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WENN IHR DIESE DINGE TUT
„Denn wenn ihr diese Dinge tut, so werdet ihr niemals fallen. Denn so wird euch reichlich dargereicht werden der Eingang in das ewige Reich unseres Herrn und Heilandes Jesus Christus“ - 2. Petr. 1:10, 11.

DIESE Aussage des Apostels Petrus regt zu mehreren wichtigen Gedanken an: (1) Sie weist auf die Möglichkeit hin, dass die angesprochene Klasse „reichlich in das ewige Reich unseres Herrn und Heilands Jesus Christus eingehen“ wird. Dies ist der Preis für die Hohe Berufung der überwindenden Heiligen des Evangelium-Zeitalters. Wenn wir die überragende Herrlichkeit dieser Verheißung betrachten, neigt der Glaube zwar dazu, zu wanken, dass Gott, so arm und unvollkommen wir sind, in den kommenden Zeitaltern den überragenden Reichtum Seiner Gnade in Seiner Güte uns gegenüber durch Christus Jesus zeigen will (Eph. 2:7). Dennoch ist es so: „Uns sind die größten und kostbaren Verheißungen geschenkt, damit wir durch diese Teilhaber der göttlichen Natur werden, indem wir dem Verderben entflohen sind, das in der Welt ist durch die Lust“ – durch die weltlichen Begierden, „die Lust des Fleisches, die Lust der Augen und den Hochmut des Lebens“ (2. Petr. 1:4; 1. Joh. 2:16).

Diese überaus großen und kostbaren Verheißungen betreffen die Annahme dieser Berufenen durch den großen Herrscher des ganzen Universums als Seine Söhne und Erben; als Miterben mit Seinem eingeborenen Sohn, dem Erben aller Dinge: Sie werden mit Ihm sein, wo Er ist, und Seine Herrlichkeit schauen; und sie werden diese Sterblichkeit ablegen und, wie Er, der „das Ebenbild des Vaters“ ist, mit Unsterblichkeit bekleidet werden. So werden sie für immer beim Herrn sein und Ihn sehen, wie Er ist, denn sie werden Ihm ähnlich sein. Nachdem sie die Welt überwunden haben, werden sie mit Ihm in Seinem Reich sitzen, so wie Er überwunden hat und sich mit dem Vater in Seinem Reich niedergesetzt hat – Offb. 3:21.

„Fürchte dich nicht, du kleine Herde“, sagt der zukünftige Bräutigam der Kirche, „denn es hat eurem Vater wohlgefallen, euch das Reich zu geben“ [Lk. 12:32], „denn der Vater selbst hat euch lieb, weil ihr mich geliebt und geglaubt habt, dass ich von Gott ausgegangen bin“ [Joh. 16:27]. Und er wird Seiner Geliebten das Reich nicht widerwillig geben; denn Petrus sagt: „Euch wird reichlich dargereicht werden der Eingang“: Es wird einen glorreichen Empfang geben, eine freudige Begrüßung und ein Krönungsfest unter allen himmlischen Heerscharen, wenn die Lorbeeren des Sieges auf die Häupter aller siegreichen Soldaten des Kreuzes gelegt werden, der Helden, die edelmütig den guten Kampf des Glaubens gekämpft haben – die den Glauben bewahrt haben, den Kampf gegen die Welt, das Fleisch und den Teufel gekämpft haben und ihren Weg in Treue bis zum Tod vollendet haben.

All diese Fülle an Gnade und Herrlichkeit ist das mögliche Erbe selbst des geringsten Heiligen, der nicht auf seine eigene Fähigkeit vertraut, seine Berufung und Erwählung festzumachen, sondern demütig Tag für Tag auf Gott schaut, um Kraft zu erhalten, damit er als guter Soldat die Schwierigkeiten ertragen kann. Wenn jemand versucht, dies aus eigener Kraft zu tun, muss er gewiss scheitern; denn die feurige Prüfung, die jeden auf die Probe stellen wird, wird sich für den fleischlichen Sinn als zu schwer erweisen; aber Gott, der in den Geweihten wirkt sowohl das Wollen als auch das Wirken [Phil. 2:13], wird diejenigen, die sich auf Seine Gnade verlassen, so stärken und ausrüsten, dass sie mit dem Psalmisten sagen können: „Der Gott, der mich mit Kraft umgürtet ...". „Denn mit dir werde ich gegen eine Schar anrennen, und mit meinem Gott werde ich eine Mauer überspringen“; und mit Paulus: „Alles vermag ich in dem, der mich kräftigt“ – Ps. 18:33, 29; Phil. 4:13.

