R 2002
DIE LADE NACH JERUSALEM GEBRACHT
- 2. Sam. 6:1-12 -
„HERR der Heerscharen, glückselig der Mensch, der auf dich vertraut!“ - Ps. 84:13.

Die besondere Lehre, die wir aus diesem Ereignis ziehen können, ist die Ehrfurcht vor dem Herrn. „Heilig und furchtbar ist sein Name“ und „der Herr wird den nicht für schuldlos halten, der seinen Namen zu Eitlem ausspricht“. „Er ist ein Gott, gar erschrecklich in der Versammlung der Heiligen, und furchtbar über alle, die rings um ihn her sind“. Als Gott Mose im brennenden Dornbusch erschien, um mit ihm zu sprechen, befahl Er ihm: „Zieh deine Schuhe aus von deinen Füßen, denn der Ort, auf dem du stehst, ist heiliges Land“. Als Er auch auf dem Berg Sinai vor den Augen des ganzen Volkes Israel erschien, umhüllt von einer dichten Wolke, gab es große Zeichen ehrfurchtgebietender Feierlichkeit und besondere Einschränkungen, um jede respektlose Vertrautheit zu verhindern. Israel wurde auch ausdrücklich geboten, Sein Gesetz und Sein Heiligtum zu verehren – Ps. 111:9; 2. Mo. 20:7; Ps. 89:8; 2. Mo. 3:5; 19:11-13; 3. Mo. 19:30.

Ehrfurcht wird definiert als ein Gefühl tiefer Achtung, oft gemischt mit Furcht und Zuneigung; ein Gefühl der Verehrung, wenn es sich auf das Göttliche oder Heilige bezieht: auch ein Verhalten, das von einem solchen Gefühl inspiriert ist oder diesem entspricht. „Die Furcht (Ehrfurcht) des HERRN ist der Weisheit Anfang“ (Ps. 111 :10). Das ist die einzig richtige Stellung des Geschöpfes zu seinem Schöpfer, dem Autor unseres Seins und dem Schöpfer, dem Bewahrer und Herrn des ganzen Universums. Wenn Er spricht, sollten unsere Ohren Seiner Stimme deshalb ehrfurchtsvoll Aufmerksamkeit schenken, und alle unsere Kräfte sollten in Alarmbereitschaft sein, um Seine Gebote auszuführen. Unsere Sicherheit, unser Glück und der Edelmut des Charakters, der zur Liebe und Dankbarkeit anspornt, der sofort und vernünftigerweise auf die Unterweisung achtet und in der Erkenntnis und in der Weisheit Fortschritte macht - das alles hängt in erster Linie von unserer höchsten Ehrfurcht dem Herrn gegenüber ab. Deshalb möchte der Herr die passende kindliche Ehrfurcht, die Seinem Namen gebührt, in uns nähren und pflegen [Manna vom 29. Januar, Hervorhebung von uns].

Die Lade Gottes war das Symbol der göttlichen Gegenwart in Israel und als solches das Heiligste der vorbildlichen Stiftshütte. Sie wurde nach göttlicher Anweisung hergestellt, wie alles, was zur Stiftshütte gehörte, und ihr Platz war im Allerheiligsten, wo nur der Hohepriester (der Jesus, den großen Hohenpriester, repräsentierte) Zutritt hatte, und das auch nur einmal im Jahr, am Versöhnungstag. Als Symbol der göttlichen Gegenwart wurde sie, wie die göttliche Gegenwart selbst, vor respektloser Behandlung und auch vor den gemeinen Blicken geschützt. Nur die Priester, die vorbildlich den Leib Christi, die Heiligen dieses Zeitalters, repräsentierten, durften sie sehen oder berühren. Die Leviten, die alle gerechtfertigten Gläubigen dieses Zeitalters repräsentierten, wurden feierlich und ehrfürchtig dazu bestimmt, die Lade zu tragen, wenn die Stiftshütte von Ort zu Ort gebracht wurde, aber sie musste zuerst sorgfältig von den Priestern bedeckt werden; denn selbst die Leviten durften sie weder ansehen noch berühren (4. Mo. 4:15-20).

