R 1937
DURCH DEINE WORTE FREIGESPROCHEN; DURCH DEINE WORTE VERURTEILT
« Denn aus der Fülle des Herzens redet der Mund. Der gute Mensch bringt aus dem guten Schatz Gutes hervor, und der böse Mensch bringt aus dem bösen Schatz Böses hervor. Ich sage euch aber, dass von jedem unnützen Wort, das irgend die Menschen reden werden, sie von demselben Rechenschaft geben werden am Tag des Gerichts; denn aus deinen Worten wirst du gerechtfertigt werden, und aus deinen Worten wirst du verdammt werden » - Mt. 12 : 34-37.

Wenn wir erkennen, dass wir, die Kirche, gegenwärtig unter der Aufsicht unseres königlichen Bräutigams stehen, der jetzt gegenwärtig ist (Mt. 22:11), um aus Seinem Königreich (in seinem gegenwärtigen embryonalen oder sich bildenden Zustand) „alle Ärgernisse zusammenzulesen“ (Mt. 13:41) und Seine Juwelen, Seine Braut, zu Ihm zu sammeln (Mal. 3:17), können wir die Grundsätze, nach denen dieses Gericht und diese Auswahl getroffen werden, gar nicht genau genug untersuchen.

Die obigen Worte unseres Herrn weisen darauf hin, dass das Herz und der Mund einer ganz besonderen Prüfung unterzogen werden, wobei Ersteres den individuellen Charakter repräsentiert und der Letztere ein Inhaltsverzeichnis für diesen Charakter ist. Aus dieser gleichen Sichtweise auf die Angelegenheit wurden die Worte der Weisheit verfasst: „Mehr als alles, was man bewahrt, behüte dein Herz! Denn in ihm entspringt die Quelle des Lebens. Lass weichen von dir die Falschheit des Mundes und die Verdrehtheit der Lippen entferne von dir“ (Spr. 4:23, 24). Der Hinweis ist klar, dass ein rechter Zustand des Herzens für rechte Worte notwendig ist; denn „aus der Fülle des Herzens redet der Mund“, wie die Erfahrung jedem Menschen bezeugt. Es ist daher gerecht, dass unsere Worte ein Maßstab für das Gerichtsurteil des Herrn sind, wie Er uns sagt. Wahre, honigsüße Worte sind manchmal nur die Masken tiefer Heuchelei; aber die Maske wird sicher irgendwann abfallen, sobald eine selbstsüchtige Politik eine Änderung der Taktik erforderlich macht. Es bleibt daher die Tatsache bestehen, dass die Worte, der gesamte Verlauf des Gesprächs und das Verhalten ein Inhaltsverzeichnis des Herzens sind.

Unsere größte Sorge sollte daher um das Herz sein - dass seine Gefühle und Neigungen völlig von der göttlichen Gnade beherrscht werden und jeder Grundsatz der Wahrheit und Gerechtigkeit darin regiere; dass Gerechtigkeit, Barmherzigkeit, Wohlwollen, brüderliche Liebe, Liebe, Glaube, Sanftmut, Mäßigung, höchste Ehrfurcht vor Gott und Christus und eine inbrünstige Liebe für alle Schönheiten der Heiligkeit als beherrschende Lebensgrundsätze fest darin verankert sein können. Wenn diese Grundsätze im Herzen befestigt und gegründet sind, dann wird der Mund aus dem guten Schatz des Herzens Worte der Wahrheit, Nüchternheit, Weisheit und Gnade hervorbringen[Manna vom 19. April; Hervorhebung von uns].

