Das Joch ist ein Symbol für Knechtschaft und Unterwerfung, und alle Menschen auf der Welt stehen unter irgendeiner Art von Joch – unter einem politischen Joch, einem sozialen Joch, einem finanziellen oder geschäftlichen Joch, unter dem Joch der Sünde, der Selbstsucht, des Hochmuts usw. Der Mensch, der unter einem politischen Joch steht, empfindet es als sehr schwer. Er ist Tag und Nacht damit beschäftigt, Pläne zu schmieden und Intrigen zu spinnen, um ein Amt zu erlangen, er studiert alle Künste der Weltpolitik, um sich die Freundschaft der Wähler zu sichern, er investiert Zeit, Geld und Gedanken und konzentriert seine ganze Energie auf das riskante Unterfangen, ein Amt zu erlangen, das ihm, wenn er es erreicht, nur eine Vielzahl von Sorgen bringt und ihn einer Schar von Feinden der gegnerischen Partei aussetzt, die oft bereit sind, seinen Charakter bei der geringsten Provokation zu diffamieren.
Diejenigen, die unter einem finanziellen oder geschäftlichen Joch stehen, werden in ähnlicher Weise unterdrückt. Sie arbeiten lange und hart, sie schmieden Pläne, intrigieren, sorgen sich und machen sich Gedanken, um reich zu werden, und dabei geraten sie in eine Falle, die ihnen das wahre Glück raubt, welches Reichtümer nicht bringen können.
Diejenigen, die unter dem sozialen Joch stehen, arbeiten hart und opfern viel, um die Anforderungen der Gesellschaft zu befriedigen. Nur wenige in den bescheideneren Lebensbereichen wissen, wie schwer dieses Joch auf den Reichen lastet, insbesondere auf denen, die mit anderen in besseren Verhältnissen konkurrieren. Frauen erschöpfen sich oft in diesem unbefriedigenden Dienst, während Ehemänner und Väter in Verzweiflung und Ruin getrieben werden, weil sie versuchen, mit den finanziellen Belastungen Schritt zu halten. Das Joch des Stolzes, der Selbstsucht und der Sünde aller Art ist in der Tat ein schweres Joch, und seine Lasten sind schwer. Sich von allen Jochen zu befreien und sich von allen Lasten loszureißen, ist an diesem bösen Tag unmöglich. Der Fürst dieser Welt, Satan, hat bereits allen das Joch der Sünde auferlegt. Und niemand kann uns von diesem Joch und seinen Fesseln befreien außer Christus, der es zu Seiner Zeit und auf Seine Weise für alle tun wird, die durch Glauben und Buße zu Ihm kommen.
Während es letztlich die Absicht Christi ist, alle von jedem Joch zu befreien und sie von jeder Last zu erlösen, sieht Er, dass sie noch nicht in der Lage sind, die herrliche Freiheit der Kinder Gottes auszuüben und sich ihr zu erfreuen; und so beabsichtigt Er, sie durch Züchtigung und Erziehung zu diesem Zustand zu führen. Es ist daher notwendig, dass diejenigen, die von den drückenden Jochen der Sünde und der gegenwärtigen allgemeinen Ordnung befreit werden wollen, sich Christus vollständig unterwerfen – dass sie Sein Joch auf sich nehmen. Und Er lädt alle ein, die das Unbehagen anderer Joche und die Last anderer Bürden zu spüren und zu erkennen begonnen haben, zu Ihm zu kommen, um Ruhe und Befreiung zu finden.
In zärtlichem Mitgefühl für alle Unterdrückten und Leidenden sagt Er: „Kommt her zu mir, alle ihr Mühseligen und Beladenen, und ich werde euch Ruhe geben. Nehmt auf euch mein Joch“ usw. Tausende sind dieser freundlichen Einladung gefolgt und bezeugen unmissverständlich, wie leicht das Joch Christi ist und wie selig die von Ihm versprochene Ruhe ist. Und doch ist diese Ruhe nicht allgemeiner zeitlicher Wohlstand und Freiheit von Sorgen, Mühen und allen Zwängen.
