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„EIN WEISSES UND REINES KLEID“
„Und sie werden mit mir einhergehen in weißen Kleidern, denn sie sind es wert. Wer überwindet, der wird mit weißen Kleidern bekleidet werden, und ich werde seinen Namen nicht auslöschen aus dem Buch des Lebens und werde seinen Namen bekennen vor meinem Vater und vor seinen Engeln“ - Offb. 3: 4,5.

MIT dem Symbol des weißen Gewandes stellt der Herr in Seinem ganzen Wort die Gerechtigkeit derer dar, die Er als Sein Volk annimmt. Ihre Gerechtigkeit im zukünftigen Zustand wird eine persönliche Gerechtigkeit oder Heiligkeit sein; und die Garantie dafür ist die Verheißung, dass allen, die als „Überwinder” der Welt würdig erachtet werden, um Miterben Christi im himmlischen Königreich zu sein, bei der Auferstehung neue, vollkommene, geistliche Leiber verliehen werden, frei von Sünde und Unreinheit jeder Art und in voller Übereinstimmung mit ihrem neuen Willen oder Charakter, den sie während der Prüfungszeit dieses gegenwärtigen Lebens entwickelt haben. Das wird eine Zeit sein, von der der Apostel spricht, wenn er sagt: „Wenn das Vollkommene gekommen sein wird, so wird das, was stückweise ist, weggetan werden“ [1. Kor. 13:10]. Diejenigen, die diesen herrlichen Zustand erreichen, werden symbolisch in weißem Leinen gekleidet dargestellt, was ihre persönliche Reinheit, Vollständigkeit, und Vollkommenheit zu dieser Zeit repräsentiert; wie geschrieben steht: „Ihr (der Braut, der siegreichen Kirche) wurde gegeben, dass sie sich kleide in feine Leinwand, glänzend, rein; denn die feine Leinwand sind die Gerechtigkeiten der Heiligen“ – Offb. 19:8 [EB].

So gesehen wird die Kirche in ihrer Herrlichkeit in ihrer eigenen Gerechtigkeit stehen – der „Gerechtigkeit der Heiligen“; aber zum gegenwärtigen Zeitpunkt haben die Heiligen keine eigene Gerechtigkeit, mit der sie sich vor den Thron der Gnade stellen könnten. Wie der Prophet sagt: „all unsere Gerechtigkeiten wie ein beflecktes Kleid“ [Jes. 64:5]. Man muss bekennen, dass selbst die besten Vertreter der Menschheit in ihren Gedanken, Worten und Taten so unvollkommen sind, dass sie völlig ungeeignet sind, an Gottes Königreich teilzuhaben oder von Ihm beachtet oder begünstigt zu werden. Aber gerade die menschlichen Notwendigkeiten machen den Reichtum der göttlichen Gnade und Weisheit erst deutlich. Genau aus diesem Grund, weil wir alle durch die Sünde verunreinigt und ungeeignet waren, in die göttliche Gegenwart zu treten, hat Gott durch das Opfer Seines Sohnes, unseres Herrn, gnädig allen, die Ihn und den mit Seinem kostbaren Blut besiegelten Bund der göttlichen Gnade annehmen, ein makelloses Kleid der zugerechneten Gerechtigkeit geschenkt. Wenn wir durch Buße und Glauben den Wunsch haben, die Sünde aufzugeben und uns Gott zu nähern, werden wir aufgrund unseres gehorsamen Glaubens an das Opfer vor den göttlichen Augen als bedeckt angesehen mit dem Verdienst dessen, der „uns mit seinem kostbaren Blut erkauft hat“ [Apg. 20:28, KJV]; und dieses Verdienst wird symbolisch durch ein Gewand aus Leinen dargestellt, die Gerechtigkeit Christi, anstelle der schmutzigen Lumpen unserer eigenen Gerechtigkeit. Solange wir mit diesem Gewand bedeckt sind, können wir durch den Glauben all die Vorrechte und Gelegenheiten ausüben, die uns zustehen würden, wenn das Gewand tatsächlich unser eigenes wäre – anstatt nur ein geliehenes oder zugerechnetes Gewand, das Eigentum unseres Erlösers. Solange wir im Glauben auf das große Opfer für die Sünde vertrauen und danach streben, dem Herrn würdig zu wandeln, gehört dieses Gewand uns, wir können es besitzen und uns daran erfreuen; aber diesen Glauben zu verlieren hieße, alle Vorteile zu verlieren, die mit dem Kleid verbunden sind und die nur denen zuteilwerden, die es tragen.

