R 2230
LIEDER IM HAUS UNSERER PILGERSCHAFT
„Deine Satzungen sind meine Gesänge gewesen im Haus meiner Fremdlingschaft“ - Ps. 119:54 [EB].

GOTTES VOLK wird sowohl während des Jüdischen Zeitalters als auch während des Evangeliums-Zeitalter als „Fremde ohne Bürgerrecht“ [1. Petr. 2:11] in der „gegenwärtigen bösen Welt“ [Gal. 1:4] bezeichnet. Sie sind solche, weil sie von „einem besseren Land“ [Hebr. 11:16] gehört haben, dessen Herrscher Gott ist und dessen Gesetz die Liebe ist – „das vollkommene Gesetz der Freiheit“ [Jak. 1:25]. Für solche Pilger sind der Kampf um Reichtum und leeren Ruhm, der Stolz, die Hochmut und der Prunk, die jetzt überall vorherrschen, widerwärtig; und der Kampf um Reichtum oder Stellung, besonders wenn er zu Ungerechtigkeit, Unterdrückung, Verleumdung, Neid, Streit und allen bösen Werken führt, ist ihnen abstoßend. Nachdem sie einen Blick auf die Vollkommenheit des göttlichen Charakters mit seiner absoluten Gerechtigkeit und Liebe gewonnen haben, ist dies ihr Ideal geworden: Und sie haben „die Stimme dessen gehört, der aus dem Himmel redet“ [Offb. 10:8], der sie lehrt, dass Sünde und Böses nicht immer herrschen werden, sondern dass der Gott des Himmels bald Sein Reich errichten wird, das die Welt der Menschen erneuern und segnen und ewige Gerechtigkeit bringen wird. Da sie dies gehört haben und je mehr sie es zu schätzen lernen, desto mehr geraten sie zwangsläufig in Widerspruch zu den gegenteiligen Verhältnissen der heutigen Zeit. Daher fühlen sie sich selbst und werden in der Heiligen Schrift als Pilger und Fremde dargestellt, die das gerechtere Gefilde des kommenden Zeitalters suchen.

Aus dieser Sicht der Angelegenheit erklärte der Apostel, dass Abraham, Isaak und Jakob „Fremde ohne Bürgerrecht auf der Erde“ [1. Chr. 29:15] waren, die ein besseres Land suchten, eine Heimat unter gerechteren Zuständen. Sie hielten sich zwar in dem Land auf, das ihnen versprochen worden war, aber es war nicht ihr „Vaterland“, weil es noch in den Händen und unter der Herrschaft derer war, die Gott fremd und unbekannt waren. Sie warteten auf die Erfüllung der Verheißung Gottes, ihnen dieses Land unter Seinem göttlichen Segen und Seinen Gesetzen zu geben, wenn es für sie zu einem himmlischen Land werden würde, einem Land unter himmlischer Führung und unter himmlischem Segen. Sie waren aus zwei Gründen zum Warten verpflichtet: erstens, damit ihr Glaube und ihr Vertrauen in den großen Verheißer geprüft und gestärkt würden, und zweitens, weil „die Ungerechtigkeit der Amoriter noch nicht voll war“ (1. Mo. 15:16).

Der Apostel erklärt dazu, dass sie, wenn sie darauf bedacht gewesen wären, d.h. den Wunsch gehabt hätten, nach Haran, ihrem eigenen Land, zurückzukehren, bevor ihnen Kanaan verheißen worden war, dorthin hätten zurückkehren können – als sie feststellten, dass das verheißene Land noch von anderen Völkern bewohnt war und dass Gott noch nicht bereit war, ihnen Seine Verheißungen zu erfüllen (Hebr.11:15). Aber sie zogen es vor, an Gottes Verheißungen festzuhalten, und entschieden sich dementsprechend, vorerst als Pilger und Fremde im verheißenen Land zu leben. Stephanus weist in seiner Rede (Apg. 7:2, 5) auf diese Pilgerschaft und diesen Aufenthalt Abrahams und seiner Nachkommen als Fremde hin, die auf den Besitz des verheißenen Landes warteten. Stephanus sagt: „Und er gab ihm kein Erbe darin, auch nicht einen Fußbreit; und er verhieß, es ihm zum Besitztum zu geben und seinen Nachkommen nach ihm, als er kein Kind hatte“.