In Bezug auf unseren Herrn Jesus, dessen Herz vollkommen war - in dem keine Sünde war und kein Betrug im Mund gefunden wurde – wurde gesagt: „Anmut ist ausgegossen über deine Lippen“; und weiter: „Alle gaben ihm Zeugnis und wunderten sich über die Worte der Gnade, die aus seinem Mund hervorgingen“ (Ps. 45:3; Lk. 4:22). Mose, der Christus darstellte, sagte die segensreichen Einflüsse der Worte des Herrn voraus, indem er sagte: „Wie Regen träufle meine Lehre, wie Tau fließe meine Rede, wie Regenschauer auf frisches Grün und wie Regengüsse auf welkes Kraut!“ (5. Mo 32:2). Und Jesus sagte: „Die Worte, die ich zu euch geredet habe, sind Geist und sind Leben“ (Joh. 6:63). Die Worte des Herrn waren so weise, so gerecht und so wahr, dass, obwohl Seine Feinde ständig versuchten, irgendeinen Fehler zu finden, es heißt: „Sie konnten ihn in seinem Wort vor dem Volk nicht fangen; und sie verwunderten sich über seine Antwort und schwiegen“ (Lk. 20:26). Und andere sagten: „Niemals hat ein Mensch so geredet wie dieser Mensch“ – Joh. 7:46.

So hat unser Herr Seinem Volk ein würdiges Beispiel hinterlassen, das zu befolgen der Apostel alle ermahnt, indem er sagt: „Euer Wort sei allezeit in Gnade (mit offenkundiger Liebe und Güte), mit Salz gewürzt (einem reinigenden und erhaltenden Einfluss)“ (Kol. 4:6). Und Petrus fügt hinzu: „Wenn jemand redet, so rede er es als Aussprüche Gottes“, d.h. weise, in Übereinstimmung mit dem Geist und dem Wort des Herrn. Weiter heißt es: „Bewahre deine Zunge vor Bösem und deine Lippen vor betrügerischer Rede“. „Wer seinen Mund und seine Zunge bewahrt, bewahrt seine Seele vor Drangsalen“. „Die Worte aus dem Mund eines Weisen sind Anmut, aber die Lippen eines Toren (eines törichten, rücksichtslosen Redners) verschlingen ihn selbst. Der Anfang der Worte ist Dummheit und das Ende seiner Rede die schlimmste Tollheit“. „Denn Gott ist im Himmel, und du bist auf der Erde: darum sollst du nicht viele Worte machen“ - Ps. 34:14; Spr. 21:23; Pred. 10:12,13; 5:1 [S].

Hiob war inmitten all seiner Leiden sehr darauf bedacht, nicht mit seinen Lippen zu sündigen (Hi. 2:10; 1:21, 22). Er wusste, dass seine Worte vom Herrn als ein Inhaltsverzeichnis seines Herzens genommen würden, und er achtete darauf, sowohl das Herz und als auch die Worte im Recht zu bewahren, indem er sagte: „Das Gute nehmen wir von Gott an, da sollten wir das Böse nicht auch annehmen? (Unglücke, Probleme – zum Disziplinieren oder Veredeln)?“ „Der HERR hat gegeben, und der HERR hat genommen, der Name des HERRN sei gepriesen“. Es gab keinen Geist der Rebellion in einem Herzen, aus dem solche Worte der liebevollen Unterwerfung, der Geduld und des Glaubens in harten Prüfungen kamen, und das sogar ohne ein klares Verständnis der göttlichen Weisheit, die sie zuließ.

Der Psalmist legt dem geweihten und geprüften Volk Gottes diese Worte des festen Entschlusses in den Mund: „Ich sprach: Ich will auf meine Wege achthaben, dass ich nicht sündige mit meiner Zunge; ich will meinen Mund im Zaum halten, solange der Gottlose (der die Gerechten versucht und prüft) vor mir ist“ – Ps. 39:2.

