Für den nachdenklichen, dankbaren Sinn ist eines der größten Vorrechte, die das Wort Gottes bietet, die persönliche Audienz und Gemeinschaft mit dem König der Könige und Herrn der Herren. Wenn wir bedenken, wie groß unser Gott ist und wie erhaben Seine Stellung ist, wie wunderbar ist die Herablassung, die so auf unseren niedrigen Stand blickt! Er ist es, dessen Herrlichkeit den Himmel bedeckt und dessen Königreich über das gesamte Universum herrscht. Er ist es, der ohne Anfang der Tage oder Ende der Jahre ist: „Von Ewigkeit zu Ewigkeit bist du, Gott“ [Ps. 90:2]. Er ist der Unsterbliche, Der Selbstexistierende, „der … ein unzugängliches Licht bewohnt, den keiner der Menschen gesehen hat, auch nicht sehen kann“ [1. Tim. 6:16]. Die Himmel verkünden Seine Herrlichkeit und das Firmament zeigt Seiner Hände Werk. In Seinem ganzen riesigen universellen Herrschaftsbereich gibt es nichts, was Ihm verborgen bliebe, noch kann Er ermüden, für ihn zu sorgen. Wer kann Seine Weisheit ergründen? Und wer kann Seine Wege erforschen? Oder wer war Sein Ratgeber? Sein mächtiger Intellekt erfasst mit Leichtigkeit alle Belange Seiner weiten Herrschaft, von der Unermesslichkeit bis ins kleinste Detail. Nie schläft noch schlummert Sein Auge, noch kann das Geringste Seiner Aufmerksamkeit entgehen, nicht einmal der Fall eines Sperlings; und selbst die Haare auf unseren Köpfen sind alle gezählt [Mt. 10:29, 30]. Es ist Sein Wirken, das das Gras auf dem Feld mit Leben und Schönheit kleidet, das heute noch da ist und morgen schon in den Ofen geworfen wird [Mt. 6:30].
Und sind nicht wir, die Geschöpfe Seiner Hand, „furchtbar und wunderbar gemacht“, und auch die Subjekte Seiner Liebe und Fürsorge? – „HERR, du hast mich erforscht und erkannt. Du kennst mein Sitzen und mein Aufstehen, du verstehst mein Trachten von ferne. Mein Wandeln und mein Liegen – du prüfst es. Mit allen meinen Wegen bist du vertraut. Denn das Wort ist noch nicht auf meiner Zunge, siehe, HERR, du weißt es genau. Von hinten und von vorn hast du mich umschlossen, du hast deine Hand auf mich gelegt. Zu wunderbar ist die Erkenntnis für mich, zu hoch: Ich vermag sie nicht zu erfassen. Wohin sollte ich gehen vor deinem Geist und wohin fliehen vor deinem Angesicht? Stiege ich zum Himmel hinauf, so bist du da. Bettete ich mich in dem Scheol, siehe, du bist da. Erhöbe ich Flügel der Morgenröte, ließe ich mich nieder am äußersten Ende des Meeres, auch dort würde deine Hand mich leiten, und deine Rechte mich fassen. Und spräche ich: Nur Finsternis möge mich verbergen, und Nacht sei das Licht um mich her: Auch Finsternis würde vor dir nicht verfinstern, und die Nacht würde leuchten wie der Tag, die Finsternis wäre wie das Licht“ (Ps. 139:1-12).
Obwohl wir als gefallene Geschöpfe aus dem edlen Stand, in dem wir erschaffen wurden, herausgefallen sind, hat Gott unser Geschlecht so sehr geliebt, dass Er für unseren Loskauf und unsere Restitution und die darauffolgende ewige Herrlichkeit Vorkehrungen getroffen hat, obwohl wir noch Sünder waren. Und deshalb, weil Er uns liebt, gewährt Er uns durch Christus die gnädige Gunst, als Kinder zu Ihm zu kommen wie zu einem Vater. Wunderbar ist die Herablassung, wunderbar ist die Liebe und Gunst unseres Gottes!