Wir müssen demnach verstehen, dass das himmlische Land, auf das Abraham, Isaak und Jakob und alle Treuen des fleischlichen Hauses Israel als „Pilger und Fremde“ warteten, letztlich irdisch sein wird, in dem Sinne, dass es auf der Erde sein wird; aber es wird himmlisch sein in dem Sinne, dass seine Regierung, seine Vorschriften, Gesetze usw. himmlische Gesetze usw. sein werden und nicht „irdisch, sinnlich, teuflisch“ [Jak. 3:15]. Wenn der Apostel also sagt, dass sie erwarteten „die Stadt, die Grundlagen hat, deren Baumeister und Schöpfer Gott ist“ [Hebr. 11:10], und dass Gott „ihnen eine Stadt bereitet hat“ [Hebr. 11:16], müssen wir diese Verheißung, soweit sie sie betrifft, in Übereinstimmung mit den anderen Verheißungen an das fleischliche Israel verstehen.

Die „Stadt“, von der hier die Rede ist, ist keine buchstäbliche Stadt, sondern die symbolische Stadt, die in Offb. 21:2, 9-27 erwähnt wird. Symbolisch bedeutet eine Stadt eine Regierung, und diese Stadt, die von Gott aus dem Himmel herabkommt, symbolisiert das Königreich Gottes, Seine Herrschaft oder Regierung, die auf der ganzen Erde errichtet werden wird. Diese „Stadt“ oder Regierung wird bestehen aus Christus – dem „Bräutigam“ und „der Braut, dem Weib des Lammes“. „Dann werden die Gerechten leuchten“ [Mt. 13:43] – die Stadt wird die Herrlichkeit Gottes haben. Wenn dieses Königreich errichtet ist, werden die Nationen in seinem Licht wandeln – Offb. 21:24.

Abraham, Isaak und Jakob und alle treuen Pilger und Fremden vor der Versöhnung werden zwar keine Glieder der Brautschar oder des neuen Jerusalem, des Königreiches, sein, aber sie werden dennoch sehr eng mit ihm verbunden sein, um die Welt der Menschheit im Allgemeinen zu segnen. Und daher werden sie als auf diese „Stadt“ wartend dargestellt, diese Regierung, die Gott in der Welt errichten wird; sie ziehen es vor, ihr Erbe zu dieser Zeit und unter dem Segen und dem hellen Licht dieser himmlischen Stadt oder Regierung zu haben, anstatt für eine Zeit lang die Freuden der Sünde zu genießen. In Übereinstimmung mit diesem Gedanken werden wir gelehrt zu beten: „Dein Königreich (das himmlische Jerusalem, die Stadt, deren Grundfesten die zwölf Apostel sind und Christus Jesus selbst ist der Eckstein) komme! Dein Wille geschehe auf Erden wie im Himmel“. Diese Stadt wird leuchten und die Welt segnen, bis allen Willigen geholfen ist und sie mit Gott versöhnt sind. Ihre Herrschaft wird tausend Jahre dauern, danach wird unter neuen Zuständen eine neue religiöse Ordnung beginnen, in der die (vervollkommnete) Menschheit das Vorrecht erhält, in Übereinstimmung mit dem göttlichen Gesetz über sich selbst zu herrschen.

In gewissem Sinne könnten wir dann die gegenwärtige Epoche, „die gegenwärtige böse Welt“, als das allgemeine Haus unserer Pilgerschaft für alle bezeichnen, die Gerechtigkeit lieben und sich danach sehnen; und der bessere Zustand der Zukunft, den „neuen Himmel und die neue Erde“, als die himmlische Heimat oder den Zustand, die für alle, die sie erreichen, in höchstem Maße zufriedenstellend sein wird.

„UNSER IRDISCHES HAUS“ UND „UNSER HAUS VOM HIMMEL“.

