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„WERFT NUN EURE ZUVERSICHT NICHT WEG“
„Gedenkt aber der vorigen Tage, in denen ihr, nachdem ihr erleuchtet worden wart, viel Kampf der Leiden erduldet habt; indem ihr einerseits sowohl durch Schmähungen als auch Drangsale zur Schau gestellt wurdet, und anderseits Gefährten derer wurdet, denen es genauso erging. Denn ihr habt sowohl den Gefangenen Teilnahme bewiesen als auch den Raub eurer Güter mit Freuden aufgenommen, da ihr wisst, dass ihr für euch selbst eine bessere und bleibende Habe besitzt. Werft nun eure Zuversicht nicht weg, die eine große Belohnung hat. Denn ihr bedürft des Ausharrens, damit ihr, nachdem ihr den Willen Gottes getan habt, die Verheißung davontragt. Denn noch eine ganz kurze Zeit und der Kommende wird kommen und nicht verziehen. ,Der Gerechte aber wird aus Glauben leben‘; und: ‚Wenn jemand sich zurückzieht, so wird meine Seele kein Wohlgefallen an ihm haben‘. Wir aber sind nicht von denen, die sich zurückziehen zum Verderben, sondern von denen, die glauben zur Errettung der Seele“ - Hebr. 10:32-39.

Für sehr viele aus Gottes Volk, aber auch für die Menschen auf der Welt, ist das ideale christliche Leben eines des ständigen Friedens und der Ruhe. Sie haben nie gelernt, dass der „Frieden Gottes, der allen [weltlichen] Verstand übersteigt“, der dem Christen versprochen wurde, in seinem Herzen herrschen und es bewahren soll (Phil. 4:7; Kol. 3:15), und nicht für sein äußeres Leben gilt. Sie vergessen oder haben vielleicht nie gelernt, dass die Worte unseres Herrn lauteten: „In der Welt habt ihr Drangsal“, aber in mir werdet ihr Frieden haben (in euren Herzen). „Wenn die Welt euch hasst, so wisst, dass sie mich vor euch gehasst hat“. „Wenn sie den Hausherrn Beelzebul genannt haben, wieviel mehr seine Hausgenossen?“. “Alle aber auch, die gottselig leben wollen in Christus Jesus, [in dieser gegenwärtigen bösen Welt oder religiösen Ordnung], werden verfolgt werden“. Über eine böse Klasse, und nicht über die Heiligen, hat der Prophet gesagt: „Nicht sind sie im Ungemach der Sterblichen, und mit den Menschen werden sie nicht geplagt“ – Joh. 16:33; 15:18; Mt. 10:25; 2. Tim. 3:12; Ps. 73:5.

Nur für diejenigen, die etwas über Gottes großen Plan wissen, ist dies, Sein Umgang mit Seinem Volk, verständlich und nachvollziehbar. Die Welt wundert sich, dass von denen, die Gott als Söhne durch Erlösung und Adoption in Seine Familie aufnimmt, verlangt oder auch nur zugelassen wird, dass sie leiden. Aber zu den gut unterrichteten Heiligen sagt der Apostel: „Lasst euch das Feuer der Verfolgung unter euch, das euch zur Versuchung geschieht, nicht befremden, als begegne euch etwas Fremdes“. Und diese können jetzt das Ziel und den Nutzen gegenwärtiger Prüfungen, Bedrängnisse und Verfolgungen deutlich erkennen. Sie sehen, dass diese in vollem Einklang mit ihrer Hohen Berufung, ihrer himmlischen Berufung stehen – Erben Gottes und Miterben Jesu Christi, unseres Herrn, zu sein, „wenn wir nämlich mitleiden, damit wir auch mitverherrlicht werden“ (Röm. 8:17).

Aber warum sollte ein Anteil am kommenden Ruhm von gegenwärtigen Leiden abhängig und mit ihnen verknüpft sein? Wir geben darauf zwei Antworten.

