- JAK. 3:1-13 -
„Seid nicht viele Lehrer, meine Brüder, da ihr wisst, dass wir ein schwereres Urteil empfangen werden“. Damit weist der Apostel darauf hin, dass das, was er über den großen Einfluss der Zunge zu sagen hat, sich vor allem an diejenigen unter den Gläubigen richtet, die versuchen, Lehrer zu sein; die eine größere Verantwortung tragen, als wenn sie keine Lehrer wären. Es ist nicht seine Absicht, diejenigen abzuschrecken, die in dieser Hinsicht begabt sind, sondern vielmehr alle auf die Verantwortung hinzuweisen, die mit dieser Position einhergeht. Wenn sie eine redegewandte Zunge besitzen, kann dies ein Kanal für großen Segen sein, der viele Menschen zum Herrn, zur Wahrheit und zum Weg der Gerechtigkeit führt; wenn sie jedoch mit Irrtum behaftet ist, kann die Zunge fast unbeschreiblichen Schaden anrichten – Schaden für den Glauben, für die Moral, für gute Werke. Es ist in der Tat wahr, dass jeder, der die Gabe des Lehrens ausübt, sich einer erhöhten Verantwortung vor Gott und den Menschen aussetzt. Siehe Mt. 5:19; Röm. 2:20, 21; 1. Petr. 5:3; Tit. 1:11; 1. Tim. 1:7; 2. Tim. 4:3; 2. Petr. 2:1.
Die Warnung in dieser Lektion richtet sich nicht gegen die Zunge selbst, sondern gegen die Macht, die wir durch den Gebrauch unserer Zunge auf andere ausüben. Jede Person mit Erfahrung wird wahrscheinlich völlig mit der Behauptung übereinstimmen, dass die Zunge in ihrem Einfluss mächtiger als irgendein anderes Körperteil ist, sei es zum Guten oder zum Bösen. Die Erfahrung lehrt auch, dass es der großen Mehrheit leichter fällt, irgendein anderes Organ zu beherrschen als die Zunge. Sie ist eine so geschickte Dienerin, dass jeder Ehrgeiz, jede Leidenschaft und jede Neigung der gefallenen Natur versucht, sie als eine Dienerin oder einen Kanal des Bösen zu benutzen. Deshalb ist seitens des Christen vermehrte Wachsamkeit, Weisheit und Sorgfalt erforderlich, um dieses Körperteil zu beherrschen und es der neuen Gesinnung in Christus zu unterwerfen, damit es für ihn oder für andere kein Hindernis werde, sondern im Gegenteil eine Hilfe auf unserem schmalen Weg [Manna vom 1. Oktober]. So wie das Gebiss im Maul des Pferdes seine Kraft lenkt und kontrolliert und wie das kleine Ruder eines Schiffes dessen Kurs bestimmt oder ändert, so können die Zunge und die Feder, ihr Sprachrohr, eine große Anzahl von Menschen beeinflussen und umstimmen, zum Guten oder zum Schlechten. Wie wichtig ist daher die Zunge, und wie viel häufiger wird sie als Mittel zum Bösen eingesetzt als zum Guten, um den Glauben zu zerstören statt ihn zu stärken, um Zwietracht und Unzufriedenheit zu säen statt Gerechtigkeit und Frieden! Dies gilt zwar besonders für die Weltlichen, aber in erheblichem Maße auch für das Volk Gottes; und jeder sollte sich daran erinnern, dass er in gewisser Weise ein Lehrer ist und Tag für Tag die Sache der Wahrheit, Gerechtigkeit und des Friedens entweder fördert oder behindert.
In der nicht erneuerten Welt ist die Zunge in der Tat ein „Feuer“, das unaufhörlich Zorn, Neid, Hass, Streit und alles, was den ganzen Körper verunreinigt, entfacht und alle gefallenen Leidenschaften und Begierden anregt. Kein Wunder, dass der Apostel bildlich spricht, dass die Zunge selbst vom Feuer der Gehenna – dem Zweiten Tod – entflammt zu sein scheint. Ihr Feuer neigt dazu, nicht nur ihren Herrn, sondern auch andere ins Verderben zu stürzen.
In der Aussage „Mit ihr preisen wir den Herrn und Vater, und mit ihr fluchen wir den Menschen, die nach dem Bild Gottes geworden sind“ sollten wir den Verfasser nicht so verstehen, dass er sich selbst und die Kirche als diejenigen bezeichnet, die ihre Zunge für solche unheiligen Zwecke benutzen, sondern dass er für die ganze Welt spricht: Einige benutzen ihre Zunge, um Gott zu preisen, andere, um Seinen heiligen Namen zu lästern und ihre Mitgeschöpfe zu verfluchen. Sie ist ein williger Diener, in welche Richtung auch immer sie geführt wird; daher ist es so wichtig, dass ein so wichtiger Diener und Teil richtig geführt wird. Anscheinend gab es jedoch einige in der Kirche, die aus demselben Mund Gott dankten und ihre Mitmenschen verfluchten – vielleicht nicht oft im üblichen Sinne des Wortes, sondern im Sinne von verletzenden Worten, die zu einem verhängnisvollen, verfluchten oder bösen Zustand führen würden; denn jede falsche Lehre ist ein Fluch für diejenigen, die sie annehmen. Zumindest in diesem Sinne des Wortes senden viele aus demselben Mund sowohl gute als auch böse Einflüsse aus. Dies ist ein falscher Zustand, und daher ist die Warnung so wichtig: „Meine Brüder, seid nicht viele Lehrer.“ Wer auch immer eine Quelle sein möchte, aus der das göttliche Wort hervorgeht, das Segen, Erquickung und Kraft bringt, sollte dafür sorgen, dass bitteres Wasser, falsche Lehren, die einen Fluch, eine Verletzung verursachen würden – die Gott entehren und Sein Wort verdrehen –, in ihm keinen Kanal finden, um sich zu äußern.
Bei der Auswahl von Leitern für Versammlungen sollte die hier festgelegte Anforderung hinsichtlich der „Zunge” nicht übersehen werden. Nicht diejenigen mit feuriger Zunge sollten ausgewählt werden, sondern die Sanftmütigen, die Gemäßigten, die ihre Zunge „zügeln” und sich bemühen, nur „als Mundstück Gottes” zu sprechen. Solche Zungen üben Zurückhaltung, während andere häufiger verletzen und abstossen. Das Wort des Herrn ist schnell und kraftvoll und scharf und trifft „ins Herz“, ohne dass es bitterer, scharfer und liebloser menschlicher Flüche bedarf, um es durchzusetzen. Daher die göttliche Anweisung, dass wir „die Wahrheit in Liebe sagen“ sollen.
Die Lektion schließt mit einer Ermahnung an diejenigen, die die Eigenschaften eines Lehrers in der Kirche besitzen (Weisheit und Wissen), sich nicht nur durch Worte und Lehren, sondern auch durch ein gottesfürchtiges Leben und gute Werke in Sanftmut und Weisheit zu zeigen.
Obwohl diese Lektion speziell an „Lehrer” gerichtet ist, sollte sie von allen beherzigt werden. Es ist ein altes und wahres Sprichwort, dass „freundliche Worte niemals sterben”, und ebenso wahr ist es, dass „unfreundliche Worte niemals sterben”. Tatsächlich leben letztere in den meisten Fällen viel länger – insbesondere in weltlichen Herzen. Lasst uns alle unsere Energie verdoppeln, um unsere Zunge zu zügeln, damit sie immer segnen und „den Hörenden Gnade darreichen“ möge –Eph. 4:29.