Vor den Ereignissen dieser Lektion befand sich die Religion in Israel in einer sehr schlechten Verfassung, und viele Jahre lang war die Lade von ihrem Platz in der Stiftshütte entfernt worden. Als sichtbares Symbol der göttlichen Gegenwart begleitete die Kraft und Gunst Gottes die Lade, wohin auch immer sie gebracht wurde; so zum Beispiel, als Israel auf trockenem Boden den Jordan überquerte und sich das Wasser vor ihnen teilte, sobald die Träger der Lade den Rand des Flusses erreichten; und erneut, als die Mauern von Jericho vor ihr fielen und Israel einen großen Sieg errang. Als Israel jedoch gegen Gott sündigte, begleitete keine solche Kraft das Symbol. Es wurde sogar zugelassen, dass sie in die Hände ihrer Feinde fiel, und den Philistern wurde erlaubt sie zu erbeuten, während Israel eine große Niederlage erlitt. Doch obwohl Israel auf diese Weise bestraft wurde, erlaubte Gott nicht, dass das heilige Sinnbild Seiner Gegenwart lange in den Händen der Heiden verblieb, und die Philister wurden dafür bestraft, dass sie die Lade behielten, solange bis sie bereit waren, sie Israel zurückzugeben. Bei der Rückgabe gab es unter den Heiden keine gesalbten Priester, die sie bedecken konnten, und keine Leviten, die sie tragen konnten; also stellten die Philister sie auf einen neuen Wagen und überließen die Ochsen führerlos ihrem eigenen Weg, und Gott führte sie zurück in das Land Israel, nach Bet-Schemesch. So wurde die Lade seinem Volk zurückgegeben. Aber die Einwohner von Bet-Schemesch missachteten die Einschränkungen des göttlichen Gesetzes in Bezug auf die Lade und wagten es, in sie hineinzuschauen, woraufhin Gott sie mit einem großen Gemetzel bestrafte, bei dem fünfzigtausendsiebzig Männer ums Leben kamen. So wurden sie gelehrt, Furcht vor dem Herrn zu haben und Seine Gebote zu achten, und sie sagten: „Wer vermag vor dem HERRN, diesem heiligen Gott, zu bestehen? Und zu wem soll er (dieses Symbol Seiner Gegenwart) von uns hinaufziehen? Und sie sandten Sendboten nach Kirjat-Jearim ... Und die Männer von Kirjat-Jearim kamen und holten die Lade und brachten sie in das Haus Abinadabs ... und weihten seinen Sohn Eleasar, damit er die Lade des HERRN bewache. Dort blieb sie zwanzig Jahre lang“ (1. Sam. 6:1-21; 7:1, 2). Der Umgang des Herrn mit Israel entsprach dem Gesetzesbund, den Er mit ihnen am Berg Horeb geschlossen hatte. Die Lehre, die wir aus dem Neuen Bund ziehen können, ist, dass diejenigen, die durch einen Teil der Bündnisse Gottes begünstigt sind, auch entsprechend zur Rechenschaft gezogen werden. Wir dürfen jedoch nicht denken, dass diese fünfzigtausend Männer im Zweiten Tod vernichtet wurden; denn die Prüfung Israels unter Seinem Gesetzesbund war nur vorbildlich und entschied nicht über das endgültige Schicksal aller, die unter ihm standen.

Als David jedoch schließlich auf dem Thron ganz Israels gesetzt war, fasste er den Entschluss, die Lade nach Jerusalem zu bringen und das Volk als Nation wieder zu einer innigen und ehrfürchtigen Verehrung Gottes zurückzuführen, wobei die Wiederherstellung der heiligen Bundeslade notwendigerweise der erste Schritt zu diesem Ziel war. Er versammelte dreißigtausend repräsentative Männer der Nation, um die Wiederherstellung zu einer nationalen Tat zu machen und damit das ganze Volk zu einer Wiederbelebung der Gottesverehrung aufzurufen.

Die Methode, die für den Transport der Lade nach Jerusalem gewählt wurde, entsprach jedoch nicht dem Gesetz, das vorschrieb, dass sie von den Leviten ehrfürchtig getragen werden sollte, sondern folgte dem Beispiel der Philister, die sie nach Kerjat-Jearim zurückbrachten, indem sie sie auf einen neuen Wagen setzten, der (wahrscheinlich) von Ochsen gezogen wurde. Während Gott die Unwissenheit und Unfähigkeit der Philister, die nicht Sein Volk waren, tolerierte, die Anforderungen Seines Gesetzes in dieser Angelegenheit zu erfüllen, sah Er die Vergesslichkeit oder Nachlässigkeit Israels nicht mit Nachsicht an, sondern erinnerte sie auf strenge Weise an Sein Missfallen. Inmitten der allgemeinen Freude und des Jubels mit Musik aus vielen Stimmen und allen Arten von Instrumenten schien das plötzliche Schaukeln des Wagens die Lage der Lade zu gefährden, sodass Ussa seine Hand ausstreckte, um sie zu stabilisieren, woraufhin er augenblicklich tot niederfiel.