Doch unser Gott ist ein Gott, den man verehren muss: Er ist nicht wie wir, wir sind Ihm nicht ebenbürtig, in dessen Gegenwart wir ohne jene Feierlichkeit und Anstand kommen dürfen, die Seiner herrlichen Person und Seinem Amt geschuldet sind (Hi. 9:1-35). Der himmlische Hof hat Vorschriften und Zeremonien des Respekts und der gebührenden Ehrerbietung, die von jedem Menschen eingehalten werden müssen, der eine Audienz beim König der Könige erhalten möchte; und es ist unsere Pflicht, uns zu erkundigen, wie diese Vorschriften lauten, bevor wir uns anmaßen, Ihn anzusprechen. Hier gibt das Wort Gottes klare Anweisungen. Unser Herr Jesus, der ernannte „Schiedsmann“, nach dem sich Hiob so sehr sehnte (Hi. 9:32, 33), sagte: „Ich bin der Weg … Niemand kommt zum Vater als nur durch mich“ (Joh. 14:6). Dann gab Er uns eine Illustration dafür, wie wir Ihn ansprechen sollten, und zwar in dem, was als Vaterunser bekannt ist (Mt. 6:9-13). Die Illustration lehrt, (1) dass wir (die wir an Christus glauben) uns nach Gottes Bewertung (durch den Glauben an Christus) in die ursprüngliche Stellung der Söhne Gottes wiedereingesetzt betrachten können und dass wir Ihn daher vertrauensvoll ansprechen können – „Unser Vater“. (2) Sie zeigt unsererseits die anbetende Verehrung des Hohen und Heiligen und die tiefe Ehrfurcht vor dem herrlichen Charakter und den Eigenschaften unseres Gottes – „geheiligt werde dein Name“. (3) Sie drückt die volle Sympathie mit Seinem offenbarten Plan für ein kommendes Königreich der Gerechtigkeit aus, das Seinem Willen entsprechen wird – „Dein Königreich komme, dein Wille geschehe, wie im Himmel so auch auf Erden“. Dies zeigt die Einstellung des Herzens gegenüber der Gerechtigkeit und ihre vollständige Unterwerfung unter den göttlichen Willen und Vorsatz, damit Gott darin wirken kann, sowohl das Wollen als auch das Wirken nach Seinem Wohlgefallen. (4) Sie drückt in einfacher und schlichter Sprache die Abhängigkeit von Gott für die täglichen Bedürfnisse und das Vertrauen eines Kindes in den Vater aus, dass diese Bedürfnisse aus Seiner Fülle gestillt werden – „Unser tägliches Brot gib uns heute“. (5) Das Gebet bittet um Vergebung für Übertretungen und erkennt auch die daraus resultierende Verpflichtung an, dasselbe für diejenigen zu tun, die uns Unrecht tun – „und vergib uns unsere Schulden, wie auch wir unseren Schuldnern vergeben“; und (6) es bittet darum, vor Versuchungen bewahrt und durch Gottes überfließende Gnade gegen alle Listen des Widersachers gestärkt zu werden – „Und führe uns nicht in Versuchung, sondern errette uns vor dem Bösen“.[Im Codex Sinaiticus und Vaticanus fehlen die Worte „denn dein ist das Königreich und die Macht und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen“ ; Mt. 6:13.]
