R 1735
WIDERSTAND GEGEN CHRISTUS
IV. QUAR., LEKTION VIII., Mk. 3:22-35.
„Er kam in das Seine, und die Seinen nahmen ihn nicht an“ - Joh. 1:11.

Als sich der Ruhm Jesu aufgrund Seiner Wunder und Lehren verbreite (Lk. 4:14, 15, 33-37; 5:12-15, 19, 25, 26; 7:16, 17; 8:1-4; Mt. 4:23, 24; 9:18, 26, 35; Mk. 1,27, 28; 3:20) wuchs auch die Opposition gegen Ihn, insbesondere seitens der Hohenpriester, Schriftgelehrten und Pharisäer, da sie sich in Konkurrenz zu Ihm als öffentliche Lehrer sahen und im Vergleich zu Ihm schlecht abschnitten; und es deutete sich an, dass das ganze Volk sich Ihm anschließen würde und dass sie bald ihre amtlichen Positionen und die damit verbundenen Ehren und Vergütungen verlieren würden. Für eine solche Veränderung waren sie in ihren Herzen nicht bereit, obwohl der Prophet vorausgesagt hatte, dass „ihm [dem Messias] die Völker gehorchen werden“ (1. Mo. 49:10). Sie hatten nicht den demütigen, selbstlosen Geist Johannes des Täufers, der sanftmütig sagte: „Mitten unter euch steht, den ihr nicht kennt; der nach mir Kommende, dessen ich nicht würdig bin, ihm den Riemen seiner Sandale zu lösen: ... er muss wachsen, ich aber abnehmen“ – Joh. 1:26, 27; 3:30.

Anstatt einen solchen Geist zu zeigen, ließen sie zu, dass Stolz, Neid und Bosheit ihre Herzen erfüllten und ihr Verhalten bestimmten, und versuchten mit allen Mitteln, die Lehre des Herrn zu behindern und zu bekämpfen. Auf diese Weise verschlossen sie sich selbst und all denen, denen sie denselben bösen Geist einflößten, die Tür zum Königreich der Himmel (Mt. 23:13). Sie blendeten böswillig ihre eigenen Augen und stolperten dann mit ihren getäuschten Nachfolgern – den Massen der gesamten jüdischen Nation – in den Graben der göttlichen Missgunst, wo sie als Nation bleiben müssen, bis die Fülle der Nationen – die auserwählte Zahl, die die Braut Christi bildet – in den Besitz des Königreiches und der ewigen Herrlichkeit gelangt ist, derer sie sich als unwürdig erwiesen haben und die sie daher nicht empfangen konnten, obwohl sie ihnen zuerst angeboten wurde.

Im Falle dieser Lektion scheint es wahrscheinlich, dass diese nörgelnden Schriftgelehrten von den jüdischen Geistlichen in Jerusalem (Joh. 1:22) beauftragt wurden, als Spione zu kommen, um Seine Worte zu überwachen, Seinen Lehren zu widerstehen und, wenn möglich, einen Anstoß gegen Ihn zu finden.

Während die Menschenmenge das Wunder bestaunte, durch das ein Dämon aus einem stummen Mann ausgetrieben wurde, sodass dieser sprechen und bei klarem Sinn sein konnte, sagten sie: „Niemals wurde es so etwas in Israel gesehen“ (Mt. 9:32-34), verbreiteten diese Schriftgelehrten und Pharisäer unter dem Volk die Vorstellung, dass Jesus von einem Dämon besessen sei und dass Er Dämonen durch die Kraft des Fürsten der Dämonen austreibe.

Als dieser Bericht dem Herrn zu Ohren kam, rief Er die Widersacher zu sich und machte ihnen die Absurdität einer solchen Lehre deutlich, indem Er im Wesentlichen nicht nur auf das gerade vollbrachte Wunder Bezug nahm, sondern auf Sein gesamtes Werk, das den Schriftgelehrten und Pharisäern bekannt war und von ihnen abgelehnt wurde: „Wie kann Satan den Satan austreiben?“ usw. Das wäre Selbstmord. Es wäre gleichbedeutend damit, dass ein König in seinem eigenen Königreich Unfrieden stiftet und gegen seine eigene Sache arbeitet; oder dass das Oberhaupt eines Hauses seine eigene Familie entfremdet und zerstört und sich der Umsetzung seiner eigenen Pläne widersetzt. Es ist nicht anzunehmen, dass Satan auf diese Weise versuchen würde, seine eigenen Ziele zu vereiteln und sich seinen eigenen Plänen zu widersetzen, es sei denn, er wäre in große Schwierigkeiten geraten und hätte festgestellt, dass sein Königreich ihm bereits aus den Händen gleitet – Mk. 3:23-26.

