UNSERE TALENTE UND IHR GEBRAUCH
Ermahnung: „Weiht euch heute dem HERRN, ... um heute Segen auf euch zu bringen“ – 2. Mo. 32:29 [EB]. „Opfere Gott Lob, und bezahle dem Höchsten deine Gelübde“ – Ps. 50:14 [EB].
Verheißung: „Rufe mich an am Tag der Bedrängnis: Ich will dich erretten, und du wirst mich verherrlichen“ – Ps. 50:15 [EB]. „Der HERR wird Stärke geben seinem Volk“ – Ps. 29:11 [EB].
Der Anbruch eines neuen Jahres ist zu Recht eine Zeit für feierliche Betrachtungen, sowohl rückblickend als auch vorausschauend. Wie reichhaltig sind doch die Gründe für Dankbarkeit im Rückblick. Wir, die wir mit den reichsten Segnungen der göttlichen Gnade beschenkt worden sind, indem wir die göttliche Wahrheit erkannt haben, die uns das hohe Vorrecht offenbart, Söhne und Erben Gottes und Miterben Jesu Christi zu werden, um ein unvergängliches, unbeflecktes und unverwelkliches Erbe zu empfangen, das im Himmel für die Berufenen, Auserwählten und Treuen gemäß Seinem Vorsatz aufbewahrt ist, haben einen nie versiegenden Grund zu tiefster Dankbarkeit. Wahrhaftig groß war die Gnade, die uns die Hoffnung auf ewiges Leben als gerechtfertigte, menschliche Söhne Gottes offenbarte – auf die vollständige Restitution zur göttlichen Gnade und dem Ebenbild Gottes, die unser Vater Adam ursprünglich besaß. Und groß war unsere Freude, als wir zum ersten Mal durch den Glauben diese kostbare Verheißung für uns in Anspruch nahmen und erkannten, dass wir rechtmäßig durch das Verdienst des kostbaren Blutes Christi, das für unsere Erlösung vergossen wurde, vom Tod zum Leben übergegangen waren, und dass zu Gottes festgesetzter Zeit der ewige Schatz mit all seiner Herrlichkeit und Segnung unser sein würde. Aber über diese Gunst hinaus gibt es noch „die kostbaren und größten Verheißungen” [2. Petr. 1:4] für diejenigen dieser gerechtfertigten Klasse, die gemäß Gottes Vorsatz berufen worden sind, die Braut und Miterben Seines geliebten Sohnes zu werden.
Zusätzlich zu all diesen Segnungen der Hoffnung und Verheißung gab es während des ganzen Jahres – und für einige von uns schon seit vielen Jahren – die segensreiche Erkenntnis, dass, obwohl wir durch das Tal des Todesschattens wandeln, wie der Psalmist das gegenwärtige Leben treffend darstellt, die Rute und der Stab unseres gesegneten Hirten unser Trost und unser Schutz sind. Wie oft hat uns der freundliche Haken des Hirtenstabs davon abgehalten, auf Nebenwege abzuweichen, und uns auf dem schmalen Weg gehalten; wie oft hat uns Seine züchtigende Rute von Zeit zu Zeit aus unserer trägen Lethargie geweckt und uns auf unserem Weg vorangetrieben. Und in solchen Zeiten haben wir uns an die tröstlichen Worte erinnert: „Mein Sohn, achte nicht gering des Herrn Züchtigung, noch ermatte, wenn du von ihm gestraft wirst. Denn wen der Herr liebt, den züchtigt er; er geißelt aber jeden Sohn, den er aufnimmt. Denn wer ist ein Sohn, den der Vater nicht züchtigt? Wenn ihr aber ohne Züchtigung seid, der alle teilhaftig geworden sind, so seid ihr denn Bastarde und nicht Söhne“ – Hebr. 12:5-8.