Dies sind die Grundsätze, die unsere Einstellung des Herzens und Sinnes immer kennzeichnen müssen, wenn wir das Vorrecht in Anspruch nehmen wollen, uns an den Thron der himmlischen Gnade zu wenden. Kurz gesagt, damit unsere Gebete für Gott annehmbar sind, müssen sie folgendes zum Ausdruck bringen: einen zuversichtlichen Glauben, eine liebevolle Achtung und Verehrung, volle Sympathie für den göttlichen Plan und Unterwerfung unter den Willen Gottes, ein kindliches Vertrauen in Gott, das Eingeständnis der Sünden und Unzulänglichkeiten und den Wunsch nach Vergebung, mit demütigem Verlangen nach göttlicher Führung und göttlichem Schutz. Das alles kann nicht immer mit Worten zum Ausdruck gebracht werden, aber es muss wenigstens die Stellung des Herzens sein. „Gebet ist das aufrichtige Verlangen der Seele, ausgedrückt oder auch nicht“ [Manna vom 10. Juni].
Diejenigen, die auf diese Weise zu Gott kommen, haben das Vorrecht, dass ihre Interessen immer am Thron der Gnade berücksichtigt werden, und die Begrüßung, die wir dort immer finden, lässt sich an den herzlichen Einladungen ermessen, oft zu ihm zu kommen und lange zu verweilen. Wir würden wohl zögern, von solchen Vorrechten Gebrauch zu machen, wenn wir nicht diese Gewissheit hätten, aber mit dieser Zusicherung können wir mit Zuversicht zum Thron der Gnade kommen – Hebr. 4:16; 13:6.
Der Herr wusste, wie notwendig diese Gemeinschaft mit Ihm für unser geistliches Leben sein würde. Wie sehr brauchen wir, vom Sturm gepeitscht und geprüft, die Fürsorge unseres Vaters und den Trost und Zuspruch, den Seine Gegenwart und Anteilnahme mit sich bringen. Und haben nicht all die Sanftmütigen und die von Herzen Zerschlagenen nicht nur die Verheißung, gelegentlich fürsorglich erhört zu werden, sondern der beständigen Gegenwart sowohl des Vaters als auch des Sohnes, unseres Herrn Jesus? Jesus sagte: „Wer meine Gebote hat und sie hält, der ist es, der mich liebt; wer aber mich liebt, wird von meinem Vater geliebt werden; und ich werde ihn lieben und mich selbst ihm offenbaren. Judas, nicht der Iskariot, spricht zu ihm: Herr, wie kommt es, dass du dich uns offenbaren willst und nicht der Welt? Jesus antwortete und sprach zu ihm: Wenn jemand mich liebt, so wird er mein Wort halten, und mein Vater wird ihn lieben, und wir werden zu ihm kommen und Wohnung bei ihm machen“ (Joh. 14:21-23).
Der Gedanke, der diese Verheißung der beständigen Gegenwart des Vaters und des Sohnes in unseren Sinnen weckt, ist, dass ihre Gedanken, ihre Fürsorge und ihr Interesse ständig auf uns gerichtet sein werden und dass wir jederzeit die besondere Aufmerksamkeit von Einem oder von Beiden auf uns ziehen können. Derselbe Gedanke wird auch durch die Worte des Apostels Petrus (1. Petr. 3:12) vermittelt: „Denn die Augen des Herrn sind gerichtet auf die Gerechten, und seine Ohren auf ihr Flehen“. Und wir werden gedrängt: „im Gebet haltet an“, dass wir „allezeit beten und nicht zu ermatten sollten“, „betet unablässig“, denn „wie ein Vater sich über Kinder erbarmt, so erbarmt sich der HERR über die, die Ihn fürchten; denn er kennt unser Gebilde, gedenkt, dass wir Staub sind.“ „Denn so hoch die Himmel über der Erde sind, so übermächtig ist seine Gnade über denen, die ihn fürchten. So fern der Osten ist vom Westen, hat er von uns entfernt unsere Übertretungen“. „Die Gnade des HERRN währt von Ewigkeit zu Ewigkeit über denen, die ihn fürchten, seine Gerechtigkeit bis zu den Kindeskindern, für die, die seinen Bund halten, die seiner Vorschriften gedenken, um sie zu tun“ – Röm. 12:12; Lk. 18:1; 1. Thes. 5:17; Ps. 103:13, 14, 11, 12, 17, 18.