Der Zweck der Verleihung dieser Gewänder zum gegenwärtigen Zeitpunkt (nicht an die ganze Welt, sondern nur an die wahren Gläubigen) besteht darin, dass sie für diejenigen, die sie annehmen, „Hochzeitskleider” darstellen, die den Trägern ein Recht auf einen Platz bei der „Hochzeit des Königssohns” [Mt. 22:1-14] geben. Dieses „Hochzeitskleid” (Rechtfertigung) ist eine Voraussetzung für die Einladung zur Hochzeit, oder besser gesagt, der Erhalt dieses Kleides ist selbst die Einladung, einzutreten und an den gegenwärtigen „Leiden Christi” und den zukünftigen „Freuden unseres Herrn” teilzuhaben. Und so wie niemand an der Hochzeit teilnehmen kann, ohne zuvor das Gewand erhalten zu haben, so wird jeder, der dieses Gewand der Gerechtigkeit Christi später zurückweist und versucht, ohne es vor seinen Mitmenschen oder vor dem König zu stehen, aus allen Vorrechten und Segnungen, die es sichert, „hinausgeworfen“ werden. Siehe das Gleichnis vom Hochzeitskleid – Mt. 22:11-13.

Dieses „Hochzeitskleid“, das uns überreicht wird, ist rein und weiß und repräsentiert die absolute Reinheit und Makellosigkeit der Heiligkeit unseres Herrn; und die Anweisung an jeden, der das Gewand erhält, lautet: haltet eure Kleider „unbefleckt von der Welt“ [Jak. 1:27]. Dieser Befehl entspricht der Aufforderung unseres Herrn: „Seid vollkommen, wie euer himmlischer Vater vollkommen ist“ [Mt. 5:48] – ein Maßstab, den wir anzustreben versuchen, dessen absolute Erreichbarkeit in einem unvollkommenen Leib und umgeben von der Welt, dem Fleisch und dem Teufel jedoch in der Heiligen Schrift als unmöglich anerkannt und durch Erfahrung bewiesen ist. Aber so wie das Gewand alle bereuten Makel der Vergangenheit bedeckt, so bedeckt es auch die unbeabsichtigten und unbewussten Unvollkommenheiten der Gegenwart; so dass nur die Dinge, denen wir mehr oder weniger bewusst zustimmen, als unsere angesehen werden – ob gut oder böse. So gesehen ist es unter dieser Anordnung möglich, dass das Volk des Herrn bei jedem Schritt so vorsichtig und umsichtig (um sich herum schauend; [laut KJV]) wandelt [Eph. 5:15, EB, J „sorgfältig“], um seine Kleider von der Welt unbefleckt zu bewahren. Aber leider gibt es nur wenige, wenn überhaupt welche, die in ihrer gesamten Vergangenheit jemals diesem hohen Standard gerecht geworden sind – so dass zu keinem Zeitpunkt in der Vergangenheit, seit sie das Kleid der Gerechtigkeit Christi angenommen haben, von ihnen gesagt werden könnte, dass sie in keiner Weise, weder äußerlich noch innerlich, jemals in irgendeinem Maße eine geistige Zustimmung zu etwas Sündhaftem gegeben hätten.

Da wir sehen, dass die überwiegende Mehrheit, wenn nicht sogar alle, irgendwann einmal zumindest teilweise mental der Sünde zugestimmt haben (auch wenn sie dies später bedauert und dafür Buße getan haben mögen) und da wir sehen, dass jede solche Abweichung von der Reinheit des Herzens einen Fleck oder Makel auf unserem Gewand hinterlassen würde, fragen wir uns mit großer Sorge: Gibt es eine Möglichkeit, solche Flecken oder Makel zu entfernen und das Gewand wieder weiß zu machen? Gott sei Dank, ja, es gibt einen Weg, wie die Flecken und Falten von unserem Gewand entfernt werden können, sodass es wieder so weiß und rein ist wie am Anfang. Der Fleckenentferner ist das „kostbare Blut”. Wie der Apostel sagt: „Wenn wir unsere Sünden bekennen, ist er treu und gerecht, dass er uns die Sünden vergibt und uns reinigt von aller Ungerechtigkeit“ [1. Joh. 1:9].