Dennoch verwendet der Apostel Paulus (2. Kor. 5:1-10), der über diese Pilgerreise schreibt und sich dabei besonders an die geweihte Kirche des Evangelium-Zeitalters wendet, eine Sprache, die zwar nicht im Widerspruch zu dem steht, was wir gerade gesehen haben, aber dennoch richtig verstanden werden kann als Bezugnahme auf die gegenwärtigen sterblichen Leiber der Heiligen, als ihre Pilgerhäuser – ihre vorübergehenden Häuser, während sie auf dem Weg zu ihrer dauerhaften Heimat sind, den geistlichen Leibern, die Gott denen verheißen hat, die Ihn lieben, und die derselbe Apostel denselben Lesern in einem früheren Brief beschrieben hat – 1. Kor. 15:38, 42-45.

Da wir außerdem sehr wohl wissen, dass vieles in den Psalmen prophetisch geschrieben wurde, in Bezug auf Christus, das Haupt und den Leib, die siegreiche Kirche des Evangelium-Zeitalters, können wir durchaus schließen, dass die Worte unserer Schriftstelle sich speziell auf diese Pilger des Evangelium-Zeitalters bezogen. Der Apostel sagt: „Denn wir wissen, dass, wenn unser irdisches Haus, die Hütte, zerstört wird, wir einen Bau von Gott haben, ein Haus, nicht mit Händen gemacht (nicht mit menschlicher Kraft errichtet), ein ewiges, in den Himmeln“ [2. Kor. 5:1]. Da die erneuerte Erde, obwohl sie eine bleibende Stätte für die Welt der Menschheit sein wird, nicht „in den Himmeln“ sein wird, und da die Kirche, wenn ihr in der Auferstehung ihre neuen geistlichen Leiber gegeben werden, danach für immer in dem höheren oder himmlischen Zustand sein wird, scheint es nur richtig, die Worte des Apostels so zu verstehen, dass sie sich auf die irdischen Leiber und die himmlischen Leiber der Kirche beziehen. Und eine solche Anwendung scheint durchweg zu seiner gesamten Argumentation zu passen. Es ist wahr, dass wir in diesem gegenwärtigen Leib oder vorübergehenden Pilgerhaus stöhnen – bedrückt nicht nur durch den bösen Einfluss der Welt und des Teufels von allen Seiten, sondern auch und insbesondere durch die Schwächen unseres eigenen Fleisches. Denn wenn wir Gutes tun wollen, ist das Böse gegenwärtig, so dass wir oft daran gehindert werden, das Gute zu tun, während das Böse, das wir nicht für gut befinden, sich uns oft aufdrängt und ständig bekämpft und überwunden werden muss. Wie der Apostel an anderer Stelle erklärt, seufzen wir, „die wir die Erstlinge des Geistes haben, in uns selbst, erwartend die Sohnschaft: die Erlösung unseres Leibes“ [Röm. 8:23] – der Kirche – in das herrliche Ebenbild unseres Herrn.

Aber unser Seufzen kommt nicht aus dem Wunsch, unbekleidet zu sein; wir wünschen uns nicht, ohne Leib zu sein, denn das würde bestenfalls während des gesamten Evangelium-Zeitalters bedeuten, „in Jesus zu schlafen“ und auf den Auferstehungsmorgen zu warten, an dem wir dann „mit unserer Behausung, die aus dem Himmel ist, überkleidet zu werden“ [2. Kor. 5:2], unserem neuen, vollkommenen und dauerhaften Leib, unserer „Heimat“. Was wir vorziehen, ist nicht, dass der kleine Funke des gegenwärtigen Lebens erlischt, sondern dass er verschlungen, in die vollkommenen Zustände des vollkommenen Lebens, zu dem wir gezeugt sind, mit seinem vollkommenen Leib aufgenommen wird.

