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AUF PROBE ZUM LEBEN.
„Wenn ihr nach dem Fleisch lebt, so werdet ihr sterben; wenn ihr aber durch den Geist die Handlungen des Leibes tötet, so werdet ihr leben“ - Röm. 8:13.

In dieser Schriftstelle gibt es keinen Hinweis auf eine zweite Probezeit für einen der Angesprochenen. Die Worte wurden zu denjenigen gesprochen und geschrieben, die im gegenwärtigen Dasein auf Probe zum Leben stehen. Es heißt nicht: „Wenn ihr nach dem Fleisch lebt, werdet ihr eine weitere Prüfung haben“, und es heißt auch nicht: „Ihr werdet mit ewigen Qualen bestraft werden“, sondern sie spricht von einer gegenwärtigen Probezeit, deren Ausgang entweder Leben oder Tod sein wird – das Auslöschen des Lebens, das Ende der Existenz.

Die Bibelstelle sagt auch nichts über den Glauben an das Versöhnungsopfer Christi als Voraussetzung für die Rettung aus: Sie sagt nichts darüber aus, was wir glauben oder nicht glauben, sondern lediglich und ausschließlich darüber, wie wir leben. Sollen wir daher zu dem Schluss kommen, wie es viele tun, dass es keinen Unterschied macht, woran wir glauben, solange wir nur gerecht leben? Auf keinen Fall! Diejenigen, die der Meinung sind, dass dies im Widerspruch zur Doktrin der Restitution (das Millennium-Zeitalter des Gerichts oder der Prüfung für die Welt) oder des Lösegeldes steht, oder die nicht beachtet haben, dass dies im Widerspruch zur Theorie der ewigen Qual steht, haben die Lehre des Apostels nur oberflächlich betrachtet und in der Tat ihre gesamte Aussagekraft verloren.

Da der unachtsame Christ nicht bemerkt, dass die Worte an die Kirche und nicht an die Welt gerichtet sind, wendet er die Ermahnung auf die Welt an und lässt sie ihre Kraft für sich selbst verlieren. Dies ist das genaue Gegenteil der Absicht des Apostels. Er spricht zu den Heiligen, zu den geweihten Gläubigen im Rückkauf, die durch den Heiligen Geist gezeugt wurden und zu Neuen Schöpfungen in Christus Jesus geworden sind (Röm. 8:1-8). Und aus diesem Grund sagt er hier nichts über den Glauben an das Lösegeld, das bereits bewilligt wurde; noch über das Millennium-Zeitalter der Prüfung, denn die Angesprochenen befinden sich jetzt in der Prüfung, und ihre Prüfung wird beendet sein und ihr Lohn wird erhalten sein, bevor die Welt ins Gericht kommt – 1. Kor. 6:2.

Die Warnung ist daher keineswegs auf die Welt anwendbar, sondern von feierlicher Bedeutung für die Kirche – für die geweihten Gläubigen, die Neuen Schöpfungen in Christus Jesus, die, da sie durch den Heiligen Geist gezeugt wurden, nun eine geistliche Natur haben, da die alte menschliche Natur in den Tod geweiht wurde. Solche, die feierlich gelobt haben, Gott ihren Leib – ihre menschliche Natur – als lebendiges Opfer darzubringen (was durch Christus annehmbar war und daher von Ihm angenommen wurde), und fortan nach dem Geist zu leben, haben weder die Freiheit diesen Bund aufzuheben noch ihn zu missachten. Sie können nicht erneut auf das Anspruch erheben (die erlöste menschliche Natur), worauf sie durch ihren Bund alle Rechte, Ansprüche und Titel aufgegeben haben. Und wenn sie dies versuchen, indem sie ihren Bund entweder missachten oder verachten, verwirken sie damit ihren Anspruch auf die neue, geistliche Natur, die nur durch Treue zum Opferbund, sogar bis in den Tod, erlangt werden kann.

Es ist daher logischerweise offensichtlich, auch wenn der Apostel es nicht gesagt hätte, dass wir, geweihte Gläubige, sterben werden, wenn wir uns wieder dem fleischlichen Leben zuwenden; dass fleischlich gesinnt sein für uns den Tod bedeutet, geistlich gesinnt sein aber Leben und Frieden (Röm. 8:6). Die Worte unseres Herrn in Mt. 16:24, 25 haben dieselbe Bedeutung: „Denn wenn jemand sein Leben erretten will, wird er es verlieren; wenn aber jemand sein Leben verliert um meinetwillen, wird er es finden“.

Eine wichtige Frage lautet daher: Was bedeutet es, nach dem Fleisch zu leben? Wir antworten, es bedeutet, nach den Neigungen und Begierden der gefallenen menschlichen Natur, in Übereinstimmung mit ihnen und in Zufriedenstellung dieser zu leben. Und es ist die einfachste Art und Weise, so zu handeln. Alles, was wir zu tun haben ist, uns einfach gleichgültig der Strömung unserer alten Natur zu überlassen und aufzuhören, gegen sie anzukämpfen. Sobald wir das tun, beginnen wir, mit der Strömung abwärtszutreiben, und allmählich stellen wir fest, dass die Strömung immer schneller und ein Widerstand immer schwieriger wird [Manna vom 2. Februar].

Der Tod, auf den unsere Bibelstelle als unvermeidliches Ende eines solchen Weges hinweist, ist offensichtlich der „Zweite“ Tod. Wir wurden vom ersten Tod erkauft und dann für das ewige Leben auf die Probe gestellt, und im Falle eines Scheiterns wird der Verlust dieses neuen Lebens der Zweite Tod sein – von dem es kein Loskauf und keine Befreiung geben kann.