Lasst uns also keine Furcht haben, die überaus großen und kostbaren Verheißungen anzunehmen, da wir so sicher sind, dass der, der das gute Werk in uns begonnen hat, es auch vollenden wird, wenn wir es zulassen (Phil. 1:6). „Dies ist der Sieg, der die Welt überwunden hat: unser Glaube“ [1. Joh. 5:4] – nicht der Glaube an uns selbst, denn wir können kein Vertrauen in das Fleisch setzen. Das arme, schwache und schwankende Fleisch gibt uns keinen Grund, Vertrauen in unsere Fähigkeit zu setzen, die großen Aufgaben als Soldaten des Kreuzes zu erfüllen. Wir müssen unsere Weisheit und Kraft von oben beziehen: Sie sind nicht in uns, es sei denn, sie wurden uns durch den Geist Gottes eingegeben.

(2) Als nächstes stellen wir fest, dass Petrus' Worte zwar ermutigend auf die Möglichkeit eines herrlichen Erbes für alle Berufenen hinweisen, aber auch die implizite Möglichkeit eines Scheiterns beim Erlangen dieses Erbes enthalten. Es gibt ein „wenn“, eine Bedingung, von der das göttliche Urteil über unsere Würdigkeit oder Unwürdigkeit für das Erbe abhängt. Und angesichts dieser Bedingung fordert Paulus alle Berufenen zu großer Nüchternheit des Sinns und Sorgfalt im Verhalten auf und sagt: „Wer zu stehen meint, sehe zu, dass er nicht falle“ [1. Kor. 10:12]. Und weiter: „Fürchten wir uns nun, dass nicht etwa, da eine Verheißung, in seine Ruhe einzugehen, hinterlassen ist, jemand von euch scheine zurückgeblieben zu sein!“ [Hebr. 4:1]. Es reicht also nicht aus, dass wir uns Gott als lebendige Opfer hingegeben haben, dass wir uns verpflichtet haben, in die Fußstapfen Jesu zu treten; denn die Weihung, der Bund, das Versprechen werden nichts nützen, wenn wir uns als untreu erweisen, außer dass sie sich gegen uns im Gericht erheben werden. „Besser ist, dass du nicht gelobst, als dass du gelobst und nicht bezahlst“ – Pred. 5:4, 5. Siehe auch 5. Mo. 23:21-23; Spr. 20:25; Hebr. 10:38, 39; Ps. 15; Lk. 9:62; Joh. 15:6; Apg. 5:4, 5.

(3) Als Nächstes wird unsere Aufmerksamkeit auf das gelenkt, was in dieser ausdrücklichen Bedingung impliziert ist: „Wenn ihr diese Dinge tut.“ Welche Dinge? Der Verweis bezieht sich auf die Dinge, die in den vorangegangenen Versen erwähnt wurden, nämlich dass wir unserem Glauben mit aller Sorgfalt Tugend hinzufügen, der Tugend Erkenntnis, der Erkenntnis Enthaltsamkeit, der Enthaltsamkeit Geduld, der Geduld Gottseligkeit, der Gottseligkeit Bruderliebe und der Bruderliebe die Liebe.

Es ist wichtig, hier zu beachten, dass all diese Tugenden zwar unerlässliche Voraussetzungen für diejenigen sind, die von Gott als treu angesehen werden wollen, dass sie aber nur dann von Wert sind, wenn sie auf einem Fundament des Glaubens aufbauen oder diesem hinzugefügt werden – „Wendet allen Fleiß an, um eurem Glauben etwas hinzuzufügen“ – eurem „kostbaren Glauben“, wie er in Vers 1 beschrieben wird. Dieser Glaube ist unser unerschütterliches Vertrauen in den göttlichen Erlösungsplan, dessen Mittelpunkt die Erlösung durch das kostbare Blut Christi ist, der sich freiwillig als Lösegeld für alle hingegeben hat. Ohne dieses Fundament des Glaubens kann uns keine eigene Gerechtigkeit vor Gott etwas nützen. Alle unsere Werke der Gerechtigkeit müssen auf diesem Glauben aufgebaut sein.