Wie notwendig ist ein solcher Vorsatz für die Festigkeit des christlichen Charakters, ebenso wie die Selbstbeherrschung, die sich durch das feste Festhalten an diesem Vorsatz entwickelt. In einer unfreundlichen Welt können wir nicht mehr erwarten als die Schmähungen unseres Meisters, denn der Diener steht nicht über seinem Herrn. Die Welt, das Fleisch und der Teufel stellen sich uns in den Weg. Es gibt innere Kämpfe und äußerliche Furcht; es gibt viele Pfeile und feurige Speere, die auf die Gerechten zielen. Aber welche Haltung bietet der Seele unter Trübsalen und harten Prüfungen Sicherheit? Ist es nicht die Stille vor Gott, das Warten und Wachen, um in allen Angelegenheiten zuerst Seine Führung und Seinen Willen zu erkennen, bevor wir es wagen, Dinge zu berühren, die oftmals viele Konsequenzen nach sich ziehen? So empfiehlt der Psalmist, indem er sagt: „Ich verstummte in Stille, ich schwieg vom Guten [sogar davon, etwas zu tun oder zu sagen, was in meinen Augen gut zu sein schien]“ [Manna vom 18. April; Hervorhebung von uns]; aber mein Schmerz machte mich unglücklich. Mein Herz entbrannte in mir, durch mein Nachsinnen ward ein Feuer entzündet (Beschreibung einer feurigen Prüfung); ich musste reden mit meiner Zunge“ (Ps. 39:3, 4 [S]) – nicht zu den Schmähern, auch nicht zu anderen, sondern zum Herrn.

Wir haben jederzeit das gesegnete Vorrecht, mit unseren Sorgen und unserem Kummer zum Herrn kommen zu dürfen,
denn Er weiß
wie Er den Lebenswogen die Bitterkeit nehmen kann.
Er tut dies, wie der Psalmist andeutet (Verse 5-7), indem Er uns durch die Erfahrung zeigt, wie nichtig alle irdischen Dinge sind, und dass sie völlig unzureichend sind, die Sehnsüchte der Seele zu stillen oder den verwundeten Geist zu trösten. Wir erkennen dann dass, egal wie kummervoll unsere Erfahrungen auch sein mögen, sie bald vorüber sein werden. Und wenn wir sie über uns zulassen, werden sie nur bewirken, dass wir die friedsamen Früchte der Gerechtigkeit hervorbringen und einen starken und edlen Charakter in uns entwickeln, der zur völligen Selbstbeherrschung, zu besonnenen Überlegungen, geduldigem Ertragen von Betrübnis und zu liebender Loyalität, Treue und Vertrauen in Gott erzogen ist
[Manna vom 29. April; Hervorhebung von uns]. Dann beginnen die Zusicherungen der gesegneten Belohnungen der Gerechtigkeit im kommenden Leben eine neue und tiefere Bedeutung zu bekommen, und wir erkennen, dass dies nicht unsere bleibende Stadt ist, sondern dass wir eine zukünftige suchen. So wird das Herz von irdischen Dingen getrennt und der überlegene Wert himmlischer Dinge wird erkannt. Nur der Herr selbst kann die Sehnsucht der Seele stillen, die, vom Sturm getrieben und geprüft, erkennt:

„Wie eitel ist doch alles unter dem Himmel,
Wie vergänglich ist jedes irdische Glück,
Wie dünn sind die zartesten Bande!
Die mich an eine Welt wie diese binden!“

So gezüchtigt und getröstet lernen wir, über die Gegenwart hinaus auf die Herrlichkeit zu blicken, die sich nach und nach in den treuen Überwindern offenbaren wird, die durch geduldiges Festhalten am Guten inmitten einer verkehrten und verderbten Generation nach dem Preis streben, der allein dem Glauben offenbart wird. So diszipliniert und gesegnet durch feurige Prüfungen, indem es zum Herrn um Trost und Hilfe geht, beginnt das Kind Gottes zu erkennen, was es bedeutet, gegenüber der Welt tot und gegenüber Gott lebendig zu sein, mit einer tiefen Wertschätzung Seiner Liebe, Güte und Gnade; und so von der Welt getrennt und fester mit Christus vereint, ist die Sprache des Herzens, wie der Psalmist weiter nahelegt: „Und nun, Herr, worauf habe ich gewartet? Meine Hoffnung steht zu dir!“ (Vers 8). Daher:

„Selbst der Kummer, vom Himmel berührt, leuchtet auf.
Mit mehr als dem Strahl des Glücks,
Wie die Dunkelheit uns Welten des Lichts zeigt.
Die wir nie bei Tag gesehen haben“.

Das ist das gesegnete Ergebnis, wenn wir unter Umständen der Prüfung und des Ärgers unsere Zunge im Zaum halten und alle unsere Sorgen demütig im Gebet vor den Herrn bringen, damit unsere Rede, wenn wir sprechen, mit Gnade erfüllt und mit Salz gewürzt ist und wir unter allen Umständen als die Orakel Gottes sprechen können.