Obwohl all unsere Bemühungen (Seufzen des Geistes, Tränen, Fasten usw.) keinen einzigen Fleck entfernen könnten, den nur das kostbare Blut entfernen kann, ist es dennoch für uns selbst von Vorteil, dass wir, während wir die Vergebung unseres Herrn und die Reinigung des Gewandes erkennen, unverzüglich danach streben, uns in Buße, Fasten und Tränen zu erziehen. Andernfalls müssen wir damit rechnen, dass unser Herr zwar unsere ernsthaften Gebete erhört und unser Gewand reinigt, uns aber dennoch bestimmte Züchtigungen auferlegt, um uns in Gerechtigkeit zu bessern und unseren Charakter in Bezug auf unsere Schwächen zu stärken. Der Apostel lehrt dies, wenn er sagt: „Wenn wir uns selbst beurteilten (bessern, züchtigen), so würden wir nicht gerichtet (gebessert, gezüchtigt). Wenn wir aber gerichtet werden, so werden wir vom Herrn gezüchtigt, damit wir nicht mit der Welt verurteilt werden“ [1. Kor. 11:31, 32]. Obwohl unser Gewand alle unsere ungewollten persönlichen Fehler und Unreinheiten vor den Augen unseres Herrn und vor den Augen der Brüder, die einander aus der Sicht des Herrn betrachten, verdeckt, wünscht und verlangt der Herr dennoch, dass wir in Gedanken, Worten und Taten eine so enge Verbundenheit mit absoluter Reinheit und Gerechtigkeit erreichen, dass wir „uns selbst reinigen von jeder Befleckung des Fleisches, indem wir die Heiligkeit vollenden in der Furcht Gottes“ (2. Kor. 7:1). Und zu diesem Zweck gewährt Er Seinen Heiligen (Geweihten) und Weißgekleideten die reinigende Kraft Seiner Wahrheit, damit Seine auserwählte Braut durch „die Waschung mit Wasser durch das Wort gereinigt werde, damit er die Versammlung sich selbst verherrlicht darstelle, die nicht Flecken oder Runzel oder etwas dergleichen habe“ (Eph. 5:26, 27).

Aber ach, wie wenige der Geweihten haben eine so große Liebe zur Reinheit, ein so großes Verlangen, das Kleid unbefleckt von der Welt zu halten, dass sie darauf bedacht sind, jede Falte schnell zu entfernen und danach das Gewand eifriger denn je zu bewahren. Doch diese und nur diese wandeln mit dem Herrn in Weiß und sind Überwinder, die zur rechten Zeit mit Ihm verherrlicht werden und mit Ihm auf Seinem Thron sitzen werden – und es sind ihre Namen, die nicht aus dem Buch des Lebens des Lammes ausgelöscht werden.

Aus den Worten des Meisters müssen wir verstehen, dass alle, die nicht in weißen Gewändern mit Ihm wandeln, unwürdig sind, nicht Miterben in Seinem Reich sein werden, nicht als Seine Braut und Miterben vor dem Vater und den heiligen Engeln bekannt werden, sondern dass vielmehr ihre Namen aus dem Buch des Lebens des Lammes getilgt werden – unter den Namen der „auserwählten“ Kirche gelöscht werden.

DIE „KLEINE HERDE” UND DIE „GROSSE SCHAR”.

Die Zahl derer, die das Gewand der Gerechtigkeit Christi tragen, ist im Vergleich zur Welt zwar gering, doch wie groß ist der Anteil derer, die nicht in Weiß wandeln, sondern deren Gewänder durch den Kontakt mit der Welt, dem Fleisch und dem Teufel – durch Untreue oder Nachlässigkeit, Weltlichkeit – stark befleckt sind. Wir beziehen uns nicht auf diejenigen, die den Herrn leugnen und das Lösegeld ablehnen, wodurch sie das Hochzeitskleid ablegen und sich auf die Seite der Welt stellen (oder in Wirklichkeit in einem schlechteren Zustand sind als die Welt, da sie die Gnade Gottes abgelehnt haben): Wir beziehen uns auf die wahren Gläubigen, die sich ganz dem Herrn geweiht haben und die um weltlicher Vorteile, irdischer Hoffnungen, Freundschaften, oder um der Gunst nomineller Kirchen willen versäumen, gemäß ihrem Bund und ihren Vorrechten zu leben, und somit wie einst Esau ihr Geburtsrecht (als Neue Schöpfung in Christus) für ein Linsengericht verkaufen. Gibt es keine Hoffnung für diese, die es nicht schaffen, Überwinder zu sein, die es nicht schaffen, in Weiß zu wandeln, die es nicht schaffen, die Krone und die Unsterblichkeit zu erlangen, die nur den „Auserwählten”, den „Würdigen”, den „Überwindern” zuteilwird?