(1) Weil schwere Prüfungen und Erprobungen unserer Liebe zu Gott und Seiner Wahrheit und unseres Glaubens an Ihn und Seine Verheißungen nur eine weise Vorkehrung Gottes sind, angesichts der sehr hohen Ehre und Verantwortung des großen Amtes, zu dem Er uns berufen hat. Wenn es angemessen war, dass unser Herr und Erlöser vor Seiner Erhöhung zur höchsten Herrlichkeit und Macht Seiner göttlichen, unsterblichen Natur in allen Punkten auf Glauben und Gehorsam geprüft wurde, dann ist es umso mehr angebracht, dass wir, die wir einst Fremde und Unbekannte waren, weit weg von Gott und Kinder des Zorns, wie alle übrigen auch, gründlich geprüft werden; nicht geprüft auf die Vollkommenheit unserer irdischen Gefäße, denn Gott und wir wissen sehr wohl, dass in unserem gefallenen Fleisch keine Vollkommenheit wohnt, sondern geprüft werden wir hinsichtlich unserer neuen Sinne, unseres geweihten Willens, ob diese dem Herrn voll und ganz geweiht sind oder nicht, fest verankert in der Liebe zur Wahrheit, Reinheit und Gerechtigkeit im Allgemeinen. Und auch, um zu sehen, ob wir eines der Prinzipien der Gerechtigkeit für weltliche Gunst, selbstsüchtigen Ehrgeiz oder für die „zeitliche Ergötzung der Sünde“ kompromittieren würden. Diejenigen, die Gerechtigkeit lieben und Ungerechtigkeit hassen, die einen festen Charakter entwickeln, das sind die „Überwinder“, die als Glieder Christi alles erben werden. Die Unentschlossenen, die lau sind – weder kalt noch heiß – sind weit davon entfernt, den Geist der Klasse des Königreichs zu haben, und werden sicherlich abgelehnt – „ausgespuckt“ – werden (Offb. 3:16).

(2) Ein Anteil an der kommenden Herrlichkeit hängt von den gegenwärtigen Leiden ab, denn die kommenden Herrlichkeiten werden nur denen zuteil, die den Geist Christi, die Gesinnung der Heiligkeit, besitzen. Und wer diesen heiligen Geist oder diese Gesinnung empfangen hat und durch die Erneuerung seines Sinnes oder Willens verwandelt wurde, so dass nicht mehr Egoismus, sondern Liebe über seine Gedanken, Worte und Taten herrscht, der könnte, wenn er denn überhaupt in der Welt lebt, gegenwärtiges Leiden nicht vermeiden. Seine Liebe zu Gott, sein Eifer für den Dienst für Gott und die Menschen, sein Glaube an das Wort Gottes und sein kompromissloses Verhalten in Bezug auf alles, was damit zusammenhängt, würden in so starkem Kontrast zu dem vorherrschenden Geist des Zweifels, des Egoismus und des Kompromisses stehen, dass man ihn für seltsam, einen Extremisten und Fanatiker, wenn nicht gar für einen Heuchler halten würde. Böse Vermutungen, die aus nicht vollständig geweihten Herzen kommen, werden jede gute Tat auf irgendein eigennütziges oder böses Motiv zurückführen, und deshalb: „Ihr werdet von allen gehasst werden um meines [Christi] Namens willen; deshalb erkennt [versteht] uns die Welt nicht, weil sie ihn nicht erkannt hat“ (Lk. 21:17; 1. Joh. 3:1). Der Grund dafür ist ein offensichtlicher: „Der Gott dieser Welt hat den Sinn der Ungläubigen verblendet“ [2. Kor. 4:4], der großen Mehrheit der Menschen; denn die Treuen, die die Wahrheit zu schätzen wissen, die ein neues Herz (einen neuen Willen) und den richtigen Geist in diesen Fragen haben, sind nur eine „kleine Herde“.

Und diese Bedingungen werden sich nicht ändern, bis die Prüfung der Kleinen Herde abgeschlossen ist. Gott wird es zulassen, dass das Böse an Einfluss gewinnt, bis diese Prüfung, das Sieben, Läutern und Polieren der Braut Christi vollständig abgeschlossen ist. Dann wird Satan für tausend Jahre gebunden sein und nicht die Erlaubnis haben, die Nationen während dieses Millennium-Zeitalters des Segens weiter zu blenden und zu täuschen; im Gegenteil, die Kleine Herde der Überwinder wird mit Christus, ihrem Herrn und Haupt, alle Familien der Erde mit einer vollständigen Erkenntnis der Wahrheit segnen.