In geistlicher Hinsicht haben wir uns an den Gaben der göttlichen Gnade laben können, während wir in weltlichen Dingen, unter welchen Umständen auch immer wir uns befanden, in der Gewissheit, dass alle Dinge zum Besten derer wirken, die Gott lieben, erkannt haben, dass Frömmigkeit mit Zufriedenheit ein großer Gewinn ist, da wir die Verheißung des jetzigen Lebens (solange Gott will, dass wir hier bleiben) und auch die Verheißung des zukünftigen Lebens haben. Darum können wir Gott von ganzem Herzen „Lob opfern“ und tun dies auch. Und sollen wir Ihm nicht nur den Lobpreis unserer Lippen darbringen, sondern auch den Weihrauch eines wahrhaft geweihten Lebens während des ganzen Jahres, das wir gerade beginnen? Meine Geliebten, weiht euch heute erneut dem Herrn – nicht in dem Sinne, dass ihr die einmalige Weihung, die ihr vielleicht vor vielen Jahren vollzogen habt, für ungültig erklärt, sondern vielmehr in dem Sinne, dass ihr diesen Bund erneut bekräftigt und betont. Sagt dem lieben Herrn, dass ihr euch ganz Ihm hingebt und dass es auch in diesem neuen Jahr euer Ziel ist, während dieses neuen Jahres alles auf dem Opferaltar zu lassen, bis es vollständig in Seinem Dienst aufgezehrt ist. Dann lasst uns Tag für Tag mit sorgfältiger Aufmerksamkeit daran arbeiten, dem Allerhöchsten unsere Gelübde der vollständigen Weihung zu erfüllen.
Wenn wir zurückblicken und mit Bedauern die Unvollkommenheiten selbst unserer besten Bemühungen erkennen und dann nach vorne schauen und die gewaltigen Schwierigkeiten sehen, die unseren weiteren Weg zu versperren scheinen, müssen wir unseren schwindenden Mut mit den besonderen Verheißungen der göttlichen Gnade, die uns in jeder Notlage hilft, wieder stärken. Wir haben die gesegnete Gewissheit, dass „der HERR wird Stärke geben seinem Volk“. „Rufe mich an am Tag der Bedrängnis“, sagt Er, und „ich will dich erretten, und du wirst mich verherrlichen“. Als Soldaten unter unserem großen Anführer haben wir uns in keinen ungewissen Kampf begeben, es sei denn, unsere eigene Kleinmütigkeit oder Untreue würde ihn dazu machen. Wir sind vollständig mit der ganzen Waffenrüstung Gottes ausgerüstet und werden wirksam vor allen feurigen Pfeilen des Gegners geschützt sein, wenn wir sie annehmen und sorgfältig anlegen; wir sind vor allen Fallstricken und Gefahren gewarnt, die unseren Weg säumen, damit wir sie vermeiden und überwinden können; wir sind umfassend informiert über die Strategie und den Kurs des Anführers, unter dessen Banner wir einberufen wurden, und über die Aufgabe, die wir unter Seiner Führung zu übernehmen haben. Wir haben Seine ständige Gegenwart bei uns, bis zum Ende unseres Weges. Seine inspirierende Stimme ist immer über dem Getöse und Lärm der Schlacht zu hören: „Fürchtet dich nicht …! Denn es hat eurem Vater wohlgefallen, Euch das Königreich zu geben“ [Lk. 12:32]. „Seid guten Mutes, ich habe die Welt überwunden“ [Joh. 16:33]! „Euer Herz werde nicht bestürzt, sei auch nicht furchtsam“ [Joh. 14:27]. „Weil der, der in euch ist, größer ist, als der, der in der Welt ist“ [1. Joh. 4:4, J]. Wenn wir schwach sind und zur Kleinmütigkeit neigen, brauchen wir uns nur an die gesegnete Verheißung zu erinnern: „Der HERR wird Stärke geben seinem Volk“. Durch unsere Treue im Dienst werden wir Gott verherrlichen, und Er wird uns glorreich von allen unseren Feinden befreien, sowohl den sichtbaren als auch den unsichtbaren.
WIE SOLLEN WIR UNSERE GELÜBDE ERFÜLLEN?