Wir können also nicht oft genug vor den Thron der himmlischen Gnade treten, wenn wir zu denen gehören, die die beständige Gegenwart des Vaters und des Sohnes beanspruchen können – wenn wir zu denen gehören, die Ihn lieben und Seine Gebote halten und die den Herrn Jesus als den einzigen Weg zum Vater anerkennen. Und selbst „wenn jemand sündigt“ – von einem Fehler überwältigt wird, sodass er aufgrund seines äußeren Verhaltens als jemand beurteilt werden könnte, der den Herrn nicht liebt, so soll er doch, wenn er Buße tut, daran denken, dass wir „einen Fürsprecher bei dem Vater: Jesus Christus, den Gerechten“ haben, der „die Sühnung (Befriedigung) für unsere Sünden“ ist und „der sich auch für uns verwendet“. „Wer wird gegen Gottes Auserwählte Anklage erheben? Gott ist es, der rechtfertigt. Wer ist, der verdamme? Christus ist es, der gestorben, ja noch mehr, der (auch) auferweckt, der auch zur Rechten Gottes ist, der sich auch für uns verwendet“ – 1. Joh. 2:1, 2; Röm. 8:33, 34.
Deshalb drängt der Apostel: „Da wir nun einen großen Hohenpriester haben, der durch die Himmel gegangen ist, Jesus, den Sohn Gottes, so lasst uns das Bekenntnis festhalten! Denn wir haben nicht einen Hohenpriester, der nicht Mitleid zu haben vermag mit unseren Schwachheiten, sondern der in allem versucht worden ist in gleicher Weise wie wir, ausgenommen die Sünde. Lasst uns nun mit Freimütigkeit hinzutreten zu dem Thron der Gnade, damit wir Barmherzigkeit empfangen und Gnade finden zur rechtzeitigen Hilfe“ (Hebr. 4:14-16)
Bei solch eindringlichen und liebevollen Einladungen sollte kein Kind Gottes zögern, oft zu Ihm zu kommen oder lange in Gemeinschaft und Verbundenheit mit Ihm zu verweilen. Wir haben das Vorrecht, in unsere Kammer zu gehen, die Tür zu schließen und zu unserem Vater zu beten, der im Verborgenen sieht und uns öffentlich belohnen wird (Mt. 6:6). Und nicht nur das, Er wird uns auch durch alle Angelegenheiten und die Hektik und den Trubel des Tages begleiten; und in jedem Augenblick, inmitten von Sorgen und Ratlosigkeit, können wir unsere andächtigen Gedanken, um Weisheit, um Kraft und christliche Stärke oder um Trost und Zuspruch für uns selbst oder andere an Ihn richten. Und obwohl wir keine antwortende Stimme hören, werden wir, wenn wir auf den Weg Seiner Vorsehung achten, bald sehen, wie sich Ereignisse und Umstände zu unserem Wohl und zum Wohl anderer als Antwort auf solche Gebete formen. Geliebte, hat sich dies nicht schon oft als wahr erwiesen? In Ratlosigkeit, in Trübsal, in Bedrängnis, in Verfolgung, in Trauer, in Versuchungen und Prüfungen?
Wenn wir zu Gott kommen, brauchen wir keine Furcht zu haben, dass Er zu sehr mit anderen Dingen von größerer Wichtigkeit beschäftigt ist, oder dass es Ihm lästig ist, dass wir wiederholt mit Dingen von geringer Bedeutung zu Ihm kommen. Um uns in diesem Punkt Gewissheit zu schenken, gab unser Herr das Gleichnis von der aufdringlichen Witwe, die aufgrund ihrer Aufdringlichkeit erhört wurde und eine Antwort erhielt. Wenn wir so handeln, beweisen wir beides, die Ernsthaftigkeit unserer Wünsche und unseren Glauben, dass unsere Gebete beantwortet werden, falls wir nicht aus Mangel an Glauben oder Eifer ermüden, wenn sich die Antwort verzögert, wie es oft notwendigerweise sein muss, denn in Gottes ganzem Wirken spielt die Zeit eine wichtige Rolle [Manna vom 30. Januar].