Doch, Gott sei Dank! Wir freuen uns, dass es Hoffnung für diese Menschen gibt, denn sie haben ihre Hochzeitskleider nicht abgelegt, obwohl sie durch den Kontakt mit der Welt leider fleckig und verschmutzt worden sind. Die Klasse, auf die hier Bezug genommen wird, sind weder offene noch vorsätzliche Sünder, sondern solche, die unklugerweise versuchen, dem Herrn zu gefallen und Ihm zu dienen, und gleichzeitig sich selbst und der Welt zu gefallen und ihnen zu dienen – „törichte Jungfrauen”. Sie scheitern in jeder Hinsicht, was das Gefallen betrifft: Sie gefallen weder dem Herrn noch sich selbst, und sie sind für die weltlich Gesinnten nicht halbwegs zufriedenstellend. Der einzige Grund, warum die göttliche Gunst ihnen überhaupt weiterhin zuteilwerden und ihnen nachgehen könnte, um sie zurückzugewinnen, ist der Verdienst des Kleides der Gerechtigkeit Christi, das sie immer noch lieben und tragen, obwohl sie es nicht genug geliebt haben, um es unbefleckt zu halten. Aber derjenige, der das gute Werk in ihnen begonnen hat, wird es fortsetzen und für alle vollenden, die Ihn wirklich lieben und Ihm vertrauen – auch wenn es erst in der großen Trübsal bei der Einführung des Millenniums oder „dem Tag Jesu Christi” vollendet wird (Phil. 1:6). Da Christus für alle, die Ihm im Herzen noch vertrauen, obwohl sie nicht durch völlige Selbstaufopferung in vollem Gehorsam gegenüber Seinen Anweisungen überwunden haben, Bürge geworden ist, überrascht es uns nicht, dass Er in Seiner letzten Mitteilung an Seine Kirche darauf hinweist, wie Er mit dieser zahlreichen Klasse Seiner Nachfolger umgehen wird und wie sich dies für sie auswirken wird – obwohl Er bei ihrer „Berufung” keinen solchen Vorschlag gemacht hat.

Nachdem von der Versiegelung der auserwählten Klasse, dem geistlichen Israel, dem besonderen Volk, das eifrig gute Werke tut, der Kleinen Herde, der Braut, den Überwindern, einer bestimmten, vorherbestimmten Zahl, „hundertvierundvierzigtausend”, berichtet wurde, die aus Babylon versammelt wurden, bevor die Winde der großen Trübsal über die Welt kommen, und die alle das Siegel oder Zeichen der Gunst Gottes an ihrer Stirn tragen – ein auffälliger intellektueller Beweis für die göttliche Gunst – den Stempel des Geistes der Wahrheit sowie das Wort der Wahrheit, zeigt uns unser Herr die „Große Schar“ Seiner Nachfolger, „deren Zahl niemand zählen kann“ (das heißt, es handelt sich nicht um eine vorherbestimmte oder festgelegte Zahl – niemand wurde berufen, um zu dieser Gruppe zu gehören), die schließlich vor dem Herrn stehen werden, „bekleidet mit weißen Gewändern und Palmen in ihren Händen“, und rufen: „Das Heil unserem Gott, der auf dem Thron sitzt, und dem Lamm!“ Wer sind diese, die nicht zur Braut, zur auserwählten Klasse, zu den Überwindern gehören? Die Antwort lautet: „Das sind die, die aus der großen Drangsal kommen, und sie haben ihre Gewänder gewaschen und haben sie weiß gemacht im Blut des Lammes. Darum sind sie vor dem Thron Gottes und dienen ihm Tag und Nacht in seinem Tempel“ – Offb. 7:9, 10, 13-15.