Dies ist eine wichtige Frage für alle wahrhaftig Geweihten, und sicherlich eine Frage von höchster Wichtigkeit. Bedenken wir also, dass wir, als wir uns ganz dem Herrn weihten, damit zum Ausdruck gebracht haben, dass wir nichts für uns selbst zurückhalten würden. Diese Weihung umfasste all unseren Besitz, unsere Zeit, unsere körperlichen Energien und unsere geistigen Errungenschaften. Und sie beinhaltete das Opfer all unserer früheren irdischen Ambitionen, Hoffnungen und Ziele, sodass wir diese in keiner Weise mehr verfolgen sollten. Das und nichts weniger ist es, was unser Gelübde der vollständigen Weihung bedeutet. Es bedeutet aber auch, dass diese Besitztümer oder persönlichen Fähigkeiten, die der Herr als Talente bezeichnet, nicht nur vom Dienst an weltlichen Ambitionen usw. befreit werden sollen, sondern dass sie nicht zum Zweck zielloser Untätigkeit befreit werden sollen, sondern um in umgekehrter Richtung genutzt zu werden – im Dienst Gottes, Seines Plans und Seiner Kinder.
In dem Gleichnis von den Talenten (Mt. 25:14-30) illustrierte der Herr sehr deutlich, wie wir unsere Weihegelübde dem Allerhöchsten erfüllen sollen. Er sagt: „Denn wie ein Mensch, der außer Landes reiste, seine eigenen Knechte rief und ihnen seine Habe übergab: und einem gab er 5 Talente, einem anderen 2, einem anderen 1, jedem nach seiner eigenen Fähigkeit; und sogleich reiste er außer Landes“.
Dieser Herr hatte wichtige und wertvolle Interessen, die er seinen Dienern anvertrauen musste; und da diese Diener sich alle verpflichtet hatten, ihm zu dienen, hatte er das Recht, von ihnen ein aufrichtiges und treues Interesse an der Arbeit zu erwarten. Dennoch erwartete er von ihnen nicht mehr, als sie jeweils leisten konnten. Zu Recht erwartete er von demjenigen, der fünf Talente hatte, einen größeren Ertrag als von denen, die nur ein oder zwei Talente hatten. Und bei der Abrechnung wird man feststellen, dass der Diener, der seine zwei Talente verdoppelt hatte, genauso hoch gelobt wurde wie derjenige, der seine fünf Talente verdoppelt hatte. Die Antwort an jeden war dieselbe: „Recht so, du guter und treuer Knecht! Über weniges warst du treu, über vieles werde ich dich setzen; geh ein in die Freude deines Herrn“ [Mt. 25:23]. Und wäre der Diener mit dem einen Talent ebenso treu gewesen, hätte er genau dieselbe Belobigung erhalten. Es ist auch zu beachten, dass das Gleichnis nicht die Verpflichtungen der Menschheit hinsichtlich der Nutzung ihrer Talente darstellt, sondern lediglich die „seiner eigenen Knechte“ [Mt. 25:14] – nur der geweihten Gläubigen. Und es ist auch zu beachten, dass kein Diener ohne irgendein Talent der Verwendbarkeit und Verantwortung belassen wurde. Jeder Diener hatte mindestens ein Talent, und für die richtige Nutzung dieses einen Talents war er seinem Herrn gegenüber genauso rechenschaftspflichtig wie diejenigen, die mehr hatten.
Aber der bekennende Diener mit dem einen Talent war seinem Herrn untreu, und dennoch wollte er offenbar weiterhin als Diener angesehen werden und dachte wahrscheinlich, er verdiene Lob und Belohnung dafür, dass er das Geld seines Herrn nicht für andere Zwecke missbraucht hatte. Er hatte gut auf das Talent aufgepasst; er hatte es nicht gegen den Herrn eingesetzt, sondern es einfach vergraben – es nicht genutzt. Zur Zeit der Abrechnung, sagte der, der das eine Talent erhalten hatte: „Herr, ich kannte dich, dass du ein harter Mann bist: du erntest, wo du nicht gesät, und sammelst, wo du nicht ausgestreut hast; und ich fürchtete mich und ging hin und verbarg dein Talent in der Erde; siehe, da hast du das Deine“ [Vers 24, 25].