„Der uns aber eben hierzu bereitet hat, ist Gott, der uns [auch] das Unterpfand des Geistes gegeben hat“ [2. Kor. 5:5]. Diesen vollkommenen Zustand, den wir mit der Auferstehung erlangen sollen, wird die große Vollendung unserer Erlösung sein, die Gott verheißen hat; und der neue Sinn, der neue Wille, der durch das Wort der Wahrheit gezeugt wurde, wird als der Anfang dieser Neuen Schöpfung angesehen, die in der göttlichen Natur vervollkommnet werden wird, wenn die Erste Auferstehung sie vollendet haben wird. Der Heilige Geist, der uns in der gegenwärtigen Zeit gewährt wird, ist sozusagen eine Anzahlung, ein „Unterpfand“ oder eine Zusicherung der großartigen und gnädigen Ergebnisse, auf die wir hoffen und hinarbeiten, für die wir seufzen und beten.

„So sind wir nun allezeit guten Mutes und wissen, dass, während einheimisch in dem Leib (solange wir mit den gegenwärtigen Verhältnissen – uns selbst und unserer Umgebung – vollkommen zufrieden sind), wir von dem Herrn ausheimisch sind“ [2. Kor. 5:6]. Wenn wir nah beim Herrn sind, „mit Gott wandeln“, können wir mit den gegenwärtigen Errungenschaften, Verhältnissen usw. nicht vollständig zufrieden sein, sondern wir fühlen uns wie Pilger und Fremde, die eine bessere Ruhe, ein besseres Zuhause suchen, das „Gott denen bereitet hat, die ihn lieben“. Aber das trifft nur auf diejenigen zu, die, wie der Apostel in Vers 7 erklärt, durch Glauben und nicht durch Schauen wandeln.

„Wir sind aber guten Mutes (voller Glauben an Gott macht es uns Freude, durch Glauben zu wandeln) und wir möchten lieber ausheimisch vom Leib (heimatlos, Pilger und Fremde in dieser Welt) und einheimisch beim Herrn sein“, im Geist unserer Gemeinschaft [Manna vom 28. Mai, Hervorhebung von uns].

Aus diesem Grund streben wir danach, dass wir, ob nun bald, wenn wir unsere Heimat erreichen, oder jetzt, wo wir noch fern der Heimat sind, Pilger und Fremde sind, dass wir annehmbar sind vor dem Herrn, dass wir Seine Gunst und Seinen Segen haben und Seine Gemeinschaft und Gegenwart erfahren und wissen, dass wir letztlich von Ihm angenommen werden. „Denn wir müssen alle vor dem Richterstuhl des Christus offenbar werden, damit jeder empfange, was er in dem Leib getan, nach dem er gehandelt hat, es sei Gutes oder Böses“ [2. Kor. 5:10]. Während dieser ganzen Pilgerreise stehen wir vor dem Richterstuhl unseres Herrn: Er prüft uns, stellt uns auf die Probe, um zu sehen, ob wir Ihn und das, was Gerechtigkeit und Frieden schafft, lieben; und wenn ja, wie viel wir bereit sind, für die Gerechtigkeit zu opfern. Er misst den Grad unserer Liebe daran, wie sehr wir uns selbst verleugnen und für Ihn, für die Wahrheit, opfern.

Aber so von unseren Leibern als von Häusern zu sprechen, kann nur von den „Heiligen“, den Neuen Schöpfungen in Christus, gesagt werden. Die anderen der Menschheit haben keine doppelte Natur und können Ausdrücke wie die in Römer 8:10, 11 nicht richtig auf sich beziehen: „Wenn aber Christus in euch ist, so ist der Leib zwar tot (in zugerechneter Weise) wegen der Sünde, aber der Geist aber Leben der (zugerechneten) Gerechtigkeit [Christi] wegen“. Die neue Natur der Heiligen, gezeugt durch das Wort der Wahrheit, ist in Wirklichkeit nur der neue Wille, der jedoch fortan als die wahre Person angesprochen wird und allein von Gott anerkannt wird, der uns nicht nach dem Fleisch, sondern nach dem Geist unseres neuen Sinnes – dem Sinn Christi – erkennt. Beachte auch Röm. 6:3, 4. Diese Neue Schöpfung hat einen alten Menschen oder äußeren Menschen, der vergeht, und einen neuen Menschen, einen inneren Menschen oder einen verborgenen Menschen des Herzens, der Tag für Tag erneuert wird – 2. Kor. 4:16; Kol. 3:9, 10; Eph. 4:23, 24; 1. Petr. 3:4.