Der Apostel definiert die Werke des Fleisches wie folgt (Gal. 5:19-21): „Offenbar aber sind die Werke des Fleisches, es sind: Unzucht, Unreinheit, Ausschweifung, Götzendienst, Zauberei, Feindschaften, Hader, Eifersucht, Zornausbrüche, Selbstsüchteleien, Zwistigkeiten, Parteiungen, Neidereien, Trinkgelage, Völlereien, und dergleichen“. Welch moralischer Schmutz und welche Verunreinigung dies beschreibt; aber derart ist die Neigung der gefallenen menschlichen Natur. Wenn man einfach aufhört, gegen die alte Natur anzukämpfen, werden einige dieser schädlichen Unkräuter bald gedeihen und das Gute, das noch übrig ist, verdrängen.

„Ach, na ja“, sagt einer, „ich habe nicht all diese bösen Eigenschaften“. Nun, wir sind froh, dass Sie sie nicht haben: Nur sehr wenige Menschen haben sie alle. Seien Sie sicher, dass Ihre alte Natur nicht ohne eine ererbte und vielleicht früher gepflegte Neigung in einigen dieser Richtungen ist. Wachen Sie und beten Sie gegen diese, damit Sie nicht in Versuchung geraten.

Betrachten wir andererseits die gesegneten Früchte des Geistes (Gal. 5:22, 23), die da sind: „Liebe, Freude, Friede, Langmut, Freundlichkeit, Güte, Treue, Sanftmut, Enthaltsamkeit. Gegen diese ist das Gesetz nicht“. In der Pflege dieser Gnaden zu leben bedeutet, „im Geist zu leben“. Und „wenn wir durch den Geist leben, so lasst uns durch den Geist wandeln“ – im geistlichen Leben Fortschritte machen. „Wandelt im Geist, und ihr werdet die Begierde des Fleisches nicht erfüllen; denn das Fleisch begehrt gegen den Geist auf, der Geist aber gegen das Fleisch; denn diese sind einander entgegengesetzt“ – Gal. 5:25, 16.

So ist das christliche Leben notwendigerweise ein Krieg, ein Kampf zwischen der neuen und der alten Natur, ein Nahkampf, den wir nicht aufgeben dürfen; denn nicht nur der Preis unserer Hohen Berufung hängt davon ab, sondern auch die Frage von Leben und Tod. Wie feierlich ist es daher, unter diesen Umständen zu leben; denn täglich und stündlich stehen wir vor dem Richterstuhl. Die Worte unserer Bibelstelle haben keine Anwendung auf die Welt jetzt, sondern auf uns, die jetzt auf der Probe stehen: „Wenn wir nach dem Fleisch leben, werden wir sterben; wenn wir aber durch den Geist die Handlungen des Leibes (die Neigungen der alten Natur) töten (abtöten, uns weigern, sie zu befriedigen), werden wir leben“. Und alle, die wahrhaftig die Söhne Gottes sind, werden dies tun. „Denn“, so sagt der Apostel (Vers 14), „so viele durch den Geist Gottes geleitet werden, die sind Söhne Gottes“. Wenn wir uns vorsätzlich der Führung durch den Geist Gottes verweigern, verwirken wir die Beziehung als Söhne; wenn wir sie lustlos missachten, gefährden wir diese Beziehung, und so sicher, wie wir Söhne sind, werden wir für unsere Besserung und Erziehung Züchtigung empfangen.

Aber obwohl wir für die züchtigende, bändigende Hand des Herrn sehr dankbar sein sollten, die uns dabei hilft, auf dem geraden und schmalen Weg zu bleiben, auf dem der Geist Gottes die Seinen führt, sollten wir sehr darauf achten, so wenig wie möglich darauf angewiesen zu sein. „Wenn wir uns aber selbst beurteilten, so würden wir nicht gerichtet“ und gezüchtigt werden (1. Kor. 11:31, 32). Aber dennoch werden wir, wenn wir sehr sorgfältig und unter Gebet auf die Aufstände des alten Willens des Fleisches achten, zweifellos einige Fehltritte begehen und die Züchtigung des Herrn benötigen; denn, so sagt der Apostel (Hebr. 12:5-12), „Denn ist der ein Sohn, den der Vater nicht züchtigt?“ „Was ihr erduldet, ist zur Züchtigung: Gott behandelt euch als Söhne.“ „Wenn ihr aber ohne Züchtigung seid, deren alle teilhaftig geworden sind, so seid ihr denn Bastarde und nicht Söhne.“ „Denn wen der Herr liebt, den züchtigt er; er schlägt aber jeden Sohn, den er aufnimmt.“ „Habt [ihr] die Ermahnung vergessen, die zu euch als zu Söhnen spricht: ‚Mein Sohn, schätze nicht gering des Herrn Züchtigung, und ermatte nicht, wenn du von ihm gestraft wirst‘“.

Auf dem schwierigen Weg, der vor uns liegt, und angesichts all der Gefahren, die ihn bedrohen wie gesegnet ist die Verheißung, dass unser himmlischer Vater immer bereit ist, den Heiligen Geist denen zu geben, die Ihn darum bitten, und die Gewissheit, dass wir, wenn wir vom Geist erfüllt sind, die Begierden des Fleisches nicht erfüllen werden. Wie notwendig ist es daher, in der Nähe der Quelle göttlicher Gnade zu leben und ohne Unterlass zu beten – besonders in diesen letzten Zeiten, in denen unser großer Widersacher so aktiv und so gerissen in seinen Mitteln ist, das Volk des Herrn zu täuschen und in die Irre zu führen.

Die Worte des Dichters sind für jeden zu dieser besonderen Zeit am besten geeignet:

„Lasst keinen unbewachten Ort,
keine Schwäche der Seele,
Nehmt jede Tugend,
jede Gnade und stärkt das Ganze.“