„Sein Herr aber antwortete und sprach zu ihm: Böser und fauler Knecht! Du wusstest, dass ich ernte, wo ich nicht gesät, und sammle, wo ich nicht ausgestreut habe? So solltest du nun mein Geld den Wechslern gegeben haben, und wenn ich kam, hätte ich das Meine mit Zinsen erhalten“ [Vers 26, 27]. Es ist zu beachten, dass dieser Diener nicht das war, was man im Allgemeinen als böse bezeichnen würde. Er war einfach ein Faulpelz, der, wenn er konnte, die Zustimmung und Vergütung eines Dieners erhalten wollte, aber kein echtes, aktives Interesse an den Geschäften seines Herrn hatte. Er hegte keinen Groll gegen seinen Herrn, war wahrscheinlich sogar sehr froh darüber, dass die anderen Diener das Geschäft vor dem Ruin bewahrten, und hinderte sie nicht daran, ihre Talente einzusetzen, aber er fühlte sich nicht für die Verantwortung, die er als „Diener“ übernommen hatte, und interessierte sich auch nicht wirklich für die Angelegenheiten seines Herrn. Als untreuer, fauler Diener war er jedoch in Wirklichkeit ein Vertragsbrecher und daher „böse” und sicherlich ungeeignet, bei der Rückkehr seines Herrn mit noch größeren Verantwortlichkeiten betraut zu werden.
Aber denken wir daran, dass dies kein realer Fall war: Es handelte sich lediglich um ein Gleichnis, das zur Veranschaulichung realer Fälle verwendet wurde. Und wenn die Illustration auf deinen individuellen Fall zutrifft, lass sie ihre Wirkung auf dich nicht verlieren. Der eigentliche Zweck des Gleichnisses besteht darin, den Betroffenen ihre Unzulänglichkeiten bewusst zu machen und sie aus ihrer Lethargie zu befreien, in die sie sich zurückgezogen haben, indem man sie an ihre Verantwortung erinnert. Der Herr hat das Recht, von allen, die sich zu seinen Dienern bekennen, zu erwarten, dass sie in vollem Umfang ihrer Fähigkeiten und Talente im Dienst des Herrn tätig sind, und genau das erwartet Er auch. Wenn Du also nur ein Talent hast, vergrabe es nicht, sondern bearbeite und nutzen es; tue was du kannst und alles was du kannst, in dem großen Werk, dem wir uns bereits unser Leben geweiht haben. Und diejenigen, die mehrere Talente haben, sollen dafür sorgen, dass auch sie im Maße ihrer Fähigkeiten treu sind und sich nicht damit begnügen, nur das zu tun, was der Mann mit einem Talent tun kann oder tun sollte. Ein solcher Mensch wäre kein guter und treuer Diener und könnte nicht mit der anerkennenden Zustimmung seines Herrn rechnen. Seine Zustimmung wird nur denen zuteil, die im Maße ihrer Gelegenheiten und Fähigkeiten treu sind.
Diejenigen, die die Wahrheit finden und sich weihen, bevor sie mit den Sorgen dieses Lebens belastet sind, die keine Familien haben, die von ihnen abhängig sind, und die über ein angemessenes Maß an Gesundheit verfügen, haben mindestens zwei Talente – Zeit und Gesundheit, die zum bestmöglichen Vorteil im Dienst genutzt werden können und sollten. Dann gibt es diejenigen, die ein Talent für Geld oder für Geschäftsangelegenheiten haben, und diese sollten darüber nachdenken, wie sie diese Talente einsetzen. Werden sie größtenteils für Luxusgüter oder einen Überfluss an den guten Dingen dieses Lebens verschlungen, sei es für sich selbst oder für die Familie? Oder werden sie als Schätze auf Erden gehortet – in Banken, Lagerhäusern und Wertpapieren – um den Stolz von Freunden oder Kindern zu nähren und zu fördern, und damit diese sich nach deinem Tod darum streiten?