Aber reicht der Glaube an Christus nicht aus, um gerettet zu werden, ohne dass man anschließend irgendetwas tun muss? Darauf gibt die Heilige Schrift eindeutig die Antwort, dass ein Glaube, dass Christus uns in unseren Sünden erretten wird – während wir immer noch die Sünde lieben und sündige Werke tun – ein fehlgeleiteter Glaube ist; denn Christus hat nie vorgeschlagen, uns in unseren Sünden zu erretten, sondern von unseren Sünden; und Gott ist treu und gerecht, dass Er denen, die durch Christus zu Ihm kommen, die Sünden vergibt und sie von aller Ungerechtigkeit reinigt – durch den Glauben an Sein vergossenes Blut (Sein geopfertes Leben) als Sühnung oder Genugtuung für unsere Sünden und an Seine reinigende Kraft. „Wer da sagt: Ich kenne ihn (Christus, als meinen Herrn und Erlöser), und hält seine Gebote nicht (die Werke der Gerechtigkeit zu tun und die Früchte der Buße für die Sünden hervorzubringen), ist ein Lügner“, sagt der Apostel Johannes, „und in diesem ist die Wahrheit nicht“ (1. Joh. 2:4) Deshalb ermahnt auch der Apostel Paulus die Gläubigen mit den Worten: „Geliebte, bewirkt eure eigenen Seligkeit mit Furcht und Zittern; denn Gott ist es, der in euch wirkt sowohl das Wollen als auch das Wirken, nach seinem Wohlgefallen“ – Phil. 2:12, 13.

Es war Gott, der uns die Erlösung in Christus Jesus geschenkt hat, und es ist Gott, der uns zu Sich gezogen und uns alle Gnade versprochen hat, die wir brauchen, um auf den Wegen der Gerechtigkeit zu wandeln; und mehr noch, um sogar in den Fußstapfen Jesu auf dem Weg der Selbstaufopferung zu folgen. Während wir also mit Furcht und Zittern – mit großer Sorgfalt – danach streben, unser Heil zu erreichen, ist es unser Privileg, uns stets der verheißenen Gnade bewusst zu sein, die uns in jeder Notlage hilft, und darauf zu vertrauen, dass unsere besten Bemühungen um Gerechtigkeit vor Gott annehmbar sind, wenn sie durch die Gerechtigkeit Christi, die uns durch den Glauben zugerechnet wird, vorgebracht werden.

Da wir nun diese Grundlage haben und „dem Verderben entflohen sind, die durch die Lust in der Welt ist“ – durch die Lust des Fleisches – und durch den Glauben auch die „größten und kostbaren Verheißungen“ ergriffen haben, Teilhaber der göttlichen Natur und Miterben Christi Seines Reiches und Seiner Herrlichkeit zu werden, und da wir bestrebt sind, unsere „Berufung und Erwählung festzumachen“, betrachten wir nun diese Ergänzungen zu unserem Glauben, die, wenn wir sie besitzen und kontinuierlich pflegen, uns die Gewissheit geben, dass wir niemals fallen werden und dass uns ein reichhaltiger Eintritt in das Reich gewährt wird.

Die erste Ergänzung (Tugend) ist Standhaftigkeit oder Charakterstärke in Gerechtigkeit. Dies bedeutet, dass wir in unserem Umgang sowohl mit Gott als auch mit unseren Mitmenschen strengste Wahrhaftigkeit pflegen müssen, wobei gewissenhafte Aufrichtigkeit, Gerechtigkeit und Wahrheit die einzigen Maßstäbe sind. Der Psalmist definiert dies klar und deutlich mit den Worten: „Der in Lauterkeit wandelt und Gerechtigkeit wirkt und Wahrheit redet von Herzen, nicht verleumdet mit seiner Zunge, nichts Böses tut seinem Gefährten, und keine Schmähung bringt auf seinen Nächsten; in dessen Augen verachtet ist der Verworfene, der aber die ehrt, die den Herrn fürchten; hat er zum Schaden geschworen, so ändert er es nicht; der sein Geld nicht auf Zins gibt, und kein Geschenk nimmt gegen den Unschuldigen. Wer dies tut, wird nicht wanken in Ewigkeit“ (Ps. 15). Ein solcher Mensch ist ein tugendhafter Mensch, ein Mensch mit gefestigtem oder starkem Charakter.

Die zweite Ergänzung ist die Erkenntnis – die Erkenntnis Gottes und Seines gerechten Willens in Bezug auf uns (offenbart durch Sein Wort, durch den Heiligen Geist). Die Vernachlässigung dieser von Gott bestimmten Erkenntnisquelle kommt dem Aufstellen eines eigenen, unvollkommenen Maßstabs für Gerechtigkeit gleich und bedeutet, den göttlichen Maßstab zu ignorieren. Es ist daher wichtig, dass wir uns mit aller Sorgfalt dem Studium der göttlichen Offenbarungen widmen, damit wir im Glauben gestärkt werden und entsprechend handeln können.

