R 1943
IM FEUER GELÄUTERTES GOLD.
„Ich rate dir, Gold von mir zu kaufen, geläutert im Feuer, damit du reich wirst“ - Offb. 3:18.

In unserer Untersuchung der vorbildlichen Stiftshütte, die ein Schatten der zukünftigen guten Dinge war, haben wir gesehen, dass alles im Innern der Stiftshütte aus Gold war. Die Bretter, aus denen die Stiftshütte gebaut war, waren mit Gold überzogen. Auch die Einrichtungsgegenstände waren aus Gold. Dort standen der goldene Leuchter, der goldene Tisch, der goldene Räucheraltar, die goldene Lade des Zeugnisses und die goldenen Cherubim. Gold spielte auch eine wichtige Rolle in den prachtvollen Gewändern des Hohenpriesters. Der Saum des Obergewand bestand aus goldenen Glöckchen und Granatäpfeln; das Ephod war mit goldenen Fäden durchwirkt und an den Schultern mit goldenen Klammern befestigt; auf seinem Haupt war eine goldene Krone, auf der „Heiligkeit dem Herrn“ geschrieben stand.

All dies stand in starkem Kontrast zu den Metallen, die an anderen Stellen des Bauwerks verwendet wurden. Ihre vorbildliche Bedeutung bestand darin, dass alles, was sich innerhalb des „Heiligen“ befand, das den gegenwärtigen Zustand der wahrhaft geweihten Gläubigen darstellte, und innerhalb des „Allerheiligsten“, das den glorreichen Zustand der triumphierenden Kirche darstellte, zur göttlichen Natur gehörte, wobei Gold ein Symbol der Göttlichkeit ist. Alle, die das Vorrecht haben, das gegenbildliche „Heilige“ und „Allerheiligste“ zu betreten, sollen, wie Petrus uns sagt, „Teilhaber der göttlichen Natur“ sein (2. Petr. 1:4). Sie sind Glieder des Leibes des großen Hohenpriesters, dessen göttliche Natur durch das Gold der vorbildlichen, herrlichen Gewänder des Hohenpriesters symbolisiert wurde.

In Übereinstimmung mit dieser symbolischen Bedeutung des Goldes sagt der Offenbarer über die himmlische Stadt, das neue Jerusalem: „Und die Stadt reines Gold (eine göttliche Institution), ... und die Straße der Stadt reines Gold (alle ihre Straßen sind göttlicher Bestimmung)“ (Offb. 21:18, 21). Und der Psalmist sagt in Bezug auf die privilegierte Klasse, die, wenn sie verherrlicht ist, diese himmlische Stadt, die Regierung oder das Königreich Gottes bilden wird – die Glieder des Leibes oder die Braut Christi, die Teilhaber der göttlichen Natur –, „Die Königin steht zu deiner Rechten in Gold von Ophir. ... von Goldwirkerei ihr Gewand“ – Ps. 45:10, 14.

Auf dieselbe treffende Symbolik verweist auch unser Herr, wenn Er in unserer Schriftstelle zu Seinem Volk spricht: „Ich rate dir, Gold von mir zu kaufen, geläutert im Feuer“. Diese Worte sind, daran sei erinnert, nicht an die Welt gerichtet, sondern an das Volk des Herrn, das gerechtfertigt und geweiht ist (Offb. 1:1; 3:14). Dieser Aufruf ist eine Ermahnung an sie, ihren Bund treu zu erfüllen, sich vollständig und vorbehaltlos der Zucht des Herrn zu unterwerfen, die notwendig ist, um sie in der Heiligkeit zu vervollkommnen und sie bereit zu machen, mit Ihm als Seine Braut und Miterbin in der Herrlichkeit des göttlichen Königreiches zu regieren.