Unsere Talente, die wir im Dienst des Herrn einsetzen können, bestehen aus all den Dingen und Möglichkeiten, die über das hinausgehen, was wir für den notwendigen und angemessenen Unterhalt unserer selbst oder unserer Familien, falls wir Familien haben, und für die angemessene Vorsorge gegen Notfälle im Falle einer plötzlichen Katastrophe oder des nahenden Alters usw. benötigen. Abgesehen davon sollte alles, was wir haben, im aktiven Dienst stehen, seien es viele oder wenige Talente. Wenn wir fünf Talente haben und nur eines oder zwei davon einsetzen, wie können wir dann erwarten, dass der Meister zu uns sagt: „Recht so, du guter und treuer Knecht“. Haben wir nicht einen Bund geschlossen, alles für Ihn zu geben und einzusetzen – all unser Geld, all unsere Zeit, all unseren Einfluss, all unsere geistige Aktivität, all unsere körperlichen Fähigkeiten? Wie treu waren wir während des vergangenen Jahres? Wie stehen wir vor unserem eigenen Richterstuhl? Und wie treu werden wir während des kommenden Jahres sein? Nachdem wir für uns selbst und diejenigen, die von uns abhängig sind, für einen angemessenen und ehrlichen Lebensunterhalt gesorgt haben, sollten wir unsere Talente sinnvoll für das einsetzen, was wir als die wichtigste Aufgabe im Leben betrachten. Hier liegen die Prüfsteine für wahre Loyalität und Hingabe. Wir sollten gut darüber nachdenken und sie nicht leichtfertig beiseiteschieben.
Aber beachten wir weiter, was der Herr über diesen „bösen und faulen Knecht” zu sagen hat. Er sagt: „Nehmt nun das Talent von ihm und gebt es dem, der die zehn Talente hat; denn jedem, der hat (seine Talente genutzt hat), wird gegeben werden, und er wird Überfluss haben; von dem aber, der nicht hat (der sein Talent nicht genutzt hat), von dem wird selbst was er hat weggenommen werden. Und den unnützen Knecht werft in die äußerste Finsternis: Da wird sein das Weinen und das Zähneknirschen“ [Verse 28-30]. Die äußere Finsternis, von der hier die Rede ist, steht im Gegensatz zum inneren Licht des heiligen Ortes der Gnade, der Gemeinschaft und der Unterweisung durch Gott, symbolisiert durch die Stiftshütte. Die Prüfung kommt bei der Rückkehr des Meisters. Dann werden die treuen Diener in vollere Freuden und Vorrechte und Segnungen eingehen, während die untreuen in die äußere Finsternis des Irrtums und der Unwissenheit über Gottes Pläne und Wege gehen werden, die die Welt im Allgemeinen umhüllt, und ihre vernachlässigten Gelegenheiten für reichlicheren Dienst werden als Belohnung denen zuteil, die bereits ernsthaft und aktiv sind und deren reichliche Arbeit zur rechten Zeit reichlich belohnt werden wird.
Wenn wir also die Lehre unseres Herrn betrachten, erkennen wir, dass unsere einzige Sicherheit als Söhne Gottes und Miterben Christi darin besteht, aktiv im Dienst der Wahrheit zu stehen. Nun gut, sagt jemand, ich sehe nur sehr wenige, die das tun. Das ist wahr: Nur wenige werden es tun. Aber diese wenigen sind die Juwelen des Herrn. Gehörst du zu ihnen? Ah, das ist der Punkt, über den man nachdenken muss. Ganz gleich, wie wenige es sind oder ob du jemals solche gesehen oder gekannt hast, das ändert nichts an den Bedingungen unserer Berufung. Dies ist der Weg: Wandelt darin. Mindestens einer ist ihn schon gegangen. Suche nach Seinen Fußspuren und folge Ihm, und „Er wird Stärke geben seinem Volk“, auch wenn du allein gehst, wie Er es tat, ohne die jubelnde Gesellschaft von Mitreisenden.