Die dritte Ergänzung, die Selbstkontrolle [Enthalsamkeit], ist eines der wichtigsten Elemente eines guten Charakters. Derjenige, der seinen eigenen Geist beherrscht, ist größer als derjenige, der eine Stadt erobert, lautet der Rat des Weisen [Spr. 16:32]; und so mancher siegreiche Feldherr muss erst noch lernen, sich selbst zu bezwingen und zu beherrschen. Selbstkontrolle hat mit all unseren Gefühlen, Gedanken, Vorlieben, Begierden, Anstrengungen, Freuden, Leiden und Hoffnungen zu tun. Ihre Kultivierung bedeutet daher eine hohe Stufe der Charakterentwicklung. Selbstbeherrschung, begleitet von Glauben, Standhaftigkeit und Erkenntnis von oben, bedeutet gesteigerten Eifer und Aktivität in göttlichen Dingen und gesteigerte Mäßigung in irdischen Dingen, im Urteilsvermögen, im Verhalten, in der Regelung weltlicher Angelegenheiten usw. „Lasst eure Milde [Mäßigung] offenbar werden allen Menschen“ [Phil. 4:5].

Die vierte Ergänzung ist Geduld. Zeit ist ein sehr wichtiges Element im Prozess der Vervollkommnung aller guten Dinge. Eine überstürzt gepflückte Frucht ist unreif, hart, sauer und bitter. Zeit ist ebenso wie das Beschneiden, Düngen, Kultivieren, Regen und Sonnenschein notwendig, damit eine reife und köstliche Frucht entsteht, die den Gaumen erfreut. Das Gleiche gilt für die Früchte von Plänen und Absichten, von Bildung und Gnade. Gottes tiefgründige Pläne vollziehen sich langsam, nicht nur in Seiner großen universellen Regierung, sondern auch in den Herzen und im Sinn Seiner intelligenten Schöpfungen. Gott lenkt alle Dinge nach Seinem Willen gemäß den festgelegten Richtlinien Seiner weisen und gerechten Gesetze – physischer, moralischer und intellektueller Natur. In einem bestimmten Fall ungeduldig zu sein, bedeutet törichterweise darauf zu bestehen, die unreifen, übereilten, sauren und bitteren Früchte zu ernten, die, wenn der Herr sie gewährt, sich als widerwärtige Strafe für die Ungeduld erweisen werden, die sie gefordert hat. „Das Ausharren [die Geduld] habe ein vollkommenes Werk“ [Jak. 1:4], wartet auf Gottes Zeit: „Vertraue still auf den Herrn und harre auf ihn“ [Ps. 37:7]. Wartet auf Gottes Zeit und Weg und die Zeichen Seines Willens in jeder Situation, sowohl in Bezug auf uns selbst als auch auf andere, und „die auf ihn vertrauen, werden nicht beschämt“ [Ps. 22:6].

Glaube, Standhaftigkeit und Erkenntnis bereiten das Volk Gottes darauf vor, Geduld zu haben mit jedem noch so schwachen Versuch, Gutes zu tun – Geduld mit der armen, verblendeten Welt, mit den „Unmündigen in Christus“, mit den Langsamen und Törichten, mit den Erregbaren und Ungeschickten, mit den übermütigen Petrussen und den skeptischen Thomassen. Aber Geduld oder Gemeinschaft mit „den unfruchtbaren Werken der Finsternis“ und der Sünde zu haben, ist eine Perversion dieser Gnade; denn diese sollten, wo immer sie gefunden werden, unverzüglich und scharf gemäß ihrer bösen Absicht getadelt und zurechtgewiesen werden; dennoch aber mit Geduld gegenüber den reuigen verlorenen Söhnen und immer mit Sanftmut.

Es fällt auf, dass der Herr Sein Volk offenbar darauf hinweist, dass es in der „Erntezeit” oder am Ende dieses Zeitalters großer Geduld bedarf: Geduld gegenüber den Mitmenschen und Geduld im Kampf gegen das Böse und beim Warten auf die Zeit und die Methode des Herrn, um das Unrecht der „gegenwärtigen bösen Welt” zu korrigieren. Die arme Welt, der es an Glauben, Standhaftigkeit, Erkenntnis des göttlichen Plans und Geduld mangelt, wird in naher Zukunft ein leichtes Opfer für Unruhen und Anarchie werden. Das Wort des Herrn an sein Volk lautet: „Ihr bedürft der Geduld“ [Hebr. 10:36].