Die Unterschiede zwischen dieser „Großen Schar“ und der „Kleinen Herde“ sind sehr ausgeprägt, sowohl hinsichtlich ihres gegenwärtigen Weges als auch hinsichtlich ihres zukünftigen Segens. Die treuen Überwinder sind wachsam und halten ihre Kleider von der Welt unbefleckt. Und dies wird als eine der besonderen Bedingungen für die Annahme als „Überwinder“ zur Miterbschaft mit dem Herrn gegeben. „Sie haben ihre Kleider nicht besudelt“, sie haben „sich selbst von der Welt unbefleckt gehalten“. Sie waren nicht gewillt zuzulassen, dass die Sünde sie verunreinigt und sie vom Herrn trennt, sondern sie haben rasch um das kostbare Blut gebeten, um jeden Fleck zu entfernen, und sie haben es auch erhalten. Sie sind so von Herzen der Sünde abgeneigt und so ernsthaft darum bemüht, dieses Kleid unbefleckt zu halten, dass der Widersacher keinen Einfluss auf sie hat – „der Böse tastet sie nicht an“. Das alles weist auf eine völlige Unterwerfung ihres Willens unter den Willen Christi hin – sie sind „mit ihm gestorben“ und können folglich die Sünde nicht willentlich ausüben [Manna vom 28. Januar, Hervorhebung von uns]. Ihre Belohnung ist die Krone des Lebens, die Unsterblichkeit, der Platz auf dem Thron und die Zugehörigkeit zum Tempel, dessen Eckstein unser Herr ist. Nun vergleiche dies mit der „Großen Schar“: Da ihnen die innige Liebe und der Eifer der Überwinder fehlt, pflegen sie ihre Kleider nicht sorgfältig genug und verlieren dadurch alle Belohnungen, die den Überwindern verheißen sind; und da sie im Wettlauf versagt haben, würden sie nichts erhalten, wenn da nicht die Gnade unseres Herrn wäre.

Aber Gottes Gnade kann diejenigen, die keine makellosen Gewänder der Gerechtigkeit tragen, nicht in die himmlische Vollkommenheit aufnehmen; und daher wird uns gezeigt, dass diejenigen, die sich nicht um ihre Kleider gesorgt und sie nicht weiß gehalten haben, eine schwere Prüfung durchlaufen müssen, bevor sie in irgendeinem Sinne des Wortes an den himmlischen Gnaden teilhaben können. Diese schweren Prüfungen werden in dem Symbol dargestellt als das Waschen ihrer Gewänder in einer großen Drangsal. Um jedoch zu zeigen, dass nicht die Buße oder das Leiden die Kleider reinigen würden, obwohl diese als angemessene Strafen und Erziehung notwendig sein mögen, wird ausdrücklich gesagt, dass die Wirksamkeit der Reinigung im „Blut des Lammes” liegt. Viele werden so gereinigt und geläutert werden, und ihr Kleid, das jetzt durch den Kontakt mit der Welt, oft in der Gestalt des nominellen Kirchentums, befleckt ist, wird von jedem schuldigen Fleck gereinigt werden, wenn sie, nachdem sie die Torheit ihres Wegs erkannt haben, reumütig zum Herrn flehen und Seine Hilfe in Anspruch nehmen.