Wiederum argumentierte unser Herr mit ihnen (Mk. 3:27), dass „niemand in das Haus eines Starken eindringen und seinen Hausrat rauben kann, wenn er nicht zuvor den Starken bindet, und dann wird er sein Haus berauben“. Der „Starke“ ist hier Satan, der mächtige „Fürst dieser Welt“ – seine Herrschaft oder sein Haus. Er wird seine Herrschaft mit Sicherheit so lange wie möglich aufrechterhalten und seine eigene Politik verfolgen und sich jedem bindenden Einfluss, der den Verlust seiner Macht bedroht, mit aller Kraft widersetzen. Das Wirken und Lehren Jesu waren genau solche bindenden Einflüsse, und der Widerstand, auf den Sein Wort stieß, war zu erwarten als Ausdruck des Zorns Satans. Während des Evangelium-Zeitalters prosperierte im Allgemeinen der Fürst der Finsternis, weshalb ein großer Teil davon als „finsteres Zeitalter” bekannt ist. Seit Beginn der Zeit des Endes im Jahr 1799 hat Gott jedoch in besonderer Weise Licht hereingelassen – insbesondere seit 1878. Je mehr das „Licht” scheint, desto aktiver ist dieser Widersacher, um seine Macht zu bewahren; aber Gottes Zusicherung ist, dass Christus als der starke Sendbote jetzt schnell die Macht Satans binden und die Menschheit von seiner Herrschaft befreien wird (Offb. 20:1, 2). Dann wird Christus, der bereits der Erlöser ist, der Retter oder Befreier aller sein, die durch Ihn zu Gott kommen. Das wird die vollkommene Erlösung sein. Wessen wir uns jetzt erfreuen, ist die Erlösung durch Glauben und Hoffnung (Röm. 8:24, 25).

Dass Satans Haus jetzt in sich gespalten ist, zeigt sich darin, dass wir diejenigen sehen, die mit tiefgründigen und listigen Sophistereien der Wahrheit widersprechen, die Doktrinen Satans verbreiten und gleichzeitig gute Werke wie Heilungen usw. vollbringen. So leugnet beispielsweise die Christliche Wissenschaft (die fälschlicherweise so genannt wird, da sie weder christlich noch wissenschaftlich ist) sowohl die Erlösung durch Christus Jesus als auch die Existenz Gottes, und doch vollbringen ihre Fürsprecher zweifellos Wunderheilungen. Kann jemand behaupten, dass solche Heilungen von Gott kommen? Nicht, wenn Gottes Königreich nicht in sich gespalten ist. Welchen Teil des Dilemmas sollen wir annehmen? Ist es wahrscheinlich, dass Gott die Doktrinen Satans auf diese Weise gutheißen würde? Ist es nicht wahrscheinlicher, dass Satan seine Macht einsetzen würde, um die Werke Gottes nachzuahmen, um damit seine Doktrinen zu stützen und zu täuschen? Zu diesem Schluss müssen wir angesichts der Warnungen kommen, die uns gegeben wurden, dass es in den letzten Zeiten so sein würde.

Bevor Satan sich dem bindenden Einfluss des rechtmäßigen Fürsten dieser Welt beugt, der jetzt kommt, um die Herrschaft an sich zu nehmen, sollten wir, wie wir vorgewarnt sind, damit rechnen, dass Satan sich in einen Diener des „Lichts” verwandelt (2. Kor. 11:14-15), um falsche Evangelien zu predigen und „viele Wunderwerke”, Heilungen usw. zu vollbringen, um „wenn möglich, sogar die Auserwählten zu verführen”. Solche Manifestationen (und wir sehen sie jetzt überall um uns herum zunehmen – in der Christlichen Wissenschaft, im Spiritismus, in der Theosophie und anderen Täuschungen, vor denen wir gewarnt wurden – Mt. 24:24; 2. Thes. 2:11)) sind Beweise dafür, dass Satans Königreich durch die Wahrheit stark in Bedrängnis gebracht wird und sich seinem Ende nähert.

Die Argumentation unseres Herrn war zwar deutlich und logisch, änderte jedoch nichts an dem Verhalten dieser böswilligen, eigensinnigen Gegner, die in hohem Maße den Geist Satans manifestierten. Der Herr erkannte dies und sprach daher die Zurechtweisung und ernste Warnung aus, die darauffolgte – siehe Mk. 3:28-30.