Erst wenn wir im Glauben die überaus großen und kostbaren Verheißungen ergreifen – die Miterbschaft mit Christus in Seinem kommenden Königreich und in Seiner Herrlichkeit, die uns dazu führen, ihre Bedingungen der Hingabe und Selbstaufopferung bis zum Tod zu erfüllen, dann erst ist etwas von dem „Gold“ der „göttlichen Natur“ in uns. Dieser Schatz kann nur um den Preis der völligen Hingabe oder Aufopferung all dessen, was wir haben, für Christus erworben werden. Vor unserer Rechtfertigung durch den Glauben an Christus hatten wir nichts zu opfern, da alles, was wir hatten, unter der Verurteilung stand; aber als wir gerechtfertigt waren, konnten wir unsere Leiber als lebendige Opfer darbringen, die Gott heilig, wohlgefällig sind, und als unseren vernünftigen Gottesdienst [Röm. 12:1]. So wird uns der Schatz der neuen, göttlichen Natur, das Gold, gegeben. So „kaufen“ wir das Gold.

Aber wir haben diesen Schatz in irdenen Gefäßen, und folglich ist viel Verunreinigung mit ihm vermischt. Daher ist es notwendig, dass das Gold in den Schmelztiegel getan wird, um gereinigt zu werden. Und wenn wir das „im Feuer geläuterte Gold“ erwerben wollen, muss dies auf Kosten einer treuen und beständigen Unterwerfung unter die Zucht des Herrn in den feurigen Prüfungen geschehen, die notwendig sind, um unsere Schlacke zu verbrennen und unser Gold zu läutern. Darum sagt Petrus: „Geliebte, lasst euch das Feuer der Verfolgung unter euch, das euch zur Versuchung geschieht, nicht befremden, als begegne euch etwas Fremdes“ (1. Petr. 4:12). Und Paulus erinnert uns an den Rat der Weisheit (Spr. 3:11, 12; Hebr. 12:5-8): „Mein Sohn, achte nicht gering des Herrn Züchtigung, noch ermatte, wenn du von ihm gestraft wirst denn wen der Herr liebt, den züchtigt er“.

Petrus erinnert uns auch daran, dass die Bewährung unseres Glaubens viel kostbarer ist als vergängliches Gold und dass das Ziel dieser Bewährung darin besteht, dass wir „in der Offenbarung Jesu Christi zu Lob und Ehre befunden werden“ (1. Petr. 1:7). Es wäre sinnlos, wenn jemand aus dem geweihten Volk des Herrn hoffen würde, ohne die läuternden Prozesse feuriger Prüfungen für das herrliche Erbe der Heiligen bereit zu werden; denn Paulus sagt uns: „Von welcher Art das Werk eines jeden ist, wird das Feuer bewähren“. „Wenn ihr aber ohne Züchtigung (Erziehung, feurige Prüfung) seid, der alle teilhaftig geworden sind, so seid ihr denn Bastarde und nicht Söhne“ (1. Kor. 3:13; Hebr. 12:6-8). Und durch den Propheten Jesaja sagt der Herr zu Seinem geistlichen Israel sowie zu Seinem vorbildlichen fleischlichen Israel: „Ich werde meine Hand gegen dich wenden und deine Schlacken ausschmelzen wie mit Laugensalz und wegschaffen all dein Blei“ (Jes. 1:25). Der Prophet Maleachi bezieht sich speziell auf die letzten Tage dieses Zeitalters, die Tage der Gegenwart des Herrn und das große Läuterungswerk, das dann vollbracht werden soll, und sagt: „Wer kann den Tag seines Kommens ertragen, und wer wird bestehen bei seinem Erscheinen? Denn er wird wie das Feuer des Schmelzers sein und wie die Lauge der Wäscher. Und er wird sitzen und das Silber schmelzen und reinigen; und er wird die Kinder Levi reinigen und sie läutern wie das Gold und wie das Silber“ – Mal. 3:2, 3.

Feurige Prüfungen sind daher für alle Kinder Gottes zu erwarten, besonders an diesem Tag des Herrn. So sicher, wie wir Kinder Gottes sind, werden wir sie erleben; und wenn sie kommen, sollten wir ihre Bedeutung für uns sofort erkennen und darauf achten, dass sie uns zu Frömmigkeit, Nüchternheit und tiefer, inniger Gottesfurcht erziehen. „Alle Züchtigung (Erziehung) aber scheint für die Gegenwart nicht ein Gegenstand der Freude, sondern der Traurigkeit zu sein; danach aber gibt sie die friedsame Frucht der Gerechtigkeit denen, die durch sie geübt sind“ – Hebr. 12:11.