Es steht geschrieben, dass „des Nachts sein Lied bei mir ist“ [Ps. 42:9] und Er „ein neues Lied in meinen Mund legt“ [Ps. 40:4]. Es überrascht uns nicht, dass die „Frommen jubeln in Herrlichkeit“ und mit lauter Stimme Gott lobsingen werden, wenn ihnen gegeben wird, das geschriebene Gericht auszuüben (Ps. 149:4-9); aber es mag manchen seltsam erscheinen, dass die gegenwärtigen Verhältnisse des Volkes Gottes, der Zustand der Unvollkommenheit und körperlichen Schwäche, in dem wir seufzen und bedrückt sind, ein Zustand sein sollen, in dem Lieder, Dank und Freude bei uns vorherrschen sollen. Dennoch ist dies der göttliche Wille, wie es die göttliche Aussage ist, die alle betrifft, die wirklich Überwinder sind: Sie alle sollen fröhlich sein in der Hütte ihrer Pilgerschaft. In Bezug auf diese Freude erklärt unser Herr: „Eure Freude nimmt niemand von euch“, „Frieden lasse ich euch, meinen Frieden gebe ich euch; nicht wie die Welt gibt, gebe ich euch. Euer Herz werde nicht bestürzt, sei auch nicht furchtsam“ (Joh. 14:27; 16:22).

So gibt es zwar ein gewisses Seufzen wegen einiger Lasten seitens derer, die das neue Leben erlangt haben, aber es gibt auch selige Freuden, die die Welt weder geben noch nehmen kann: Und diese sind die Quelle und Ursache der unaufhörlichen Freude und der „Lieder in der Nacht“ vor dem glorreichen Tagesanbruch des neuen Millennium-Tages. Diese Lieder sind inspiriert von den Freuden, die uns in der Pilgerstätte gewährt werden – während wir noch fern von unserer „Heimat“ sind.

Was sind unsere Freuden, die uns niemand nehmen kann? Und welche Verfolgung, Bedrängnis und Not können sie nur noch vertiefen, erweitern und süßer machen? Was ist das für eine Freude? Diese Freude ist ein Vorgeschmack auf die kommenden Segnungen, ein Unterpfand unseres Erbes. Sie ist inspiriert durch das Vertrauen auf Den, an den wir glauben: das Vertrauen, dass Er sowohl fähig als auch willens ist, das Werk, das Er begonnen hat, zu vollenden, und dass wir wünschen, dass es auf Seine beste Weise vollendet werde: das Vertrauen, dass Er uns nicht von Seiner Gnade trennen wird, solange wir mit den Armen unseres Glaubens fest an Seinen gnädigen Verheißungen festhalten. Wer soll uns von der Liebe Gottes in Christus trennen? Bedrängnis und Verfolgung? Wir vertrauen darauf, dass „niemand uns aus der Hand des Vaters rauben kann“ [Joh. 10:29] und dass „der Vater selbst uns lieb hat“ [Joh. 16:24] und uns nicht abweisen wird, solange wir gehorsam in Seiner Liebe bleiben wollen. Ja, wir sind zuversichtlich, dass alle Dinge zum Guten mitwirken denen, die nach Vorsatz berufen sind [Röm. 8:28]; zuversichtlich, dass Der, der für uns ist, mächtiger ist als alle, die gegen uns sein können. Eine solche Zuversicht bringt mit Sicherheit eine Freude, die die Welt nicht begreifen kann, und einen Frieden Gottes, der allen Verstand übersteigt und das Herz bewahrt [Phil. 4:7]. Und eine solche Freude, hervorgerufen durch das wahre Evangelium unseres Herrn Jesus Christus, das in einem ehrlichen Herzen aufgenommen wurde, erweckt auf natürliche und angemessene Weise „Gesänge im Haus unserer Fremdlingsschaft“ [Ps. 119:54].