Dies war eine strenge und höchst notwendige Zurechtweisung. Sie brachte den Zug zum Stillstand und wurde vom König und dem ganzen Volk als Zurechtweisung der gesamten Nation verstanden, da sie das Gebot des Herrn missachtet und es versäumt hatten, das Symbol Seiner Gegenwart gebührend zu verehren. Und die Furcht des Herrn fiel auf den König und das ganze Volk; die Musik und die Festlichkeiten verstummten; die Menschenmenge zerstreute sich und kehrte nachdenklich in ihre Häuser zurück; und der König, der Furcht hatte, sein Vorhaben, die Lade nach Jerusalem zu bringen, fortzusetzen, wandte sich ab und brachte sie zum Haus Obed-Edoms, eines Leviten, der sie zweifellos ehrfürchtig empfing; denn wir lesen, dass „der Herr Obed-Edoms und sein ganzes Haus segnete”.

Dort blieb die Lade drei Monate lang, während König David, der immer noch eifrig für den Herrn eintrat und bestrebt war, das Volk zu einer strengeren Einhaltung Seiner Verehrung zu führen, still die Lehre dieser seltsamen Fügung studierte. Und David wurde gesagt: „Der Herr hat das Haus Obed-Edoms und alles, was sein ist, gesegnet um der Lade Gottes willen“. Da verstand David die Lektion deutlich und beschloss, sofort zu handeln – seinen ursprünglichen Plan auszuführen, die Lade in die Hauptstadt zu bringen, um ihr den Ehrenplatz in der ganzen Nation zu geben, wie er es zuvor beabsichtigt hatte, und erneut die Repräsentanten des ganzen Volkes zusammenzurufen, damit die Wiederherstellung zu einer nationalen Tat werde und zu einer großen nationalen Wiederbelebung der Religion führe. Aber dieses Mal würde er dafür sorgen, dass das Symbol der göttlichen Gegenwart gemäß den göttlichen Anweisungen ehrfürchtig getragen würde.

„Und er machte sich Häuser in der Stadt Davids, und er bereitete einen Ort für die Lade Gottes und schlug ein Zelt für sie auf. Damals sprach David: Die Lade Gottes soll niemand tragen als nur die Leviten; denn sie hat der HERR erwählt, um die Lade Gottes zu tragen und seinen Dienst zu verrichten ewiglich. ... Denn weil ihr das vorige Mal es nicht tatet, so machte der HERR, unser Gott, einen Bruch unter uns, weil wir ihn nicht suchten nach der Vorschrift. Da heiligten sich die Priester und die Leviten, um die Lade des HERRN, des Gottes Israels, hinaufzubringen. Und die Söhne der Leviten trugen die Lade Gottes auf ihren Schultern, indem sie die Stangen auf sich legten, so wie Mose geboten hatte nach dem Wort des HERRN. … Und ganz Israel brachte die Lade des Bundes des HERRN hinauf mit Jauchzen und mit Posaunenschall und mit Trompeten und mit Zimbeln, laut spielend mit Harfen und Lauten“ – 1. Chr. 15:1, 2, 13-15, 28.

„Und es geschah, wenn die Träger der Lade des HERRN sechs Schritte gegangen waren, so opferte er (David) ein Rind und ein Mastvieh. Und David tanzte mit aller Kraft vor dem HERRN (ein weiteres ausdrucksstarkes Symbol der Freude), und David war mit einem leinenen Ephod umgürtet. Und David und das ganze Haus Israel brachten die Lade des HERRN hinauf mit Jauchzen und mit Posaunenschall“ - 2. Sam. 6:13-15.

Während Israel auf diese Weise die Ehrfurcht vor dem Herrn gelehrt wurde, gilt diese Lektion mit gleicher Kraft auch für die Kirche des Evangelium-Zeitalters. Es steht uns nicht zu, auch nur ein Jota an den Verordnungen Gottes zu ändern. Wir dürfen die Verordnung der Taufe der Gläubigen nicht in die Besprengung von Säuglingen umwandeln, noch dürfen wir die Einfachheit des Abendmahls oder den Zeitpunkt seiner Feier ändern, der dadurch gekennzeichnet ist, dass es die Feier des vorbildlichen Passahfestes ersetzt. Wir haben auch nicht das Recht, die gerechten Anforderungen Seines heiligen Gesetzes zu mildern oder die Autorität Seiner Gebote und Anweisungen für nichtig zu erklären, um den weltlich Gesinnten zu gefallen. Das Gesetz und die Zeugnisse Gottes müssen in guten und ehrlichen Herzen aufgenommen werden, ohne Rücksicht auf menschliche Philosophien und müßige Spekulationen. Die Ehrfurcht vor dem Herrn ist der Anfang der Weisheit, und gesegnet ist der Mensch, der auf Ihn vertraut und für den ein „So spricht der Herr” das Ende aller Kontroversen zu jedem Thema ist.

„Wäre unser Leben nur einfacher,
Wir sollten ihn beim Wort nehmen;
Und unser Leben wäre voller Sonnenschein,
In der Süße unseres Herrn.“

R2002-2003