Aber glaube nicht, dass du allein auf diesem schmalen Weg unterwegs bist. Der Herr hat jetzt ein geweihtes Volk, eine treue Schar von Dienern, die mit jedem geweihten Talent beharrlich ihren Weg auf dem schmalen Weg gehen. Wir kennen einige von ihnen mit ihrem Namen und ihrem Charakter und aufgrund ihrer beständigen und fortschreitenden Tätigkeit in diesem gesegneten Werk. Nicht viele von ihnen haben fünf Talente, aber eine ganze Reihe hat zwei oder drei, und einige nur eines. Still und unauffällig gehen sie Tag für Tag umher und predigen die wunderbaren Worte des Lebens, und Gott ist mit ihnen und führt sie weiter. Ihre Herzen sind voller Freude und Hoffnung, und sie werden inmitten aller Gefahren dieses bösen Tages sicher bewahrt. Niemand hat ein so deutliches Verständnis und eine so deutliche Wertschätzung der Wahrheit wie diejenigen, die sich ganz in ihren Dienst gestellt haben. Alle, die das Rennen erfolgreich bestreiten wollen, sollten auf ihren Eifer und ihre Tatkraft im Werk des Herrn achten. Wenn wir unser einziges oder unsere vielen Talente unter einer Last weltlicher Sorgen und Belastungen begraben, die vermieden oder beiseite geschoben werden könnten; wenn wir sie unter weltlichen Ambitionen für uns selbst oder unsere Familie begraben – sei es, indem wir geweihte Zeit für Wissenschaft, Philosophie, Musik oder Kunst verschwenden; oder für Geschäfte, Politik oder Vergnügungen; oder indem wir unseren Stolz und unsere Begierden verwöhnen – dann werden wir als untreue Diener früher oder später in die äußerste Finsternis gehen [Manna vom 18. Januar, Hervorhebung von uns], indem wir in manche der Fallstricke dieses „bösen Tages“ geraten und immer weiter in den Irrtum und weg von der Wahrheit geführt werden.
Man beachte wohl, dass es nicht darum geht, dass solche untreuen Diener in die äußerste Finsternis, in den Irrtum geraten könnten: Es geht darum, dass dies zwangsläufig geschieht. Die Befehle des Herrn sind unmissverständlich und entschlossen: „Werft den unnützen Knecht hinaus in die äußerste Finsternis“. Das Licht, das jetzt leuchtet, ist nicht für die Untreuen, sondern für die treuen Diener; und ganz gleich, wie deutlich die Untreuen die tiefen Dinge Gottes gesehen und verstanden haben mögen, und ganz gleich, wie sehr sie sich daran erfreut haben mögen, wenn sie sie nicht so geliebt haben, dass sie ihnen gedient und ihre Bequemlichkeiten für sie geopfert haben, sind sie ihrer unwürdig und müssen in die äußere Finsternis der Welt im Allgemeinen hinausgehen. Bei diesen wie bei der Welt wird die Enttäuschung über Theorien und Pläne in der großen Zeit der Drangsal bald das vorhergesagte Weinen und Zähneknirschen mit sich bringen.
Es ist in der Tat bemerkenswert, dass wir in keinem einzigen Fall erlebt haben, dass jemand, der sehr aktiv und voll und ganz in das Werk des Herrn eingebunden war und dessen einziges Ziel und Bestreben es war, die Wahrheit zu verkünden und andere damit zu segnen, von der Wahrheit abgekommen ist und in die Fallstricke dieser gefährlichen Zeiten geraten ist. Zu solchen sagt der Herr: „Meine Gnade genügt dir“ [2. Kor. 12:9] – „Ihr werdet niemals fallen. Denn so wird euch reichlich dargereicht werden der Eingang in das ewige Reich unseres Herrn und Heilandes Jesus Christus“ [2. Petr. 1:10, 11].
Lasst uns also, meine Geliebten, das Wort „HINGABE” zu unserem Leitwort während dieses Jahres machen; und lasst jeden von uns die gnädige VERHEISSUNG in sein Herz schreiben: „Der Herr wird Stärke geben seinem Volk”. Lasst uns treu „Sein Volk” sein, und lasst uns ernsthaft die verheißene Kraft begehren und treu nutzen. Treu ist der, der es verheißen hat, der es auch tun wird [1. Thes. 5:24]. Wenn euch also die Kraft fehlt, eure Talente treu einzusetzen, dann liegt die Schuld bei euch, nicht bei Gott. Entweder liegt euch Sein Dienst nicht genug am Herzen, oder ihr nutzt die Kraft, die Er euch gibt, nicht. „Der Herr wird Stärke geben seinem Volk“ – Seinen vertrauensvollen, treuen Dienern – denen, die die ihrem Herrn geweihten Talente zu Seinem Lob einsetzen, wie viele oder wie wenige diese Talente auch sein mögen. R1281-1282