„Inmitten all des Lärms und Streits höre ich die Musik erklingen,
Sie findet ein Echo in meiner Seele, wie könnte ich da nicht singen?“

Das Wort „Lied“ hat eine umfassendere Bedeutung als nur eine musikalische Kadenz: Es wird in der Heiligen Schrift und anderswo verwendet, um eine freudige Botschaft jeglicher Art zu bezeichnen. So sagen wir beispielsweise in Bezug auf das Evangelium, die Erkenntnis des göttlichen Plans: „Er hat mir ein neues Lied in den Mund gelegt, einen Lobgesang unserem Gott » [Ps. 40:4]. Und es ist eine Tatsache, dass diejenigen, die erfahren haben, dass der Herr gnädig ist, diejenigen, die die Freude empfangen haben, die ihnen niemand nehmen kann, diejenigen, die die Gnade Gottes in Christus erfahren haben, sich nicht nur freuen und buchstäblich mit ihren Lippen Lieder singen, sondern dass sie sich auch darüber freuen, dass ihr ganzes Leben ein Lied des Lobes und der Dankbarkeit gegenüber Gott ist. Das Lied wird bei jeder passenden Gelegenheit hervorbrechen, wo immer hörende Ohren sind: So sehr wird das gereinigte, gerechtfertigte und geweihte Herz Gottes Güte schätzen und so sehr wird es sich danach sehnen, zu

„Verkünden der ganzen Welt diese frohe Botschaft
Und sprechen von der nahenden Zeit der Ruhe“.

Wo immer Christen ohne diese Freude des Herrn sind und wo sie kein Lied in ihrer Pilgerstätte haben, haben sie Grund zur Sorge, dass etwas nicht stimmt – dass die Verbindung zwischen ihrem Herzen und dem Herrn nicht vollständig und vollkommen ist. Wenn sie diese Freude und diese Lieder nicht kennen, dann deshalb, weil sie entweder den Herrn nie ganz als ihren Anteil angenommen und sich Seinem Dienst geweiht haben, oder weil bestimmte falsche Doktrinen ihren Sinn so sehr erschreckt und sie so sehr in Furcht versklavt haben, dass ihnen vertrauensvolle Freuden unmöglich sind. Solche sollen sofort die richtigen Schritte unternehmen, um entweder ihre Weihung an den Herrn zu vervollständigen, damit Er ihnen Seinen Geist als Glieder Seines Leibes geben kann und das „Siegel der Sohnschaft“, und sie die Freuden Seiner Erlösung erkennen lassen kann; oder, wenn sie sich bereits vollständig geweiht haben und durch falsche Lehren an Freude und Gesang gehindert werden, sollten sie eifrig in der Heiligen Schrift forschen und die Botschaft des Herrn finden: „Ihre Furcht vor mir ist angelerntes Menschengebot“ – Jes. 29:13.

AN EINEM „TAG DES GEWÖLKS“ [Hes. 30:3].

Es ist jedoch wahr, dass unsere christliche Erfahrung nicht immer so beschaffen ist, dass sie eine überschwängliche Stimmung hervorruft: Es ist zweifellos zu unserem Vorteil, dass es manchmal dunkle Stunden gibt, wie sie unser lieber Erlöser erlebt hat, als Er sagte: „Meine Seele ist sehr betrübt bis zum Tod“ [Mt. 26:38]. Solche Erfahrungen bringen uns zweifellos näher an die Quelle des Trostes, der Freude und des Friedens und sind ein versteckter Segen und gehören zu den „allen Dingen“, die zu unserem Guten mitwirken. Aber selbst inmitten von Prüfungen und Schwierigkeiten, und wenn wir so niedergeschlagen sind, dass keine Lieder mehr aus uns herauskommen, können wir dennoch unter allen Umständen und zu jeder Zeit Gottes Liebe und Fürsorge erkennen und so fest mit der Hand des Glaubens am Herrn festhalten, dass wir selbst in den dunkelsten Augenblicken die Freude über das Mitgefühl, die Liebe und die Hilfe unseres Meisters erkennen können und so eine Freude haben, die kein Unglück der Gegenwart unterbrechen kann.