Die fünfte Ergänzung ist Gottseligkeit, Gottesähnlichkeit, Frömmigkeit – jene fromme, bestimmende Ehrfurcht vor Gott, die zu einer herzlichen, freudigen, liebevollen Übereinstimmung mit Seinem Willen führt – Inbrunst des Geistes im Dienst für den Herrn. Dies ist eine spätere Entwicklung und ein wesentliches Element des christlichen Charakters. Frömmigkeit entspringt spontan aus einem dankbaren Herzen, dessen Freude im Gesetz des Herrn, im Meditieren über Seine Gebote und Verheißungen und in der geheimen Gemeinschaft mit Gott im Gebet und Lobpreis liegt. Aus einem solchen Innenleben muss liebevolle, freudige Aktivität hervorgehen; denn aus der Fülle des Herzens spricht der Mund, und das ganze Wesen wird zu neuem Leben erweckt. Nur diejenigen, die einen lebendigen Glauben an Gott haben, ihren Charakter gegen das Böse stärken und in der Erkenntnis, Selbstkontrolle und Geduld wachsen, sind bereit, die Größe des göttlichen Charakters zu schätzen; und nur solche sind wirklich von dem Wunsch nach Gottesähnlichkeit beseelt.

Die sechste Ergänzung ist die brüderliche Liebe, die notwendigerweise aus der Frömmigkeit erwächst. So wie die Gottesähnlichkeit die anderen genannten Tugenden voraussetzt, so impliziert ihre Entwicklung eine Wertschätzung der göttlichen Gerechtigkeit und Güte und wird unsere Gefühle gegenüber allen Wohlgesinnten, wie unvollkommen sie auch sein mögen, erweitern und vertiefen, und insbesondere wird sie unsere Herzen für alle öffnen, die zum Haushalt des Glaubens gehören – „die Brüder“.

Die siebte Ergänzung ist Nächstenliebe, die Liebe – das Band der Vollkommenheit, das alle anderen Tugenden vereint und als Name für sie alle steht.

Die Liebe zu Gott allein ist nicht die vollständige Manifestation dieser Gnade; noch kann es gemäß den Lehren des Wortes Gottes eine aufrichtige Liebe zu Gott geben, ohne eine entsprechende Liebe zum Menschen: „Wenn jemand sagt: Ich liebe Gott“, sagt der Apostel Johannes, „und hasst seinen Bruder, so ist er ein Lügner. Denn wer seinen Bruder nicht liebt, den er gesehen hat, wie kann der Gott lieben, den er nicht gesehen hat?“ (1. Joh. 4:20). Und Jesus sagte: „Daran werden alle erkennen, dass ihr meine Jünger seid, wenn ihr Liebe untereinander habt“ – Joh. 13:35.

Es ist die Fülle dieser Gnaden des Charakters, die zu unserem Glauben an Christus als unseren Erlöser und Retter hinzukommt, die die Seele vor dem möglichen Fall schützt: „Wenn ihr diese Dinge tut, werdet ihr niemals fallen.“ Die Forderung besteht nicht darin, diese Dinge vollkommen und ungeachtet der Gerechtigkeit Christi, die unsere Übertretungen zudeckt und unsere täglichen Unzulänglichkeiten wiedergutmacht, zu tun, sondern wir werden nicht straucheln, wenn wir zusätzlich zu unserem Glauben an die zugerechnete Gerechtigkeit Christi alle diese Gnaden nach dem Maß unserer Fähigkeit ausgeübt haben. Wenn wir alles getan haben, was wir tun konnten, sind wir immer noch nutzlose Diener, die es nicht wagen sollten, auf unsere eigene Gerechtigkeit zu vertrauen, sondern auf das vollauf genügende Kleid, das uns durch den Glauben an Christus gehört. Dabei bewirken wir durch beständigen „Fleiß“ unsere eigene Errettung mit Furcht und Zittern und wissen, daß die Gerechtigkeit Christi nur für solche angewendet wird, die die Sünde verlassen wollen und der „Heiligkeit, ohne welche niemand den Herrn schauen wird“ nachstreben [Manna vom 20. November] - Hebr. 12:14.