Wenn wir die oben zitierten Worte unseres Herrn betrachten – dass wir Rechenschaft ablegen müssen „von jedem unnützen Wort“ [Mt. 12:36] – und wenn wir bedenken, dass die Gegenwart der Tag unseres Gerichts (das der Kirche) ist, sehen wir, welch große Bedeutung unseren Worten beigemessen wird. Alle unsere Worte werden von dem Herrn als ein Inhaltsverzeichnis unseres Herzens aufgenommen. Wenn unsere Worte rebellisch, illoyal, leichtfertig, unfreundlich, undankbar, unheilig oder unrein sind, so wird unser Herz danach beurteilt, aufgrund des Prinzips: „Aus der Fülle des Herzens redet der Mund.“ [Manna vom 14. Februar – 1. Teil; Hervorhebung von uns]. So zeugen unsere Worte in all den verschiedenen Umständen unseres täglichen Lebens vor Gott fortwährend vom Zustand unseres Herzens. Damit bedeuten die Worte unseres Herrn, und wie passend ist in diesem Zusammenhang die Ermahnung: „Sei nicht vorschnell mit deinem Mund, und dein Herz eile nicht, ein Wort vor Gott hervorzubringen (und bedenke, dass ‚alles bloß und aufgedeckt ist vor den Augen dessen, mit dem wir es zu tun haben‘ – Hebr. 4:13)! Denn Gott (unser Richter) ist im Himmel (auf dem Thron) und du bist auf der Erde (im Gericht vor dem Richterstuhl Gottes); darum seien deine Worte wenige“ [Pred. 5:1]. Lass sie nachdenklich und weise sein, wie sie vor Gott geäußert werden, und nicht vorschnell, hastig und unüberlegt.

Wiederum im Einklang mit der Aussage des Herrn über die Verantwortung, die unsere Worte mit sich bringen, steht auch geschrieben: „Wer auf seinen Mund achtgibt, behütet seine Seele; wer aber immer das Maul aufsperrt, tut’s zu seinem Unglück“ (Spr. 13:3 [S]). Welch eine furchterregende Verantwortung hängt an der Zunge, die in böser oder auch nur leichtfertiger Weise bewegt, was auch eine Entehrung Gottes ist! Und wie notwendig ist die Aufforderung des Apostels Petrus: „Seid nun besonnen und seid nüchtern zum Gebet“! – 1. Petr. 4:7; 1:13; 5:8.

Der Psalmist legt allen, die sich in dieser Verantwortung sehen, dieses Gebet auf die Lippen: „HERR, stelle eine Wache an meinen Mund; bewahre die Tür meiner Lippen! Lass mein Herz nicht zu einer bösen Sache neigen“. „Lass dir wohlgefallen die Rede meines Mundes und das Gespräch meines Herzens vor dir, HERR, mein Fels und mein Erlöser!“ „Meine Lippen sollen überfließen von, wenn du mich deine Satzungen lehrst. Meine Zunge soll deine Rede singen; denn alle deine Gebote sind gerecht. Deine Hand komme mir zu Hilfe; denn ich habe deine Befehle erwählt. Ich habe Verlangen nach deinem Heil (um mich von aller Sünde zu befreien und die Vollkommenheit und Schönheit der Heiligkeit zu erreichen), o HERR, und dein Gesetz ist meine Lust“ – Ps. 141:3, 4; 19:15; 119:171-174.