Wenn man die Erfahrungen des Apostels Paulus betrachtet, würden wohl nur wenige sagen, dass das Joch Christi auf seinen Schultern ein leichtes Joch war oder dass die Last des Werkes Christi, das er trug, eine leichte Last war. Aber offensichtlich dachte er so, denn er betrachtete es als ein unschätzbares Privileg, als guter Soldat um Christi willen Schwierigkeiten zu erdulden. Er ertrug freudig den Verlust aller Dinge und hielt sie für bloßen Unrat, damit er Christus gewinne und in Ihm gefunden werde. Er freute sich, an Seinen Leiden teilhaben zu dürfen, damit er auch an Seiner Herrlichkeit teilhaben und mit Ihm an dem seligen Werk Seines Königreiches mitwirken könne.
Gesegnete Arbeit! Paulus freute sich auf diese zukünftige Mission und beeilte sich, seine Bereitschaft dafür zu zeigen, indem er sein Leben hier eifrig und voller Energie in den Dienst des Herrn stellte, ganz gemäß dem göttlichen Plan. Er nahm das Joch Christi auf sich: Er versuchte nicht, sich selbst zu leiten, sondern unterwarf sich demütig Christus und folgte gehorsam Seiner Führung, wohin sie ihn auch führte – ob ins Gefängnis und an den Pranger, zu einer schändlichen öffentlichen Prügelstrafe oder Steinigung, die ihn fast tötete, zu Schiffbruch, zu Gefahren zu Lande und zu Wasser, unter heidnischen Feinden oder falschen Brüdern, zu mühsamer Arbeit und schmerzhafter Plackerei oder was auch immer. Und doch hielt Paulus diese Last Christi für leicht und Sein Joch für sanft. Er sprach von seinen Prüfungen als leichten Leiden und sagte, er freue sich in den Bedrängnissen; und mit zerfetztem Rücken und in den Pranger geschlagen in den Tiefen eines elenden Kerkers freuten sich Paulus und Silas und sangen Gott Loblieder.
Stephanus hatte dieselbe Ruhe und Freude, selbst als seine Feinde ihn zu Tode steinigten; und Tausende weitere Heilige Gottes können dasselbe bezeugen – inmitten von Armut, Krankheit, Bedrängnis, Versuchung und Feinden auf allen Seiten und sogar in den Flammen gewaltsamer Verfolgung. Woher kommt das? Oder wie sind Ruhe und sogar Freude mit solchen Umständen vereinbar? Die Antwort lautet: Es ist eine Ruhe des Geistes – „Bewährten Sinn bewahrst du in Frieden, in Frieden, weil er auf dich vertraut“ [Jes. 26:3]. Niemand kann die Seligkeit dieser Ruhe kennen, bevor er sie nicht selbst erfahren hat. Und niemand kann ihren großen Wert erkennen, bevor er nicht durch Leiden geprüft worden ist.
Der Herr gibt den Schlüssel zu dieser Ruhe in den Worten: „Und lernt von mir, denn ich bin sanftmütig und von Herzen demütig“. Es ist wahr, in einem sanftmütigen und stillen Geist liegt das Geheimnis der Ruhe. Sanftmütig zu sein bedeutet, die folgenden Gnaden zu pflegen: die Geduld, die liebevolle Unterwerfung unter den Willen Gottes, anhaltendes Vertrauen in Seine Liebe und Fürsorge und in die Weisheit Seines leitenden Ratschlags und Seiner alles lenkenden Vorsehung. Es bedeutet auch, diesen Weg beharrlich durch böses und gutes Gerücht oder durch günstige und ungünstige Umstände zu verfolgen.
Die geliebten Kinder Gottes sollten immer mehr danach trachten, den sanftmütigen und stillen Geist Christi nachzuahmen, indem sie die Fügungen Gottes akzeptieren und Seinen Vorschriften und Seiner Leitung gegenüber Gehorsam leisten, wie Er es tat, gerüstet mit der Kraft, die Er allein denen darreichen kann und will, die Sein Joch auf sich nehmen und von Ihm lernen [Manna vom 21. Juni, Hervorhebung von uns]. R1961-1962