Die Sünde, die nicht vergeben werden kann und daher gesühnt oder bestraft werden muss, bevor die Reue des Sünders angenommen werden kann, ist die Lästerung gegen den Heiligen Geist oder der vorsätzliche Widerstand gegen das, was als heilig und von Gott eingesetzt bekannt ist. Der Geist, der zu einem solchen Verhalten anstiftet, ist der Geist des Verrats an Gott, und diejenigen, die ihn in irgendeinem Maße offenbaren, sind in der Gefahr ewiger Verdammung – des ewigen Todes; denn gemäß Hebräer 10:26-31; 6:4-8 zieht vorsätzlicher Widerstand angesichts deutlicher, vollständiger Kenntnis des göttlichen Willens diese Strafe nach sich. Folglich ist jede Annäherung an einen solchen verräterischen Geist gefährlich. Und jede Manifestation dieses Geistes, in welchem Ausmaß auch immer, ist eine Sünde, die mit Schlägen bestraft werden muss (Lk. 12:47, 48). Jede Sünde gegen das Licht erhöht die Gefahr, in den Zweiten oder ewigen Tod zu gehen – 1. Joh. 5:16, 17.

Die Strafe, die solchen auferlegt wird, ist jedoch kein Teil der Genugtuung der göttlichen Gerechtigkeit, durch die die Befreiung vom adamitischen Tod gesichert wird: Das wurde durch Christus vollbracht, dessen Opfer das vollkommen ausreichende Lösegeld war, das den reuigen Sünder mit Gott versöhnt. Die „Schläge” für jedes Maß an vorsätzlicher Sünde gegen das Licht, das vom Geist Gottes ausgeht, sind ein notwendiger Teil der bessernden Züchtigung Christi, um die in zugerechneter Weise gerechtfertigten, aber irrenden Menschen wieder in volle Übereinstimmung mit Gott zu bringen. Wenn jedoch die bessernde Züchtigung keine Reform bewirkt, wird die Zunahme an Wissen und Erfahrung diese Sünde bald zu einer vorsätzlichen Sünde gegen das volle Wissen machen, für die die volle Strafe verhängt würde – der Zweite Tod. Die Verse Mk. 3:20, 21 und 31 (siehe Emphatic Diaglott) scheinen eher auf einen Geist der Furcht und Besorgnis seitens der Mutter und der Brüder des Herrn hinzuweisen als auf Widerstand. Seine Brüder glaubten zu dieser Zeit nicht an Seine Behauptungen und Doktrinen und konnten offenbar nicht verstehen, warum Er in Seinen Lehren so revolutionär und allen anerkannten religiösen Lehrern Seiner Zeit so feindlich gesinnt war usw. usw. (Joh. 7:5), während Seine Mutter zweifellos noch immer über das Geheimnis in ihrem Sinn nachdachte. Als sie jedoch hörten, welche Aufmerksamkeit Er auf sich zog, und von dem zunehmenden Murren der Opposition und Gewalt gegen Ihn erfuhren, kamen sie aus Nazareth, um Ihn zu sehen und mit Ihm zu sprechen, und zweifellos, um Ihn zu größerer Vorsicht für Seine Sicherheit und zu mehr Achtsamkeit für Seine körperlichen Bedürfnisse nach Ruhe und Erholung zu drängen.

Der Anlass ihres Besuchs war für Ihn eine Gelegenheit, Seine starke und zärtliche Zuneigung zu allen, die den Willen Gottes tun, zum Ausdruck zu bringen. Die himmlische Beziehung war Ihm die liebste.

Opposition und Verfolgung sind die unvermeidlichen Begleiter der Tätigkeit im Dienst für Gott, und man sollte ihnen mit Vernunft und Offenheit begegnen. Und wenn diese ihren Zweck verfehlen, sollten wir den eigenwilligen Gegner, nachdem wir ihn ernsthaft über die Gefahren einer solchen Handlungsweise gewarnt haben, seinem eigenen Weg überlassen, während wir uns mit der Botschaft der Errettung anderen zuwenden. In der Opposition, in die unser Herr geriet, und in der Art und Weise, wie Er ihr begegnete, sind wertvolle Lektionen für alle, die in ähnlicher Weise versucht werden, enthalten [Manna vom 11. Februar, Hervorhebung von uns]. R1735-1736