Als unvollkommene Wesen können wir unmöglich immer in unseren Worten und Handlungen vollkommen sein. Trotz größter Anstrengungen irren wir manchmal in unseren Worten und Handlungen. Doch soll die vollkommene Beherrschung unserer Worte und Handlungen das Ziel unserer wachsamen und treuen Anstrengung sein[Manna vom 14. Februar – Teil 2; Hervorhebung von uns]. Aber nichtsdestotrotz müssen wir an diesem Tag des Gerichts für jedes müßige Wort Rechenschaft ablegen. Wenn wir bei der täglichen Überprüfung unserer Wege, was die Pflicht jedes Christen ist, entdecken, dass unsere Worte irgendwie entehrend für den Herrn gewesen sind, sollten wir uns daran erinnern, „und wenn jemand gesündigt hat – wir haben einen Beistand bei dem Vater, Jesus Christus, den Gerechten“ (1. Joh. 2 : 1) ; und dass wir uns dem Herrn im Namen unseres Fürsprechers im Gebet nähern können, um unserem himmlischen Vater zu erklären, dass wir unseren Fehler erkannt haben und unser Versäumnis, Seinen Namen und Seine Sache durch Heiligkeit in Wort und Wandel zu ehren, zutiefst bedauern und demütig darum bitten, dass uns diese Sünde nicht angerechnet wird, sondern dass sie durch Seine gnadenreiche Vorkehrung, die Er für unsere Reinigung durch Christus getroffen hat, ausgelöscht werden möge, indem wir uns demütig darauf berufen, dass wir unsere ganze Hoffnung und unser ganzes Vertrauen auf Sein kostbares Blut setzen.

So sollten wir über jedes unnütze Wort Rechenschaft ablegen, und durch unsere Worte der Reue, ergänzt durch das Verdienst Christi, das wir uns im Glauben aneignen, werden wir entlastet werden [Manna vom 22. April; Hervorhebung von uns]. Andernfalls werden die unnützen, den Herrn entehrenden Worte gegen uns sprechen und uns verurteilen, und wir werden gezwungen sein, die Folgen zu tragen. Die erste Folge wird eine Selbstverletzung sein, denn jeder schlechte Gedanke oder jedes selbstgefällige Wort verhärtet den Charakter und neigt ihn noch mehr zur Ungerechtigkeit. Die zweite Folge ist ein schlechtes Beispiel für andere und die Anstiftung zum Bösen in ihnen. „Eine sanfte Antwort wendet Grimm ab, aber ein kränkendes Wort erregt Zorn“ (Spr. 15:1). So können wir infolge unvorsichtiger oder böswilliger Worte Schwierigkeiten hervorrufen, die zu Werkzeugen der vergeltenden Gerechtigkeit werden, um uns die Lektion der Selbstbeherrschung und der Rücksichtnahme auf die Gefühle und Meinungen anderer zu lehren. Oft wird dem Herrn (oder dem Teufel) vorgeworfen, dass Er uns Prüfungen schickt, die in Wirklichkeit nur das natürliche Ergebnis unserer eigenen Fehler sind. Und diejenigen, die die Wurzel des Problems (in sich selbst) nicht ausfindig machen können, beten vergeblich darum, dass der Herr das, was sie selbst durch Gehorsam gegenüber dem Wort und strenge Selbstdisziplin verhindern könnten, auf wundersame Weise beseitigt. „Aber wenn wir uns selbst beurteilten (und korrigierten), so würden wir nicht gerichtet. Wenn wir aber gerichtet werden, so werden wir vom Herrn gezüchtigt (zum großen Teil durch die Erfahrungen, die unsere eigenen Fehler uns bringen), damit wir nicht mit der Welt verurteilt werden“ (1. Kor. 11:31, 32). Aber selbst wenn man zugibt, dass die Schwierigkeiten nicht direkt von Gott oder dem Teufel verursacht werden – „Jeder aber wird versucht (geprüft), wenn er von seiner eigenen Begierde fortgezogen und gelockt wird“ [Jak. 1:14] – besteht die natürliche Tendenz, die Schuld auf jemand anderen zu schieben und zu glauben, dass unser Verlust an Geduld, unser vorschnelles Reden oder Handeln die Schuld eines anderen war. Wie viele täuschen sich und ermutigen sich selbst mit dem Gedanken: „Wenn alle anderen Menschen eine so vernünftige und großzügige Natur hätten wie ich, dann wäre unsere Familie, unsere Versammlung oder unsere Gemeinschaft ein wahres Paradies auf Erden“. Geliebte, prüfen wir uns selbst, seien wir sehr demütig, damit nicht gerade die Worte der Selbstzufriedenheit und des Selbstgefallens, die wir in unserem Herzen erwägen (wenn wir sie nicht laut aussprechen), unsere Verurteilung mit sich bringen. „Wenn ihr liebt, die euch lieben, was für einen Dank habt ihr? Denn auch die Sünder lieben, die sie lieben. Und wenn ihr denen Gutes tut, die euch Gutes tun, was für einen Dank habt ihr (was ist das für ein Verdienst)?“ (Lk. 6:32-33). Nur wenn „er Leiden erträgt, indem er zu Unrecht leidet“, ist unser Leiden für Gott wie ein süßes Opfer annehmbar. „Wenn ihr aber ausharrt, indem ihr Gutes tut und leidet, das ist Gnade bei Gott, denn hierzu seid ihr berufen worden“ (1. Petr. 2:19-21). Geliebte, achten wir darauf, dass unsere Leiden nur um der Gerechtigkeit willen geschehen, und geben wir nicht Gott oder unseren Nachbarn die Schuld für die Schwierigkeiten, die sich aus der Nachsicht mit unseren ererbten oder gewachsenen Fehlern ergeben.