Die ganze Nacht bis zum Morgengrauen rang Jakob im Gebet und sagte: „Ich lasse dich nicht los, du habest mich denn gesegnet“. Paulus flehte den Herrn dreimal an, bis er sicher war, dass Seine Gnade für ihn ausreichen würde. Der Herr selbst verbrachte häufig ganze Nächte im Gebet, und Er betete ernsthaft und mit vielen Tränen (Lk. 6:12; Mt. 14:23; Mk. 6:46; 1:35; Lk. 5:16; Hebr. 5:7). Und der Apostel Paulus sagt: „Lasst in allem durch Gebet und Flehen (ernsthaftes Bitten) mit Danksagung eure Anliegen vor Gott offenbar werden“, Phil. 4:6.
Der Apostel selbst setzte dieses Prinzip in die Tat um, als er in seinem Brief an die Römer die Heiligen aufforderte, „mit mir zu kämpfen (griechisch: sunagonizomai [gemeinsam kämpfen, sich gemeinsam bemühen]) in den Gebeten für mich zu Gott“, damit er ein bestimmtes Werk sicher vollbringen könne, das vom Geist geleitet zu sein schien (Röm. 15:28-32).
„In allem“, das bedeutet, dass unser himmlischer Vater ein tiefes Interesse an allem hat, was mit uns und den Unsrigen verbunden ist. Was ist zu klein für Seine Aufmerksamkeit, Er, der sogar die Haare auf unseren Köpfen gezählt hat? In den Sorgen des heutigen Alltags oder Geschäftslebens können wir also auf Seine liebevolle Anteilnahme und Hilfsbereitschaft zählen. Wenn der Rat einer Mutter und die Weisheit eines Vaters nicht ausreichen, um den eigensinnigen Weg eines ungestümen und übermütigen Jungen zu zügeln und in richtige Bahnen zu lenken, können sie ihre Sorgen und ihre Furcht vor dem Herrn bringen; und wenn die Kinder die Schwelle überschreiten, um den Versuchungen der Welt zu begegnen, können sie Seine Weisheit und Vorsehung anrufen, damit diese ihre Umstände und ihre Umgebung so gestaltet, dass sie ihnen schließlich den sicheren Weg und die Torheit, einen anderen zu beschreiten, zeigt.
Verwirren und nerven geschäftliche Sorgen? Denkt an die Warnung des Herrn: „Hütet euch, dass eure Herzen nicht beschwert werden durch … Lebenssorgen“ [Lk. 21:34], und an die Warnung des Apostels: „Die aber reich werden wollen, fallen in Versuchung und Fallstrick und in viele unvernünftige und schädliche Lüste, die die Menschen versenken in Verderben und Untergang. Denn die Geldliebe ist eine Wurzel alles Bösen, der nachtrachtend einige von dem Glauben abgeirrt sind und sich selbst mit vielen Schmerzen durchbohrt haben. Du aber, o Mensch Gottes, fliehe diese Dinge; strebe aber nach Gerechtigkeit, Gottseligkeit, Glauben, Liebe, Ausharren, Sanftmut des Geistes. Kämpfe den guten Kampf des Glaubens; ergreife das ewige Leben“ [1. Tim. 6:9-12]. Und wenn du dir dies vor Augen hältst, dann komme zum Thron der himmlischen Gnade, um Weisheit und Anleitung zu erhalten, wie du deine zeitlichen Angelegenheiten so regeln kannst, dass du nicht von den Sorgen dieses Lebens überfordert wirst. Es ist richtig, sich mit ihnen zu befassen, soweit es der Fleiß (Röm. 12:11) und die Nutzung dieses Fleißes in den Diensten des Herrn zulässt; aber es ist der Überfluss, die zermürbende Sorge, die den Frieden des Sinnes und die Gemeinschaft mit Gott stört, die es zu vermeiden gilt.