In der Schule der Erfahrung lernen wir unsere wertvollsten Lektionen; und die gereiftesten Heiligen, in denen wir die tiefste Sympathie, die geduldigste Nachsicht und die zärtlichste Hilfsbereitschaft und Rücksichtnahme finden, sind diejenigen, die durch das Feuer der Bedrängnis gegangen sind und dadurch richtig geläutert wurden. Gerade als das Kreuz am schwersten wurde, die Wolken am dunkelsten waren und der Sturm am heftigsten tobte, war die Gegenwart des Meisters am deutlichsten zu spüren, und die segensreichen Lektionen des Glaubens und Vertrauens sowie der zärtlichen, persönlichen Liebe des Herrn wurden in die Herzen der Jünger eingeschrieben. Unter einer solchen Erziehung reift die Seele zu einer liebenden Unterwürfigkeit, die gelassen sagt: „Ich kann alles tun, kann alles ertragen durch Christus, der mich stärkt“. In dem Maße wie die Schlacken der alten Natur allmählich verzehrt werden und das Gold immer mehr zum Vorschein kommt, werden diese kostbaren Seelen ihrem liebenden Herrn immer teurer. So teuer sind sie Ihm, dass Er in jeder Bedrängnis nah bei ihnen ist, um sie mit Seiner Gnade aufrecht zu halten und durch Seine Gegenwart zu ermuntern. Die dunkelsten Schatten des Leidens werden zu den geheiligsten Ruheorten der Erinnerung, wo der Morgenstern am hellsten strahlt [Manna vom 16. Juni, Hervorhebung von uns].

Wann immer ein Christ vor eine neue Prüfung gestellt wird, wird es ihm, wenn er sich nur an diesen Rat des Herrn erinnert: „Ich rate dir, Gold von mir zu kaufen, geläutert im Feuer“, Mut, Ausdauer und Selbstaufopferung einflößen. „Gold, geläutert im Feuer!“ Wie kann es ohne Schmelztiegel und Flamme geläutert werden? Wie sonst kann die Schlacke entfernt werden? Es gibt keinen anderen Weg. „Darum seht es nicht als etwas Seltsames an": Lasst das Feuer brennen, lasst die Schlacke verbrennen, und achtet darauf, ihr Geliebten, dass ihr in der Hitze der Flamme nicht das „lebendige Opfer“ vom Altar nehmt. Denkt daran, dass das Auge des großen Schmelzers auf euch gerichtet ist; und wie der Goldschmied das Metall im Schmelztiegel beobachtet, um sein Bild darin widergespiegelt zu sehen, so hat der Herr, der große Schmelzer, sein Auge auf euch gerichtet. Der große Schmelzer gibt acht, um zu sehen, wie das kostbare Metall deines Charakters Sein Ebenbild reflektiert. Oder deutlich gesagt, in jeder Prüfung gibt Er acht, um zu sehen, welche Einflüsse unser Handeln bestimmen, ob es Einflüsse des augenblicklichen Vorteils sind, oder der weltlichen Klugheit, oder persönlicher Freundschaft, oder irdischer Liebesbande von Mann oder Frau oder Kindern, oder der Liebe zur Bequemlichkeit, oder des Friedens um jeden Preis, oder ob wir uns andererseits von den bloßen Grundsätzen der Wahrheit und Gerechtigkeit beherrschen lassen und ob wir diese Grundsätze mit Eifer und Energie um jeden Preis an Mühe oder Leiden oder an beiden verteidigen und so den guten Kampf des Glaubens bis zum bitteren Ende, selbst bis zum Tod, kämpfen [Manna vom 17. Juni, Hervorhebung von uns].