„Denn wir alle straucheln oft. Wenn jemand nicht im Wort strauchelt, der ist ein vollkommener Mann, fähig, auch den ganzen Leib zu zügeln“ (Jak. 3:2). Aber einen solchen Mann gibt es nicht. Wir alle brauchen und müssen uns ständig auf die Verdienste unseres Erlösers und Fürsprechers berufen, während wir uns täglich bemühen, alle Gedanken in Gefangenschaft unter den Willen Christi zu bringen und die Heiligkeit in der Furcht (Ehrfurcht) des Herrn zu vervollkommnen.

Angesichts dieser Tatsache, von der wir hoffen, dass alle vom Volke des Herrn sich bemühen werden, sich ihrer immer mehr bewusst zu werden, nämlich dass wir jetzt vor dem Richterstuhl stehen, fragen wir uns mit den Worten des Petrus: „Was für Leute müsst ihr dann sein in heiligem Wandel und Gottseligkeit?“ [2. Petr. 3:11]. Gottähnlichkeit kann sicherlich kein schädliches Geschwätz, keine unreine oder unheilige Unterhaltung, keine Worte der Untreue oder der Auflehnung beinhalten. Solche Dinge sollen von allen, die den Namen Christi in Aufrichtigkeit und Wahrheit nennen, weit weggetan werden. Und lasst uns täglich daran erinnern, mit dem Herrn alles zu bereinigen und darauf zu achten, dass keine Aufzeichnung von eitlen Worten, die unbereut und folglich unvergeben sind, wider uns steht [Manna vom 30. März – Teil 1; Hervorhebung von uns]. „Wandelt nur würdig des Evangeliums des Christus“. „Alles, was wahr, alles, was ehrbar, alles, was gerecht, alles, was rein, alles, was liebenswert, alles, was wohllautend ist, wenn es irgendeine Tugend und wenn es irgendein Lob gibt, das erwägt“. So werden wir aus dem guten Schatz des Herzens heraus in der Lage sein, die Worte der Wahrheit und der Nüchternheit zu sprechen, unseren Herrn durch gottesfürchtiges Wandeln und Reden zu ehren, die bösen Neigungen unserer gefallenen Natur zu unterwerfen und „führt euren Wandel [KJV: euer Reden] unter den Nationen gut, damit sie, worin sie gegen euch als Übeltäter reden, aus den guten Werken, die sie anschauen, Gott verherrlichen am Tag der Heimsuchung!“ – Phil. 1:27; 4:8; 1. Petr. 2:12.

Wenn wir Gott täglich Rechenschaft ablegen und jeden weiteren Tag Seine Gnade für größere Überwindungskraft suchen, werden wir im Gericht freigesprochen werden und durch Christus vor Gott bewährt dastehen, indem Sein heiliger Geist mit unserem Geist Zeugnis gibt, dass wir Ihm wohlgefällig und für Ihn annehmbar sind [Manna vom 30. März – Teil 2; Hervorhebung von uns].