Bedrückt die Armut und verursacht sie sorgenvolle Gedanken? Tragt auch das im Gebet vor den Herrn; und dann, während ihr die verfügbaren Mittel fleißig nutzt, um für angemessene und ehrbare Dinge zu sorgen, wartet geduldig und zuversichtlich und beobachtet die Zeichen der Vorsehung, in der Gewissheit, dass derjenige, der die Vögel des Himmels ernährt, die weder säen noch ernten noch in Scheunen sammeln, und der das Gras des Feldes kleidet, das heute ist und morgen in den Ofen geworfen wird, sowohl in der Lage als auch willens ist, euch und die euren zu kleiden und zu ernähren.
Und so können wir durch die ganze Auflistung irdischer Prüfungen und Sorgen, ihrer Nöte und Leiden, ihrer Verluste und Enttäuschungen und Katastrophen und Notlagen, ihrer Misserfolge und Unzulänglichkeiten und Sünden und Fehler hindurch all dies im Gebet zum Herrn bringen und jene Stärke, jenes Mitgefühl, jenen Trost und jene Hilfe bekommen, die wir so sehr brauchen. Lasst uns in der Gegenwart des Vaters und des Sohnes leben, die verheißen haben, bei uns zu wohnen. Es wird unsere Tage versüßen, unsere Nächte trösten, unsere Lasten erleichtern, unsere Sorgen lindern und unsere Hoffnungen erhellen, und mit einem Wort, es wird uns über die Welt in eine höhere und reinere Atmosphäre erheben. Das ist der Wille des Himmels für uns: Lasst uns das Vorrecht schätzen und nutzen.
Durch all die Ermutigungen durch Gebot und Beispiel versichert uns der Herr, dass das inbrünstige Gebet eines gerechten Menschen (eines gerechtfertigten und geweihten Kindes Gottes) viel vermag (Jak. 5:16). Wir werden auch aufgefordert, im Glauben zu kommen. Jesus sagte: „Und alles, was irgend ihr im Gebet glaubend begehrt, werdet ihr empfangen“ (Mt. 21:22). Als Er zu Seinen geweihten Jüngern sprach, muss man natürlich verstehen, dass alle ihre Bitten der göttlichen Weisheit unterworfen sein würden und daher die Antworten auf ihre Gebete, obwohl immer gewiss, nicht immer auf die erwartete Weise erfolgen würden, aber sie würden immer in irgendeiner Weise zu ihrem höchsten Wohl berücksichtigt und beantwortet werden.
Liebe Mitjünger des Herrn, was für ein gesegnetes Vorrecht haben wir doch, anhaltend im Gebet zu sein und immer zu beten - zu jeder Zeit und an jedem Ort unsere Herzen und unsere Gedanken zu Gott emporzuheben und uns daher täglich und stündlich bewusst zu sein, dass der Vater und unser lieber Herr Jesus ständig bei uns sind. Und dann, wenn die täglichen Pflichten unter Seinen Augen und Seiner Aufsicht getan sind, oder dann, wenn die Seele das Bedürfnis verspürt, wie kostbar ist das Vorrecht, sich in die Stille zurückzuziehen und dort, allein mit Gott, die Bürden unseres Herzens abzuwerfen [Manna vom 16. Januar].
Während das Gebet im Verborgenen das gesegnete Vorrecht jedes Kindes Gottes ist und eines, ohne das sein geistliches Leben nicht aufrechterhalten werden kann, ist es auch das Vorrecht der Christen, ihre Bitten am Thron der Gnade zu vereinen. Dieses gemeinsame Gebet wird vom Herrn besonders empfohlen. „Wiederum sage ich euch: Wenn zwei von euch auf der Erde übereinkommen werden über irgendeine Sache, um die sie auch bitten mögen, so wird sie ihnen werden von meinem Vater, der in den Himmeln ist. Denn wo zwei oder drei versammelt sind in meinem Namen, da bin ich in ihrer Mitte“ (Mt. 18:19).
