse 13, 14] – so sehen wir in dieser Lektion, dass die Gabe des Heiligen Geistes nicht aufgrund einer direkten Beziehung zwischen dem Vater und uns zu uns kommt, sondern auf Veranlassung unseres Herrn Jesus. „Ich werde den Vater bitten, und er wird euch einen anderen Beistand geben“ – auf meine Bitte und zu meinen Gunsten wird der Vater dies für euch tun (Vers 16). Der gleiche Gedanke wird in Vers 26 noch einmal zum Ausdruck gebracht: „Der Heilige Geist, den der Vater senden wird in meinem Namen“.

Die Lehre für uns hier ist, dass unsere Stellung vor dem Vater bisher nur eine zugerechnete ist – in Christus, als Glieder Seines Leibes – unser Herr Jesus repräsentiert den Vater für uns und repräsentiert uns für den Vater. Der Trost und die Kraft des Heiligen Geistes, die uns zuteilwerden, sind vom Vater; es ist der Geist der Wahrheit, der ganz und gar vom Vater ausgeht: Er erreicht uns nicht direkt, sondern nur durch unseren Herrn und unser Haupt, Jesus. Mit einem Wort, wir haben keinerlei Stellung vor dem Vater und werden auch keine haben, bis wir durch Seine Gnade, durch unseren Herrn Jesus, „für das Erbe der Heiligen in dem Licht“ tauglich gemacht worden sind und durch die Verwandlung in der Ersten Auferstehung in Seinem Ebenbild, das das göttliche Ebenbild ist, vervollkommnet worden sind: Dann und danach, wenn wir tatsächlich vollkommen sind und nicht nur in zugerechneter Weise, können wir eine individuelle Stellung beim Vater haben, aber nicht vorher.

Darum fällt jeder, der durch den Verlust seines Glaubens an das kostbare Blut oder durch den Verlust des Heiligen Geistes, durch vorsätzliche Sünde, seine Beziehung zu Christus verliert, aus dem Schutz, der Fürsorge und der Bedeckung Jesu, des Mittlers des Neuen Bundes , heraus und fällt in die Hände des lebendigen Gottes, was ein Gericht nach Tatsachen und Werken bedeutet; und für alle unvollkommenen Schöpfungen bedeutet dies den Tod (Hebr. 10:31). Daher auch die Ermahnung der Schrift, dass wir in Ihm bleiben, dass wir unter dem Blut der Besprengung bleiben, dass wir in Seiner Liebe bleiben – Joh. 15:4, 6, 10; 1. Joh. 2:24-29.

Unser Herr erklärt ausdrücklich, dass derjenige, der nicht danach strebt, Ihm zu gefallen, indem er sich Seinen Anweisungen fügt, damit bekundet, dass er Ihn nicht liebt (Verse 23, 24). Es gibt sicherlich keine bessere Prüfung für die Liebe als Hingabe und keine bessere Prüfung für die Hingabe als Gehorsam. Unser erleuchtetes Gewissen stimmt den Worten des Meisters von ganzem Herzen zu, und mit dem Apostel rufen wir aus: „Denn die Liebe des Christus drängt uns, indem wir so geurteilt haben, dass einer für alle gestorben ist und somit alle gestorben sind. Und er ist für alle gestorben, damit die, die leben [gerechtfertigt und zu einem neuen Leben geboren], nicht mehr sich selbst leben, sondern dem, der für sie gestorben ist und ist auferweckt worden“ – 2. Kor. 5:14, 15.

Der Meister wies uns deutlich darauf hin, dass wir, wenn wir Seine Worte befolgen, nicht nur Ihm gefallen und Ihm gehorchen, sondern dass Er in dieser ganzen Angelegenheit das Sprachrohr Jehovas, des Vaters, ist und dass wir folglich, wenn wir Ihm gefallen und Ihm gehorchen, dem Vater gefallen und Ihm gehorchen. So viel konnte Er ihnen sagen, solange Er noch bei ihnen war, aber Er hatte noch vieles, was Er ihnen mitteilen wollte und was sie wissen mussten, was sie aber noch nicht aufnehmen konnten, weil der Heilige Geist noch nicht über sie gekommen war und auch nicht kommen konnte, bevor das Lösegeldopfer auf Golgatha dargebracht und im Allerheiligsten geopfert worden war, nachdem Er in die Höhe gefahren war, um dort für uns vor Gott zu erscheinen – Joh. 7:39; Hebr. 9:24.

Die Zusicherung unseres Herrn lautet, dass dieser Tröster oder Beistand, der Heilige Geist des Vaters, aufgrund und auf Geheiß Jesu, unseres Erlösers, unseres Mittlers und unseres Hauptes, gesandt wurde, um uns zu lehren und zu stärken, wobei Er verschiedene Mittel einsetzt, um uns zu unterweisen – das Wort der Wahrheit, die Schriften der Apostel und die verschiedenen Hilfen und Mittel, die der Herr durch den Heiligen Geist Seiner Herde von Zeit zu Zeit, je nach Bedarf, zur Verfügung stellt und stellen wird.

Wie wunderbar, wie tröstlich für ihre betrübten Herzen und wie erfrischend für unsere Herzen ist das Vermächtnis der Liebe und des Friedens, das uns unser lieber Erlöser hinterlassen hat, wie es im 27. Vers zum Ausdruck kommt! „Frieden lasse ich euch, meinen Frieden gebe ich euch; nicht wie die Welt gibt, gebe ich euch. Euer Herz werde nicht bestürzt, sei auch nicht furchtsam“. Dieser Friede und diese Freude, die alles menschliche Verständnis übersteigt, wurden weder der Welt gegeben, noch werden sie dem nominellen christlichen Bekenner gegeben, noch dem Formalisten und Ritualisten, wie eifrig sie auch sein mögen. Er ist nur für diejenigen bestimmt und kann nur von denen erlangt werden, die durch den Heiligen Geist den Reichtum der Gnade empfangen – diejenigen, die durch Gehorsam gegenüber der Wahrheit und ihrem Geist in Christus, ihrem lebendigen Haupt, in allen Dingen wachsen. Solche haben Frieden, tiefen und beständigen Frieden, der in dem Maße zunimmt, wie sie mit allen Heiligen durch Glauben und Gehorsam den Reichtum der göttlichen Gnade begreifen – die Länge und Breite und Höhe und Tiefe der Liebe Gottes.

Damit ist nicht weltlicher Frieden, nicht der Frieden der Gleichgültigkeit und nicht der Frieden der Faulheit, des Sichgehenlassens oder des unabwendbaren Schicksals gemeint, sondern es ist der Friede Christi – „mein Frieden“. Wenn wir zurückschauen, können wir erkennen, dass der Meister Seinen Frieden mit Gott unter allen Umständen bewahrte. Es ist ein Frieden, der der göttlichen Weisheit, Liebe, Gerechtigkeit und Macht ohne weiteres vertraut, ein Frieden, der sich an die gnadenvolle Verheißung erinnert, die den Treuen des Herrn gegeben wurde, dass Seinen Treuen überhaupt nichts schaden kann und dass denen, die Gott lieben, alle Dinge zum Guten mitwirken. Dieser Frieden kann durch Glauben alles annehmen, was auch immer die göttliche Vorsehung zulässt und blickt über die Tränen hinweg mit freudiger Erwartung auf die schließlichen Segnungen, die der Meister verheißen hat, wovon der jetzige Frieden und die Freude nur ein Vorgeschmack sind [Manna vom 17. Juli, Hervorhebung von uns].
R2455-2456