Aber traurige Enttäuschungen sind mit den Erfahrungen dieser Schar verbunden: Weil sie die Vorwürfe Christi fürchten, entziehen sie sich der gegenwärtigen Vorrechte und Gelegenheiten, um mit Ihm in Weiß in den „Leiden der jetzigen Zeit” [Röm. 8:18] zu wandeln: Sie verpassen nicht nur die gegenwärtige Freude und den Jubel derer, die treu sind, sondern müssen schließlich noch größere Leiden durchgehen, wenn sie auch einen geringeren Platz erreichen wollen. Obwohl sie den Herrn und Sein Volk lieben, schämen sie sich doch etwas für sie und verbergen sozusagen ihre Angesichter vor ihnen in Gegenwart der weltlich Gesinnten; und siehe, der Meister kann bei Seinem Kommen, um Seine „Braut” zu holen, ihre Namen nicht vor dem Vater und den heiligen Engeln bekennen [Mt. 10:32, 33]. Die Kleine Herde wird über die Fürsorge des Bräutigams informiert, und wenn sie gehorsam wacht, wird sie „für würdig befunden werden, diesem allem zu entfliehen, was geschehen soll“ (einschließlich der großen Drangsal) [Lk. 21:36], aber die „Große Schar“, obwohl sie das Volk des Herrn ist, da sie Ihn nicht abgelehnt hat, muss wie die Heuchler behandelt werden und die große Drangsal durchlaufen, um gereinigt zu werden. Es sei angemerkt, dass diese keine Klasse sind, die den Herrn in irgendeiner Weise ablehnt, sie gehören nicht zu denen, die sich vom Herrn „zurückziehen“, denn von solchen sagt Er, dass Er „kein Wohlgefallen“ an ihnen hat (Hebr. 10:38): Und der Apostel erklärt, dass solche „sich zum Verderben zurückziehen“ – zum Zweiten Tod. Im Gegenteil, diese sind immer noch „Jungfrauen”, aber töricht, weil sie vergeblich versuchen, sowohl Gott als auch dem Mammon zu gefallen und ihnen zu dienen. Sie verschwenden kostbare Gelegenheiten, indem sie versuchen, einen leichteren Weg zu finden, ihrem Herrn zu folgen, als „seinem Tod gleichgestaltet zu werden” [Phil. 3:10].

Wir freuen uns, dass diese letztendlich den Herrn preisen und sich über Seine wunderbare Gnade freuen werden. Aber wir stellen fest, dass sie, selbst nachdem ihre Gewänder in der Zeit der Drangsal durch das Blut des Lammes und in großer Trübsal weiß gewaschen worden sind, keine Kronen als Überwinder tragen; sondern, nachdem sie schließlich überwunden haben, werden ihnen Palmen als Symbole ihres Sieges durch Christus gewährt; und obwohl sie niemals der lebendige Tempel sein können, dessen Haupt Christus ist, wird uns gesagt, dass sie Diener in diesem Tempel sein werden; und obwohl sie niemals auf dem Thron sitzen werden, haben sie das große Vorrecht, „vor dem Thron” zu dienen. Große und herrliche Vorrechte werden ihnen zuteilwerden, aber oh, sie werden den großen Preis verlieren, weil sie ihn für ein Linsengericht der gegenwärtigen scheinbaren Vorteile verkauft haben, die sich als unbefriedigend erweisen und bittere Folgen nach sich ziehen. Welche Ermahnung zur Heiligkeit, zur vollständigen Weihung Seinen Willen gegenüber könnte stärker sein als die, die unser Herr durch Seine Aussage über die Folgen von mehr oder weniger Treue gibt?

Wahrscheinlich lebt die Mehrheit dieser „Großen Schar” von Heiligen heute; denn zu keiner Zeit in der Vergangenheit gab es ein ähnliches Maß an Erkenntnis über Gott und Sein Wort, außer in der Urkirche der apostolischen Zeit: Nie zuvor haben sich so viele durch Weihung zum Herrn bekannt, und nie zuvor gab es so viele subtile Verführungen, die vom „schmalen Weg” der Selbstaufopferung ablenken. In den vergangenen Jahrhunderten war die Kluft zwischen dem Volk des Herrn und den Menschen der Welt viel deutlicher als heute: Die Verfolgung war offener und anerkannter, und obwohl weniger Menschen den Namen Christi bekannten, waren sie sich der Kosten bewusst und schätzten sie, was die meisten Menschen heute nicht tun (wir ignorieren natürlich die Bekenntnisse und „großen, aufgeblasenen Worte” des Antichristen). Allerdings gab es am Ende des Jüdischen Zeitalters eine große Zeit der Drangsal, in der es vielen Verunreinigten gestattet worden sein mag, ihre Kleider im Blut des Lammes weiß zu waschen. Und seitdem hat unser Herr nicht aufgehört, die Macht zu haben, so viele, wie Er wollte, durch große Drangsale zur Läuterung zu führen. Da die „Überwinder” freiwillig mit Christus leiden und die „Große Schar” unfreiwillig wegen Christus leidet, könnte es für alle außer dem Herrn und den Leidenden schwierig, wenn nicht gar unmöglich sein, zu wissen, ob sie als Selbstopfernde oder als unfreiwillige „Drangsal”-Heilige gelitten haben: aber am Ende dieses Zeitalters wird es anders sein; denn die Überwinder werden in die Herrlichkeit aufgenommen werden, bevor die letzte Plage vollständig über „Babylon” ausgegossen wird.