Wer könnte bei solchen Versprechen und der Erfahrung ihrer Erfüllung an der Liebe und Gunst unseres Gottes und unseres Herrn und Erlösers Jesus Christus zweifeln? Lasst uns daher ermutigt sein, immer zu beten und nicht zu verzagen, wenn die Antworten auf sich warten lassen, denn oft braucht es Zeit, bis die tiefen Pläne einer allweisen und liebevollen Vorsehung verwirklicht werden. Erinnert euch an die Worte des Engels an Daniel. Daniel sagte: „Während ich noch redete und betete und meine Sünde und die Sünde meines Volkes Israel bekannte und mein Flehen vor dem HERRN, meinem Gott, für den heiligen Berg meines Gottes niederlegte, während ich noch redete im Gebet, da kam der Mann Gabriel, den ich im Anfang im Gesicht, als ich ganz ermattet war, gesehen hatte, zu mir her zur Zeit des Abendopfers. Und er gab mir Verständnis und redete mit mir und sprach: Daniel, jetzt bin ich ausgegangen, um dich Verständnis zu lehren. Im Anfang deines Flehens ist ein Wort ausgegangen, und ich bin gekommen, um es dir mitzuteilen; denn du bist ein Vielgeliebter“ – Dan. 9:20-23.
Bei einer anderen Gelegenheit, als Daniel drei Wochen lang getrauert, gefastet und gebetet hatte, weil er nicht verstehen konnte, kam der Engel des Herrn und sagte: „Fürchte dich nicht, Daniel! Denn von dem ersten Tag an, da du dein Herz darauf gerichtet hast, Verständnis zu erlangen und dich vor deinem Gott zu demütigen, sind deine Worte erhört worden; und um deiner Worte willen bin ich gekommen“ – Dan. 10:2, 3, 10-12.
So wird es auch immer mit allen Geliebten des Herrn sein: Zu Beginn unserer Bitten beginnt Gott, die Einflüsse in Gang zu setzen und die Umstände zu gestalten, die dazu bestimmt sind, den beabsichtigten Segen für uns zu bewirken – wenn wir nicht matt werden, sondern inständig im Gebet verharren und dadurch unseren anhaltenden ernsthaften Wunsch zum Ausdruck bringen, und wenn wir unsere Sünden bekennen, unser Herz darauf richten, zu verstehen, und uns selbst vor ihm züchtigen. Wie viele Gebete werden nicht erhört oder werden behindert, weil derjenige, der bittet, sich nicht zuerst von dem Bösen in seinem eigenen Herzen reinigt? „Ihr bittet und empfangt nichts, weil ihr übel bittet, damit ihr es in euren Lüsten vergeudet“, d.h. ihr bittet selbstsüchtig und ohne Rücksicht auf den Willen Gottes (Jak. 4:3). Aber den Gezüchtigten und Geheiligten gilt die Verheißung: „Ehe sie rufen (das Verlangen des Herzens lesen, noch bevor es in Worte gefasst wird), werde ich antworten (die Ereignisse so gestalten, dass die Antwort früher oder später kommt); während sie noch reden, werde ich hören“ (Jes. 65:24). Dies steht zwar im Zusammenhang mit einer Prophezeiung, die sich auf das Volk des Herrn im Millenniumszeitalter bezieht, gilt aber dennoch für alle Seine treuen Anhänger in diesem Zeitalter. Gelobt sei der Herr für all Seine liebende Güte, die Er selbst den Geringsten Seiner niedergeschlagenen Kinder entgegenbringt! R1864-1866