Diejenigen, die dies tun, spiegeln das Bild des Meisters wider. Wie Er sind sie Gott gegenüber loyal, den Prinzipien der Wahrheit und Gerechtigkeit gegenüber loyal, mutig, gehorsam und treu. Das sind die Überwinder. Sie überwinden durch den Glauben; denn ohne einen starken, festen Glauben könnten sie nicht wie gute Soldaten die Härten ertragen und bis zum Ende einen Weg gehen, der ständig gegen den Strom der alten menschlichen Natur geht. Der Glaube legt die Rüstung Gottes an und zieht mit festem und sicherem Schritt in die Schlacht, beflügelt von der inspirierenden Melodie

„Erwache, meine Seele, strecke alle Sinne aus
Und dränge mit aller Kraft voran;
Ein himmlischer Wettlauf verlangt deinen Eifer
Und eine unvergängliche Krone“.

Der christliche Weg der Selbstaufopferung kann kein Weg der Leichtigkeit, der ständigen Glückseligkeit und des Friedens sein. Es mag zwar hin und wieder ruhige Zeiten geben, aber Stürme und Kämpfe sind die Regel; und wer Leichtigkeit und Frieden auf Kosten der Grundsätze der Wahrheit und Gerechtigkeit sucht oder wer dem Wert dieser Grundsätze so gleichgültig gegenübersteht, dass er sich nicht bemüht, sie zu erkennen, um sie zu verteidigen, ist kein treuer, siegreicher Soldat des Kreuzes.

„Glaube niemals, dass der Sieg errungen ist,
Und lehne dich niemals zurück;
Deine mühsame Arbeit ist erst getan,
Wenn du deine Krone errungen hast“.

Jesus sagte: „Wähnt nicht, dass ich gekommen sei, Frieden auf die Erde zu bringen; ich bin nicht gekommen, Frieden zu bringen, sondern das Schwert. Denn ich bin gekommen, den Menschen zu entzweien mit seinem Vater und die Tochter mit ihrer Mutter und die Schwiegertochter mit ihrer Schwiegermutter; und des Menschen Feinde werden seine eigenen Hausgenossen sein. Wer Vater oder Mutter mehr liebt als mich, ist meiner nicht würdig; und wer Sohn oder Tochter mehr liebt als mich, ist meiner nicht würdig; und wer nicht sein Kreuz aufnimmt und mir nachfolgt, ist meiner nicht würdig“. „Wenn jemand zu mir kommt und nicht seinen Vater und seine Mutter hasst [d.h. mich nicht mehr liebt als], auch seine Frau und Kinder und Brüder und Schwestern, ja, sogar sein eigenes Leben, der kann nicht mein Jünger sein. ... So nun jeder von euch, der nicht allem entsagt, was er hat, kann nicht mein Jünger sein. ... Wer Ohren hat zu hören, der höre!“ – Mt. 10:34-38; Lk. 14:26, 33, 35.

Oh, wie notwendig ist das Hören des Glaubens für den Sieg des Glaubens – für jenen Sieg, der jede andere Liebe der Liebe Gottes unterordnet, der jedes andere Interesse den Interessen Seines großen Werkes unterwirft und der jedes andere Interesse freudig den Interessen opfert, die sich auf Christus und Sein kommendes Königreich konzentrieren. Das Ohr des Glaubens muss auf die Melodien der göttlichen Wahrheit eingestellt sein, wenn die Seele ihre segensreiche Inspiration empfangen will; und das Auge des Glaubens muss die Symmetrie der Wahrheit und die Schönheit der Heiligkeit erkennen, wenn die Seele von einer brennenden Begeisterung für Gott erfüllt sein will – für Seine Wahrheit und Seine Gerechtigkeit.

Aber wenn die Seele so von tiefer und beständiger Liebe zur Melodie der Wahrheit und zur Schönheit der Heiligkeit inspiriert und von heiliger Begeisterung für Gott erfüllt ist, dann tritt alles andere in den Hintergrund, und wir erringen durch den Glauben in jeder Begegnung mit dem Feind den Sieg. Die Seele, die so auf Gott ausgerichtet ist, kann immer vertrauensvoll singen:

„Wenn ich auf ruhiger See in Richtung Heimat segle, mit dankbarem Herzen,
O Gott, dir werde ich den günstigen Wind danken.
Sollten jedoch die Wellen steigen und die Ruhe auf sich warten lassen,
gesegnet sei der Sturm, gütig sei die Flut, die mich näher nach Hause treibt“.

R1943-1945