Deshalb, liebe Brüder und Schwestern, wollen wir den Worten des Apostels Beachtung schenken und unsere Zuversicht nicht aufgeben. Vertrauen wir auf Gott und auf die Verwirklichung Seines großen Plans, und haben wir Vertrauen in alle, die auf das kostbare Blut vertrauen und in ihrem täglichen Leben die Früchte des Geistes hervorbringen – Sanftmut, Geduld, brüderliche Güte, Liebe.

Der Apostel zeigt hier deutlich, dass es zwei Möglichkeiten gibt, die Leiden Christi zu ertragen: (1) durch Leiden und Vorwürfe zur Schau gestellt zu werden und (2) indem wir unser Mitgefühl für die Beschuldigten bekunden und so ihre Vorwürfe und Leiden teilen. Denn wenn ein Glied leidet, leiden alle Glieder des Leibes Christi mit.

„Gedenkt der vorigen Tage“, und beachtet, dass eure Bedrängnisse und Prüfungen hauptsächlich dann kamen, nachdem ihr mit dem Licht der Erkenntnis Gottes erleuchtet worden wart, das im Angesicht Jesu Christi, unseres Herrn, leuchtet; und dass sie zugenommen haben, je mehr das Licht der gegenwärtigen Wahrheit bei euch zugenommen hat. Es ist nicht schwer, den Grund dafür zu erkennen. Der große Widersacher ist nicht daran interessiert, diejenigen zu stören, die „in Zion schlafen“, aber er ist stets darauf bedacht, diejenigen, die wach sind, irrezuführen und in die Täuschung zu verstricken. Und je aktiver wir im Dienst des Herrn und der Wahrheit werden und uns folglich umso aktiver gegen Satan und den Irrtum stellen, desto mehr wird er gegen uns vorgehen. Und je treuer und energischer wir den guten Kampf des Glaubens kämpfen, als gute Soldaten des Herrn Jesus Christus, desto mehr werden wir schon jetzt die Zustimmung des Meisters haben und desto größer wird unsere Belohnung im Königreich sein.

Zweifellos stehen uns noch viele und noch schwerere Prüfungen bevor. Aus Gottes Sicht sollten wir, da wir mit großem Licht gesegnet sind, in der Lage sein, größere Prüfungen und Bedrängnisse zu ertragen. Aus Satans Sicht sind wir als Gideons Bande, bewaffnet mit der Wahrheit, für seine Sache schädlicher als alle anderen zusammen. Das Einzige, was uns wundert, ist, dass er uns in der Vergangenheit nicht noch heftiger angegriffen hat. Vielleicht wurde er daran gehindert; vielleicht wird ihm noch mehr Freiheit gewährt, uns zu schlagen, wenn die Nacht hereinbricht. Das ist unsere Erwartung, basierend auf den direkten Aussagen und den Vorbildern in der Schrift.

Aber solche Überlegungen sollten uns nicht traurig machen oder Furcht einflößen, denn der, der auf unserer Seite ist, ist grösser als alle, die gegen uns sind (1. Joh. 4:4; Röm. 8:31). Der Herr der Heerscharen ist mit uns. Seine Verheißungen und Seine Vorsehung sind Mauern der Rettung und des Schutzes auf allen Seiten. Was kann uns von der Liebe Gottes in Christus trennen? Bedrängnis? Nein! Sie wird uns nur dazu bringen, uns Ihm noch mehr zu nähern, und unter Seiner schützenden Obhut werden wir ruhen. Seine Gnade genügt uns. Seine Stärke zeigt sich in unserer Schwäche. Wenn wir uns schwach fühlen, dann sind wir stark in Ihm. Er wird uns niemals verlassen oder im Stich lassen.

„Wächter, wie weit ist es in der Nacht?“
„Der Morgen kommt, und auch die Nacht“.

[Jes. 21:11, 12]

Siehe Gedichte und Hymnen des Tagesanbruchs, Seiten 62 und 286.