DIE KÖNIGIN UND IHRE GEFÄHRTINNEN, JUNGFRAUEN

Es ist angebracht, dass wir uns erneut an den wunderschönen Hinweis erinnern, den uns der Prophet David in Bezug auf das Hochzeitskleid der Braut gegeben hat (Ps. 45:9-14). Hier sagt uns der Herr durch den Propheten, dass die Braut als Königin vor dem König in „bunt gewirkten Kleidern” sowie in „gewebten Goldgewändern” erscheinen wird. Die goldenen Gewänder stehen, wie wir bisher gesehen haben, für die Unsterblichkeit (ein Element der göttlichen Natur), mit der die Kirche in ihrer Auferstehungsherrlichkeit bekleidet sein wird. Die fein gearbeiteten Gewänder können nichts anderes sein als die feinen Leinengewänder, rein und weiß, die in der Offenbarung erwähnt werden. Aber hier haben wir den zusätzlichen Hinweis, dass diese Gewänder fein bestickt sein werden.

Das Kleid, das uns zunächst nur geliehen wurde und das unsere Einladung zur Hochzeit, zur Miterbschaft mit dem Königssohn darstellte, gehörte uns zunächst nicht, es wurde uns lediglich geliehen oder zugerechnet. Aber es wurde zu einem bleibenden Geschenk des Bräutigams an alle, die die Einladung zur Vereinigung mit Ihm annahmen; und als sie es sorgfältig untersuchten, fanden sie darauf in zarten Umrissen eine Prägung in anmutigen Linien, die dem reich bestickten Kleid des Königssohns entsprachen. Der Vorschlag, Sein Kleid nachzuahmen, wurde nicht nur angedeutet, sondern es wurde auch klar erklärt, dass alle, die es wert sein würden, Seine „auserwählten” Gefährten zu sein, in jeder Hinsicht Nachahmer des Bräutigams sein sollten (Röm. 8:29).

Das sorgfältige Setzen der Stiche beim Besticken dieses Hochzeitskleides war die Pflicht und ständige Beschäftigung der verlobten Jungfrau, während sie auf das Hochzeitsfest bei der Rückkehr des Bräutigams wartete. Zugegeben, vieles von dem, was wir jetzt sticken, ist sehr unvollkommen, erstens wegen unserer Ungeschicklichkeit, zweitens wegen unserer Unvollkommenheit und drittens wegen der störenden Einflüsse um uns herum (die Welt, das Fleisch und der Teufel). Dennoch können wir gut verstehen, dass es der Segen der Erfahrung ist, der beabsichtigt ist, und dass jede mühsame Anstrengung den Charakter stärkt und uns zu einer tieferen Verbundenheit mit unserem Herrn führt; und dass Er, wenn Er Seine Kirche inspiziert, sich sogar an unseren unvollkommenen Ergebnissen erfreuen wird, wenn sie den Beweis liefern, dass wir uns bemüht haben, weil wir den Wunsch hatten, alles mit Seinem Willen in Einklang zu bringen; und Er wird unsere unvollkommene Arbeit annehmen, als wäre sie vollkommen, und bei der Auferstehung wird Er uns ideale Körper mit idealen Kräften und dem idealen Charakter gewähren, der vollkommen auf das neue Gewand gestickt ist, das durch Seine Gnade unser sein wird.

Und selbst hier werden die Große Schar, die törichten Jungfrauen, die nicht würdig sind, die Braut zu sein, und daher von diesem Ort der „Auserwählten” verstoßen wurden, dennoch in den Versen 15 und 16 beschrieben:

„Jungfrauen ihr Gefolge, ihre (der Königin) Gefährtinnen, sie werden zu dir hineingebracht. Sie werden geführt unter Freude und Jubel (auch wenn es durch große Drangsal sein wird, werden sie schließlich Hosanna rufen!), sie ziehen ein in den Palast des Königs“.

Bitte lesen Sie hier das Gedicht auf Seite 120, GEDICHTE UND HYMNEN DES TAGESANBRUCHS.