Entmutigung und der Verlust dieser Freuden und Lieder können manchmal durch schlechte Gesundheit verursacht werden: In diesem Fall, wenn die Krankheit das Ergebnis selbstsüchtiger Befriedigung ist, haben wir Gelegenheit zu einer Lektion und Besserung; oder sie kann das Ergebnis selbstloser Treue im Dienst der Wahrheit nach den Grundsätzen der Pflicht sein, und wenn dies der Fall ist, werden unsere Freuden und Lieder zurückkehren, sobald dies erkannt wird. Zur Veranschaulichung erinnern wir uns an Paulus und Silas, die Gott im Gefängnis von Philippi lobten, während ihre Rücken noch zerfetzt waren und bluteten.

Es sollte das Ziel des Volkes Gottes sein, diese Freude und die dafür günstigen Umstände täglich zu pflegen. Der Zustand unseres Herzens hat viel damit zu tun; denn diese Freude hängt nicht gänzlich vom Kopf ab, von unserer Kenntnis des göttlichen Wortes und Plans. Ihr Besitz und ihre Zunahme hängen hauptsächlich vom Herzen ab, dem Zentrum unserer Neigungen. Wenn wir unsere Zuneigung, unser Herz auf irdische Dinge richten und unsere Freude in den verschiedenen Befriedigungen des Fleisches, in der Begierde der Augen und im Hochmut des Lebens usw. suchen, werden wir dadurch den Geist des neuen Sinnes in gewissem Maße ersticken und entsprechend die Freuden des neuen Sinnes vermindern. Im Gegenteil, je mehr wir die Welt, das Fleisch und den Teufel überwinden, je mehr wir danach trachten, den Willen unseres Vaters im Himmel zu tun, je mehr wir die Gemeinschaft und den Umgang mit unserem teuren Erlöser suchen und je mehr wir danach trachten, die Dinge zu tun, die in Seinen Augen wohlgefällig sind, umso größer werden unsere Freude und unser Frieden sein, die uns niemand wegnehmen kann und die durch Prüfungen, Schwierigkeiten und Verfolgungen nur lieblicher und kostbarer werden. „Auch ihr nun habt jetzt zwar Traurigkeit; aber ich werde euch wiedersehen, und euer Herz wird sich freuen, und eure Freude nimmt niemand von euch“ (Joh. 16:22) [Manna vom 29. Mai, Hervorhebung von uns].

Und je mehr wir diesen neuen Sinn haben und je näher wir dem Herrn sind, desto mehr werden wir aus vollem Herzen singen wollen: „Die alte, alte Geschichte von Jesus und seiner Liebe.“

„Wie glücklich und gesegnet sind die Stunden,
Seit ich Jesus immer sehen kann!
Süße Aussichten, süße Vögel und süße Blumen
Haben alle eine neue Süße für mich gewonnen“.

„MEINEN FRIEDEN GEBE ICH EUCH“

„Schafft er Ruhe, wer will beunruhigen?“ – Hi. 34:29.

„Wie ein herrlicher Fluss ist Gottes vollkommener Friede,
Über alles siegreich in seinem freudigen Wachstum.
Vollkommen – und doch fließt er jeden Tag voller;
Vollkommen – und doch wird er immer tiefer.

Auf Jehova vertrauend, sind die Herzen wahrhaft gesegnet
Und finden, wie Er versprochen hat, vollkommenen Frieden und Ruhe.
Versteckt in der Mulde Seiner gesegneten Hand
Kann kein Feind folgen, kein Verräter stehen bleiben.

Keine Welle der Sorge, kein Schatten der Angst,
Kein Hauch der Eile berührt dort den Geist.
Jede Freude und jede Prüfung kommt von oben
Von der Sonne der Liebe auf unser Zifferblatt geschrieben.

Wir können Ihm allein vertrauen, dass Er alles für uns tut;
Wer Ihm ganz vertraut, findet, dass Er ganz wahr ist.
Wer auf Jehova vertraut, dessen Herz ist wahrhaft gesegnet,
Denn er findet, wie Er versprochen hat, vollkommenen Frieden und Ruhe“.